Dresdener Kulturleben Die bürgerliche RevolutionSeite 5/5

Die Ehrengäste strömen ins Innere des Schlosses, nachtwandeln durch die geheimnisvoll illuminierte »Türckische Cammer« in die Ausstellung mit dem Titel Zukunft seit 1560. In sieben Sälen erleben sie von Adam und Eva von Lukas Cranach bis zu unschätzbaren Leihgaben aus Louvre und Eremitage Kostbarkeiten und Kuriositäten in einmaliger Zusammenstellung. Und eine Wiedervereinigung gibt es auch: Zum ersten Mal seit 420 Jahren wird Dürers aus München hergebrachte Maria als Schmerzensmutter zusammen mit Dürers Sieben Schmerzen Mariä aus Dresdner Besitz in einem Altarbild gezeigt.

Zwei Stunden vor Mitternacht strömt die Bevölkerung in die Schau, der Eintritt ist frei, der Andrang groß, Rentner, Studenten, kritische Sachverständige und verträumte Einzelwesen, niemand fremdelt hier. Draußen hat die stille Lightshow begonnen. Taghell leuchten die Bauten, die schwarze Hofkirche als Königin der Nacht. Und über dem Schloss strahlt die Glaskuppel discoblau.

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Planet Dresden. Ein letzter Blick auf die Sonnenseite. An der Sonnenleite 15, am hohen Ufer der Elbe, haben Barbara Bauer, Juristin aus Hagen in Westfalen, und ihr Mann, der Wirtschaftsanwalt Axel Bauer, 1993 Haus und Grund erworben und das Nachbarhaus mit den vielen Fenstern gleich mit. Es steht im Ruf, das »Tausendaugenhaus« in Uwe Tellkamps Turm zu sein. Einiges passt, einiges nicht. Der Autor hat nicht wenige Häuser in seinem Roman verbaut.

Die Bauers mussten einiges lernen. »Ossis bleiben gern unter sich, man wird nicht eingeladen. Irgendwann ziehen die Wessis sich dann auch zurück. Das ist schade. Aber meine Erfahrung ist: Ich kann jederzeit bei den Nachbarn klingeln. Und wenn ich sage: Ich bin gerade allein, wollen wir nicht zusammen ein Bier trinken?, dann geht das fast immer.«

Barbara Bauer hat einen Skulpturengarten angelegt. Jeder kann ihn sich ansehen. Sie nimmt keinen Eintritt, bittet nur um telefonische Voranmeldung, dann läuten auf ihrem iPhone Kirchenglocken, und die passen zum Gezwitscher der Vögel. Steile Treppen führen hinab in den Skulpturengarten, eher Zauberwald als Freilichtmuseum, verwunschen, schräg und kurvenreich. Objekte aus blinkendem Stahl und schroffem Stein widerstehen sperrig den Umarmungen der Vegetation.

Barbara Bauer zückt eine Fernbedienung, kaltweiße Neonzylinder irrlichtern nach einer verborgenen Choreografie durch die Bäume, eine Maßanfertigung des Dresdner Objektkünstlers Sebastian Hempel. Ein Panther duckt sich ins Unterholz, eine verirrte Schaufensterdekoration aus massiver Bronze, das Werk eines Kunstprofessors. 80 Prozent der Besucher, schätzt Bauer, seien »Ossis«. »Es gibt eine Sehnsucht nach nichtkommerziellem Bildungsbürgertum«, sagt die Sammlerin, »Kunst ist hier wie das Wasser zum Trinken. Bei der Kunst gibt es nicht die Berührungsangst, wie wir sie aus dem Westen kennen.«

Annäherung durch Wandel, kann das gelingen? Bald werde es die Unterschiede zwischen Ost und West nicht mehr geben, davon ist Jürgen Mülder, der Headhunter, überzeugt. »Ich glaube an das Verschmelzen durch Engagement.« Und wie verfährt Stefan Heinemann, der Anwalt der Künste, wenn er seine Einladungen zu Ausstellungseröffnungen schreibt? »Ich habe noch nie darüber nachgedacht. Und ich habe auch nicht vor, das zu tun.«

 
Leser-Kommentare
  1. "Im Zentrum der Stadt hatte Dresdens Oberbürgermeisterin, Helma Orosz von der CDU, zu einer Menschenkette aufgerufen, an der sich rund 15.000 Menschen beteiligten. Ein historischer Tag. Zum ersten Mal hatte sich Dresdens Bürgertum offen gegen die braunen Invasoren gestellt, Seite an Seite mit der alternativen Szene. Nur die Elbe lag dazwischen, als Grenze des Erlaubten."

