Bahnprojekt Stuttgart 21 Doch. Nein. Doch
Wie sinnvoll ist das gewaltige Bahnprojekt Stuttgart 21? Und wie legitim der Protest dagegen? Der Architekt Christoph Ingenhoven und der Grünen-Politiker Boris Palmer im Streitgespräch über das teuerste Bauvorhaben der Republik
DIE ZEIT: Herr Ingenhoven, der Protest gegen den Bahnhof , den Sie für Stuttgart planen, ist so laut, als würde mitten in der Innenstadt ein Atomkraftwerk gebaut. Überrascht Sie das?
Christoph Ingenhoven: Sie können sich denken, dass ich mir mehr Freude, mehr Optimismus gewünscht hätte. Schließlich bekommt Stuttgart eine ungeheure Chance, die so nicht wiederkommen wird. Die Innenstadt ist ja schrecklich eingeschnürt, sie liegt in einem Tal, und weite Teile dieses Tals werden heute durch die Gleise und den Schlossgarten belegt. Das Projekt Stuttgart 21 will dafür sorgen, dass die Gleise in einem Tunnel verschwinden, sodass die Stadt endlich Luft und Raum bekommt. Und Sie glauben gar nicht, wie wunderbar die Ruhe sein wird, wenn endlich die Züge nicht mehr durchs Tal rumpeln. Diese Ruhe werden auch all jene genießen, die jetzt mit ihren Kerzen vor dem alten Bahnhof stehen.
ZEIT: Herr Palmer, stehen Sie auch mit einer Kerze vor dem Bahnhof?

Boris Palmer, Jahrgang 1972, arbeitete lange als Verkehrspolitiker der Grünen im Landtag von Baden-Württemberg. Heute ist er in Tübingen Oberbürgermeister
Boris Palmer: Ich unterstütze den Protest und bin gegen diesen brachialen Irrsinn. Stuttgart 21 schadet dem Schienenverkehr im Land, weil die neuen Tunnelstrecken zu vielen Engpässen führen. Zudem ist das Ganze saumäßig teuer.
Ingenhoven: Das ist doch reine Polemik. Der neue Bahnhof bringt Stuttgart ungeheure Vorteile. So verkürzt sich die Fahrzeit zum Flughafen und zur Messe von 27 auf 8 Minuten! Und das wird viele Leute interessieren, mich zum Beispiel.
Palmer: Das ist richtig, aber eine Nebensache. Wichtiger ist die Anbindung der vielen Orte im Umkreis. Und da kann ich Ihnen berichten: Heute braucht der schnellste Zug mit Neigetechnik nach Tübingen 41 Minuten. Mit dem neuen Tunnelbahnhof braucht er 42.

Christoph Ingenhoven, Jahrgang 1960, ist Architekt in Düsseldorf. Er gewann 1997 den Wettbewerb um den Neubau des Stuttgarter Hauptbahnhofs
Ingenhoven: Sie sprechen von einem Expresszug, der nur in Reutlingen hält. In Zukunft werden in Ihre 42 Minuten zwei weitere Haltepunkte integriert. Außerdem wissen Sie, dass die Strecken nach Mannheim, nach Karlsruhe, nach Ulm deutlich schneller werden.
Palmer: Auf der Strecke nach Mannheim werden Sie zwei Minuten sparen. Und nach München brauchen Sie nur zehn Minuten weniger als 1995.
Ingenhoven: Wenn wir aber von heute sprechen, brauchen Sie von Stuttgart nach München zwei Stunden und zwanzig Minuten. Zukünftig, wenn auch die Strecke Ulm–München ausgebaut ist, geht es in einer Stunde und vierzig Minuten. Wissen Sie, mir kommt es so vor, als wollten Sie gerne von den schnellen Strecken in anderen Teilen Deutschlands profitieren, selber aber keinen Beitrag leisten. Erst in der Summe vieler kleiner Zeiteinsparungen wird das Gesamtnetz der Bahn wirklich schnell. Deswegen muss Baden-Württemberg auch etwas tun.
Palmer: Ich will halt nicht vier Milliarden für vier Minuten ausgeben.
Ingenhoven: Tun Sie auch nicht.
Palmer: Doch, das ist der Zeitgewinn durch den neuen Tunnelbahnhof.
Ingenhoven: Sie müssen doch auch sehen, dass sich Stuttgart 21 als Konjunkturprogramm im Lande auswirkt. Allein in der Stuttgarter Innenstadt gibt es ein Entwicklungspotenzial von mindestens einer Milliarde Euro.
Palmer: Das stimmt, aber die vier Milliarden, die Sie im Tal ausgeben müssen, um den Bahnhof in den Tunnel zu verlegen, bringen für die Verbindung von Mannheim nach Ulm nur vier Minuten.
Ingenhoven: Sie greifen sich jetzt ein besonders abstruses Beispiel heraus, das die Komplexität des Projekts verkennt.
Palmer: Nein, das ist die ICE-Strecke, auf der am meisten Zeit gewonnen wird.
- Datum 02.09.2010 - 14:57 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 26.08.2010 Nr. 35
- Kommentare 45
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Verständlich ! Und alles andere:
kopfschüttel, kopfschüttel und nochmal kopfschüttel !
