Dresdener Kulturleben Die bürgerliche Revolution

Aus den Villen erklingt Hausmusik, Eltern vererben Konzertabos an ihre Kinder, das Volk schiebt sich durch Galerien und Museen. In Dresden blüht die klassische Kultur wie nirgends sonst in Deutschland. Was hat die Stadt, das andere Städte nicht haben?

Aus der Tiefe des Raumes erhebt sich der Klang des Cellos, schwingt sich empor, mischt sich mit dem Sturmlauf des Klaviers und der Viola.

Draußen fließt die Elbe hinter Glas, die Gäste geben sich dem Musikerlebnis hin. Vielleicht haben sie das Trio für Bratsche, Cello und Klavier von Johannes Brahms selten so eindringlich gehört. Oder den subtilen Klangzauber EspaceI von Isang Yun. Und wie die jungen Virtuosen Schuberts Klaviertrio von null auf Opus 100 bringen, das Werk in Energie verwandeln, das ist große Kunst.

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Hausmusik bei Heinemann. Geladene Gäste auf weiß überzogenen Klappstühlen, Intendanten, Ärzte, Wissenschaftler, Musiker. Die kulturelle Elite der Stadt Dresden hört einer hochkarätigen Besetzung zu: Der Pianist Andreas Hering hat internationale Preise gewonnen, Barbara Buntrock ist erste Solobratscherin beim Leipziger Gewandhausorchester, Erik Schumann ein gefragter, vielfach ausgezeichneter Violinist und Isang Enders erster Konzertmeister bei den Cellisten der Staatskapelle Dresden.

Stefan Heinemann hat gern Gäste. Der Rechtsanwalt, Kunsthistoriker und Musikwissenschaftler, 1951 in Mönchengladbach geboren, kam 1991 nach Dresden. Das Grundstück an der Elbe hat er von der Bundesvermögensverwaltung ersteigert. Der Architekt Jens Zander hat das »haus h« dorthin gesetzt, sehr coole Architektur als Kontrapunkt zum Spalier denkmalgeschützter Schlösser und Villen. »Wenn man einmal hier ist, dann bleibt man auch«, sagt er. An den Wänden hängt Kunst der Gegenwart, darunter die junger Dresdner, die der Hausherr fördert. Der Wohnraum, der zum Konzertsaal taugt, beeindruckt mit einer sieben Meter hohen Bücherwand und einem mächtigen Kamin.

Der Anwalt der Künste ist die Idealbesetzung eines kultivierten Dresdner Neubürgers, unterstützt die Moritzburger Festspiele und die Skulpturensammlung im Albertinum, gründete das »Forum Kunst der Gegenwart«, ist Vorsitzender der Dresdner Kinderhilfe e.V. und unterstützt den Jugendhilfefonds »Aufwind« für Kinder und Jugendliche.

Vermutlich gibt es keine Stadt in Deutschland, in der Vergleichbares geschieht. Ist es der Aufbruch in ein neues bürgerliches Zeitalter? Steht hier eine Rekultivierung der Werte an, die im Jahrhundert der Katastrophen verloren gingen? Warum gerade in Dresden? Warum entwickeln Zugewanderte eine so intensive, zupackende Beziehung zu ihrer neuen Heimat? Was hat es zu bedeuten, wenn der Stardirigent Christian Thielemann von München nach Dresden wechselt? Und wie passt all das mit der Aberkennung des Titels »Weltkulturerbe« zusammen? Warum votieren die Dresdner in einer Volksabstimmung für eine neue Brücke, die das schöne Bild des Elbtals für alle Zeiten verschandelt? Die Nachrichtenlage ist widersprüchlich. Was ist los in dieser Stadt? Was macht ihr Selbstbewusstsein aus? Was hat Dresden, das andere Städte nicht haben?

Kultur ist das Leitmotiv. Die Landeshauptstadt des Freistaates Sachsen pflegt ihr Image als Museumsinsel kultivierter Tradition, als Barockstadt, als Wiege der Romantik, als Stadt der Künste. Und die bürgerliche Gesellschaft spielt mit. Lions Club und Rotarier, akademische Netzwerke und ehemalige Kreuzchorknaben investieren ins kulturelle Leben. Stammtische und Fördervereine widmen sich den schönen Künsten, der Literatur und dem sozialen Engagement.

