DVD "Erzählungen der vier Jahreszeiten" Zittern, grübeln, beben, leben

In den "Erzählungen der vier Jahreszeiten" folgt Eric Rohmer den verschlungenen, verführerischen und manchmal ziemlich rätselhaften Wegen der Liebe.

Die rätselhaften Wege der Liebe: Charlotte Véry und Frédéric van den Driessche in "Wintermärchen"

Die rätselhaften Wege der Liebe: Charlotte Véry und Frédéric van den Driessche in "Wintermärchen"

Ein Wintermärchen, das im Sommer seinen Anfang nimmt. Ein verliebtes Paar am Strand, beim Schwimmen, beim Küssen, beim Kochen und beim Lieben. Der ausgelassene Auftakt von Eric Rohmers Wintermärchen erinnert an einen Super-8-Ferienfilm. An eine unbeschwerte Zeit, die von der ersten Verliebtheit erzählt, von einem Gefühl, das noch keine Vergangenheit kennt und sich noch nicht um die Zukunft schert. Doch geht von dem grobkörnigen Filmmaterial, dem schnellen Springen von einer schönen Situation zur nächsten, auch etwas seltsam Melancholisches aus. Man fragt sich, ob man hier vielleicht schon einer Erinnerung zusieht.

Dieser Beginn könnte als eine Art Prolog vor dem Gesamtwerk von Eric Rohmer stehen. Die Sonnenseiten der Liebe werden zelebriert, doch hat sich schon ein Schatten über die Gefühle gelegt. Es ist ein Schatten, der den Eigensinn, die Irrungen und Wirrungen der Liebe vorweg nimmt. Auch mit seinem zwischen 1990 und 1998 entstandenen Filmzyklus Die Erzählungen der vier Jahreszeiten begibt sich Eric Rohmer auf die Fährte des schönsten aller Gefühle.

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Versehentlich wird Felicie im Wintermärchen beim Abschied am Bahnhof ihrer Sommerliebe die falsche Adresse geben. Dann die Bildtafel: ein Zeitsprung von fünf Jahren. Felicie hat ein Kind von Charles bekommen, ein Foto der verlorenen Liebe steht auf der Schlafzimmerkommode. Inzwischen hat die junge Frau zwei Liebhaber und lebt bei ihrer Mutter. Im sachlich-nüchternen Tonfall hält sie einen Vortrag über die unterschiedlichen Empfindungen, die sie für die beiden Männer hegt. Für den intellektuellen Bibliothekar Loic, für den bodenständigen Friseur Maxence.

Schon sind wir mittendrin im Universum von Eric Rohmer, der gewissermaßen den Prototypen des französischen Liebesfilms erfunden hat. In seinem Kino werden Gefühl, Erotik und Begehren immer zum Diskurs, zu einer Verhandlung von und Auseinandersetzung mit der Liebe. Und zu deren Feier. Die Gefühle durchdringen die Monologe und Dialoge seiner Figuren, sie treiben sie an, lassen sie zittern, grübeln, beben, leben – oder eben nicht. Es sind bewegte Dialoge, die keiner großen Handlung oder äußeren Dramatik mehr bedürfen.

In seinem Film Sommer etwa befinden sich die jungen Männer und Frauen in einem Zustand ewiger Ferien, der ihnen ermöglicht, in aller Ausführlichkeit alle Aggregatzustände ihres Empfindens durchzuspielen. Sie lieben aus Neugier oder Langeweile, aus Übermut oder Überdruss. Kaum hat der schüchterne Mathematikstudent Gaspard (Melvil Poupaud) wieder ein Herz erobert, gerät er in Panik und dreht nicht nur der Kamera den Rücken zu.

Die etwas reiferen Herrschaften aus der Herbstgeschichte hingegen geben sich abgeklärt, üben sich in ironischer Distanz – und werden doch von den Launen der Leidenschaft eingeholt. Dabei ist der schönen Witwe und Winzerin Magali nicht nach Verführen zumute, doch sobald sie den schüchternen Gérald trifft, erinnert sie an ein junges Mädchen, errötet, und ihre Stimme wird höher. Die Erfahrung lässt sie ihre Gefühle einschätzen. Magali ahnt, dass der Zeitpunkt noch nicht gekommen ist. Aber das nächste Rendez-vous mit Gérald ist bereits vereinbart.

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