Bestünde die Menschheit mehrheitlich aus Leuten wie Herrn Palmer, wäre unsere größte Errungenschaft heute noch ein Steinkeil...
Wenn man die Proteste und die plumpen Argumente sieht, würde man es den Menschen fast gönnen, dass Stuttgart 21 nicht gebaut wird, aber so gemein kann ich einfach nicht sein...
Bestünde die Welt heutzutage mehrheitlich aus Köpfen und Herzen wie Boris Palmer stünde es insgesamt sicher etwas besser um Mutter Erde:
http://www.sonnenseite.co...
Bestünde die Welt heutzutage mehrheitlich aus Köpfen und Herzen wie Boris Palmer stünde es insgesamt sicher etwas besser um Mutter Erde:
http://www.sonnenseite.co...
Bestünde die Welt heutzutage mehrheitlich aus Köpfen und Herzen wie Boris Palmer stünde es insgesamt sicher etwas besser um Mutter Erde:
http://www.sonnenseite.co...
Es steht Ihnen frei, das Leben vor der Existenz des Automobils, der Zentralheizung, des fliessenden Wassers, des Telephons, der Eisenbahn und der Antibiotika zu leben. Ausserdem steht es Ihnen frei, ohne irgendwelche Maschinen auszukommen, die ab der Zeit des Manchester Kapitalismus entwickelt wurden.
Auch dürfen Sie selbstverständlich auf allen Gebieten von Stuttgart bis Stuttgart denken.
Es steht Ihnen frei, das Leben vor der Existenz des Automobils, der Zentralheizung, des fliessenden Wassers, des Telephons, der Eisenbahn und der Antibiotika zu leben. Ausserdem steht es Ihnen frei, ohne irgendwelche Maschinen auszukommen, die ab der Zeit des Manchester Kapitalismus entwickelt wurden.
Auch dürfen Sie selbstverständlich auf allen Gebieten von Stuttgart bis Stuttgart denken.
Das betrifft ganz Deutschland!
Erstens werden auch Bundesgelder verschleudert.
Zweitens geht es um den respektlosen Umgang bürgerferner Politiker welche entgegen der Mehrheit der Bevölkerung sich Pöstchen und Gelder zuschieben.
Ich habe grossen Respekt vor dem breiten Widerstand der Stuttgarter
Hier ist live zu sehen, wie die Politik die Wünsche der Menschen ignoriert.
http://webcam.schrem.eu/
Hier ist live zu erleben, wie die Menschen sich dagegen organisieren
http://www.parkschuetzer.de/
Jeden Mittwoch "Schwabenstreich" (ab 10 Sekunden vor 19h ) auch in Berlin am HBF, Eingang Washingtonplatz.
Oben bleiben!
"großen Kasperletheaters" oder zielführendes Engagement für eine bessere Zukunft ...
???
Soviel zu ihrer Frage, wie lange noch?
Bestimmt die Antwort nicht jeder EINZELNE mit ! ??? EINZELNE mit!
(oder wollen Sie ein weiteres chronisch-resigniertes Mitglied einer Opfermentalität's-Gesellschaft sein ??)
http://www.mehr-demokrati...
http://www.omnibus.org/ak...
http://www.initiative-gru...
http://www.unternimm-das-...
http://www.youtube.com/wa...
sorry für die Doppel-Mopplung!
ich hätte nicht gedacht, dass Borisle (so sagt man bei uns) als Politiker und OB eine so schwache Vorstellung abgibt. Obwohl sich Ingenhoven als Architekt eigentlich zurücklehnen könnte, hat er auch bei fachfremden Fragen die besseren Antworten.
Mir bleibt jetzt nur die Frage: will Borisle in Stuttgart den Boris machen?
[...]
Bitte bemühen Sie sich um eine respektvolle Ausdrucksweise. Die Redaktion/is
Also für mich hatte Palmer eidneutig die besseren Argumente.A ebr sie können ja gerne mal sagen,a n elcher stelle ingenhoven sich denn als fachfremd und doch versiert erwisen haben soll?
es ist interessant, dass sie Ingenhoven die besseren argumente zugestehen. das scheint auch der grund für die differenzen zu sein.
es fällt mir oft auf, das konservative nur eine begrenzte argumentation haben und auch sehr gut ausblenden.
liberale denken jedoch ganzheitlicher.
Also für mich hatte Palmer eidneutig die besseren Argumente.A ebr sie können ja gerne mal sagen,a n elcher stelle ingenhoven sich denn als fachfremd und doch versiert erwisen haben soll?
es ist interessant, dass sie Ingenhoven die besseren argumente zugestehen. das scheint auch der grund für die differenzen zu sein.
es fällt mir oft auf, das konservative nur eine begrenzte argumentation haben und auch sehr gut ausblenden.
liberale denken jedoch ganzheitlicher.