»Die Stadt ist verrückt nach Musik«, sagt der Cellist Isang Enders, »vor allem Dresdens Ärzte. Professor Sebastian Schellong zum Beispiel, Chef der Inneren Medizin am Krankenhaus Friedrichstadt, der hervorragend Cello spielt.« Beim Internisten gibt es Hausmusik schon am Vormittag, und es kommt vor, dass der letzte Ton erst morgens um vier verklingt. Bei größerem Interesse verlegt man sich in die Öffentlichkeit, dann pilgern Dresdens Musikfreunde zum Hauskonzert in den Piano-Salon Kirsten hinter der Frauenkirche, um ein Quartett zu hören, dessen Mitwirkende allesamt den Prof. Dr. im Namen führen.

Zwischen der Intensivpflege akademischer Hochkultur und dem großformatigen Klassikentertainment als Medien-Event liegen in Dresden nur wenige Straßenbahnhaltestellen: Zum Jahresbeginn erlebte die Stadt Kaiserwalzer und Public Viewing für einige Tausend Menschen auf dem frostkalten Theaterplatz. Die Bilder gingen um die Welt. Im vergangenen Jahr war Wladimir Putin als Stargast zum 1,3 Millionen Euro teuren SemperOpernball eingeladen. Der Russe durfte aus der Hand des CDU-Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich einen »Sächsischen Dankesorden« entgegennehmen, was hinter den Kulissen zu einigen Unruhen geführt hat, denn Putin hatte auf dieser protokollarisch bedeutsamen Geste bestanden.

Eventkultur, das wusste schon August der Starke, kann sich schon mal im Größenwahn verlieren. Der Kurfürst von Sachsen war nicht frei davon, hatte allerdings ein Gespür für Qualität. Einer der Gründe, warum er ständig Probleme mit den Staatsfinanzen hatte. Der andere: Es gab nicht genug Steuerzahler. An der Schwelle zum 18. Jahrhundert lebten in Dresden 21298 Einwohner, doch nur 1779 Stadtbewohner hatten das Bürgerrecht.

Erst 100 Jahre später begann sich akademisches Bürgertum zu etablieren, Beamte und Gelehrte, Verleger, Buchhändler, Autoren, Geistliche und Ärzte. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg war Dresden eine der reichsten Industriestädte Europas, eine Stadt der Millionäre und der Künste. Doch schnell fiel Dresden unter die Barbaren, organisierten Nazis die erste Ausstellung Entartete Kunst, trieben SA-Leute den liberalen Dirigenten Fritz Busch, Generalmusikdirektor der Semperoper, vom Pult. Vor allem die bürgerlichen Viertel wählten die NSDAP. »Die Allianz mit den Nazis war der Höllensturz des Bürgertums«, sagt Hans-Peter Lühr, Herausgeber der Dresdner Hefte, die seit 1983 Kultur und Geschichte der Stadt aufarbeiten.

Die Nazis vertrieben oder vernichteten das jüdische Bürgertum. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches enteigneten die Kommunisten das verbliebene Besitzbürgertum und sprengten Kulturdenkmäler wie die Ruine der Sophienkirche, die den Bombenangriff von 1945 überstanden hatte. »Eine sozialistische Stadt braucht keine gotischen Kirchen«, fand Walter Ulbricht, der Generalsekretär im SED-Zentralkomitee der DDR. Nur die schlitzohrige Sturheit und das typisch Dresdner Beharrungsvermögen mutiger Konservatoren und Denkmalpfleger rettete einige Restposten bedrohter Kulturdenkmäler über die Zeit. Zugleich hofierte die Staatsmacht der DDR in den Jahren bis zum Mauerbau die Intelligenz, um sie im Lande zu halten. Die Gründung eines Klubs der Kulturschaffenden wurde genehmigt, der spätere »Klub der Intelligenz Victor Klemperer«. Das noble Lingnerschloss am Elbhang in Loschwitz war Sitz des Klubs.