    ... war diese Kette in der Altstadt unterwegs - die Blockade in der Neustadt wurde von anderen Leute erzwungen... das war auch gut so!

    p.s. CDU mit ihrer OB wollte doch jahrelang am besten gar keine richtige Gegendemo sondern nur ein "stummes Schweigen um den Rechten keine Angriffsfläche zubieten" - die haben so gar keinen Anteil am Verhindern des rechten Marsches!

    • gee81
    • 30.08.2010 um 19:16 Uhr

    Inzwischen hat er sich eingelebt, aber zu Hause fühlt er sich nicht. »Dresden hat ein Toleranzproblem«, sagt Enders. »Es gibt kaum Ausländer hier, nur etwa 20.000, bei einer halben Million Einwohnern sind das gerade mal vier Prozent. Die Stadt lebt von ihren Gästen, hält es aber nicht aus, wenn Menschen anders aussehen.« .. Genauso empfinden meine Freudin und auch ich diese Stadt, deshalb ziehen wir nun wieder nach West-Deutschland zurück. Eine Stadt wo es nicht einmal einen gescheiten Döner gibt, und wo Ausländer grundlos zusammengeschlagen werden, hat für mich keine Kultur, egal ob sie tagein und tagaus "Kultur" aus dem 18.Jh nachzuspielen versucht. Die Menschen machen Kultur, und eine Kultur aus elitären Snobs, die sich auf Privatevents abschotten, wärend der grossteil der Bevölkerung hier biertrinkend und wurstfressend vor der Glotze abhängt ist mir auf dauer einfach zu niveaulos. Kultur lebt vom ausstausch mit neuen, mit fremden Ideen, und das ist hier einfach nicht gegeben.

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    Döner muss ich widersprechen - als ich noch in Dresden unterwegs war, konnte man im Babos in der Neustadt hervorragenden Döner bekommen - sehr viel besseren als jetzt in Braunschweig ;)

    das Toleranz-Problem existiert natürlich, aber ich bezweifle, dass die Mehrheit so denkt... (wobei das natürlich natürlich je nach Stadtteil auch wieder unterschiedlich sein kann)
    nur diese Menschen, die ein Problem mit unterschiedlichen Nationalitäten haben, treten jedoch sehr laut und gewalttätig auf - was wiederum von der Politik komplett ignoriert wird...
    p.s. auch wenn intollerantes bzw. rechtslastiges Denken im Westen Deutschlands nicht so laut nach außen getragen wird, existiert das Problem trotzdem auch dort... für mich ein bundesdeutsches Problem, das gerne verleugnet wird - und "nur" weil es im Osten zu mehr rechten Gewalttaten kommt, darf man das Problem darauf nicht redzieren, sondern muss es ernst nehmen als Problem in den Köpfen...

    ansonsten vllt ein etwas lokalpatriotischer Artikel - der mir trotzdem gut gefällt und nett zu lesen ist!

    • tota
    • 30.08.2010 um 22:44 Uhr

    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde inzwischen moderiert. Die Redaktion/cs

    • gee81
    • 02.09.2010 um 14:35 Uhr

    Wir haben Ihren berichtigten Einwand zur Kenntnis genommen und den Kommentar wiederhergestellt. Die Redaktion/sh

    "»Dresden hat ein Toleranzproblem«, sagt Enders. »Es gibt kaum Ausländer hier, nur etwa 20.000, bei einer halben Million Einwohnern sind das gerade mal vier Prozent. Die Stadt lebt von ihren Gästen, hält es aber nicht aus, wenn Menschen anders aussehen.«"

    Wenn Enders so etwas sagt, dann hat er ein Wahrnehmungsproblem, oder er lügt bewußt. Dresden hat inzwischen nicht mehr nur 20.000, sondern mindestens 50.000 Einwohner mit nichtdeutscher Herkunft, also etwa 10 %, von denen man das vielen auch äußerlich ansieht und die friedlich und unbehelligt in der Stadt wohnen.