Hallo,
Ich bin kein Stuttgarter und ziemlich erstaunt über die Aggressivität wie die Protestbewegungen vorgehen. Es geht um den Neubau eines Bahnhofs! Es geht nicht um ein Atomkraftwerk oder einen militärischen Stützpunkt, trotzdem könnte man meinen es müsse mit aller Härte verhindert werden dass die Schienen zukünftig unterirdisch verlaufen. Es geht auch nicht darum dass die Steuern erhöht werden und die Gehälter gekürzt werden, dass Menschen entlassen und Bildung gestrichen wird. Es geht darum wer bestimmen darf wieviel Geld für einen Bahnhof ausgegeben werden darf. Und das ist nicht das Thema. Ich glaube ein großteil der Bevölkerung ist zu sehr emotional belastet und wütend auf die vorgehensweise der Stadt und der Bahn. Sich hätte man sich nun gerne beteiligen wollen, aber vielleicht hätte man sich dann einfach auch mal früher beteiligen sollen!
lg
Nils
"Es geht auch nicht darum dass die Steuern erhöht werden und die Gehälter gekürzt werden, dass Menschen entlassen und Bildung gestrichen wird. "
Da werden Milliarden in ein Prestigeprojekt (für Schuster, Ingenhoven etc.), dass keinen nennenswerten Vorteil bringt, fließen, während zugleich z.B. die Kindertagesstätten Gebühren erhöht werden und Stellen gestrichen.
Ist übrigens ein Grund für einige Stuttgarter auf die Straße zu gehen, welche das nicht mitmachen wollen.
"ich hätte man sich nun gerne beteiligen wollen, aber vielleicht hätte man sich dann einfach auch mal früher beteiligen sollen!"
Mittschnitt einer "öffentlichen" Bürgerbeteiligung 1997!!!!!!
http://webcam.schrem.eu/S...
Das "demokratische Verfahren" bestand bisher darin alle Bedenken der Bürger per Gerichtsentscheidung abzulehnen.
Es geht auch nicht um den "Neubau eines Bahnhofs", wie Sie schreiben.
Es geht um ein Milliarden Grab mit unbekanntem Ausgang.
Es geht um die Abholzung hundertjähriger Bäume iim Park im Herzen Stuttgarts.
(mit allen dort lebenden Tieren)
Zugunsten Investoren, welche dort teure Betonblöcke errichten wollen.
Es geht um Vetternwirtschaft und Korruption.
Es geht um in die eigene Tasche wirtschaften.
Es geht um Filz zwischen Politik und Kapital auf Kosten des Willens und der Lebensqualität der Menschen.
Und natürlich haben Sie Recht, dass es erstaunlich ist, dass bei diesen Missständen generell nicht dauerhaft mehr Bürger täglich auf die Strassen gehen - bundesweit!!!
...in der Protestbewegung, der ich seit zwei Wochen angehöre - im Gegenteil. Sobald nur das geringste aufkeimende Fehlverhalten von Demonstranten zu spüren ist werden die sofort von allen zurückgehalten. Das sind friedlichste Bürgerproteste - zu denen ich Sie gerne einladen würde, damit Sie sich ein Bild vor Ort machen können.
"Es geht auch nicht darum dass die Steuern erhöht werden und die Gehälter gekürzt werden, dass Menschen entlassen und Bildung gestrichen wird. "
Da werden Milliarden in ein Prestigeprojekt (für Schuster, Ingenhoven etc.), dass keinen nennenswerten Vorteil bringt, fließen, während zugleich z.B. die Kindertagesstätten Gebühren erhöht werden und Stellen gestrichen.
Ist übrigens ein Grund für einige Stuttgarter auf die Straße zu gehen, welche das nicht mitmachen wollen.
"ich hätte man sich nun gerne beteiligen wollen, aber vielleicht hätte man sich dann einfach auch mal früher beteiligen sollen!"
Mittschnitt einer "öffentlichen" Bürgerbeteiligung 1997!!!!!!
http://webcam.schrem.eu/S...
Das "demokratische Verfahren" bestand bisher darin alle Bedenken der Bürger per Gerichtsentscheidung abzulehnen.
Es geht auch nicht um den "Neubau eines Bahnhofs", wie Sie schreiben.
Es geht um ein Milliarden Grab mit unbekanntem Ausgang.
Es geht um die Abholzung hundertjähriger Bäume iim Park im Herzen Stuttgarts.
(mit allen dort lebenden Tieren)
Zugunsten Investoren, welche dort teure Betonblöcke errichten wollen.
Es geht um Vetternwirtschaft und Korruption.
Es geht um in die eigene Tasche wirtschaften.
Es geht um Filz zwischen Politik und Kapital auf Kosten des Willens und der Lebensqualität der Menschen.
Und natürlich haben Sie Recht, dass es erstaunlich ist, dass bei diesen Missständen generell nicht dauerhaft mehr Bürger täglich auf die Strassen gehen - bundesweit!!!
...in der Protestbewegung, der ich seit zwei Wochen angehöre - im Gegenteil. Sobald nur das geringste aufkeimende Fehlverhalten von Demonstranten zu spüren ist werden die sofort von allen zurückgehalten. Das sind friedlichste Bürgerproteste - zu denen ich Sie gerne einladen würde, damit Sie sich ein Bild vor Ort machen können.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren