Selbstfindung Lieblingsfach MatteSeite 3/3

Ich bin dem Yoga treu geblieben auf eine Art, wie ich nie einem »Hobby« treu geblieben bin; was nur zeigt, dass Yoga kein Hobby für mich ist, sondern das Paradies. Wenn ich in einer mir fremden Stadt einen guten Yoga-Kurs finde, dann ist das ein ähnliches Gefühl, wie es vielleicht die Katholiken des Altertums hatten, wenn sie in irgendeiner Stadt im Irgendwo unerwartet in eine lateinische Messe stolperten; bei den ersten vertrauten Silben des Ritus waren sie »zu Hause«.

Und wissen Sie was? Es muss noch nicht mal ein guter Yoga-Kurs sein. Garrison Keilor hat einmal gesagt, dass der schlechteste Kürbiskuchen, den er je gegessen hat, auch nicht so viel schlechter geschmeckt hat als der beste Kürbiskuchen, den er je gegessen hat – und genau so geht es mir in Bezug auf einen Yoga-Kurs. Selbst in den schluffigsten und primitivsten Studios habe ich immer alle Möglichkeiten gehabt, mich zu verwandeln. Ich habe durchaus eine ganze Reihe hervorragender Lehrer erlebt, aber ich fürchte auch ein paar echte Trottel (darunter eine Frau, die die Teilnehmer ihres Kurses immer wieder antrieb: »Macht schon! Schaut euch eure Nachbarin an, und versucht genau das, was sie macht!«). Es macht so oder so keinen gewaltigen Unterschied.

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Als ich erst mal die Grundlagen meines eigenen Yoga erkannt hatte – erkannt hatte, wo die Grenzen meines Körpers liegen und was er braucht –, wusste ich, dass ich jederzeit auch unter Anleitung eines anderen mein eigenes Yoga perfekt praktizieren konnte, egal, wie fehlerbehaftet der andere (oder ich) auch sein mochte.

Immer wieder im Laufe meiner nun fünfzehnjährigen Yoga-Praxis bin ich müde und bedrückt und ausgebrannt zu meinem Kurs gegangen, aber jedes Mal passiert irgendetwas, meiner Müdigkeit und meinem Widerstand gleichsam zum Trotz. Als ich an jenem Abend nach meiner ersten Yoga-Stunde in den engen Jeans und dem Schwitzpullover nach Hause ging, habe ich mir gesagt: Du bist nicht die, die du immer zu sein geglaubt hast – und diese Lektion habe ich über die Jahre hinweg wieder und wieder neu gelernt.

Jedes Mal kommt der heilige Augenblick (meistens zur Mitte der Stunde hin), in dem ich plötzlich spüre, dass ich meine Schmerzen und Schwächen, dass ich meinen schwerfälligen menschlichen Geist abgestreift und mich einen Wimpernschlag lang in etwas anderes verwandelt habe: einen Adler, eine Katze, einen Kranich, einen Delfin, ein Kind.

Und dann gehe ich wieder nach Hause, stecke wieder in meiner eigenen Haut und wage einen neuen Versuch in Sachen Leben, jedes Mal besser. Und alles ist besser, viel besser. Nebenbei, meine undurchdringliche Weste hat sich in Luft aufgelöst. Und mein Rücken? Nein, der tut nicht mehr weh.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Warum

    ist auf dem Foto nur dieses Verkäuferlächeln zu sehen. OberlehrerINNINNhaft - Ich-weiß-alles -- Komm`zu mir

    Mit Komerz hat dies nichts zu tun - kann ich mir nicht vorstellen

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    lächelt diese frau nur in die kamera, mit stolzfunkelnden augen - was soll daran so schlimm sein? und der kommerz - sie vermarktet ja offensichtlich ein buch und den film dazu. doch müssen sie weder das buch lesen noch den film anschauen...werde ich auch nicht tun. doch manche menschen verdienen sich so ihr geld, und yoga tut tatsächlich niemanden weh. eifersüchtig? ;)

    lächelt diese frau nur in die kamera, mit stolzfunkelnden augen - was soll daran so schlimm sein? und der kommerz - sie vermarktet ja offensichtlich ein buch und den film dazu. doch müssen sie weder das buch lesen noch den film anschauen...werde ich auch nicht tun. doch manche menschen verdienen sich so ihr geld, und yoga tut tatsächlich niemanden weh. eifersüchtig? ;)

  2. und cha-cha-cha???

    na ja - Yoga, ja ... eben:

    http://www.youtube.com/wa...

    Immerhin, Shakti wird ja schonmal erwähnt ...

  3. lächelt diese frau nur in die kamera, mit stolzfunkelnden augen - was soll daran so schlimm sein? und der kommerz - sie vermarktet ja offensichtlich ein buch und den film dazu. doch müssen sie weder das buch lesen noch den film anschauen...werde ich auch nicht tun. doch manche menschen verdienen sich so ihr geld, und yoga tut tatsächlich niemanden weh. eifersüchtig? ;)

    Antwort auf "Warum"
  4. Wer über längere Zeit Yoga praktiziert hat, weiß wovon diese
    Dame spricht. Mir und allen Freunden, die regelmäßig Yoga machen, hat es nicht nur eine bessere Gesundheit und Beweglichkeit gebracht, sondern auch immer wieder ein entspanntes Lächeln ins Gesicht gezaubert. Übrigens, jenseits
    allen Kommerzes.

    Eine Leser-Empfehlung
  5. hier? geheime werbung für buch oder film, geschrieben von einer offensichtlich klassisch dümmlich, oberflächlichen amerikanerin?
    allein die sätze zu lesen tut weh.

  6. Was Elizabeth Gilbert über Yoga schreibt, wird jeder, der ihn ernsthaft und regelmässig praktiziert, bestätigen. Yoga ist nicht nur eine der ältesten, sondern vielleicht auch das wirksamste Selbstverbesserung-System, das der Mensch entwickelt hat, ein System welches in seiner Integrität (8 Stufen) zu einer Art Selbstfindung , Erleuchtung und Wahrnehmung einer universalen oder göttlichen Kraft führen kann. Es ist jedoch keine Glaubenslehre, sondern ein Erfahrungsweg. Es gibt in Stein gemeisselte Beweise dafür, dass die Geschichte des Yoga in Indien fünftausend Jahre zurückgeht und zu verschiedenen Systemen geführt hat. Erst Ende des 19./Anfang 20. Jahrhunderts wurde Yoga im Westen bekannt und gewann zunehmend an Popularität, vornehmlich die Körper- Atem- und Meditationsmethoden. Der klassische Hatha-Yoga wurde Ausgangspunkt für moderne Systeme wie die in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts von Joseph Pilates entwickelte und nach ihm benannte weltweit praktizierte Heiltherapie. Feldenkrais, Bikram, Iyengar, Kripalu sind weitere neuzeitliche Yoga-Richtungen.
    Mehr unter:
    http://community.zeit.de/...

  7. Da haette man mehr darsu machen koennen.
    Yoga, das ist nicht nur begrenzt auf die Leibesuebungen,
    sondern umfasst auch Moral, Ernaehrung, Atemtechniken uvm.

    • derG
    • 31.08.2010 um 11:41 Uhr

    "Ich fühlte mich eins mit den energetischen Subschwingungen des Universums."

    Das war zuviel des Guten...

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  • Quelle ZEITmagazin, 26.08.2010 Nr. 35
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