Margot Käßmann »Reiß dich zusammen, Margot!«Seite 5/5

ZEIT: Politiker betonen gern, sie könnten jederzeit in ihren alten Beruf zurück. Warum werden Sie nicht einfach wieder Pfarrerin?

Käßmann: Das kann ich auch.

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ZEIT: Aber Sie tun es nicht.

Käßmann: Ist das jetzt der Vorwurf: Sie sind sich zu schade für eine Ortsgemeinde?

ZEIT: Nein, aber es scheint für Sie schwieriger zu sein, als man es sich vorgestellt hat.

Käßmann: Ich predige gern, aber ich weiß auch, was es heißt, Gemeindepfarrerin zu sein. Die langfristige Perspektive will gut überlegt sein.

ZEIT: So ohne Amt, wer spricht jetzt, wenn Margot Käßmann spricht?

Käßmann: Eine Pfarrerin aus Hannover.

ZEIT: Wenn man nicht mehr mit dem Amt im Rücken sprechen kann, sind das Momente, wo Sie traurig sind?

Käßmann: Nein! Was mich traurig macht, sind ganz andere Sachen.

ZEIT: Was denn?

Käßmann: Dass der Generationswechsel in der Kirchenleitung nicht geklappt hat. Mein Vorgänger Wolfgang Huber war 67 Jahre, ich 51, als ich das Amt antrat. Dann die Frauenfrage: Eine Bischöfin ist immer auch ein Zeichen, dass wir nicht nur theoretisch sagen, Frauen können alle Ämter erlangen, die es in unserer Kirche gibt.

ZEIT: Dieser Prozess ist ans Ende gekommen?

Käßmann: Nein, es gibt die nächste Generation Frauen, die zehn, fünfzehn Jahre jünger sind als ich. Aber erst mal klafft da eine Lücke, weil nur noch Bischöfin Junkermann das in der EKD repräsentiert. Darüber bin ich ganz schön traurig. Da habe ich eben viele enttäuscht.

ZEIT: Was vermissen Sie jetzt besonders?

Käßmann: Die Festgottesdienste, die ich als Bischöfin erlebt habe. Auf dem Lande waren die allerschönsten. Da sind Junge und Alte, Arbeitslose und der Unternehmer vor Ort, und der Pfarrer grillt die Würstchen mit. Da ist Kirche lebendig, das ist Kirche at its best . Das habe ich besonders geliebt an dem Amt.

ZEIT: Ist es für Sie nicht auch gespenstisch, dass wir Sie hier im leer geräumten Büro treffen, in dem Sie noch mehr als fünf Jahre hätten sitzen sollen?

Käßmann: Ich habe hier gestern Abend gesessen bis halb elf, weil da noch Postberge lagen und Kisten. Als ich jetzt zurückkam, war es das erste Mal, dass das Büro so leer war. Da kamen mir doch ein bisschen die Tränen. Und die kommen jetzt auch. (lange Pause) Und dann höre ich die Stimme meiner Mutter: Reiß dich zusammen, Margot!

Das Gespräch führten Giovanni di Lorenzo und Patrik Schwarz

 
Leser-Kommentare
  1. Das hieß aber mal anders, als wir mit Torwartwitwen noch beim Trauern zuschauen mussten.

  2. Entfernt. Bitte regen Sie mit konstruktiven Beiträgen eine Diskussion an. Danke. Die Redaktion/sh

  3. Wie ich gelesen habe, soll Frau Käßmann auch noch eine
    Sendung im ZDF erhalten. Eigentlich hätte ich gedacht, daß
    eine Alkoholsünderin, noch dazu eine Theologin, nicht so sehr mit Professuren, Interviews und Fernsehauftritten an
    die Öffentlichkeit drängen, sondern eine Zeitlang reuig in
    sich gehen würde. Daß Straftaten sich nicht lohnen, wird
    durch dieses Beispiel leider nicht bestätigt.

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    • WHF
    • 30.08.2010 um 9:10 Uhr

    Sie sprechen mir aus der Seele.

    Danke

    • WHF
    • 30.08.2010 um 9:10 Uhr

    Sie sprechen mir aus der Seele.

    Danke

  4. Frau Käßmann ist ein Beweis:

    Sowohl Katholiken als auch der Islam liegen richtig: Eine Frau sollte kein Priester oder Imam werden.

    Sie ist beruflich gescheitert(musste ihr Amt niederlegen), sie ist privat gescheitert (geschieden), sie ist intellektuell gescheitert ("Nichts ist gut ..." ) und sie schafft es nicht, nach diesem Scheitern auf ganzer Linie in Demut im Privaten zu leben. Trotz anderslautender Bekundungen beglückt sie alles und jeden, den sie in die Finger bekommen kann, mit ihre Interviews.

    Gab es zudem nicht gerade noch eine Bischöfin, die bei den Evangelen mit dem Amt überfordert war und zurücktrat?

    Eine Leser-Empfehlung
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    Sie sind mir aber ein sehr Gescheiterter, wenn sie oft mit diesem Wort auf Frau Käßmann drauf hauen zu Glauben müssen.

    Frau Käßmann, bitte machen Sie weiter so. Bleiben Sie auch weiterhin so gradlinig, und treffen Sie auch weiterhin so akkurat den Nerv der Zeit.

