Zweiter Weltkrieg Es war richtig, es war anders

Der polnische Autor Tomasz Łubieński provoziert seine Landsleute. Sein neues Thema: 1939, das Jahr des Kriegsbeginns

Polens Inszenierungen des Mythos, wie 2009 ein Denkmal auf der Westerplatte, reizen Thomasz Łubieński zum Widerspruch

Polens Inszenierungen des Mythos, wie 2009 ein Denkmal auf der Westerplatte, reizen Thomasz Łubieński zum Widerspruch

Polen ist in Mythen vernarrt. Mit Inbrunst werden die Helden der Aufstände auf Monumente gehievt, Polens Geschichte gerinnt zu einer langen Kette heroischer Taten. Der Historiker, Dramatiker und Essayist Tomasz Łubieński, 1938 in Warschau geboren, aber liebt es, an Mythen zu kratzen. So hat er sich vor einiger Zeit, zur Empörung vieler glühender Patrioten und vaterländischer Historiker, des Aufstands von 1944 gegen die deutschen Besatzer angenommen (wie in den siebziger Jahren schon der Aufstände gegen die Russen im 18. und 19. Jahrhundert). Łubieńskis ketzerisches Urteil: Vergeblich war der Aufstand, zu viele Opfer verlangte er, falsch von Anbeginn an!

In seinem neuen Buch 1939. Noch war Polen nicht verloren seziert er den Tag des Überfalls der Deutschen, den 1. September 1939; jetzt hat es, kein Jahr nach dem Erscheinen, der Berliner Verlag edition.fotoTapeta auf Deutsch herausgebracht (152 S., 12,80 €). Wieder schlugen die Wogen hoch. Denn, nicht wahr, selbst wenn die Nationalkonservativen eine Heldenlegende daran so recht nicht knüpfen können – zu einer Art heroischem Opfermythos taugt dieses Datum allemal. Zumal wir, die deutschen Nachbarn, aus polnischer Sicht diesen Jahrestag meist kühl ignorieren. Und jetzt kommt so ein Kleingläubiger wie Łubieński! Unerhört!

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Doch Łubieńskis fulminanter Essay ist alles andere als eine »Nestbeschmutzung«. Geglückt ist ihm ein erstaunlicher schreiberischer Drahtseilakt. Von den letzten Friedensmonaten reicht das Buch bis zum 1. September 1939 und dann weiter zu Hitlers triumphalem Auftritt am 5. Oktober in Warschau. Den Wahrheiten und Legenden nähert sich der Autor-Provokateur in großen Linien wie in kleinen Schraffuren an – erläutert auch am Beispiel der eigenen Familie. Einer seiner Onkel war in dieser Phase Staatssekretär bei Außenminister Jozef Beck, zwei weitere Verwandte arbeiteten 1939 in dessen Haus, alle einschließlich des Vaters hinterließen Notizen.

Aber er nimmt deswegen kein Blatt vor den Mund. Auch die gräfliche Familie bekommt ihren Teil ab. Ein bisschen biegsam, blind, ressentimentgeladen, so ging es doch auch bei ihnen zu Hause zu. Nein, Łubieński klagt nicht einfach andere an. Verblüffend unbefangen gegen jedermann liest der Autor Spuren, ob nicht etwa Polen selbst in nahezu allen entscheidenden Augenblicken nahezu alles falsch gemacht und am Ende Hitler sein Kalkül noch erleichtert habe.

Aber der Reihe nach. Für Tomasz Łubieński hängen beide Daten zusammen: 1939 und 1944, der September und der Aufstand. Die Septemberlegende sei komplizierter, und sie sei tragisch, »weil sie der Wahrheit nah kommt«. Was hatte Hitler wirklich verlangt?, spürt er der Frage von Geschichtsrevisoren nach. Den Anschluss von Danzig ans Reich, und dann den Korridor durch Ostpreußen, eine Eisenbahnlinie und eine Autobahn, was war das schon…

Leser-Kommentare
  1. als ausgemachter polnischer Ketzer jetzt seinen Posten wie Sarrazin, weil er die Vorgeschichte und die Rolle vom polnischen Außenminister Beck
    bei Hitler am Abend des WK2 im neuen Licht darstellt??