Leser-Kommentare
  1. "Im Zentrum der Stadt hatte Dresdens Oberbürgermeisterin, Helma Orosz von der CDU, zu einer Menschenkette aufgerufen, an der sich rund 15.000 Menschen beteiligten. Ein historischer Tag. Zum ersten Mal hatte sich Dresdens Bürgertum offen gegen die braunen Invasoren gestellt, Seite an Seite mit der alternativen Szene. Nur die Elbe lag dazwischen, als Grenze des Erlaubten."

    ... war diese Kette in der Altstadt unterwegs - die Blockade in der Neustadt wurde von anderen Leute erzwungen... das war auch gut so!

    p.s. CDU mit ihrer OB wollte doch jahrelang am besten gar keine richtige Gegendemo sondern nur ein "stummes Schweigen um den Rechten keine Angriffsfläche zubieten" - die haben so gar keinen Anteil am Verhindern des rechten Marsches!

    • gee81
    • 30.08.2010 um 19:16 Uhr

    Inzwischen hat er sich eingelebt, aber zu Hause fühlt er sich nicht. »Dresden hat ein Toleranzproblem«, sagt Enders. »Es gibt kaum Ausländer hier, nur etwa 20.000, bei einer halben Million Einwohnern sind das gerade mal vier Prozent. Die Stadt lebt von ihren Gästen, hält es aber nicht aus, wenn Menschen anders aussehen.« .. Genauso empfinden meine Freudin und auch ich diese Stadt, deshalb ziehen wir nun wieder nach West-Deutschland zurück. Eine Stadt wo es nicht einmal einen gescheiten Döner gibt, und wo Ausländer grundlos zusammengeschlagen werden, hat für mich keine Kultur, egal ob sie tagein und tagaus "Kultur" aus dem 18.Jh nachzuspielen versucht. Die Menschen machen Kultur, und eine Kultur aus elitären Snobs, die sich auf Privatevents abschotten, wärend der grossteil der Bevölkerung hier biertrinkend und wurstfressend vor der Glotze abhängt ist mir auf dauer einfach zu niveaulos. Kultur lebt vom ausstausch mit neuen, mit fremden Ideen, und das ist hier einfach nicht gegeben.

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    Döner muss ich widersprechen - als ich noch in Dresden unterwegs war, konnte man im Babos in der Neustadt hervorragenden Döner bekommen - sehr viel besseren als jetzt in Braunschweig ;)

    das Toleranz-Problem existiert natürlich, aber ich bezweifle, dass die Mehrheit so denkt... (wobei das natürlich natürlich je nach Stadtteil auch wieder unterschiedlich sein kann)
    nur diese Menschen, die ein Problem mit unterschiedlichen Nationalitäten haben, treten jedoch sehr laut und gewalttätig auf - was wiederum von der Politik komplett ignoriert wird...
    p.s. auch wenn intollerantes bzw. rechtslastiges Denken im Westen Deutschlands nicht so laut nach außen getragen wird, existiert das Problem trotzdem auch dort... für mich ein bundesdeutsches Problem, das gerne verleugnet wird - und "nur" weil es im Osten zu mehr rechten Gewalttaten kommt, darf man das Problem darauf nicht redzieren, sondern muss es ernst nehmen als Problem in den Köpfen...

    ansonsten vllt ein etwas lokalpatriotischer Artikel - der mir trotzdem gut gefällt und nett zu lesen ist!

    • tota
    • 30.08.2010 um 22:44 Uhr

    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde inzwischen moderiert. Die Redaktion/cs

    • gee81
    • 02.09.2010 um 14:35 Uhr

    Wir haben Ihren berichtigten Einwand zur Kenntnis genommen und den Kommentar wiederhergestellt. Die Redaktion/sh

    "»Dresden hat ein Toleranzproblem«, sagt Enders. »Es gibt kaum Ausländer hier, nur etwa 20.000, bei einer halben Million Einwohnern sind das gerade mal vier Prozent. Die Stadt lebt von ihren Gästen, hält es aber nicht aus, wenn Menschen anders aussehen.«"

    Wenn Enders so etwas sagt, dann hat er ein Wahrnehmungsproblem, oder er lügt bewußt. Dresden hat inzwischen nicht mehr nur 20.000, sondern mindestens 50.000 Einwohner mit nichtdeutscher Herkunft, also etwa 10 %, von denen man das vielen auch äußerlich ansieht und die friedlich und unbehelligt in der Stadt wohnen.

