Grüner leben Bloß kein Laminat!
Wie renoviert man seine Wohnung naturgerecht? Ein Selbstversuch von Burkhard Straßmann
Es ist uncool, aber wahr: Ich bin ein Heimwerker. Ein Bastler. Mein Schrecken ist der professionelle Handwerker und seine Anfahrtspauschale. Mein Paradies ist der Baumarkt.
Cool dagegen ist es, ein Öko zu sein. Bioeinkauf, Carsharing. So klimaneutral wie möglich leben. Ein bisschen cool bin ich auch.
Die Frage ist: Kann ich Heimwerker und Öko gleichzeitig sein? Oder, ganz praktisch: Die Wohnung, in die ich einziehen will, ist überholungsbedürftig. Der Teppichboden ist alt und fies. Die Wände sind gelb. Der Lack ist ab bei Fenstern und Türen. Was bietet der Baumarkt dem Öko?
Mit offenen Ökoaugen habe ich mein Paradies noch nie betreten. Sonst mache ich es wie die meisten Männer: Ich halte mich lange bei den Bohr-, Fräs- und Schleifmaschinen auf. Besuche die Vollhölzer und die Leimhölzer. Und verlasse die Wonnestätte mit einer frischen Rohrzange in der Tasche.
Als Öko aber bin ich völlig ratlos. Beim Lebensmittelhändler orientiere ich mich an der Bioecke oder an einem der einschlägigen Label wie BioBio. Im Baumarkt dagegen scheint die Welt vor 30 Jahren stehen geblieben zu sein. Wie lange soll es halten? Was darf es kosten? Das sind die Fragen. Wer sich für Ökobilanzen interessiert, fühlt sich schnell sehr einsam hier.
Max Bahr, Hornbach, Bauhaus, OBI – wo ich auch suche, eine Ökoecke finde ich nicht. Es bleibt mir nichts übrig, als auf die Pirsch zu gehen. Verlässlichstes Signal, dass jemand über das Wohl der Umwelt nachgedacht hat, scheint mir die Farbe Grün zu sein. Und siehe da: Grün ist die Verpackung mit der Sanitärflüssigkeit »Campa green« fürs Campingklo. Da sind keine Biozide drin, ich bin auf dem richtigen Weg.
Grün sind auch die Produkte von Kluthe Chemie, aber das führt in die Irre. Der Hersteller von Farben und Lacken engagiert sich zwar für das Recycling verbrauchter Flüssigkeiten und malt sich darum grün an. Doch nur einen »biologisch abbaubaren« Verdünner entdecke ich tatsächlich.
Das kleinste und billigste grüne Produkt im ganzen Baumarkt ist aber ein Wasserspareinsatz für Wasserhahn und Duschkopf – vier Gummiringe, die den Durchfluss auf 14 bis zu 7 Liter Wasser pro Minute reduzieren. Ein Faltblatt informiert, dass eine vierköpfige Familie im Jahr 80.000 Liter warmen Wassers zum Duschen braucht. Ein Spareinsatz reduziere die CO₂-Emissionen um 650 Kilogramm, das sei mehr als doppelt so viel, wie durch eine Komplettausstattung mit Energiesparlampen erreicht würde. Die kleinen Gummis kosten 1,55 Euro. Man findet sie neben der »Schwalldusche Wasserfall«.
Bei den Teppichböden komme ich meinem Projekt schon näher. »Velours Dusty«, darauf weist ein Schild hin, hat vor sechs Jahren die Ökotest-Note »gut« erhalten und soll frei von Schadstoffen sein. Aber Teppichboden kommt mir nicht mehr ins Haus. »Laminat!«, schreit mein Bankkonto. Einen billigeren Boden gibt es nicht. Laminat, findet auch der Fachverkäufer, sei doch praktisch öko, alles nachwachsendes Holz, na also! »Seagrass« soll es sein, das wirkt natürlich-bewegt und kostet sieben Euro pro Quadratmeter. Bezahlbar.
- Datum 27.08.2010 - 14:54 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 26.08.2010 Nr. 35
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Vor wenigen Monaten habe ich ein Unternehmen für den Import ökologisch hergestellter Edelholzprodukte gegründet. Mein Eindruck: Die Nachfrage nach grünen Produkten wächst stärker als das Angebot. Während die etablierten Baumarktketten versuchen ihr Tropenholzsortiment ausschließlich mit FSC-Produkten zu bestücken, stammt nur ein Bruchteil der weltweit gehandelten Waren aus ressourcenschonender Herstellung. Mit unserem Unternehmen [...] versuchen wir diese Lücke zu schließen. Bis heute sind wir der einzige deutsche Holzimporteur, der ausschließlich nachhaltig gewonnene Ware anbietet und sich aktiv im Regenwaldschutz engagiert.
Wegen Eigenwerbung wurde der Name des Unternehmens entfernt. Die Redaktion/is
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Nutzen Sie für solche Hinweise ans Moderationsteam bitte die "Bedenklich Melden"-Funktion. Danke. Die Redaktion/sh
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Unterhaltsam zu lesen, informativ ohne Überfrachtung, problemfrei, da fast ohne politische Streitigkeiten. Bis his auf den Doppelstich zu den Energiesparlampen. Und den kann ich so gut verstehen.