    "Isang Enders sieht anders aus. Seine Mutter ist Koreanerin. Es gibt Straßen und Viertel in Dresden, die er meidet. Er steigt in keine Straßenbahn, nimmt keinen Bus. Als er ins Theater ging, wurde er als »Fidschi« verhöhnt."

    Da hätten die Dresdner viel zu tun, würden sie sich tatsächlich über jeden Ausländern oder Menschen nichtdeutscher Herkunft mokieren.

    "Als er am Hauptbahnhof in ein Taxi stieg, pöbelten ein paar Leute, weil der Fahrer den »Kanaken« mitnahm, statt erst mal die Deutschen einsteigen zu lassen."

    Offen gestanden: Ich glaube nicht, daß Enders so etwas regelmäßig oder des öfteren passiert ist. Wenn überhaupt. Dumpfbacken gibt es sicher überall. Aber diese Darstellung der Dresdner ist eine böswillig pauschalisierende und diffamierende Verzerrung.

    "Es gibt Momente, in denen Isang Enders sich schämt, ein Deutscher zu sein."

    Daher weht der Wind.

    Döner muss ich widersprechen - als ich noch in Dresden unterwegs war, konnte man im Babos in der Neustadt hervorragenden Döner bekommen - sehr viel besseren als jetzt in Braunschweig ;)

    das Toleranz-Problem existiert natürlich, aber ich bezweifle, dass die Mehrheit so denkt... (wobei das natürlich natürlich je nach Stadtteil auch wieder unterschiedlich sein kann)
    nur diese Menschen, die ein Problem mit unterschiedlichen Nationalitäten haben, treten jedoch sehr laut und gewalttätig auf - was wiederum von der Politik komplett ignoriert wird...
    p.s. auch wenn intollerantes bzw. rechtslastiges Denken im Westen Deutschlands nicht so laut nach außen getragen wird, existiert das Problem trotzdem auch dort... für mich ein bundesdeutsches Problem, das gerne verleugnet wird - und "nur" weil es im Osten zu mehr rechten Gewalttaten kommt, darf man das Problem darauf nicht redzieren, sondern muss es ernst nehmen als Problem in den Köpfen...

    ansonsten vllt ein etwas lokalpatriotischer Artikel - der mir trotzdem gut gefällt und nett zu lesen ist!

    • tota
    • 30.08.2010 um 22:44 Uhr

    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde inzwischen moderiert. Die Redaktion/cs

    • gee81
    • 02.09.2010 um 14:35 Uhr

    Wir haben Ihren berichtigten Einwand zur Kenntnis genommen und den Kommentar wiederhergestellt. Die Redaktion/sh

    "»Dresden hat ein Toleranzproblem«, sagt Enders. »Es gibt kaum Ausländer hier, nur etwa 20.000, bei einer halben Million Einwohnern sind das gerade mal vier Prozent. Die Stadt lebt von ihren Gästen, hält es aber nicht aus, wenn Menschen anders aussehen.«"

    Wenn Enders so etwas sagt, dann hat er ein Wahrnehmungsproblem, oder er lügt bewußt. Dresden hat inzwischen nicht mehr nur 20.000, sondern mindestens 50.000 Einwohner mit nichtdeutscher Herkunft, also etwa 10 %, von denen man das vielen auch äußerlich ansieht und die friedlich und unbehelligt in der Stadt wohnen.

    "Isang Enders sieht anders aus. Seine Mutter ist Koreanerin. Es gibt Straßen und Viertel in Dresden, die er meidet. Er steigt in keine Straßenbahn, nimmt keinen Bus. Als er ins Theater ging, wurde er als »Fidschi« verhöhnt."

