Helgoland Kein Land in SichtSeite 2/2

Größenwahn, Luftschlösser. Das sind nur einige Bezeichnungen für Arne Webers Masterplan. Der Bauunternehmer hat sich anhören müssen, er wolle die bestehende touristische Infrastruktur zerstören, Bettenburgen schaffen.

Andere nennen Webers Plan die große Chance. Seit feststeht, dass die politischen Vertreter lieber auf kleinere, weniger spektakuläre Projekte setzen, schmiedet so mancher Rebellionspläne. »Der Bürgermeister hat uns versprochen, dass wir in einer Bürgerbefragung abstimmen. Wenn jetzt nur noch zur Abstimmung kommt, was die Politiker beschlossen haben, dann gibt das hier Ärger«, sagt Rudolf Anthony, Pensions- und Parfümeriebesitzer. »Der Masterplan wäre der Riesenwurf für uns gewesen.«

Anthony gehört der jüngeren Generation an. Wenn er mit seinen Kumpels im Café Falm im Oberland sitzt, dann ist Helgolands Zukunft immer wieder Thema und der Frust über die »Ewiggestrigen« groß. »Die Bremser sind jene, die lange ausgesorgt haben. Wenn hier die Lichter ausgehen, dann haben die ihre Schäflein im Trockenen. Aber die mittlere Generation hat noch nicht ausgesorgt, und eine Lebensgrundlage für unsere Kinder brauchen wir auch.«

Der Bürgermeister, dem Anthony mit Revolte droht, sitzt in seinem engen Amtszimmer im Rathaus und referiert über die Alternativideen, die man entwickelt hat. Frank Botter hat schon immer auf Helgoland gelebt. Er erinnert sich, wie er und seine vier Geschwister als Kinder in den Keller zogen, wenn im Sommer die Gäste kamen. »Auch damals musste hier jeder an Touristen vermieten, um zu überleben.« Botters Amtszeit läuft Ende des Jahres aus, und deshalb unterstellen ihm viele auf der Insel, er wolle sich keine Arbeit mehr machen. Botter selber findet, Weber habe kein schlüssiges Konzept vorgelegt, was auf der Düne gebaut werden solle.

Am späten Nachmittag flaut der Badetrubel auf der Düneninsel ab. Stattdessen haben Tierfotografen lange Objektive aufgestellt: Die Robben, die den Tag über im Wasser unterwegs waren, kehren an den Strand zurück. Im Dünenrestaurant, dem einzigen Lokal, trifft man sich zum Bierchen und Plausch. »Wenn man eine Landverbindung schafft, dann kommen die Katzen auf die Düne und fressen die Vögel«, sagt einer. »Wenn die Kinder den ganzen Weg über die Landverbindung gehen müssen, sind sie schon müde, wenn sie auf der Düne ankommen«, ein anderer. Der Wirt rollt die Augen. »Weber wäre unser Überleben gewesen«, sagt er. »Der Weg aus der Sackgasse.«

Ein paar Stunden später ist das Meer ruhig, die Übernachtungsgäste speisen Hummer und Labskaus. In den Gassen hört man Wasser rauschen, Fernseher plärren, elektrische Zahnbürsten brummen. Um elf Uhr gehen auf der Insel die Lichter aus. Nur der Leuchtturm sendet noch seine hellen Strahlen.

 
Leser-Kommentare
  1. Großprojekt hätte Helgoland eine bessere Zukunft.

    • Hontes
    • 01.09.2010 um 9:40 Uhr

    Hier wäre offensichtlich eine Volksabstimmung erforderlich.

    Dies würde bedeuten, dass im "Wahlkampf" alle interessierten Parteien Ihre Standpunkte/Konzepte/Visionen aktiv an die Frau/den Mann bringen müssten.

    Das demokratische Abstimmungsergebnis wäre dann verbindlich!

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    • Varech
    • 01.09.2010 um 21:58 Uhr

    Sicher eine originelle Tourismusidee für ein paar Wochen.
    Ansonsten doch wohl nicht ihr Ernst. Sollte denn Helgoland ohne dass ich es bemerkt habe ein selbständiger Staat geworden sein?
    Sich mit den Helgoländern (wer ist das denn genau?) abstimmen, wäre nur normal.

    • Varech
    • 01.09.2010 um 21:58 Uhr

    Sicher eine originelle Tourismusidee für ein paar Wochen.
    Ansonsten doch wohl nicht ihr Ernst. Sollte denn Helgoland ohne dass ich es bemerkt habe ein selbständiger Staat geworden sein?
    Sich mit den Helgoländern (wer ist das denn genau?) abstimmen, wäre nur normal.

    • carol
    • 01.09.2010 um 10:19 Uhr

    entweder die insel kann sich halten oder nicht. was soll der quatsch in der einöde 80 millionen zu investieren? wofür denn, dass man weiterhin zollfrei einkaufen oder ein paar badegäste baden können? in einer überflussgesellschaft DAS zu verlangen ist...keine ahnung wie ich das bezeichnen soll.

    Helgoland ist für 95% der gäste langweilig. 95% der gäste können auch das was sie auf der insel machen sehr gut woanders genauso machen. vielleicht sind es sogar mehr als 95%.

    • Varech
    • 01.09.2010 um 11:57 Uhr

    Helgoland an Dubai abtreten, das gäbe Aufschwung!!!

  2. Allergiker, die sich dort wohl fühlen.

    • Yosch
    • 01.09.2010 um 14:22 Uhr

    ...gibt es dann 2 Inseln, die miteinander verbunden sind und das selbe Problem haben, wie es derzeit besteht, denn auch neue Hotels oder ein Golfplatz werden irgendwann langweilig. Es ist unglaublich, dass es immernoch Leute gibt, die eine mehr oder weniger naturbelassene Insel ihrer eigenen (und absehbar kurzweiligen) Profitgier opfern wollen. Und das im Jahre 2010. Wer so eine Einstellung vertritt und keine andere Lösung für die Insel sieht, der sollte lieber auswandern und nicht den Vögeln auf der Nachbarinsel die Schuld geben. Wie wäre es mit einem Strukturwandel ganz weg vom zollfreien Handel? Mittelfristig wird dieser doch ohnehin entfallen, so wie es bei den Butterfahrten auch geschehen ist.

  3. mit seinem Vogelreichtum, dem Lummenfelsen und immer noch der Langen Anna hat zusammen mit seiner Düne für alle Feriengäste mehr zu bieten als jede andere Nordseeinsel. Die "einfallenden" Tagesgäste wegen des sogenannten zollfreien Einkaufs (das kann an anderen Orten günstiger geschehen) sind das Problem. - Hier sollten die Helgoländer entscheiden, aber nur die Helgoländer und nicht die reingeschmeckten Geschäftemacher, die auch noch "Oma ihr kleins Häuschen" verkaufen würden - und nach ihnen die Sintflut. - Ich wüßte gern mehr über die Inhalte eines Gutachtens zur Landverbindung zwischen Helgoland und seiner Düne. -

    • Varech
    • 01.09.2010 um 21:58 Uhr

    Sicher eine originelle Tourismusidee für ein paar Wochen.
    Ansonsten doch wohl nicht ihr Ernst. Sollte denn Helgoland ohne dass ich es bemerkt habe ein selbständiger Staat geworden sein?
    Sich mit den Helgoländern (wer ist das denn genau?) abstimmen, wäre nur normal.

    Antwort auf "Volksabstimmung"

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  • Quelle DIE ZEIT, 26.08.2010 Nr. 35
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  • Schlagworte Helgoland | Reise | Dubai | Sizilien
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