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    @Heinrich2006
    Weil Polen ein freies demokratisches Land ist. Lubienski zeigt dass es möglich ist om alles zu diskutieren. Wenn das zu heftigen Diskussionen führt in der Polnischen Gesellschaft, dann ist das nur ein gutes Zeichen: die demokratische Gesellschaft entwickelt sich.... Zu bedenken ist dass erst seit 20 Jahren das wieder möglich ist...

    @Heinrich2006
    Weil Polen ein freies demokratisches Land ist. Lubienski zeigt dass es möglich ist om alles zu diskutieren. Wenn das zu heftigen Diskussionen führt in der Polnischen Gesellschaft, dann ist das nur ein gutes Zeichen: die demokratische Gesellschaft entwickelt sich.... Zu bedenken ist dass erst seit 20 Jahren das wieder möglich ist...

  2. @ Heinrich2006

    Vergleiche solcher Art wie Sie sie andeuten, sollten nur nach reiflichem Studium beider Arbeiten angestellt werden, sofern das in Anbetracht der Verschiedenartigkeit der Themen überhaupt sinnvoll ist. Und wenn man das macht, dann sollten anstelle von Suggestivfragen konkrete Zusammenhänge angesprochen werden. Da ich Sarrazins Buch bislang nur zum Teil und Lubienskis noch gar nicht gelesen habe, kann ich keine eigene Einschätzung zur Qualität der Arbeiten geben (wobei das, was ich von Sarrazin bislang gelesen habe in wissenschaftlicher Hinsicht keinen guten Eindruck macht). Ihre Einschätzung würde mich daher sehr interessieren.

    • oooo
    • 10.10.2010 um 1:08 Uhr
    • Impuls
    • 28.12.2010 um 1:21 Uhr

    nur Nazi- Denke!
    So wird das jedenfalls immer in ZDF und ARD dargstellt.

    Eine Leser-Empfehlung
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    @Impuls
    Da haben Sie falsch gedacht und auch schlecht ferngesehen. Und was bedeutet der Unterschied zwischen Gut und Böse? Auch wenn Beck fehler gemacht hätte, es bleibt sonnenklar das Hitler cum suis enthousiastisch den Krieg der Kriege vorbereitet hat und kaltblütig angefangen hat mit breiter Unterstützung. Im nachherein war die Lage Polens sowieso hofnungslos, zwischen zwei imperialistischen Ländern und schwache Verbündete im Westen.
    Über den Warschauer Aufstand kann ich nur sagen das es hofnungslos war, eine falsche Entscheiding. Aber mann sollte die Umstände miteinbeziehen die zu dieser Entscheiding geführt haben.

    @Impuls
    Da haben Sie falsch gedacht und auch schlecht ferngesehen. Und was bedeutet der Unterschied zwischen Gut und Böse? Auch wenn Beck fehler gemacht hätte, es bleibt sonnenklar das Hitler cum suis enthousiastisch den Krieg der Kriege vorbereitet hat und kaltblütig angefangen hat mit breiter Unterstützung. Im nachherein war die Lage Polens sowieso hofnungslos, zwischen zwei imperialistischen Ländern und schwache Verbündete im Westen.
    Über den Warschauer Aufstand kann ich nur sagen das es hofnungslos war, eine falsche Entscheiding. Aber mann sollte die Umstände miteinbeziehen die zu dieser Entscheiding geführt haben.

  3. @Heinrich2006
    Weil Polen ein freies demokratisches Land ist. Lubienski zeigt dass es möglich ist om alles zu diskutieren. Wenn das zu heftigen Diskussionen führt in der Polnischen Gesellschaft, dann ist das nur ein gutes Zeichen: die demokratische Gesellschaft entwickelt sich.... Zu bedenken ist dass erst seit 20 Jahren das wieder möglich ist...

    Antwort auf "Verliert Lubienski"
  4. @Impuls
    Da haben Sie falsch gedacht und auch schlecht ferngesehen. Und was bedeutet der Unterschied zwischen Gut und Böse? Auch wenn Beck fehler gemacht hätte, es bleibt sonnenklar das Hitler cum suis enthousiastisch den Krieg der Kriege vorbereitet hat und kaltblütig angefangen hat mit breiter Unterstützung. Im nachherein war die Lage Polens sowieso hofnungslos, zwischen zwei imperialistischen Ländern und schwache Verbündete im Westen.
    Über den Warschauer Aufstand kann ich nur sagen das es hofnungslos war, eine falsche Entscheiding. Aber mann sollte die Umstände miteinbeziehen die zu dieser Entscheiding geführt haben.

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