Sterbehilfe "Ich bin gegen Verbote"Seite 4/4
ZEIT: Die Menschen lassen sich heute schneller scheiden, und sie möchten leichter sterben. Beides ist heute akzeptierter als früher. Stehen Sie an der Spitze einer gesellschaftlichen Entwicklung?
Frei: Das ist jetzt aber ein gewagter Vergleich. Die Scheidungsrate nimmt zu, weil sich die ökonomische Situation der Frauen verbessert hat, aber auch, weil die Leute heute schneller den Bettel hinschmeißen. Die Leute haben heute keine Geduld mehr miteinander.
ZEIT: In der Schweiz versuchen pro Jahr 67.000 Menschen, sich das Leben zu nehmen. Wie erklären Sie sich diese hohe Zahl?
Frei: Auch wenn die Zahl in ihrer Absolutheit erschreckt, ist sie nicht höher als in anderen westlichen Ländern. Aber wir von Exit führen pro Jahr rund 1500 Gespräche mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen, und wir begleiten rund 200 Menschen pro Jahr in den Tod. Sie sehen also, dass wir vor allem Suizide verhindern – indem wir zuhören. Was Ärzte aus zeitlichen Gründen heute oft nicht mehr können.
ZEIT: Exit macht also die Drecksarbeit, die die andern nicht mehr machen wollen oder können.
Frei: Das ist doch keine Drecksarbeit! Der Selbsthilfeverein Exit ist jetzt 28 Jahre alt. Die Zunahme der Mitgliederzahlen auf heute 54.000 zeigt mir, dass es ein Bedürfnis für unsere Arbeit gibt.
ZEIT: Finden Sie, unsere Gesellschaft gehe heuchlerisch mit dem Tod um?
Frei: Das ist wieder eine Wertung. Aber wir verdrängen den Tod – auch wenn er uns alle ereilen wird. Gleichzeitig ist der medizinische Fortschritt enorm. Es gibt Ärzte, die mir sagen, man werde eines Tages den Krebs überwinden. Dann kommt halt was anderes. Denn irgendwann sterben wir alle. Also wird es Organisationen wie Exit immer brauchen.
ZEIT: Sie haben öffentlich gemacht, dass Ihre Mutter an Alzheimer leidet. Wann ist bei Ihnen die Grenze erreicht, wo Sie sagen: Jetzt könnte Exit meiner Mutter die Leidenszeit verkürzen?
Frei: Sie hatte ganz tolle Jahre, auch dank Medikamenten. Jetzt ist sie in einem Pflegeheim, wo sie sich wohl fühlt. Aber es gibt Momente, in denen sie merkt, dass etwas nicht stimmt. Das ist sehr schwierig.
ZEIT: Was können Sie tun?
Frei: Ich nehme ihr alles ab, was möglich ist. Aber das langsame Sterben kann ich ihr nicht abnehmen. Sie ist zwar Exit-Mitglied, aber Sterbehilfe war für sie kein Thema, als sie noch urteilsfähig war. Und deshalb ist es auch für mich kein Thema. Für mich selbst aber weiß ich jetzt: Sollte ich je an Alzheimer erkranken, werde ich meinem Leben ein Ende setzen.
ZEIT: Wie ertragen Sie das Schicksal Ihrer Mutter?
Frei: Das tut sehr weh. Aber der Mensch wächst auch an dem, was nicht schön ist.
- Datum 02.09.2010 - 15:33 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 26.08.2010 Nr. 35
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Ein sehr voreingenommenes Interview.
Unterstellungen pur, es wird versucht Frau Frei in eine bestimmte Richtung zu lenken, ihre Erfahrung und Motive werden auf eine pervertierte Art hinterfragt und angezweifelt.
Sehr traurig.
Ich finde diesen Artikel "schön", soweit man dies für einen Artikel, der sich um Sterbehilfe dreht, sagen kann.
Die Fragen sind gut vorbereitet und interessant- und genauso hart, wie sie in der Realität auch immer wieder gestellt werden- ohne jegliches Schönreden, ohne Heuchlerei und sehr sachlich.
Und ich finde es bewundernswert, wie gefasst Frau Frei antwortet- man merkt, dass sie sich über ihre Aufgabe Gedanken macht und ihrer Position anscheinend auch sehr gerecht wird.
