Mutter-Konflikte Im Feuchtgebiet der MamasSeite 2/2
Mit Eifer skizziert Badinter die Segnungen eines von Kindern unabhängigen Lebensstils. Sie begeistert sich für die Selbstverwirklichung am Arbeitsplatz, das Vergnügen am eigenen Geld. Liebevoll skizziert: von Muttermilch unbeschwerte Brüste, die Erotik einer Partnerschaft, zwischen die sich nicht Kinder drängeln. Fordernde Kinder, nach Muttis Aufmerksamkeit quengelnde Kinder. Kinder kommen in diesem Buch nicht gut weg, eigentlich streift sie diese nur am Rande.
Das liegt in einer Logik, die zwischen Mutter und Frau unterscheidet, und in der Tradition der französischen Geschichte, in der Frauen, erst adelige Damen, dann auch Bürgerinnen, die Kinder bedenkenlos an Ammen weiterreichten, auch wenn das die Überlebensraten der Kinder halbierte. Seit vier Jahrhunderten gilt Kinderaufzucht in Frankreich als delegierbar – und die Frage nach der Befindlichkeit der Kinder offensichtlich als Tabu. Da liegen sie, die Würmchen, im edlen Pariser Marais, in einem ehemaligen Laden hinter der Schaufensterscheibe, im Dutzend abgestillt und abgelegt. So eilt es sich leichtfüßig und ohne feuchte Flecken auf der Bluse zum Geldverdienen.
Badinters Beschwörungen der schönen Arbeitswelt haben den Sound der siebziger Jahre. Nicht nur, weil die Erwartungen an Freiheitsgewinne in der Arbeitswelt seitdem geschrumpft sind. Tatsächlich ist es ja eine vergleichsweise leichte Übung, die Kinder um acht im Bett zu haben – aber einem Chef erklären, was ein Feierabend ist? Mehr noch als das Leben mit Kindern ist Beruf immer häufiger ein 24-Stunden-Nonstop-Projekt. Und verliert in Zeiten globalisierter Krise den Charme von Wohlstandsversprechen und Sicherheit.
Die angebliche Wahlfreiheit zwischen einem Leben mit und einem Leben ohne Kinder folgt der Logik des Konsums, dem der Lifestyle-Varianten. So weit ist Begehren durchdrungen von den Gesetzen des Marktes. Aber Kinder, die Badinter in Folge der von ihr verehrten Simone de Beauvoir als vorübergehende Erscheinung betrachtet, sind in Wahrheit, um Beauvoir gegen Badinter in Anschlag zu bringen, in der Welt der reibungslosen Betriebsabläufe das Andere . Kinder haben einen Widerstand gegen das Getaktete, sie folgen eigenen Rhythmen, denen des Körpers und des gierig lernenden Geistes. Sie berühren das Kreatürliche in uns.
Wer sich dieser Einsicht öffnet, das spürt Badinter, bringt das schöne Gebäude zum Einsturz, in dem man sich als Arbeitskraft nur eingliedern kann, weil das Kind outgesourct ist. Den Preis dafür und dass in Frankreich so viele Kinder möglich sind, zahlen – Kinder, die an den Rand des Alltags geschoben sind. Den Preis dafür, dass in Deutschland das Kind in den Mittelpunkt des weiblichen Alltags gestellt wird, zahlen Frauen wie Männer mit erzwungener Kinderlosigkeit. Selbst im Sehnsuchtsland Schweden, wo Überstunden eingedämmt und Kinder im Zentrum eines fürsorglich ausgerichteten Bildungssystems stehen, herrscht Unzufriedenheit. Welche Hetze jeden Tag! Wofür, fragen die Frauen, deren Bezahlung auch in Skandinavien unterhalb des Lohns für Männer bleibt, die nach wie vor die schönsten Posten okkupieren. Nach Jahrzehnten der Auseinandersetzung, schreibt Badinter, funktioniere die männliche Herrschaft ungebrochen. "Nach wie vor teilen sie sich Geld, Macht, Einfluss." Während die Mädels streiten, was eine gute Mutter ist, wird andernorts Karriere gemacht. "Die chauvinistischen unter den Männern können sich freuen: Das Ende ihrer Vormacht ist nicht in Sicht. Sie haben ihren heimlichen Kampf gewonnen, ohne zu den Waffen zu greifen oder auch nur ein Wort zu sagen."
Einen Ausweg sieht Badinter in einer Familienpolitik, die Eltern ermöglicht, gleich nach der Geburt die Kinder partnerschaftlich zu versorgen. Wird es gelingen? In Kürze wird die Babyboomer-Generation ihre Arbeitsplätze räumen und eine große Nachfrage nach Arbeitskräften einsetzen. Ob dann noch jemand daran denkt, zu fragen, wie es den Kindern geht?