    Da hätten die Dresdner viel zu tun, würden sie sich tatsächlich über jeden Ausländern oder Menschen nichtdeutscher Herkunft mokieren.

    "Als er am Hauptbahnhof in ein Taxi stieg, pöbelten ein paar Leute, weil der Fahrer den »Kanaken« mitnahm, statt erst mal die Deutschen einsteigen zu lassen."

    Offen gestanden: Ich glaube nicht, daß Enders so etwas regelmäßig oder des öfteren passiert ist. Wenn überhaupt. Dumpfbacken gibt es sicher überall. Aber diese Darstellung der Dresdner ist eine böswillig pauschalisierende und diffamierende Verzerrung.

    "Es gibt Momente, in denen Isang Enders sich schämt, ein Deutscher zu sein."

    Daher weht der Wind.

  2. Die meisten Menschen in Dresden sind gebürtige Dresdner, welche einen Großteil ihres Lebens in dieser Stadt verbrachten. Durch die Lage Dresdens, gab es hier knapp 40 Jahre lang kein Westfernsehen. Kein Wunder, dass viele Menschen in dieser Stadt immer noch misstrauisch sind, gegenüber Fremden. Woher sollte es auch kommen. Wer in der DDR eingesperrt war, war dies in Dresden im doppelten Sinne. Die Grenzen die sich in manchen Köpfen in dieser Zeit aufbauten, konnten bisher nicht eingerissen werden. Den Ausdruck „Fidschi“ hört man hier fast täglich. Damit sind die Vietnamesen gemeint, die in den 80zigern die Wirtschaft in der DDR ankurbeln sollten. Die Diskriminierung in dieser Äußerung nimmt hier kaum einer wahr.

    Dass sich in Dresden etwas ändert, kann man nur hoffen. Die Stadt besitzt potential, auch ohne Weltkulturerbetitel. Erste Anzeichen sieht man hier und dort. Doch leider gibt es in dieser Stadt immer noch zu viele „alte Kader“ die mit alten Werten die Stadt beeinflussen.

    Wer trotzdem einen Nachtbummel durch Dresden genießen möchte, sollte mal hier einen Blick rein werfen.
    http://www.ploync.de/bild...

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    "Die meisten Menschen in Dresden sind gebürtige Dresdner, welche einen Großteil ihres Lebens in dieser Stadt verbrachten."

    Im Unterschied zu den meisten westdeutschen Großstädten. Das hat mit sich gebracht, daß sich Dresden noch seine Eigenarten und seinen Charakter bewahrt hat, und das ist gut so.

    "Durch die Lage Dresdens, gab es hier knapp 40 Jahre lang kein Westfernsehen."

    Ist Ihnen eigentlich schon aufgefallen, daß diese Zeit seit 20 Jahren vorbei ist und seit der Wende schon sehr viel Wasser die Elbe hintergeflossen ist? Übrigens hatte man schon vorher in Teilen der Stadt das Westfernsehen, ist aber in diesem Zusammenhang irrelevant.

    "Kein Wunder, dass viele Menschen in dieser Stadt immer noch misstrauisch sind, gegenüber Fremden."

    Das machen Sie bitte woran fest? Gegenüber Fremden ist man überall zunächst erst einmal zurückhaltend; zur Info, auch wenn es nicht in das eigene multikulturelle Raster paßt: Nicht alles Fremde ist gleich gut, und nicht alles eigene ist schlecht.

    "Den Ausdruck „Fidschi“ hört man hier fast täglich."

    Wenn dieser Ausdruck Ihr einziger Beweis der Fremdenfeindlichkeit der Dresdner sein sollte, ist Ihre Argumentation eher dürftig. Ich als Dresdner gehe durch die Stadt und höre ihn nicht täglich.

    "Die Stadt besitzt potential, auch ohne Weltkulturerbetitel. Erste Anzeichen sieht man hier und dort."

    Man sieht nicht nur erste Anzeichen, und das Potential Dresdens war und ist immer unbestritten. Auch ohne Leute wie Sie.