Ein wirklich gelungener Artikel, ich kann mich dem Poster des ersten Beitrages also nicht anschließen.
Das Thema an sich ist traurig, aber wichtig und notwendig - Schönreden kann man das Sterben nicht, aber es den Betroffenen so schön wie möglich machen.
Und dieser Artikel kommt Gottseidank ohne jegliche Klischees aus, sondern basiert auf Tatsachen.
Danke! :)
Wer also sein Leben schneller überführen möchte in das was danach kommt der sollte nicht den Gesetzgeber rufen sondern es einfach tun. http://freigeldpraktiker....
Ich unterstelle EXIT auf keinen Fall niedere Beweggründe und unter der Annahme, dass ein Weiterleben nur Schmerz ohne Hoffnung bedeutet, wäre Sterbehilfe eine verlockende Alternative.
Dennoch lehne ich Sterbehilfe kategorisch ab.
Was unterscheidet den liebeskranken Teenager, für den das Leben keinen Sinn macht, von einem sterbenskranken Greis? Beide Leben können sich nicht lebenswert gestalten. Warum sollte dann dem Teenager nicht geholfen werden, dem Greis aber schon? Was ist mit jungen Querschnittsgelähmten? Oder hoffnungslos krebskranken Kindern? Menschen mit extremen Depressionen? Müsste man Selbstmördern, die es wirklich ernst meinen und Ihr Leben auf jeden Fall beenden werden dann nicht auch helfen? Ihnen den Medikamentenmix reichen und sie nicht so alleine sterben lassen wie am Bahnübergang/Autobahn/Brücke?
Die Gefahr des Missbrauchs ist zu groß. Woher kommt der Wunsch nach dem Ende? Liegt es vielleicht auch daran, dass eventuell Kinder und Verwandte sich nicht um den alten Menschen kümmern wollen/können? Wäre ein Weiterleben, auch unter Schmerzen, vielleicht willkommen, wenn die Einsamkeit nicht wäre? Das Gefühl, zur Last zur fallen?
So wird das Gefühl vermittelt, das DANACH der Schmerz aufhört. Wenn man an ein Leben DANACH glaubt, keine schlechte Sache. Aber was, wenn man nur dieses eine, vielleicht unerträglich schmerzerfüllte Leben hat und DANACH nichts kommt? Findet da nicht eher das Umfeld des Sterbenden Frieden?
Wer kann das objektiv entscheiden?
Der "liebeskranke Teenager" macht eine Phase durch- dauert's ihm zu lange und er will wirklich nicht mehr leben, wird er sich das Leben nehmen, wenn dies der für ihn einzige Ausweg ist. Will er das tun, so muss er diesen Weg selbst gehen, ohne eine Sterbehilfe an seiner Seite. Denn: dieser Teenager hat noch Optionen, die sein Leben auch weiterhin lebenswert machen.
Meine Schwester begleitete berufsbedingt eine knapp 30jährige Frau, die voller Metastasen im Körper gewesen ist, auf ihre letzten Tage. Sie quälte sich und wollte nicht mehr leben, die Heilung natürlich unmöglich und das Leben unter qualvollen Schmerzen nicht mehr möglich. Sie hoffte jeden Tag, endlich zu sterben. Nach etlichen Monaten der Qual war es denn endlich vor 2Wochen so weit. Meine Schwester war froh, dass der Leidensweg dieser Patientin endlich zu Ende war- dennoch wünschte sich die Frau sehnlichst schon vor Monaten, dass man sie doch bitte erlösen soll.
Wieso musste das Ganze so lange dauern?! Sie litt, sie litt Monate, fast 2Jahre- ohne jegliche Möglichkeit einer Verbesserung.
Und dies wollen Sie mit einem liebeskranken Teenager vergleichen??
Und zu Querschnittsgelähmten etc: Wie geschrieben, lesen Sie das Interview nochmal. Es geht um Einzelfallentscheidungen, persönliche Gespräche und (Aus)Wege, die genau besprochen werden.
Pauschalisieren Sie nicht!
Und denken Sie an sich selbst: Wäre Ihr Leben unter Qualen ohne Aussicht auf Besserung, also jämmerliches Dahinvegetieren, noch sinnvoll? Meins nicht.
