Einbusige Kämpferinnen sind eine Legende
Und die Frauen waren stark! Die Hamburger Archäologin Renate Rolle vermutet, dass die typische Kriegerin der Steppengebiete gut trainiert war: »Durch die fleischhaltige Kost und die Vielseitigkeit der ›sportlichen‹ Übungen entsprach sie vermutlich dem Typ heutiger Mehrkämpferinnen oder Distanzreiterinnen: kräftig, beweglich und schlank.« Keine Belege gibt es jedoch für das am häufigsten bemühte Klischee: dass den Amazonen eine Brust amputiert oder ausgebrannt worden sei, damit diese beim Bogenschießen nicht hinderlich war.
Die Griechen hatten die Legende verbreitet – und alle nahmen sie auf, bei jeder Gelegenheit. Als der Rand der Welt bis nach Amerika hinausgeschoben wurde, kursierten auch dort plötzlich Geschichten von sagenumwobenen Frauenreichen. Das Amazonasgebiet hat daher seinen Namen, und Kalifornien ist nach der Amazonenkönigin Califia benannt. Im Mittelalter war es Mode, sich als Amazone porträtieren zu lassen. Und Frauen im Reitsport werden noch heute als Amazonen bezeichnet.
Die erstaunlichste (reale) Blüte aber trieb der Mythos in Afrika, auf dem Gebiet des heutigen Benin. Ab dem 17. Jahrhundert durften die Ehefrauen des Königs von Dahomey, 4000 bis 5000 an der Zahl, nur vom König berührt werden. Der nutzte diese Vorschrift nicht nur, um Verbrecher zu bestrafen, sondern auch zur Plünderung oder zum Anzetteln von Kriegen. Die hochgerüsteten Haremsdamen zogen wie ein Polizeitrupp durchs Land, prügelten, töteten, klauten nach Belieben – schließlich war es keinem erlaubt, sich den Gespielinnen des Königs in den Weg zu stellen.
Die Amazonen von Dahomey existierten als königliche Schutztruppe bis 1892. Dann wurden sie von den Franzosen besiegt. Von den 1200 Kämpferinnen sollen nur 50 überlebt haben. Eine allerdings äußerst lange – sie hieß Nawi und starb 1979. Ist die Rechnung korrekt, dann war sie mindestens 103 Jahre alt. Und falls die Geschichte doch nicht ganz stimmt, dann passt sie zur Tradition fast aller Erzählungen über Amazonen.
- Datum 03.09.2010 - 14:43 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 02.09.2010 Nr. 36
- Kommentare 8
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Äußerst interessant, wie sich gerade der Mythos um das einbrüstige, männermordende Weibsvolk über mittlerweile Jahrtausende bis in mein Kinderzimmer retten konnte. Danke für diesen Artikel!
Naja, die Funde belegen aber auch, dass die Frauen nicht nur "kriegstaugliches Gerät" bei sich hatten, sondern auch entsprechend der Verletzungen an kriegsähnlichen Handlungen teilgenommen haben müssen. Das kann ja auch eine Soldatinnengruppe in Kompaniestärke gewesen sein, das die mehrfach beschwörte Formel "..hat es nie gegeben" infrage stellen würde. Und je mehr Grabbeilagen bei einer gefunden wurden, umso mehr kämpferische Erfolge wird die Frau auch gesammelt haben.
Journalistisch schwach ist, dass Herr Willmann nicht herausarbeitet, in welchem Maß die Ausstellung in Speyer nur die sensationslüsterne Mythenfeier mit hervorblitzenden Busen bedient, oder ob sie den Konflikt aus Legendenbildung und archäologischen Fakten lebendig werden lässt.
Und Zeugenaussagen nach Gewaltakten sind aufgrund der riesigen Aufregung natürlich immer in der Gefahr, übertrieben zu werden, was dann eben von Homer, Pindar, Diodor usw. nur übernommen wurde.
Ich glaube die Vorgeschichte war sehr reich an solchen kriegerischen Frauentätigkeiten. Wenn sich die Männer auf der Jagt oder wo auch immer befanden, müssten die Frauen ihr Nest und Kinder allein verteidigen. Bei Nomadenvölker
waren dafür besonders starke Voraussetzungen. Noch immer
erinnern mich manche schöne, tatarische Frauen im Ural
an Amazonen, nur ohne Pferde und Bogen.
Kriegerisch, durchtrainiert, sexy.. es gibt bestimmt Frauen, die sich ein Vorbild an diesem Mythos nehmen sollten. Kämpft für eure Rechte, Frauen dieser Welt!!
I'm Feeling Lucky:
http://filisofisch.blogsp...
klappt gibts ja immer noch die milliardenschwere Frauenförderungsindustrie.
klappt gibts ja immer noch die milliardenschwere Frauenförderungsindustrie.
klappt gibts ja immer noch die milliardenschwere Frauenförderungsindustrie.
Vor vielleicht sieben, acht oder neun Jahren ist das indonesische Militär gegen einen Stamm von "Schwarzen Witwen" in West-Papua ausgerückt. Wahrscheinlich haben die Frauen das nicht heil überstanden. Sie lebten in ihrer Gemeinschaft schon seit Urzeiten ohne Männer, haben diese auch manchmal angelockt (die Frauen sollen sehr schön gewesen sein), aber kein Mann hat den Aufenthalt im Dorf je überlebt. Auch keine männlichen Kinder. Sie mussten im Zuge der Ausbeutung des Urwaldes weichen.
die doch beweist, dass die Sagen und Mythen, wie auch die Schilderungen der antiken Historiker wahr sind oder erstmal wahr sind.
Das Gegenteil muss jetzt immer erst bewiesen werden und die Zweifel der Wissenschaft waren jedesmal unberechtigt, wie auch das Beispiel des imperators Thrax, Germanicus zuletzt bewiesen hat.
...gab es auch!
Bereits der Historiker Diodor von Sizillien berichtete von nordafrikanischen Amazonen (eventuell im Zusammenhang mit den matrilinearen Berbern).
Ferner mag es Zusammenhänge mit dem antiken Libyen (wo eventuell die ersten Pyramiden Afrikas standen) und der materilinearen Kultur Kreta gegeben haben - immerhin gab es auch mit Kolchis im Kaukasus eine wohl lange matrilineare Kultur.
Die Amazonen
http://www.myrine.at/Amaz...
http://www.myrine.at/Amaz...
Capsien-Kultur
http://members.a1.net/myr...
http://members.a1.net/cla...
http://www.myrine.at/Malt...
http://www.myrine.at/Lesb...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren