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Gleich beim ersten Besuch stellt Facebook ein paar Bekannte vor

Gleich beim ersten Besuch stellt Facebook ein paar Bekannte vor

Im zweiten Schritt nutzt das Unternehmen sein Wissen, um Neulinge zu halten, denn die Erfahrung zeigt: Wer erst mal ein größeres Netzwerk angelegt hat, bleibt Mitglied bei Facebook. Also stellt das System gleich beim ersten Besuch scheinbar aus dem Nichts ein paar Bekannte vor, die schon bei Facebook sind. Und woher kennt das Unternehmen deren Namen? Weil eben dieser Freund, dieses Familienmitglied oder dieser Bekannte sein Adressbuch hat kopieren lassen – und in dem taucht das Neu-Mitglied auf.

Folgt man entsprechenden Kommentaren im Internet, empfinden viele dieses Vorgehen als nützlich, andere hingegen als nervtötend oder irritierend. So erlebte etwa ein Psychiater, dass er plötzlich automatische Hinweise auf Patienten erhielt und dass diese Patienten per Facebook Kontakt mit ihm aufnehmen wollten – weil die ihrerseits bei Facebook waren und offenbar ihre Adressbücher kopiert hatten, in denen der Psychiater auftauchte.

Ein zweiter Konflikt existiert, weil Facebook die Daten von Nichtmitgliedern außer Landes schafft. In den USA stehen die Großrechner des Unternehmens, und der Hamburger Datenschutzbeauftragte argumentiert, Facebook verübe hier, »einen klaren Verstoß gegen das Transparenzgebot des Safe-Harbor-Abkommens«. Das besagt zweierlei: Ein US-Unternehmen, dass die Daten eines Deutschen in die USA übermittelt, muss diesen benachrichtigen. Außerdem muss jeder seine persönlichen Informationen einsehen können. Facebook bekennt sich zu diesem Abkommen.

Das Unternehmen bemühte sich am vergangenen Dienstag, den Vorwürfen des Hamburger Datenschutzbeauftragten mit einem Kompromiss zu begegnen. Soweit bekannt, will Facebook seine Werbemethode ändern. Künftig könnte derjenige, aus dessen Adressbuch eine E-Mail-Adresse stammt, gefragt werden, ob das Unternehmen die Werbung in seinem Namen verschicken darf. Der Empfänger wüsste dann, wie Facebook an die E-Mail-Adresse gekommen ist. Offiziell heißt es zu dem Treffen: »Wir haben uns der Bedenken des Hamburger Datenschutzbeauftragten angenommen, und wir sind zufrieden mit dem Fortschritt, auf dem Weg eine Lösung zu finden.«

Der Konflikt um Werbemails könnte mit Caspar also möglicherweise ausgeräumt werden. Die Frage der Löschung schwelte fort. Beide Seiten haben sich bis in den Herbst vertagt.

Sollte der Konflikt wieder eskalieren, müsste ein Amtsgericht urteilen. Das ist dann juristisches Neuland. Riskant für beide Seiten. »Ich kenne keine gerichtlichen Entscheidungen, die so etwas schon einmal durchexerziert haben«, sagt Johannes Caspar.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unterwww.zeit.de/audio.

 
Leser-Kommentare
  1. In dem Kontext sicher Interessant: Facebook-Alternative Diaspora startet im September: http://www.popkontext.de/...

  2. Vor kurzem hat die Bundesrepublik den Weg freigemacht, dass mit SWIFT verdachtsunabhänig Bankdaten von mir ins Ausland geschafft werden. Ich habe keine Möglichkeit die Daten einzusehen noch zu löschen.

    Die Bundesrepublik hat Weg dazu freigemacht, dass verdachtsunabhängig Daten von mir bei Transatlantik-Flügen an Strafverfolgungsbehörden in den USA weitergereicht werden. Ich kann sie nicht einsehen und nicht ändern.

    Alle meine Auslandstelefonate werden wie bei jedem anderen deutschen Bürger vom Bundesnachrichntendienst (BND) verdachtsunabhängig mitgelauscht ohne richterliche Genehmigung. Tauchen Schlüsselworte auf, werden die Gespräche von einem Menschen abgheört. Ich kann das nicht einsehen, wo mein Staat mich vorsorglich bealuscht, ich kann es nicht löschen lassen.