Obwohl die Dinger besser geworden sind, außer bei den ganz teuren macht mich ihr Licht nach wie vor aggressiv. Möglich, dass es für alle gilt und bei den teuersten es nur länger dauert - was ich nie testete. Der Gedanke, meine direkte Umgebung mit Quecksilber-Lagern zu bestücken, bereitet mir auch noch immer Unbehagen. Mit dem schnellen Starten hapert es auch immer noch, so dass ihr Einsatz in Durchgangsräumlichkeiten für mich sinnlos ist. Aber das Beste war meine erste gekaufte dieser Lobbyartikel: Einen Abend leuchtete sie, danach verweigerte sie sich. Ich brachte sie dem Händler mit dieser Erklärung zurück, der sie wortlos, ohne Rückfrage zurücknahm und mir den vollen Kaufpreis erstattete.
Tatsächlich? Ich habe vor kurzem die Erfahrung gemacht, dass Energiesparlampen inzwischen viel besser als ihr Ruf sind! Bei ikea hab ich neulich Lampen gefunden, die angenehmes Licht verbreiten und -was viel wichtiger ist- sofort die volle Leuchtkraft entfalten. Und das ganze zu moderaten Preisen.
Allerdings gibt es immernoch große Unterschiede. Lampen, die eine halbe Stunde brauchen um hell zu werden, gibt es auch noch.
Tatsächlich? Ich habe vor kurzem die Erfahrung gemacht, dass Energiesparlampen inzwischen viel besser als ihr Ruf sind! Bei ikea hab ich neulich Lampen gefunden, die angenehmes Licht verbreiten und -was viel wichtiger ist- sofort die volle Leuchtkraft entfalten. Und das ganze zu moderaten Preisen.
Allerdings gibt es immernoch große Unterschiede. Lampen, die eine halbe Stunde brauchen um hell zu werden, gibt es auch noch.
Tatsächlich? Ich habe vor kurzem die Erfahrung gemacht, dass Energiesparlampen inzwischen viel besser als ihr Ruf sind! Bei ikea hab ich neulich Lampen gefunden, die angenehmes Licht verbreiten und -was viel wichtiger ist- sofort die volle Leuchtkraft entfalten. Und das ganze zu moderaten Preisen.
Allerdings gibt es immernoch große Unterschiede. Lampen, die eine halbe Stunde brauchen um hell zu werden, gibt es auch noch.
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...als kritischer Öko muss ich aber leider auch wieder über eine paar Einschränkungen bei Siegeln sprechen:
Der Blaue Engel wird nur an Produkte vergeben, die ihre Umweltbilanz deutlich verbessert haben. Seit eh und je umweltfreundliche Produkte wie z. B. die Mineral-Farben der Firma Kern bekommen das Siegel nicht, weil es da nichts mehr zu verbessern gibt.
Und regelmäßige FSC Kontrollen kosten viel Geld, weshalb es sich für kleine Forstbetriebe der 3. Welt nicht lohnt, das Siegel zu beantragen. Auch hier muss noch nachgebessert werden.
Positiv: Eine gute Antwort auf das Sondermüllproblem Teppich hat der US-Konzern Interface gefunden. Interface will seinen ökologischen Fußabdruck bis 2020 nicht nur auf null senken und verwendet daher fast ausschließlich Naturfasern, man möchte zukünftig auch alle Materialien recyceln, um neue Teppiche daraus zu machen. Daher sind die Teppich nur noch im Leasing zu haben. Nach Abnutzung holt sich Interface seinen Teppich wieder ab. Man zahlt also für die Benutzung, weniger für die Ware an sich. Damit stellt Interface sicher, dass nichts auf dem Müll landet. Die Kundenbindung wird dadurch auch deutlich gestärkt. Denn wer abholen lässt, der bestellt vermutlich auch gleich nach. Und nein, ich arbeite nicht für die Firma, aber Vorbilder dürfen auch mal benannt werden.
Was uns noch fehlt, und dass schreibe ich hier zum zweiten Mal: So eine Art-Preissuchmaschine, die nicht den besten Preis sondern, das umweltfreundlichste Produkt ermittelt.
die idee ist ja sehr nett, aber so als kleiner hinweis:
nicht ur männer heimwerken, oder gehen gern in den baumarkt - welchen auch immer.
und ein wenig wirkts ja schon auch wie geschicktes product-placement, ne wa?
Ergänzend sei hier erwähnt:
Beinahe jedes Produkt hat die Möglichkeit der Zertifizierung (auch Laminat, siehe: http://www.blauer-engel.d...), wenn es nur einen besonderen umweltverträglichen Aspekt beinhaltet.
Um es deutlicher zu machen hier noch einmal beispielhaft drastisch gesagt: Es könnte wohl theoretisch auch ein Liter Umweltschädliches FCKW einen Umweltengel bekommen, wenn z.B. der Hersteller die Verpackung von, sagen wir mal bisherigen Plastikwegwerfbehältern, auf nun wiederverwendbare Metallpfandflaschen umstellt.
Also, sobald etwas verbessert wird, gibt es auf Antrag und nach einer Prüfung den Blauen Engel. Das Produkt ist üblicher Weise dann nicht unbedingt ÖKO oder BIO.
In Bereiche, wo sich glaubwürdige Alternativlabel entwickelt haben, mischt sich der “Blaue Engel” nicht ein.(http://www.umweltzeichen....)
bau ich in 5 Minuten nach mit meinem Grafikprogramm. Ausdrucken, fertig.
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