Salzburg Edelweiß, Edelweiß
Salzburg-Touristen lieben den Film »Sound of Music«. Eine Rundfahrt zu den Schauplätzen
© Miguel Villagran/Getty Images

Die Getreidegasse in Salzburg
Sicherheitsgurte anlegen, und während der Fahrt auf den Verzehr von Sandwiches verzichten. »Hello! Good morning, my name is Trudy«, stellt sich eine temperamentvolle Reiseleiterin im fliederfarbenen Dirndl vor. Trudy moderiert eine Sound of Music -Sightseeing-Tour – vier Stunden Salzburg, Stadt und Umland, im klimatisierten Reisebus auf den Spuren der originalen Filmkulisse und der historischen Schauplätze des 50 Jahre alten Hollywood-Musicals. Trudy wird all die hübschen Backstage-Anekdoten und Hollywood-Mogeleien während der Dreharbeiten zum Besten geben. Und sie wird Gäste sogar zum Singen, Summen und Schunkeln verführen – jawohl: Edelweiß, Edelweiß…
Wer The Sound of Music – kurz: SOM – nicht kennt, muss Österreicher oder zumindest deutschsprachiger Herkunft sein. In allen anderen Ländern der Erde wirkt die Schnulze von der true story of the famous Trapp family auch eine Generation nach ihrer Entstehung noch immer wie eine Droge. Mit jeder TV-Ausstrahlung kommen Tausende neuer SOM-Abhängiger hinzu, die für den Rest ihres Lebens die Melodien von Maria, ihrem Captain und seinen sieben Kindern als unausrottbare Ohrwürmer in sich tragen. In vielen Fällen spulen die Infizierten auf Stichwort sämtliche Songtexte auswendig herunter – leicht errötend und mit feuchtem Glanz in den Augen.
The Sound of Music ist einer der vier erfolgreichsten Hollywood-Musikfilme aller Zeiten, wird von Generation zu Generation weitergegeben und schnürt innige Familienbande durch gemeinsames Singen vor dem Fernsehgerät.
Die Einzigen, die diesem Phänomen widerstehen, sind Deutsche und insbesondere Österreicher. Nur bei ihnen ist das Rührstück von Maria, der jungen Novizin aus dem Stift Nonnberg, die nach dem Ende des Ersten Weltkriegs das Herz des gestrandeten U-Boot-Kommandanten Georg Ludwig Ritter von Trapp erobert und die sieben Kinder des Witwers zu einem Familienchor vereint, der sich nach der Flucht vor den Nazis im amerikanischen Exil Weltruhm ersingt, nicht in den kollektiven Schatz trivialer Mythen eingedrungen.
Der SOM-Tourbus kutschiert vorbei an Stift Nonnberg hinaus zu Schloss Leopoldskron, dessen seeseitige Fassade im Film als Motiv für das Haus des Barons Trapp diente. Am Freibad-Parkplatz nebenan wird gestoppt. Mehrere Dutzend Digitalkameras beginnen, Erinnerungsfotos zu speichern. Trudy erzählt derweil, wie einst Musicalstar Julie Andrews, die Film-Maria, den armen Christopher Plummer, ihren Partner, in Grund und Boden gesungen habe. Er wurde nach den ersten Aufnahmen durch eine singende Synchronstimme ersetzt. »So gemein!«, findet Trudy. Die Touristenschar nickt.
Nicht die einzige Volte in der SOM-Legende. Nachdem beispielsweise Maria Augusta von Trapp, der Baron war 1947 in Boston verstorben, ihre aufpolierte Lebensgeschichte zu Papier gebracht hatte, verkaufte sie 1956 aus Geldnot sämtliche Rechte an Wolfgang Reinhardt, den Sohn des nach Hollywood emigrierten Regisseurs und Festspielgründers Max Reinhardt – für bescheidene 9000 Dollar. Eine Musicalversion der Trapp-Story von Richard Rogers und Oscar Hammerstein, die auf dieser Biografie basierte, brachte es am Broadway auf über tausend Aufführungen. Die Verfilmung durch Robert Wise verwandelte das unwiderstehliche Gemisch aus Alpenromantik, Liebesdrama, Familienidylle und Salzburger Nockerln endgültig zum internationalen Megaseller, der noch immer Geld in die Kassen von 20th Century Fox spült!
