Hoteltest : Enttäuschung gegen Vorkasse

Muffeliger Service, dünne Wände und Lippenstift am Glas – das Motel One Hamburg Alster verlässt sich zu sehr auf seine gute Lage
Viel Braun, viel Türkis, aber die Matratze ist angenehm. Ein Zimmer im Motel One Hamburg Alster © Motel One

Vor zehn Jahren begann Motel One damit, den deutschen Hotelmarkt aufzumischen. Das Münchner Unternehmen verfuhr dabei anfangs nach einem einfachen Muster. Es bezog günstige Immobilien in den Randlagen der Städte, stellte bequeme Betten in die Zimmer und buntes Mobiliar in die Lobby. Alles getreu dem Slogan »Viel Design für wenig Geld«.

Seit einiger Zeit jedoch eröffnen auch Dependancen in den Zentren der großen Städte, ebenfalls zu Preisen, die nicht höher sind als in mancher besseren Pension. Das Deutsche Institut für Service-Qualität ist von Motel One schon so begeistert, dass es dem Konzern in diesem Jahr den Titel »Bestes Budget-Hotel« verlieh.

Eines der neueren Motel-One-Hotels liegt in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofs. Genauer gesagt, am Steindamm, einer breiten Straße, die nicht gerade zum Flanieren einlädt, auch wenn seit ein paar Jahren keine Prostituierten mehr am Bordstein stehen. Der schmucklose cremefarbene Bau, 19 Stockwerke hoch, steht in einem Ensemble aus mehreren Hochhäusern und könnte auch die Zentrale eines Versicherungskonzerns beherbergen. Im Zusatz trägt das Hotel das Wort »Alster«, obwohl man bis dahin zehn Minuten läuft. Gemeint ist wohl eher der Alsterblick aus den Zimmern der oberen Etagen, der sich online aber nicht mitbuchen lässt. 

Nie wieder falsch liegen: Alle Hoteltests im Überblick © www.klocke-verlag.de

Die Dame beim Einchecken bedauert denn auch, dass sie den Gast nur im zweiten Stock unterbringen kann. Sie hätte auch sagen können: »Ihr Zimmer zeigt zum Hinterhof. Ziehen Sie besser die Vorhänge zu.« Aber das sagt sie nicht. Stattdessen bittet sie den Gast um seine Kreditkarte, hier wird sofort abgebucht. Sie sagt: »Check-in heißt bei uns gleichzeitig Check-out.« Sie hätte auch sagen können: »Nachdem Sie gezahlt haben, sind Sie uns ziemlich egal.« Aber auch das sagt sie nicht.

Die Rezeption geht über in eine Lounge mit ledernen Clubsesseln, rechts ist eine Steinwand, vor der zwei türkisfarbene Exemplare des Eggchairs stehen. Arne Jacobsen hat den eierförmigen Sessel 1958 für das Kopenhagener Royal Hotel entworfen, Motel One nutzt ihn für die Wiedererkennung der eigenen Marke. Im Alster-Hotel gibt es vier davon. Und dazwischen eine moderne Bogenlampe. Das war es dann aber auch mit dem Design.

Anzeige

Aktiv durch den Urlaub

Entdecken Sie ein vielfältiges Angebot rund um das Thema Aktivurlaub.

Reise starten

Kommentare

6 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Das Motel ist seinen Preis wert

Diese Art von Unterkunft ist in der Tat zwischen einem Hotel und einer Jugendherberge angesiedelt. Ich kenne das Motel-One durch einen Besuch von München und kann mich nur begeistert äußern. Die trendige und stylische Art der Ausstattung, das unkomplizierte Frühstück und der schlanke Service habe ich sehr genossen. Der Ausblick des Zimmers zeigte mir klar und direkt, wo ich mich befand. Mitten in München, in Laufweite zum Zentrum des Geschehens und dies alles für 65 Euro.
Natürlich habe ich bei der Abreise keine Worte gehört wie „Guten Morgen Herr Dr. Hettich, ich bin glücklich, dass Sie unser Haus beehrt haben. Ich hoffe, es war alles bestens zu Ihrer Zufriedenheit arrangiert und Sie haben sich sehr wohlgefühlt. Ich wünsche Ihnen eine angenehme, staufreie Heimreise und freue mich, Sie wieder als Gast unseres Hauses empfangen zu dürfen.“
Für solch einen Service werden vier oder gar fünf Hotelsterne vergeben und dies dokumentiert dann auch der mehrstellige Betrag auf der Hotelabrechnung.
Die Übernachtung im Motel-One ist ihren Preis wert und ich werde auch in Zukunft gerne bei dieser Art der Unterkunft buchen.

Ich fand es super.

Wir waren zweimal in verschiedenen Motel Ones in Berlin und würden es wieder buchen. Nicht nur, weil die Ausstattung ansprechend ist, sondern auch weil es vom Bad bis Bett sehr sauber war. Ich hatte hier nicht das Gefühl, ich müsste auf Zehenspitzen durchs Zimmer laufen, weil es so siffig ist. Und das hatte ich bisher in fast allen Unterkünften, egal ob Mini-Pension oder Hilton. Im Motel One war es eher, als wäre man der allererste Gast im Zimmer. Das mag sich über die Jahre natürlich relativieren..

Das Toast-Problem hatten wir allerdings auch. Am Frühstück sehe ich allerdings gar nichts zu meckern. Müsli, Obstsalat, Brötchen, Körnerbrötchen, Aufschnitt und leckere Marmelade in Glässchen. Dazu 'nen Milchkaffee. Perfekt. Wenn der Autor dort von mir einen frisch gepressen Orangensaft und Zeitung verlangt hätte, hätte er von mir auch den "Schnösel"-Blick bekommen.

Was das Personal angeht, naja, die waren in Berlin freundlich. Nicht mehr und nicht weniger. Aber wenn man darauf steht, dass einem in den Allerwertesten gekrochen wird, dann sollte man sich wohl besser woanders einquartieren.

Meine Erfahrung: Hamburg no, Frankfurt go

Es muss wohl doch an Hamburg liegen. Ja, München, Ja Frankfurt, Ja Berlin. Bisher immer gute Erfahrungen mit MotelOne gemacht und eigentlich MotelOne Fan. Nur das eine in Hamburg werde ich sicher nicht mehr besuchen. Auch für nur 60 EUR/Nacht will ich nicht in einem verschmutzten Bett schlafen müssen.

Woher dann dieser Erfolg?

Woran liegt die starke Expansion dieser Kette? Ich war noch nie in einem, aber 400 Zimmer muss man erst mal ausgelastet bekommen. Es gibt einfach einen Markt für bezahlbare Hotels in Stadtzentren mit W-Lan (der z.Bsp. in einem Leipziger 5 Sterne Hotel 20! Euro extra am Tag kosten sollte).
Das in einem derartigen Hotel am Personal gespart wird, ist klar und das bei 7,50 Euro für ein Frühstück kein frisch gepresster O-Saft inklusive sein kann, auch.