Jessica Biel "Schon als Kind drängte ich mich bei Videos nach vorn"
Die 28-jährige Schauspielerin Jessica Biel
Eine Theorie besagt, es gebe zwei Arten von Nachtträumen: Die, an die wir uns am nächsten Morgen erinnern, bleiben Fantasiegebilde, abseits der Realität. Die Träume aber, an die wir uns nicht bewusst erinnern, sind Wahrträume, sie deuten an, was tatsächlich geschehen wird. Eine sehr faszinierende These, leider werde ich wohl nie erfahren, ob sie stimmt.
Meine Träume sind oft extrem realistisch. In letzter Zeit habe ich häufig von Spinnen geträumt. In einem Traum legt Sharlto Copley, mit dem ich gerade arbeitete, zwei große Spinnen vor mir auf den Tisch und sagt: »Bring die bitte mit, wenn du zur Arbeit kommst.« Ich packe also die Spinnen in eine Schachtel. Aber die Schachtel schließt nicht richtig, die Spinnen krabbeln raus, Hunderte von ihnen. Den Rest des Traumes jagen Sharlto und ich Spinnen und bewerfen uns gegenseitig damit. Ein seltsamer Traum. Vielleicht rührt er daher, dass ich in den Wochen zuvor tatsächlich mehrfach Spinnen in meinem Schlafzimmer hatte. Eines Morgens wachte ich auf, weil etwas über mein Gesicht krabbelte. Als ich das Licht anknipste, sah ich, dass es eine fette Spinne war. Ich habe nichts gegen Spinnen, aber auf meinem Gesicht haben sie nichts verloren. Dann hat mir ein Freund erklärt, Spinnen seien ein gutes Omen. Also dann, her mit den Spinnen!
Als kleines Mädchen hatte ich viele Tagträume. Ich bin sehr naturverbunden aufgewachsen, in den Bergen Colorados, ich habe beinahe meine gesamte Freizeit mit Klettern, Rafting oder Skifahren verbracht. Ich bewunderte die Fußballnationalspielerin Mia Hamm und träumte davon, selbst für die USA zu spielen.
Manche meiner Träume handelten davon, ein umjubelter Star zu sein. Schon als Kind habe ich mich bei allen Familienvideos in den Vordergrund gedrängt. Ich wollte Schauspielerin oder Sängerin werden, meine Idole waren Julia Roberts und Whitney Houston.
Vieles, wovon ich damals geträumt habe, ist heute meine tägliche Arbeit. Eine wunderbare Arbeit, aber eben auch nur ein Job. Einer, der auch weniger traumhafte Seiten hat – den Verlust der Anonymität, die Ellenbogenkämpfe in Hollywood.
Wäre ich nicht Schauspielerin geworden, würde ich wahrscheinlich im Wüstensand graben und Mumien ausbuddeln. Ich bin fasziniert von der ägyptischen Zivilisation, Kultur und Architektur. Vom Totenkult, von den wunderbaren Tempeln und Pyramiden, die die alten Ägypter für das Leben nach dem Tod gebaut haben. Ich träume davon, eine Expedition nach Ägypten zu führen, auf der Suche nach dem Grab des vergessenen Ururgroßvaters von Tutenchamun. Leider war ich noch nie in Ägypten.
Ein anderer, vielleicht etwas realistischerer Traum: Ich liebe es, zu fotografieren, einen Augenblick im Bild festzuhalten, der nicht wiederkommt. Ich träume von einer Ausstellung meiner Bilder in einer Galerie, nur einer einzigen. Ich würde gerne wissen, wie andere Menschen auf meine Fotos reagieren.
Aufgezeichnet von Jörg Böckem
- Datum 29.08.2010 - 09:34 Uhr
- Serie Ich habe einen Traum
- Quelle ZEITmagazin, 26.08.2010 Nr. 35
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