Google »Nach einer Frist gelöscht«

Wer bei Street View Einspruch erhebt, muss dafür seine Adresse angeben. Peter Fleischer ist Googles oberster Datenschützer. Er sagt im Interview, was dann damit passiert.

DIE ZEIT: Herr Fleischer, was viele Bürger beunruhigt: Sie wissen nicht, was Google mit der Adresse macht, die Ihr Unternehmen unweigerlich bekommt, wenn jemand widerspricht.

Peter Fleischer: Die Daten sind unerlässlich, um die Gebäude zu identifizieren. Wir nutzen wie öffentlich zugesagt die Adressen aber ausschließlich für das Widerspruchsverfahren. Sie werden, nachdem wir den Antrag bearbeitet haben, in einer mit den Datenschützern abgestimmten Frist gelöscht.

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ZEIT: Wieso hat es so lange gedauert, bis dieser Punkt gelöst war?

Fleischer: Internetunternehmen müssen immer ein Gleichgewicht finden zwischen dem Speichern von Daten, das dazu beitragen soll, einen Dienst zu verbessern, und dem Wunsch mancher Nutzer, Daten wieder zu löschen.

ZEIT: Nun scheint die Bundesregierung sich erneut damit zu befassen, ob dieses Gleichgewicht überall hergestellt ist – und wenn nicht, wie man es herstellen kann.

Fleischer: Ich sehe mit großem Interesse, dass der Bundesinnenminister zum 20. September eingeladen hat, um allgemein über Lokalisierungsdienste und Geodaten zu diskutieren. Die Privatsphäre-Debatte ist größer und reicht weiter als Street View.

ZEIT: Dann müssen Sie auch über Google Goggles reden. Diese Software läuft auf Handys, und anhand der Bilder der Handykamera kann Goggles Gegenstände und Gesichter erkennen.

Fleischer: Mit Google Goggles kann man Bilder erkennen, ohne dass sie beschrieben werden müssten. Aber die Gesichtserkennung haben wir aus Überzeugung ausgeschlossen, als wir Goggles eingeführt haben.

ZEIT: Warum?

Fleischer: Zum Schutz der Privatsphäre. Wir sind der Überzeugung, dass die Folgen für die Privatsphäre in Bezug auf die Gesichtserkennung bisher nicht abzuschätzen und nicht durchdacht sind. Es gibt im Internet viele Orte, an denen Gesichtserkennungssoftware schon eingesetzt wird. Wir haben uns bewusst gegen die Integration in Goggles entschieden. Ich habe im vergangenen halben Jahr sehr viel mit Datenschützern, Regulierern und technischen Experten in Europa über Gesichtserkennung diskutiert. Und alle sind der Meinung, dass dies eine sehr große Herausforderung ist. Kein Experte hat bisher eine gute Lösung.

ZEIT: Solche Dienste verändern die Debatte um die Privatsphäre fundamental, weil nun Menschen in Datenbanken geraten, die sich davon fernhalten wollen.

Fleischer: Die Technik ermöglicht es vielen jungen Unternehmen nun einmal, in kurzer Zeit sehr viele öffentlich im Internet zugängliche Daten zu neuen Diensten und neuen Geschäftsmodellen zu verarbeiten. Grundsätzlich ist das beispielsweise gut für Transparenz und Bildung. Es wird aber auch unser Konzept von Privatsphäre verändern.

ZEIT: Aber heißt das, wir müssen uns ergeben? Man kann mit dem Handy telefonieren, während man Auto fährt – wir haben es verboten. Wer hindert uns daran, uns neue Regeln für den Umgang mit der Privatsphäre auszudenken? Zum Beispiel: Veröffentliche nie ein Foto von anderen, ohne dass diese es erlauben?

Fleischer: Die Diskussion darf sich nicht auf ein Unternehmen konzentrieren, sie ist auch keine rein deutsche, und das führt mich zu einem wichtigen Punkt. Keine Regel wird auf Dauer ohne ein Mehr an internationaler Harmonisierung und Standardisierung wirksam sein. Alles muss parallel passieren. Und bis zu einem gewissen Grad passiert das auch schon.

 
Leser-Kommentare
  1. Und bei Unterlassung die Abmahngebühren tragen. Die Gestaltung z.B. meines Gartens ist mein geistiges Eigentum. Diesen auszuspähen, abzulichten und öffentlich zu verbreiten bedarf meiner Einwilligung. Ob das für das Geschäftsmodell von Google zumutbar ist oder nicht, das ist das Problem von Google.

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    • SoHo
    • 27.08.2010 um 20:05 Uhr

    Jeder Mensch darf Ihren Garten ansehen, ein Foto davon machen und das auch veröffentlichen.

    • Acrux
    • 27.08.2010 um 23:02 Uhr

    Tatsaechlich gibt es sowas im angelsaechsischen Rechtskreis, dass wer Geld mit Ihrer geistigen Leistung machen will, ihre Erlaubnis einzuholen hat (in der Fotografie: "property release"). Allerdings unterscheidet man auch dort zwischen "editorial" (fuer die keine property releases notwendig sind) und "commercial photography", fuer die jeweils andere Regeln gelten. Ein Dienst wie streetview duerfte auch dort ohne Probleme als Editorial durchgehen.

    Dem setzt das deuschte Recht die "Panoramafreiheit" entgegen, nach der Bilder von allem, was dauerhaft installiert und von oeffentlichem Gelaende einsehbar ist, genehmigungsfrei veroeffentlicht werden duerfen. Aufnehmen darf man die Bilder sowieso, das ist mit dem Verbot der Vorzensur geregelt. Ihr Garten waere wohl nur dann geschuetzt, wenn er von der Strasse aus nicht gesehen werden kann, und dann unabhaengig davon, ob es eine Brache oder ein Meisterwerk der Gartenkunst ist.

    • SoHo
    • 27.08.2010 um 20:05 Uhr

    Jeder Mensch darf Ihren Garten ansehen, ein Foto davon machen und das auch veröffentlichen.

    • Acrux
    • 27.08.2010 um 23:02 Uhr

    Tatsaechlich gibt es sowas im angelsaechsischen Rechtskreis, dass wer Geld mit Ihrer geistigen Leistung machen will, ihre Erlaubnis einzuholen hat (in der Fotografie: "property release"). Allerdings unterscheidet man auch dort zwischen "editorial" (fuer die keine property releases notwendig sind) und "commercial photography", fuer die jeweils andere Regeln gelten. Ein Dienst wie streetview duerfte auch dort ohne Probleme als Editorial durchgehen.

    Dem setzt das deuschte Recht die "Panoramafreiheit" entgegen, nach der Bilder von allem, was dauerhaft installiert und von oeffentlichem Gelaende einsehbar ist, genehmigungsfrei veroeffentlicht werden duerfen. Aufnehmen darf man die Bilder sowieso, das ist mit dem Verbot der Vorzensur geregelt. Ihr Garten waere wohl nur dann geschuetzt, wenn er von der Strasse aus nicht gesehen werden kann, und dann unabhaengig davon, ob es eine Brache oder ein Meisterwerk der Gartenkunst ist.

    • SoHo
    • 27.08.2010 um 20:05 Uhr

    Jeder Mensch darf Ihren Garten ansehen, ein Foto davon machen und das auch veröffentlichen.

    • Acrux
    • 27.08.2010 um 23:02 Uhr

    Tatsaechlich gibt es sowas im angelsaechsischen Rechtskreis, dass wer Geld mit Ihrer geistigen Leistung machen will, ihre Erlaubnis einzuholen hat (in der Fotografie: "property release"). Allerdings unterscheidet man auch dort zwischen "editorial" (fuer die keine property releases notwendig sind) und "commercial photography", fuer die jeweils andere Regeln gelten. Ein Dienst wie streetview duerfte auch dort ohne Probleme als Editorial durchgehen.