Der "liebeskranke Teenager" macht eine Phase durch- dauert's ihm zu lange und er will wirklich nicht mehr leben, wird er sich das Leben nehmen, wenn dies der für ihn einzige Ausweg ist. Will er das tun, so muss er diesen Weg selbst gehen, ohne eine Sterbehilfe an seiner Seite. Denn: dieser Teenager hat noch Optionen, die sein Leben auch weiterhin lebenswert machen.
Meine Schwester begleitete berufsbedingt eine knapp 30jährige Frau, die voller Metastasen im Körper gewesen ist, auf ihre letzten Tage. Sie quälte sich und wollte nicht mehr leben, die Heilung natürlich unmöglich und das Leben unter qualvollen Schmerzen nicht mehr möglich. Sie hoffte jeden Tag, endlich zu sterben. Nach etlichen Monaten der Qual war es denn endlich vor 2Wochen so weit. Meine Schwester war froh, dass der Leidensweg dieser Patientin endlich zu Ende war- dennoch wünschte sich die Frau sehnlichst schon vor Monaten, dass man sie doch bitte erlösen soll.
Wieso musste das Ganze so lange dauern?! Sie litt, sie litt Monate, fast 2Jahre- ohne jegliche Möglichkeit einer Verbesserung.
Und dies wollen Sie mit einem liebeskranken Teenager vergleichen??
Und zu Querschnittsgelähmten etc: Wie geschrieben, lesen Sie das Interview nochmal. Es geht um Einzelfallentscheidungen, persönliche Gespräche und (Aus)Wege, die genau besprochen werden.
Pauschalisieren Sie nicht!
Und denken Sie an sich selbst: Wäre Ihr Leben unter Qualen ohne Aussicht auf Besserung, also jämmerliches Dahinvegetieren, noch sinnvoll? Meins nicht.
Der "liebeskranke Teenager" macht eine Phase durch- dauert's ihm zu lange und er will wirklich nicht mehr leben, wird er sich das Leben nehmen, wenn dies der für ihn einzige Ausweg ist. Will er das tun, so muss er diesen Weg selbst gehen, ohne eine Sterbehilfe an seiner Seite. Denn: dieser Teenager hat noch Optionen, die sein Leben auch weiterhin lebenswert machen.
Meine Schwester begleitete berufsbedingt eine knapp 30jährige Frau, die voller Metastasen im Körper gewesen ist, auf ihre letzten Tage. Sie quälte sich und wollte nicht mehr leben, die Heilung natürlich unmöglich und das Leben unter qualvollen Schmerzen nicht mehr möglich. Sie hoffte jeden Tag, endlich zu sterben. Nach etlichen Monaten der Qual war es denn endlich vor 2Wochen so weit. Meine Schwester war froh, dass der Leidensweg dieser Patientin endlich zu Ende war- dennoch wünschte sich die Frau sehnlichst schon vor Monaten, dass man sie doch bitte erlösen soll.
Wieso musste das Ganze so lange dauern?! Sie litt, sie litt Monate, fast 2Jahre- ohne jegliche Möglichkeit einer Verbesserung.
Und dies wollen Sie mit einem liebeskranken Teenager vergleichen??
Und zu Querschnittsgelähmten etc: Wie geschrieben, lesen Sie das Interview nochmal. Es geht um Einzelfallentscheidungen, persönliche Gespräche und (Aus)Wege, die genau besprochen werden.
Pauschalisieren Sie nicht!
Und denken Sie an sich selbst: Wäre Ihr Leben unter Qualen ohne Aussicht auf Besserung, also jämmerliches Dahinvegetieren, noch sinnvoll? Meins nicht.
Ich habe nichts gegen sachliche Diskussionen.
Wenn man aber anfängt höchst subjektive Aussagen aufzustellen, die nicht nur beliebig interpretiert werden können (Aufleuchten der Augen), sondern vom Leser auch nicht überprüfbar sind, frage ich mich doch, was ich da eigentlich lese.
Ein Interview sollte natürlich kritisch geführt werden, doch mit ihren doch teilweise unverschämten Behauptungen begeben sie sich auf Bild-Niveau.
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