    "Isang Enders sieht anders aus. Seine Mutter ist Koreanerin. Es gibt Straßen und Viertel in Dresden, die er meidet. Er steigt in keine Straßenbahn, nimmt keinen Bus. Als er ins Theater ging, wurde er als »Fidschi« verhöhnt."

    Da hätten die Dresdner viel zu tun, würden sie sich tatsächlich über jeden Ausländern oder Menschen nichtdeutscher Herkunft mokieren.

    "Als er am Hauptbahnhof in ein Taxi stieg, pöbelten ein paar Leute, weil der Fahrer den »Kanaken« mitnahm, statt erst mal die Deutschen einsteigen zu lassen."

    Offen gestanden: Ich glaube nicht, daß Enders so etwas regelmäßig oder des öfteren passiert ist. Wenn überhaupt. Dumpfbacken gibt es sicher überall. Aber diese Darstellung der Dresdner ist eine böswillig pauschalisierende und diffamierende Verzerrung.

    "Es gibt Momente, in denen Isang Enders sich schämt, ein Deutscher zu sein."

    Daher weht der Wind.

    Döner muss ich widersprechen - als ich noch in Dresden unterwegs war, konnte man im Babos in der Neustadt hervorragenden Döner bekommen - sehr viel besseren als jetzt in Braunschweig ;)

    das Toleranz-Problem existiert natürlich, aber ich bezweifle, dass die Mehrheit so denkt... (wobei das natürlich natürlich je nach Stadtteil auch wieder unterschiedlich sein kann)
    nur diese Menschen, die ein Problem mit unterschiedlichen Nationalitäten haben, treten jedoch sehr laut und gewalttätig auf - was wiederum von der Politik komplett ignoriert wird...
    p.s. auch wenn intollerantes bzw. rechtslastiges Denken im Westen Deutschlands nicht so laut nach außen getragen wird, existiert das Problem trotzdem auch dort... für mich ein bundesdeutsches Problem, das gerne verleugnet wird - und "nur" weil es im Osten zu mehr rechten Gewalttaten kommt, darf man das Problem darauf nicht redzieren, sondern muss es ernst nehmen als Problem in den Köpfen...

    ansonsten vllt ein etwas lokalpatriotischer Artikel - der mir trotzdem gut gefällt und nett zu lesen ist!

    • tota
    • 30.08.2010 um 22:44 Uhr

    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde inzwischen moderiert. Die Redaktion/cs

    • gee81
    • 02.09.2010 um 14:35 Uhr

    Wir haben Ihren berichtigten Einwand zur Kenntnis genommen und den Kommentar wiederhergestellt. Die Redaktion/sh

    "»Dresden hat ein Toleranzproblem«, sagt Enders. »Es gibt kaum Ausländer hier, nur etwa 20.000, bei einer halben Million Einwohnern sind das gerade mal vier Prozent. Die Stadt lebt von ihren Gästen, hält es aber nicht aus, wenn Menschen anders aussehen.«"

    Wenn Enders so etwas sagt, dann hat er ein Wahrnehmungsproblem, oder er lügt bewußt. Dresden hat inzwischen nicht mehr nur 20.000, sondern mindestens 50.000 Einwohner mit nichtdeutscher Herkunft, also etwa 10 %, von denen man das vielen auch äußerlich ansieht und die friedlich und unbehelligt in der Stadt wohnen.

    "Isang Enders sieht anders aus. Seine Mutter ist Koreanerin. Es gibt Straßen und Viertel in Dresden, die er meidet. Er steigt in keine Straßenbahn, nimmt keinen Bus. Als er ins Theater ging, wurde er als »Fidschi« verhöhnt."