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- Datum 31.08.2010 - 15:23 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 26.08.2010 Nr. 35
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Schön, wenn man sein Recht zur Selbstverwirklichung wahrnehmen kann. Aber was ist mit seiner Pflicht, sich um die in die Welt gesetzten Kinder auch kümmern zu müssen? Delegierbar? Ich denke nein.
Auch Selbstverwirklichungsideologien werden eingeholt von den Tatsachen.Die Konsequenzen aber haben die zu tragen, die nicht mitbestimmen können was geschieht: Die Kinder.
aber das Ausgangsproblem bleibt.
Der eingeschlagene Weg zur Emanzipation ist mit so vielen Ösen und Haken versehen, das nicht nur Mann, sondern zusehends auch Frau sich fragt, ob es das Wert ist.
Damit ist das Ausgangsproblem nicht beseitigt, aber der aktuell verfolgte Lösungsweg zumindest deutlich entzaubert.
Das prinzipielle Problem der Frau liegt in der Entfremdung, schon mal gehört? Ein uralter sozialdemokratischer Begriff aus der Industrialisierung.
Die Arbeitswelt die seit dieser Zeit entstanden ist, ist im Grunde genommen widernatürlich und deshalb der Konflikt nicht auflösbar.
Was wir brauchen sind dezentrale Strukturen, die die Produktion wieder vor Ort verlegen, so dass Familien und Nachbarn und weniger Kollegen massgeblich für die Sozialisation sind. Ebenso eine Verringerung der notwendigen persönlichen Mobilität. Beides nähme den Frauen ihre fundamentalen Nachteile gegen über Männern.
Die größte Chance dem näher zu kommen liegt in der Virtualiserung der Produktionsstätten über das Internet.
Sollte das im großen Stil funktionieren muss sich Badinter kaum Sorgen um Rückschritte machen.
H.
Verstehen kann ich, daß in einer Zeit sinkender Löhne immer mehr Frauen arbeiten MÜSSEN, um das nötige Geld für die Familie beizuschaffen. Geht mir ja auch so. Auch daß Arbeiten immer noch besser sein kann als sich einem herrsüchtigen Mann des Geldes wegen anzudienen, leuchtet fraglos ein.
Aber ich kann wirklich nicht verstehen, warum frau arbeiten gehen WILL! Einen besseren Job als Familienfrau kann es doch gar nicht geben, einen sinnvolleren auch nicht. Selbstbestimmt arbeiten, selbst die Zeit einteilen, vielfältige Aufgaben erfüllen, kreativ sein - all das kann eine Familienfrau machen. Nur - bezahlt wird sie eben nicht.
Kein Chef. Keine stressigen Kunden. Keine langweiligen Akten. Keine unbezahlten Überstunden. Kein Berufsverkehr. Kein Stau. Keine öden Dienstreisen. Frauen, warum werft Ihr Euch selber aus dem Paradies anstatt Euch dagegen zu wehren, wenn die Männer das versuchen?????
Verstehen kann ich, daß in einer Zeit sinkender Löhne immer mehr Frauen arbeiten MÜSSEN, um das nötige Geld für die Familie beizuschaffen. Geht mir ja auch so. Auch daß Arbeiten immer noch besser sein kann als sich einem herrsüchtigen Mann des Geldes wegen anzudienen, leuchtet fraglos ein.
Aber ich kann wirklich nicht verstehen, warum frau arbeiten gehen WILL! Einen besseren Job als Familienfrau kann es doch gar nicht geben, einen sinnvolleren auch nicht. Selbstbestimmt arbeiten, selbst die Zeit einteilen, vielfältige Aufgaben erfüllen, kreativ sein - all das kann eine Familienfrau machen. Nur - bezahlt wird sie eben nicht.
Kein Chef. Keine stressigen Kunden. Keine langweiligen Akten. Keine unbezahlten Überstunden. Kein Berufsverkehr. Kein Stau. Keine öden Dienstreisen. Frauen, warum werft Ihr Euch selber aus dem Paradies anstatt Euch dagegen zu wehren, wenn die Männer das versuchen?????
"In Kürze wird die Babyboomer-Generation ihre Arbeitsplätze räumen und eine große Nachfrage nach Arbeitskräften einsetzen."
Das warten wir besser mal ab, ich befürchte nichts dergleichen wird geschehen. Die großen Verbände schiessen ja jetzt schon ununterbrochen für ausländische Zuwanderung (natürlich nur Qualifizierte ;-) und lügen einen Fachkräftemangel herbei der gar nicht existiert. Die EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit schlägt auch bald durch. Wer angesichts dieser Tatsachen paradiesische AN-Verhältnisse prognostiziert ist naiv.