    Dem setzt das deuschte Recht die "Panoramafreiheit" entgegen, nach der Bilder von allem, was dauerhaft installiert und von oeffentlichem Gelaende einsehbar ist, genehmigungsfrei veroeffentlicht werden duerfen. Aufnehmen darf man die Bilder sowieso, das ist mit dem Verbot der Vorzensur geregelt. Ihr Garten waere wohl nur dann geschuetzt, wenn er von der Strasse aus nicht gesehen werden kann, und dann unabhaengig davon, ob es eine Brache oder ein Meisterwerk der Gartenkunst ist.

  2. so ein theater um dieses street view. wie kann man nur so kleinlich sein? sowas gibts echt nur in deutschland.

    dank street view kann man städte besuchen und sich die straßen anschauen, auch wenn man nicht geld hat dort hin zu reisen! schauen sie sich NYC, taipeh oder paris an! man sieht die leute und straßen im alltäglichen leben.

    das ist so genial, man kann über google earth zb. der verwandschaft im ausland zeigen, wo man wohnt. und ja, mich interessiert wie ihr garten ausschaut, geben sie mir ihre adresse? :DD viell. ist mein garten ja schöner ;)nein im ernst, so ne diskussion kanns nur in Dland geben.

    ich lebe schon so lange in dland, habe aber nur zwei städte besucht. deswegen warte ich jeden tag auf street view.

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    • LP
    • 31.08.2010 um 4:24 Uhr

    schön, dass Dir Street View gefällt.

    Versetzt Dich aber mal in die Lage einer alten Frau, die vom Internet keine Ahnung hat. Die hört, dass sich z.B. Einbrecher per Mausklick ein Bild von ihrem Haus machen können. Die ist dann verunsichert und ängstlich. Was spricht dagegen, dass die ihr Haus pixeln lässt?

    Stört doch weder Dich noch mich. Du wirst vermutlich eh nie an ihrem Haus "vorbeilaufen".

    Ich persönlich fand Street View am Anfang auch ganz interessant. Mitlerweile versuche ich aber wieder mehr Zeit im realen, urbanen Leben zu verbringen. Denn so toll ist Street View dann auch wieder nicht. Als Tourist mag es einem ab und zu mal helfen sich zu orientieren. Ansonsten wüsste ich nicht, wo der Nutzen liegt.

    • LP
    • 31.08.2010 um 4:24 Uhr

    schön, dass Dir Street View gefällt.

    Versetzt Dich aber mal in die Lage einer alten Frau, die vom Internet keine Ahnung hat. Die hört, dass sich z.B. Einbrecher per Mausklick ein Bild von ihrem Haus machen können. Die ist dann verunsichert und ängstlich. Was spricht dagegen, dass die ihr Haus pixeln lässt?

    Stört doch weder Dich noch mich. Du wirst vermutlich eh nie an ihrem Haus "vorbeilaufen".

    Ich persönlich fand Street View am Anfang auch ganz interessant. Mitlerweile versuche ich aber wieder mehr Zeit im realen, urbanen Leben zu verbringen. Denn so toll ist Street View dann auch wieder nicht. Als Tourist mag es einem ab und zu mal helfen sich zu orientieren. Ansonsten wüsste ich nicht, wo der Nutzen liegt.

    • LP
    • 31.08.2010 um 4:24 Uhr

    schön, dass Dir Street View gefällt.

    Versetzt Dich aber mal in die Lage einer alten Frau, die vom Internet keine Ahnung hat. Die hört, dass sich z.B. Einbrecher per Mausklick ein Bild von ihrem Haus machen können. Die ist dann verunsichert und ängstlich. Was spricht dagegen, dass die ihr Haus pixeln lässt?

    Stört doch weder Dich noch mich. Du wirst vermutlich eh nie an ihrem Haus "vorbeilaufen".

    Ich persönlich fand Street View am Anfang auch ganz interessant. Mitlerweile versuche ich aber wieder mehr Zeit im realen, urbanen Leben zu verbringen. Denn so toll ist Street View dann auch wieder nicht. Als Tourist mag es einem ab und zu mal helfen sich zu orientieren. Ansonsten wüsste ich nicht, wo der Nutzen liegt.

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