    Da hätten die Dresdner viel zu tun, würden sie sich tatsächlich über jeden Ausländern oder Menschen nichtdeutscher Herkunft mokieren.

    "Als er am Hauptbahnhof in ein Taxi stieg, pöbelten ein paar Leute, weil der Fahrer den »Kanaken« mitnahm, statt erst mal die Deutschen einsteigen zu lassen."

    Offen gestanden: Ich glaube nicht, daß Enders so etwas regelmäßig oder des öfteren passiert ist. Wenn überhaupt. Dumpfbacken gibt es sicher überall. Aber diese Darstellung der Dresdner ist eine böswillig pauschalisierende und diffamierende Verzerrung.

    "Es gibt Momente, in denen Isang Enders sich schämt, ein Deutscher zu sein."

    Daher weht der Wind.

  2. Die meisten Menschen in Dresden sind gebürtige Dresdner, welche einen Großteil ihres Lebens in dieser Stadt verbrachten. Durch die Lage Dresdens, gab es hier knapp 40 Jahre lang kein Westfernsehen. Kein Wunder, dass viele Menschen in dieser Stadt immer noch misstrauisch sind, gegenüber Fremden. Woher sollte es auch kommen. Wer in der DDR eingesperrt war, war dies in Dresden im doppelten Sinne. Die Grenzen die sich in manchen Köpfen in dieser Zeit aufbauten, konnten bisher nicht eingerissen werden. Den Ausdruck „Fidschi“ hört man hier fast täglich. Damit sind die Vietnamesen gemeint, die in den 80zigern die Wirtschaft in der DDR ankurbeln sollten. Die Diskriminierung in dieser Äußerung nimmt hier kaum einer wahr.

    Dass sich in Dresden etwas ändert, kann man nur hoffen. Die Stadt besitzt potential, auch ohne Weltkulturerbetitel. Erste Anzeichen sieht man hier und dort. Doch leider gibt es in dieser Stadt immer noch zu viele „alte Kader“ die mit alten Werten die Stadt beeinflussen.

    Wer trotzdem einen Nachtbummel durch Dresden genießen möchte, sollte mal hier einen Blick rein werfen.
    http://www.ploync.de/bild...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Die meisten Menschen in Dresden sind gebürtige Dresdner, welche einen Großteil ihres Lebens in dieser Stadt verbrachten."

    Im Unterschied zu den meisten westdeutschen Großstädten. Das hat mit sich gebracht, daß sich Dresden noch seine Eigenarten und seinen Charakter bewahrt hat, und das ist gut so.

    "Durch die Lage Dresdens, gab es hier knapp 40 Jahre lang kein Westfernsehen."

    Ist Ihnen eigentlich schon aufgefallen, daß diese Zeit seit 20 Jahren vorbei ist und seit der Wende schon sehr viel Wasser die Elbe hintergeflossen ist? Übrigens hatte man schon vorher in Teilen der Stadt das Westfernsehen, ist aber in diesem Zusammenhang irrelevant.

    "Kein Wunder, dass viele Menschen in dieser Stadt immer noch misstrauisch sind, gegenüber Fremden."

    Das machen Sie bitte woran fest? Gegenüber Fremden ist man überall zunächst erst einmal zurückhaltend; zur Info, auch wenn es nicht in das eigene multikulturelle Raster paßt: Nicht alles Fremde ist gleich gut, und nicht alles eigene ist schlecht.

    "Den Ausdruck „Fidschi“ hört man hier fast täglich."

    Wenn dieser Ausdruck Ihr einziger Beweis der Fremdenfeindlichkeit der Dresdner sein sollte, ist Ihre Argumentation eher dürftig. Ich als Dresdner gehe durch die Stadt und höre ihn nicht täglich.

    "Die Stadt besitzt potential, auch ohne Weltkulturerbetitel. Erste Anzeichen sieht man hier und dort."

    Man sieht nicht nur erste Anzeichen, und das Potential Dresdens war und ist immer unbestritten. Auch ohne Leute wie Sie.