Aber zum Thema: insgesamt ein guter Artikel, dem ich nur zustimmen kann. Auch ich sehe die Zukunft eher in einer Aufgabenteilung und zeitweiser Abgabe des Kindes und weder in Ein-Erzieher-Familie noch in ständiger Ganztagskinderbetreuung. Die Mischung machts. Man will ja auch was von dem Kind haben, wozu sollte man sonst den Stress und die Kosten in Kauf nehmen?
Und die gekonnte Mischung machts auch so schwer, da alles ineinandergreifen muss, in einer Gesellschaft in der buchstäblich nichts so richtig zusammenarbeitet und an allen Ecken (angeblich) das Geld fehlt.
Die Frau Badinter hat durchaus recht (soweit ich das beurteilen kann), das mit der Mutterliebe wurde jahrelang übertrieben. Allerdings geht gesellschaftlicher Wandel sehr wohl vonstatten, wenn auch langsam. Zumindest kenne ich in meiner Umgegend (auch) viele unkonventionelle Familien und viele die "traditionell" WOLLEN, dann bitte sollen sie doch.
[...]
Bitte vertrauen Sie auf Argumente. Die Redaktion/is
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auch nur in Ansätzen erlebt. Da schwadronieren seit Jahrezehnten kleinbürgerliche Intellektuelle über die angebliche Emanzipation der Frau in kapitalistischen Verhältnissen. Lächerlich. Da kommt es dann zu einem Gegensatz von Selbstverwirklichung und Kinder bekommen. Was für eine bornierte These.
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müssten ja fast alle Franzosen schwerste psychische Störungen haben. Ich lebe und arbeite nun seit über 5 Jahren in dem Land, und eher das Gegenteil ist der Fall. Zudem bin ich davon überzeugt, dass Frauen hier so viele Kinder haben, gerade wiel FRAU auch mit Kindern noch Karriere machen kann. Keine meiner Kolleginnen 'delegiert' ihre Kinder, sowohl Kinder als auch Eltern sind ausgeglichen und meine Kolleginnen sind meist glücklich, nach 3 Monaten wieder in den Berufsalltag einzusteigen, denn bei aller Liebe ist der Tanz um die Windeln nicht alles.
Mich bestürzt mit welchem Egoimus immer wieder das Kinderkriegen propagiert wird -besonders von Frauen. Als ob es keine andere Möglichkeit gebe, sich selbst zu verwirklichen. Das wohl größte und dringenste Problem der Menschheitgeschichte ist die zunehmende Überbevölkerung und es wird ausschließlich diskutiert, wie man Kinderkriegen und Karriere unter einem Dach kriegen kann. Anstatt auf das eine zu verzichten wird dem Egoismus gefrönt.
Noch befremdlicher ist da der Wunsch nach "von Muttermilch unbeschwerte Brüste". Die eigene Schönheit soll also über dem Wohl des Kindes stehen. So krank ist leider unsere Gesellschaft heute schon geworden. Ich, ich, ich und danach komme ich, egal was mit der Welt oder meinem so sehnsüchtig erwarteten Nachwuchs passiert.
sondern um ein grundlegendes Recht, seinen Beruf ausüben zu können - was soll daran so verwerflich sein? Warum sollte das FRAU verwehrt bleiben? Dann bräuchte FRAU ja weder zu studieren noch einen Ausbidlung zu machen, sie stünde danach je eh am Herd.
Und genauso wenig ist es verwerflich, wenn FRAU sich um ihr Aussehen sorgt, denn nur wenn sie zufrieden ist, wird sie ihre Zufriedenheit und Ausgeglichenheit auf Ihre Kinder übertragen können. Wenn Sie dagegen mit sich selbst unzufrieden ist und dies vielleicht noch an Kind und Partner auslässt, hat niemand was davon.
sondern um ein grundlegendes Recht, seinen Beruf ausüben zu können - was soll daran so verwerflich sein? Warum sollte das FRAU verwehrt bleiben? Dann bräuchte FRAU ja weder zu studieren noch einen Ausbidlung zu machen, sie stünde danach je eh am Herd.
Und genauso wenig ist es verwerflich, wenn FRAU sich um ihr Aussehen sorgt, denn nur wenn sie zufrieden ist, wird sie ihre Zufriedenheit und Ausgeglichenheit auf Ihre Kinder übertragen können. Wenn Sie dagegen mit sich selbst unzufrieden ist und dies vielleicht noch an Kind und Partner auslässt, hat niemand was davon.
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