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich in Ihren Kommentaren zu den Inhalten des Gesprächs. Danke. Die Redaktion/sh

    • dth
    • 29.08.2010 um 21:53 Uhr

    Wie ist das nun? Männer scheitern nicht oder wenn sie es tun, verschwinden sie reuig im Privatleben?
    Das würde ich dann aber doch gerne bei anderen Geistlichen oder auch Politikern mal beobachten...

    Die genannten zwei Personen seien der Beweis; da ist der Beweis des Gegenteils so simpel, dass ein Einlassen nicht lohnt.

    Deutschland ist ja ein freies Land, da können sie auch eine solche Meinung vertreten. Allerdings sollten sie eines Sachen bedenken:
    Männer sind als Geistliche absolut nicht unfehlbar
    1. gab grade einen Skandal der einen muslimischen Geistlichen und ein Prostituierte involvierte
    2. der Papst mit seiner kein-Kondom-Politik trägt u.a. ganz wunderbar zur Verbreitung des HI-Virus bei
    3. siehe Iran/Saudi-Arabien, bevor sie Frau Käßmann kritisieren, sollten sie einmal überlegen was dort geschieht, als Homosexueller kann man gesteinigt werden, Mädchen mussten im Feuer sterben weil sie keinen Hidschab trugen
    Und das alles unter der Herrschaft von Männern...
    also wenn sie mir allen Ernstes sagen können, dass Frau Käßmann das größere der genannten Probleme darstellt (mir fällt kein Ausdruck ein, der meine Meinung wiedergibt, ohne sofort zensiert zu werden)... [...]

    Achten Sie bitte auf einen respektvollen Umgangston. Danke. Die Redaktion/sh

    ist ein Beweis von Gegensatz!!!

    Sie sind mir aber ein sehr Gescheiterter, wenn sie oft mit diesem Wort auf Frau Käßmann drauf hauen zu Glauben müssen.

    Frau Käßmann, bitte machen Sie weiter so. Bleiben Sie auch weiterhin so gradlinig, und treffen Sie auch weiterhin so akkurat den Nerv der Zeit.

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich in Ihren Kommentaren zu den Inhalten des Gesprächs. Danke. Die Redaktion/sh

    • dth
    • 29.08.2010 um 21:53 Uhr

    Wie ist das nun? Männer scheitern nicht oder wenn sie es tun, verschwinden sie reuig im Privatleben?
    Das würde ich dann aber doch gerne bei anderen Geistlichen oder auch Politikern mal beobachten...

    Die genannten zwei Personen seien der Beweis; da ist der Beweis des Gegenteils so simpel, dass ein Einlassen nicht lohnt.

    Deutschland ist ja ein freies Land, da können sie auch eine solche Meinung vertreten. Allerdings sollten sie eines Sachen bedenken:
    Männer sind als Geistliche absolut nicht unfehlbar
    1. gab grade einen Skandal der einen muslimischen Geistlichen und ein Prostituierte involvierte
    2. der Papst mit seiner kein-Kondom-Politik trägt u.a. ganz wunderbar zur Verbreitung des HI-Virus bei
    3. siehe Iran/Saudi-Arabien, bevor sie Frau Käßmann kritisieren, sollten sie einmal überlegen was dort geschieht, als Homosexueller kann man gesteinigt werden, Mädchen mussten im Feuer sterben weil sie keinen Hidschab trugen
    Und das alles unter der Herrschaft von Männern...
    also wenn sie mir allen Ernstes sagen können, dass Frau Käßmann das größere der genannten Probleme darstellt (mir fällt kein Ausdruck ein, der meine Meinung wiedergibt, ohne sofort zensiert zu werden)... [...]

    Achten Sie bitte auf einen respektvollen Umgangston. Danke. Die Redaktion/sh

    ist ein Beweis von Gegensatz!!!

  5. dass nach Ihren Kriterien so ziemlich jeder irgendwo "gescheitert" ist, wo ist der Zusammenhang zwischen Käßmanns Lebensweg und Ihrem Geschlecht?

    Es gibt zum Beispiel exakt genauso viele Männer die geschieden sind.

    Sind desshalb Männer allgemein nicht als Pfarrer geeignet? Was haben Scheidungen (Die Tatsache, dass eine Beziehung nicht so verläuft wie man sich das vorstellt) überhaupt mit Berufseignung zu tun?

    • MaxII
    • 29.08.2010 um 19:34 Uhr
    6. [...]

    Entfernt. Verzichten Sie auf beleidigende Bemerkungen. Die Redaktion/sh

  6. dass Frau Käßmann es einfach nicht schafft, mindestens eine zeitlang ohne von ihr erzeugte mediale Aufmerksamkeit zu leben. Eine für eine Geistliche doch wohl eher nicht zu herausragende Eigenschaft. Nun ist sie allerdings seinerzeit ganz gewiß nicht Landesbischöfin und EKD-Ratsvorsitzende durch demütiges Verhalten geworden, sondern durch sehr "weltliche" Eigenschaften. Im Grunde halte ich Frau Käßmann als Geistliche am völlig falschen Platz, aber da ist sie in den evang. Amtskirchen nicht allein.

  7. 8. Na ...

    Sie sind mir aber ein sehr Gescheiterter, wenn sie oft mit diesem Wort auf Frau Käßmann drauf hauen zu Glauben müssen.

    Frau Käßmann, bitte machen Sie weiter so. Bleiben Sie auch weiterhin so gradlinig, und treffen Sie auch weiterhin so akkurat den Nerv der Zeit.

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