    "Die meisten Menschen in Dresden sind gebürtige Dresdner, welche einen Großteil ihres Lebens in dieser Stadt verbrachten."

    Im Unterschied zu den meisten westdeutschen Großstädten. Das hat mit sich gebracht, daß sich Dresden noch seine Eigenarten und seinen Charakter bewahrt hat, und das ist gut so.

    "Durch die Lage Dresdens, gab es hier knapp 40 Jahre lang kein Westfernsehen."

    Ist Ihnen eigentlich schon aufgefallen, daß diese Zeit seit 20 Jahren vorbei ist und seit der Wende schon sehr viel Wasser die Elbe hintergeflossen ist? Übrigens hatte man schon vorher in Teilen der Stadt das Westfernsehen, ist aber in diesem Zusammenhang irrelevant.

    "Kein Wunder, dass viele Menschen in dieser Stadt immer noch misstrauisch sind, gegenüber Fremden."

    Das machen Sie bitte woran fest? Gegenüber Fremden ist man überall zunächst erst einmal zurückhaltend; zur Info, auch wenn es nicht in das eigene multikulturelle Raster paßt: Nicht alles Fremde ist gleich gut, und nicht alles eigene ist schlecht.

    "Den Ausdruck „Fidschi“ hört man hier fast täglich."

    Wenn dieser Ausdruck Ihr einziger Beweis der Fremdenfeindlichkeit der Dresdner sein sollte, ist Ihre Argumentation eher dürftig. Ich als Dresdner gehe durch die Stadt und höre ihn nicht täglich.

    "Die Stadt besitzt potential, auch ohne Weltkulturerbetitel. Erste Anzeichen sieht man hier und dort."

    Man sieht nicht nur erste Anzeichen, und das Potential Dresdens war und ist immer unbestritten. Auch ohne Leute wie Sie.

  3. Döner muss ich widersprechen - als ich noch in Dresden unterwegs war, konnte man im Babos in der Neustadt hervorragenden Döner bekommen - sehr viel besseren als jetzt in Braunschweig ;)

    das Toleranz-Problem existiert natürlich, aber ich bezweifle, dass die Mehrheit so denkt... (wobei das natürlich natürlich je nach Stadtteil auch wieder unterschiedlich sein kann)
    nur diese Menschen, die ein Problem mit unterschiedlichen Nationalitäten haben, treten jedoch sehr laut und gewalttätig auf - was wiederum von der Politik komplett ignoriert wird...
    p.s. auch wenn intollerantes bzw. rechtslastiges Denken im Westen Deutschlands nicht so laut nach außen getragen wird, existiert das Problem trotzdem auch dort... für mich ein bundesdeutsches Problem, das gerne verleugnet wird - und "nur" weil es im Osten zu mehr rechten Gewalttaten kommt, darf man das Problem darauf nicht redzieren, sondern muss es ernst nehmen als Problem in den Köpfen...

    ansonsten vllt ein etwas lokalpatriotischer Artikel - der mir trotzdem gut gefällt und nett zu lesen ist!

    Antwort auf "Tolleranzproblem"
  4. Ich kann mich spassmagnet nur anschließen,
    jahrelang haben sich ganz andere Menschen den Nazis in den Weg gestellt, da hat sich dieses hochgelobte Bürgertum nicht blicken lassen. Im alltäglichen, teils lebensgefährlichen Ringen mit Rechts
    müssen sich Engagierte und Menschenrechtler sogar noch als Unruhestifter bezeichnen lassen, und sehen sich Gewalt von rechts und Ignoranz von Polizei und Politik ausgesetzt.