- Datum 03.09.2010 - 08:01 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 02.09.2010 Nr. 36
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Meine Kindheit verbrachte ich in den USA. Von dort kannte ich selbstverständlich SOM. Der Film hat dort einen Flair von Weihnachen und Yom Kippur und wird immer wieder gespielt. In Ö angekommen war aber der Film unbekannt. Wie konnte etwas das das Außenbild von Ö derart bestimmte in Ö selbst unbekannt sein? Es gab schon die narzisstische Liebe zur Scheinwelt des Heimatfilms. Aber in ORF wurde meines Wissens* der Film nie gezeigt.
So ein blinder Fleck kommt nicht von ungefähr. Es muss wohl einen Sendeverbot für SOM in ORF gegeben haben.
Meine Frage: Welcher Mastermind hat die Ausstrahlung von SOM verhindert?
.bin
*) die letzten 15 Jahre schaue ich nicht mehr Fern.
Ich habe den Film einmal gesehen. Einmal und nie wieder. Das einzige Schöne daran ist die Landschaft, den Rest kann man, trotz Julie Andrews (die eine wunderbare Mary Poppins, und die bis heute wohl beste "Musical-Eliza" war) getrost vergessen. Die Musik ist einfallslos, nervtötend, süßer als Salzburger Nockerln, die Texte banal. Der Film viel zu lang. Die amerikanischen und britischen Schauspieler wirken in ihren Salzburger Trachten so "überzeugend" wie deutsche Schauspieler in Indianerkostümen. Natürlich können Österreicher mit diesem Film nichts anfangen. Schließlich sehen sich die Amerikaner auch keine Karl-May-Filme an. Schade um die wirklich gute Story. Die Geschichte der Trapp-Familie hätte es verdient noch einmal "richtig" verfilmt zu werden, mit österreichischen Schauspielern, ganz ohne diesen unerträglichen Kitsch.
Ich habe den Film einmal gesehen. Einmal und nie wieder. Das einzige Schöne daran ist die Landschaft, den Rest kann man, trotz Julie Andrews (die eine wunderbare Mary Poppins, und die bis heute wohl beste "Musical-Eliza" war) getrost vergessen. Die Musik ist einfallslos, nervtötend, süßer als Salzburger Nockerln, die Texte banal. Der Film viel zu lang. Die amerikanischen und britischen Schauspieler wirken in ihren Salzburger Trachten so "überzeugend" wie deutsche Schauspieler in Indianerkostümen. Natürlich können Österreicher mit diesem Film nichts anfangen. Schließlich sehen sich die Amerikaner auch keine Karl-May-Filme an. Schade um die wirklich gute Story. Die Geschichte der Trapp-Familie hätte es verdient noch einmal "richtig" verfilmt zu werden, mit österreichischen Schauspielern, ganz ohne diesen unerträglichen Kitsch.
Ich habe den Film einmal gesehen. Einmal und nie wieder. Das einzige Schöne daran ist die Landschaft, den Rest kann man, trotz Julie Andrews (die eine wunderbare Mary Poppins, und die bis heute wohl beste "Musical-Eliza" war) getrost vergessen. Die Musik ist einfallslos, nervtötend, süßer als Salzburger Nockerln, die Texte banal. Der Film viel zu lang. Die amerikanischen und britischen Schauspieler wirken in ihren Salzburger Trachten so "überzeugend" wie deutsche Schauspieler in Indianerkostümen. Natürlich können Österreicher mit diesem Film nichts anfangen. Schließlich sehen sich die Amerikaner auch keine Karl-May-Filme an. Schade um die wirklich gute Story. Die Geschichte der Trapp-Familie hätte es verdient noch einmal "richtig" verfilmt zu werden, mit österreichischen Schauspielern, ganz ohne diesen unerträglichen Kitsch.
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