    "Die meisten Menschen in Dresden sind gebürtige Dresdner, welche einen Großteil ihres Lebens in dieser Stadt verbrachten."

    Im Unterschied zu den meisten westdeutschen Großstädten. Das hat mit sich gebracht, daß sich Dresden noch seine Eigenarten und seinen Charakter bewahrt hat, und das ist gut so.

    "Durch die Lage Dresdens, gab es hier knapp 40 Jahre lang kein Westfernsehen."

    Ist Ihnen eigentlich schon aufgefallen, daß diese Zeit seit 20 Jahren vorbei ist und seit der Wende schon sehr viel Wasser die Elbe hintergeflossen ist? Übrigens hatte man schon vorher in Teilen der Stadt das Westfernsehen, ist aber in diesem Zusammenhang irrelevant.

    "Kein Wunder, dass viele Menschen in dieser Stadt immer noch misstrauisch sind, gegenüber Fremden."

    Das machen Sie bitte woran fest? Gegenüber Fremden ist man überall zunächst erst einmal zurückhaltend; zur Info, auch wenn es nicht in das eigene multikulturelle Raster paßt: Nicht alles Fremde ist gleich gut, und nicht alles eigene ist schlecht.

    "Den Ausdruck „Fidschi“ hört man hier fast täglich."

    Wenn dieser Ausdruck Ihr einziger Beweis der Fremdenfeindlichkeit der Dresdner sein sollte, ist Ihre Argumentation eher dürftig. Ich als Dresdner gehe durch die Stadt und höre ihn nicht täglich.

    "Die Stadt besitzt potential, auch ohne Weltkulturerbetitel. Erste Anzeichen sieht man hier und dort."

    Man sieht nicht nur erste Anzeichen, und das Potential Dresdens war und ist immer unbestritten. Auch ohne Leute wie Sie.

  3. Döner muss ich widersprechen - als ich noch in Dresden unterwegs war, konnte man im Babos in der Neustadt hervorragenden Döner bekommen - sehr viel besseren als jetzt in Braunschweig ;)

    das Toleranz-Problem existiert natürlich, aber ich bezweifle, dass die Mehrheit so denkt... (wobei das natürlich natürlich je nach Stadtteil auch wieder unterschiedlich sein kann)
    nur diese Menschen, die ein Problem mit unterschiedlichen Nationalitäten haben, treten jedoch sehr laut und gewalttätig auf - was wiederum von der Politik komplett ignoriert wird...
    p.s. auch wenn intollerantes bzw. rechtslastiges Denken im Westen Deutschlands nicht so laut nach außen getragen wird, existiert das Problem trotzdem auch dort... für mich ein bundesdeutsches Problem, das gerne verleugnet wird - und "nur" weil es im Osten zu mehr rechten Gewalttaten kommt, darf man das Problem darauf nicht redzieren, sondern muss es ernst nehmen als Problem in den Köpfen...

    ansonsten vllt ein etwas lokalpatriotischer Artikel - der mir trotzdem gut gefällt und nett zu lesen ist!

    Antwort auf "Tolleranzproblem"
  4. Ich kann mich spassmagnet nur anschließen,
    jahrelang haben sich ganz andere Menschen den Nazis in den Weg gestellt, da hat sich dieses hochgelobte Bürgertum nicht blicken lassen. Im alltäglichen, teils lebensgefährlichen Ringen mit Rechts
    müssen sich Engagierte und Menschenrechtler sogar noch als Unruhestifter bezeichnen lassen, und sehen sich Gewalt von rechts und Ignoranz von Polizei und Politik ausgesetzt.