    @gee81
    Dresden ist eine große und vielfältige Stadt, aber sie ist nichts besonderes. Sie ist genauso gut oder schlecht wie andere Städte, egal ob Ost oder West, so jedenfalls meine Erfahrung. Schlechte Döner und Nazis gibt´s auch anderswo. Aber in einem Punkt gebe ich dir recht: die in diesem Artikel beschworene Hochkultur ist tatsächlich elitär und grenzt Menschen, die nicht in diese Kreise geboren wurden, aktiv aus, und verschanzt sich auf Privatveranstaltungen oder erhebt Eintrittsgelder, die sich nur wenige Leisten können oder wollen. Es ist eine kleine Elite, die sich ein eigenes, kleines Kultur-Disneyland erschaffen hat, in dem versucht wird ein fades Abbild des 18. und 19. Jahrhunderts zu konservieren.
    Das zumindest ist mein Bild als gebürtiger Dresdner von meiner Heimatstadt.
    Und mal unter uns: ich hab es satt, wie sich Menschen über diese Stadt äußern, die nur mal hier zu Besuch waren, und uns vorschreiben wollen wie wir zu wählen und zu handeln haben. Ich mische mich auch nicht in Stuttgart oder Hamburg ein.

    • FranL.
    • 30.08.2010 um 21:02 Uhr

    Im Westen gibt es genauso viele rechtsradikale Übergriffe wie im Osten. Aber die Medien berichten eben gern wenn so etwas im Osten passiert, weil das so schön ins Bild paßt. Die Nazis die sich alljährlich im Februar in Dresden versammeln kommen aus ganz Deutschland, auch aus dem Westen und wenn ein Gericht versucht die Naziaufmärsche zu verbieten, gibt ein höheres Gericht den Nazis recht, der rechtliche Spielraum der Stadt ist also denkbar gering. Ich kenne übrigens viele Ossis die wieder aus dem Westen zurückkehrten, gerade weil sie dort diskriminiert wurden. Wenn ein Ossi über Ausländer das sagt was ein Wessi über die Ossis sagt, bekommt er eine Anzeige wegen Volksverhetzung. Die Seilschaften die so beklagt werden, haben kaum noch was mit der SED zu tun, vor allem nicht der sogenannte Sachsensumpf, da sind viele Westimporte dabei.

    Ach ja, die elitäre Kultur, wer in Deutschland klasssische Musik hört und Bücher liest die etwas anspruchsvoller sind als die von Coelho und Hera Lind gilt schon als elitär und abgehoben. Gerade weil ich in einer bildungsbürgerfreien Kleinstadt lebe genieße ich es, wenn ich in Dresden mal wieder mit Menschen sprechen kann die bei Wagner nicht nur an Pizza denken und Heine nicht für den Gründer eines Versandhauses halten.

    • tota
    • 30.08.2010 um 22:44 Uhr

    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde inzwischen moderiert. Die Redaktion/cs

    Antwort auf "Tolleranzproblem"
  5. Der Artikel beschreibt einen Bereich des Lebens in Dresden, der für die meisten Einwohner nicht zur täglich erlebten Realität gehört. Gezeichnet wird hier das Bild einer Stadt, die offensichtlich nur aus kulturell hochgradig interessierten Bürgern besteht. Ein überproportional vorhandenes Interesse in der Bevölkerung ist nicht zu bestreiten. Doch haben diese Bevölkerungsgruppen keinesfalls die kritische Masse, den öffentlichen Raum in der Stadt maßgeblich zu prägen. Denn dazu zählt mehr als nur das historische Stadtzentrum.

    In erheblichen Maße wird rückwärtsgewandte Kulturkonservierung betrieben. Bestes Beispiel ist der neu entstandene "Neumarkt". Neu im wahrsten Sinne des Wortes. Ein wirklich sehr hübsch anzusehendes Stück Stadt. Das leider keinen größeren Nährwert hat, als ein nachgebauter Eiffelturm in Las Vegas. Es dient lediglich zur Ergötzung der Touristen, denen sicher in der Regel nicht bekannt sein dürfte, das sie vor Neubauten stehen, die ihnen eine barockes Stadtbild vorgaukeln sollen. Hier wird sich bequem auf Bewährtes verlassen. Der Blick in die Zukunft fällt komplett aus.

    Diese "neue Architektur" kann man sehr wohl als
    Spiegel der Stimmung in Dresden begreifen. Eine wirklich Lockerheit und ein zukunftsorientiertes Denken ist in großen Bevölkerungsteilen nicht vorzufinden. Ein Toleranzproblem ist nicht von der Hand zu weisen.

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