    Mein Staat gibt personenbezogene Daten (Zuordnung IP-Adresse - Anschlussinhaber) bereitwillig an Rechtsanwälte, die mit Hilfe von Strafanzeigen, die nicht zu Strafverfahren führen, Daten erschleichen für Zivilverfahren) in riesigen Massen ab.

    Mein Staat möchte, dass Hausmauern und Funkwellen Persönlichkeitsrechte bekommen wie richtige Menschen.

    Warum redet mein Staat den ganzen Tag über Google und Facebook, aber nicht über das was er tut? Wann bekomme ich meinen jährlichen Kontoauszug von Herrn de Misere für Verfassungsschutz, BKA, Flensburg, Finanzbehörden, usw. wo ich sehen kann, was die über mich speichern?

    Man könnte den Verdacht haben, der Staat meint das gar nicht ernst mit dem Datenschutz.

    • WiKa
    • 27.08.2010 um 16:41 Uhr

    Man darf langsam aber sicher Zweifel daran bekommen, dass die Mehrheit der Bürger den Staat bilden. Offenbar ist es ein kleiner Machtzirkel, der im Namen des Volkes immer unkontrollierter gegen seine eigenen Bürger arbeitet. Offen bleibt dabei für welche Interessen und in wessen Auftrag, wenn schon nicht mehr im Auftrag des Volkes. Dies ist die bittere Erkenntnis aus den Randerscheinungen der Facebook Angelegenheit, bei der noch relativ nachvollziehbar ist, dass an dieser Stelle die Datensammelwut rein kommerziellen Interessen dient.

    http://qpress.de/2010/07/... … Und in wieweit unser Innenminister, de Misere sich solche Vorkommnisse zum Vorbild macht, darüber darf man geflissentlich sinnieren. Fest steht aber, das die Freiheit heute erheblich bedrohter ist als zu Zeiten des kalten Krieges. Sei es durch neue technische Errungenschaften oder unter konstruierten Vorwänden, wo man an erster Stelle das bewusst selbst gezüchtete Schreckgespenst vom Terror nennen darf. Eigentlich ist die ganze Geschichte recht durchsichtig, nur sind wir komischerweise nicht in der Lage diesen Exzessen Einhalt zu gebieten. Was läuft denn jetzt falsch im Staate?

    • Quay
    • 29.08.2010 um 12:45 Uhr

    "Künftig könnte derjenige, aus dessen Adressbuch eine E-Mail-Adresse stammt, gefragt werden, ob das Unternehmen die Werbung in seinem Namen verschicken darf. Der Empfänger wüsste dann, wie Facebook an die E-Mail-Adresse gekommen ist."

    Das weiss er doch sowieso... Von demjenigen, der ihm da als Freund vorgeschlagen wird. Es ändert sich also garnichts. Außerdem will ich nicht wissen, woher Facebook meine Daten hat, sondern ich will, dass sie meine Daten garnicht haben.
    Ich versuche mich - so gut es geht - gegen das Sammeln meiner Daten zu schützen. Was auch halbwegs gut klappt. Aber in dem Moment, in dem Andere entscheiden können, was mit meinen Daten geschieht (nach der neuen Regelung sogar explizit), werden meine eigenen Möglichkeiten völlig ausgehebelt. Ich weiss garnicht, was es da noch zu diskutieren gibt...

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    > Ich versuche mich - so gut es geht - gegen das Sammeln meiner Daten zu schützen. Was auch halbwegs gut klappt. <
    Herzlichen Glückwunsch - verraten Sie Ihren Trick?

    1. Haben Sie jemals völlig alleine bestimmt, was mit Ihren Daten geschieht? Selbst Einwohnermeldeämter geben die ohne Nachfrage weiter.
    2. Wenn Sie es schaffen, Ihre Daten im Internet zu schützen, wie kommt es dann, dass Sie hier überhaupt registriert sind und Kommentare schreiben?
    Natürlich muss man mit dem, was man im Internet preisgibt, vorsichtig sein und lieber dreimal überlegen, was man herausgibt, aber die Einbildung, damit die eigenen Daten hinreichend schützen zu können, gehört ins Reich der Märchen!

    > Ich versuche mich - so gut es geht - gegen das Sammeln meiner Daten zu schützen. Was auch halbwegs gut klappt. <
    Herzlichen Glückwunsch - verraten Sie Ihren Trick?

    1. Haben Sie jemals völlig alleine bestimmt, was mit Ihren Daten geschieht? Selbst Einwohnermeldeämter geben die ohne Nachfrage weiter.
    2. Wenn Sie es schaffen, Ihre Daten im Internet zu schützen, wie kommt es dann, dass Sie hier überhaupt registriert sind und Kommentare schreiben?
    Natürlich muss man mit dem, was man im Internet preisgibt, vorsichtig sein und lieber dreimal überlegen, was man herausgibt, aber die Einbildung, damit die eigenen Daten hinreichend schützen zu können, gehört ins Reich der Märchen!

    • remail
    • 15.09.2010 um 17:20 Uhr

    Um die Rechte der Frauen kümmern sich Mina Ahadi und Maryam Namazie erfolgreich, deswegen wurden bei Facebook ihre Accounts gestern spontan gelöscht. Sonderbar wo man dort so gerne alle Daten von allen hat.

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    Mit kritischen Geistern will man sich offenbar nicht herumschlagen müssen, die lassen sich normalerweise auch nicht wo einfach für kommerzielle Zwecke einspannen (die merken das zu schnell und machen dann auch noch andere darauf aufmerksam...) Dann lieber zwei Profile löschen, das ist billiger.
    Schöne neue Welt!

    Mit kritischen Geistern will man sich offenbar nicht herumschlagen müssen, die lassen sich normalerweise auch nicht wo einfach für kommerzielle Zwecke einspannen (die merken das zu schnell und machen dann auch noch andere darauf aufmerksam...) Dann lieber zwei Profile löschen, das ist billiger.
    Schöne neue Welt!

  3. Internetfunktionen und -portale, die missbraucht werden können, werden auch missbraucht, wie nun fast schon jede Woche durch neue Skandale bekannt wird. Aber während Google und Facebook und StudiVZ schon länger durch Missbrauch von Daten und Cybermobbing auffallen, schaut bisher niemand auf Amazon. Auf dieser verkaufsträchtigen Webfläche tummeln sich so genannte "Toprezensenten", die durch ihre fleißige Mitarbeit auffallen. Da setzt ein Toprezensent bis zu drei Rezensionen täglich ein, lauter neue DVDs und CDs und Bücher - natürlich alles "ganz toll" und mit fünf Sternen versehen. Eine Top-500-Rezensentin lobt dazwischen bei Amazon auch mal einen Lockenstab auf 5 Sterne). Andere "Rezensenten" rezensieren-loben-lupfen nur für bestimmte Verlage und machen dafür Konkurrenzbücher und -produkte schlecht (1-2 Sterne), was dann das Ranking der Konkurrenz sofort verschlechtert). Autoren, Verlage und Übersetzer werden hier systematisch von bestimmten "Rezensenten" schlechtgeredet. Und Bücher über besonders kritische Themen, wie die von Herta Müller über den rumänischen Geheimdienst, oder Petra Reski über die Mafia in Deutschland, werden ebenso schlechtgemault. Dies geschieht nicht nur durch "Top-500-Rezensenten", sondern auch durch kleine Gruppen von mehreren "Lesern", die z.B. innerhalb von 2 Tagen hintereinander ihre schädlichen "Kommentare" einstellen, auch dort, wo sonst ein halbes Jahr niemand einen Kommentar einstellt.

    Auch eine Form von Rufmord, nur heißt sie heute Internet.

  4. Mit kritischen Geistern will man sich offenbar nicht herumschlagen müssen, die lassen sich normalerweise auch nicht wo einfach für kommerzielle Zwecke einspannen (die merken das zu schnell und machen dann auch noch andere darauf aufmerksam...) Dann lieber zwei Profile löschen, das ist billiger.
    Schöne neue Welt!

    Antwort auf "Feines Facebook"
  5. > Ich versuche mich - so gut es geht - gegen das Sammeln meiner Daten zu schützen. Was auch halbwegs gut klappt. <
    Herzlichen Glückwunsch - verraten Sie Ihren Trick?

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