    @gee81
    Dresden ist eine große und vielfältige Stadt, aber sie ist nichts besonderes. Sie ist genauso gut oder schlecht wie andere Städte, egal ob Ost oder West, so jedenfalls meine Erfahrung. Schlechte Döner und Nazis gibt´s auch anderswo. Aber in einem Punkt gebe ich dir recht: die in diesem Artikel beschworene Hochkultur ist tatsächlich elitär und grenzt Menschen, die nicht in diese Kreise geboren wurden, aktiv aus, und verschanzt sich auf Privatveranstaltungen oder erhebt Eintrittsgelder, die sich nur wenige Leisten können oder wollen. Es ist eine kleine Elite, die sich ein eigenes, kleines Kultur-Disneyland erschaffen hat, in dem versucht wird ein fades Abbild des 18. und 19. Jahrhunderts zu konservieren.
    Das zumindest ist mein Bild als gebürtiger Dresdner von meiner Heimatstadt.
    Und mal unter uns: ich hab es satt, wie sich Menschen über diese Stadt äußern, die nur mal hier zu Besuch waren, und uns vorschreiben wollen wie wir zu wählen und zu handeln haben. Ich mische mich auch nicht in Stuttgart oder Hamburg ein.

    • FranL.
    • 30.08.2010 um 21:02 Uhr

    Im Westen gibt es genauso viele rechtsradikale Übergriffe wie im Osten. Aber die Medien berichten eben gern wenn so etwas im Osten passiert, weil das so schön ins Bild paßt. Die Nazis die sich alljährlich im Februar in Dresden versammeln kommen aus ganz Deutschland, auch aus dem Westen und wenn ein Gericht versucht die Naziaufmärsche zu verbieten, gibt ein höheres Gericht den Nazis recht, der rechtliche Spielraum der Stadt ist also denkbar gering. Ich kenne übrigens viele Ossis die wieder aus dem Westen zurückkehrten, gerade weil sie dort diskriminiert wurden. Wenn ein Ossi über Ausländer das sagt was ein Wessi über die Ossis sagt, bekommt er eine Anzeige wegen Volksverhetzung. Die Seilschaften die so beklagt werden, haben kaum noch was mit der SED zu tun, vor allem nicht der sogenannte Sachsensumpf, da sind viele Westimporte dabei.

    Ach ja, die elitäre Kultur, wer in Deutschland klasssische Musik hört und Bücher liest die etwas anspruchsvoller sind als die von Coelho und Hera Lind gilt schon als elitär und abgehoben. Gerade weil ich in einer bildungsbürgerfreien Kleinstadt lebe genieße ich es, wenn ich in Dresden mal wieder mit Menschen sprechen kann die bei Wagner nicht nur an Pizza denken und Heine nicht für den Gründer eines Versandhauses halten.

    • tota
    • 30.08.2010 um 22:44 Uhr

    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde inzwischen moderiert. Die Redaktion/cs

    Antwort auf "Tolleranzproblem"
  5. Der Artikel beschreibt einen Bereich des Lebens in Dresden, der für die meisten Einwohner nicht zur täglich erlebten Realität gehört. Gezeichnet wird hier das Bild einer Stadt, die offensichtlich nur aus kulturell hochgradig interessierten Bürgern besteht. Ein überproportional vorhandenes Interesse in der Bevölkerung ist nicht zu bestreiten. Doch haben diese Bevölkerungsgruppen keinesfalls die kritische Masse, den öffentlichen Raum in der Stadt maßgeblich zu prägen. Denn dazu zählt mehr als nur das historische Stadtzentrum.

    In erheblichen Maße wird rückwärtsgewandte Kulturkonservierung betrieben. Bestes Beispiel ist der neu entstandene "Neumarkt". Neu im wahrsten Sinne des Wortes. Ein wirklich sehr hübsch anzusehendes Stück Stadt. Das leider keinen größeren Nährwert hat, als ein nachgebauter Eiffelturm in Las Vegas. Es dient lediglich zur Ergötzung der Touristen, denen sicher in der Regel nicht bekannt sein dürfte, das sie vor Neubauten stehen, die ihnen eine barockes Stadtbild vorgaukeln sollen. Hier wird sich bequem auf Bewährtes verlassen. Der Blick in die Zukunft fällt komplett aus.

    Diese "neue Architektur" kann man sehr wohl als
    Spiegel der Stimmung in Dresden begreifen. Eine wirklich Lockerheit und ein zukunftsorientiertes Denken ist in großen Bevölkerungsteilen nicht vorzufinden. Ein Toleranzproblem ist nicht von der Hand zu weisen.

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