Szene neun in der endlosen Tragödie um die Parzelle zwischen Mittelmeer und Jordan. Acht Mal haben sich Israelis und Palästinenser seit 1979 getroffen. Vier US-Präsidenten haben resigniert. Jetzt will es der fünfte, Barack Obama, wissen. Für Donnerstag hat er Israelis und Palästinenser, Ägypter und Jordanier an den Washingtoner Tisch beordert. Schmal ist die Chance, dass Szene neun zum Happy End führen wird. 

Zuerst die guten Nachrichten. Der Terror sinkt gen null; anders als der ewige Zündler Arafat sind Präsident Abbas und Premier Fayad an einem halbwegs haltbaren Deal interessiert. Auch Netanjahu hat sich zur Zweistaatlichkeit durchgequält. Die Anrainer in Amman und Kairo werden das Geschäft zumindest nicht sabotieren wollen – anders als Iran oder Syrien.

Die schlechten Nachrichten? So bizarr es auch klingt, haben weder die Israelis noch die Palästinenser einen überwältigenden Grund zum Positionswechsel. Ja, die Palästinenser leiden unter Besatzung und Besiedelung; sie wollen endlich den eigenen Staat. Nur sind die Kosten enorm. Sie müssten sich mit einem Drittel des Landes begnügen, wo ihnen doch das ganze gebühre. Sie müssten das Rückkehrrecht opfern, denn das wäre das demografische Ende des Staates Israel. Und sie müssten die militärische Oberaufsicht akzeptieren, weil schon weitreichende Artillerie Israels Herz treffen könnte.

Die Israelis hätten es nicht leichter: das halbe statt des ganzen Jerusalem; nie mehr "Judäa und Samaria"; Verlust des strategischen Puffers im Osten, die Zwangsumsiedlung aus dem Westjordanland, die den Bürgerkrieg heraufbeschwört. Im Inneren stünden beide Regierungen mit jeder Konzession als "Verräter" vor dem politischen Selbstmord. Netanjahu könnte schon morgen stürzen; zu labil sind alle israelischen Koalitionen. Abbas und Fayad dräut Schlimmeres: die Kugel oder Autobombe.

Deshalb wird auch beim neunten Mal kein großer Wurf gelingen, nicht einmal ein mittlerer. Trotzdem wieder bessere Nachrichten. Noch nie sind Palästinenser und Israelis so geschäftsmäßig miteinander umgegangen wie heute. Vor der Weltöffentlichkeit geben sie die mürrischen Buben; hinter den Kameras praktizieren sie nie da gewesene Koexistenz – mit aufsteigender Tendenz.

Die Palästinenser unter Fayad bauen zum ersten Mal ein Gerüst staatlicher Institutionen. Der Premier hat es offenbar geschafft, das Gewaltmonopol zu sichern. Die Korruption – Arafats Herrschaftsprinzip – sinkt, die Wirtschaft wächst dreimal so schnell wie die deutsche. Im Westjordanland werden keine neuen Häuser gebaut, meldet Israels Statistik-Amt jedenfalls für das erste Quartal. Die Armee räumt Straßensperren ab. Und sie stellt die Lebensversicherung für Abbas und Kollegen aus. Auf dieser Bühne läuft das Erbauliche hinter den Kulissen ab.

Auf der Washingtoner Bühne aber wird jeder versuchen, dem anderen die Schuld am Scheitern aufzudrücken. Also steht auch der Wutanfall Obamas auf dem Programm. Er hat zu viel Prestige investiert – als ob das Wohl und Wehe seiner gesamten Nahostpolitik von Jerusalem und Ramallah abhinge, zwei Städten, die bequem Platz in Hannover fänden.