DVD "Erzählungen der vier Jahreszeiten" Zittern, grübeln, beben, lebenSeite 2/2

Auch die Farben nehmen am Spiel der Liebe teil, nuancieren im Jahreszeitenzyklus ganz unaufdringlich die Empfindungen der Helden und Heldinnen. Die Farben des Herbstes verströmen eine melancholische Grundstimmung. Die kräftigen Töne des Sommers stehen für die Lust des Abenteuers. Im Wintermärchen dominieren wiederum die fahlen Nuancen einer grauen Kälte. Eingepackt in dicke Klamotten, bewegt sich Felicie durch Paris. Verpackt scheinen auch ihre Empfindungen, die letztlich immer noch um Charles kreisen.

Die Reflexion der Liebe mag bei Rohmer im Vordergrund stehen, dennoch haben seine Filme – entgegen der landläufigen Meinung – nichts Abgehobenes. Im Gegenteil, sein Kino spiegelt die französische Gesellschaft, schildert Alltag und Arbeitsverhältnisse, ist ohne ein dokumentarisches Grundgefühl gar nicht denkbar. Mit Felicie bewegt man sich in überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln durch die französische Hauptstadt. Unermüdlich folgt die Kamera der abgehetzten jungen Frau auf ihrem Weg zur Arbeit. Dabei zeigt sie die Heldin konsequent als eine unter vielen. Stets schwingen Rohmers Filme im Rhythmus einer Lebenswirklichkeit – sei es die Stimmung an einem geschäftigen Ferienort, in einem Landhaus in der Provinz oder eben der Alltag einer in Paris arbeitenden Friseurin.

Das Drehen mit kleinem Team und Handkamera ermöglicht diesen dokumentarischen Duktus und gibt Rohmers Filmen auch etwas Beiläufiges, Leichtes und Improvisiertes. Nie wirken die Dialoge schwerfällig oder aufgeschrieben, vielmehr scheinen sie einfach aus dem Leben zu kommen, das heißt aus dem unspektakulär realistischen Umfeld der Figuren. Der Friseurladen im Wintermärchen sieht so trostlos aus, wie ein Friseurladen in einem trostlosen Vorort von Paris nun einmal aussieht. Die Winzerin aus der Herbstgeschichte verwendet eben mehr Zeit für die Pflege ihrer Reben als für das Schminken vor dem Spiegel. All diese Rohmer-Gestalten versuchen die Liebe aus ihrer ureigenen Welt heraus zu begreifen und sich der Gefühle mit eigenen Worten und Begriffen zu bemächtigen.

Aber vielleicht muss man einfach an die Liebe glauben, ihr vertrauen. So wie Felicie. So wie Rohmers Film Ein Wintermärchen, der tatsächlich den Tonfall eines Märchens annimmt: Es waren einmal Felicie und Charles, die einander im Bus nach langen Jahren wiedertrafen. Auch ihre Tochter war dabei.

 
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