Arbeitswelt Die Methode Frau
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Ein Prozess aus der Mitte der Gesellschaft

In einer entgrenzten Arbeitswelt hält die absolute Hingabe an den Beruf nicht nur Frauen fern, weil sie eben auch noch Kinder bekommen – sie macht auch zunehmend krank , und das verursacht Kosten . Wer mit einer psychischen Erkrankung zu Hause bleibt, tut das länger als jemand mit Husten.

In der hellen Vorhalle der Westdeutschen Landesbank in Düsseldorf strebt Maren Lorth dem Empfang entgegen, gleich um 18 Uhr hat sie noch einen weiteren Kundentermin. Lorth ist 38 Jahre alt und weit gekommen. Seit 2006 ist sie als Executive Director bei der WestLB, sie berät seit 12 Jahren für verschiedene Investmentbanken Unternehmen bei der Gewinnung von Eigenkapital, etwa bei Börsengängen. In der Finanz- und Versicherungsbranche bleibt sie Exotin. Zwar sind Frauen in der Gesamtbelegschaft, wo die Arbeitszeiten planbar sind, mit über 50 Prozent vertreten. Doch in den oberen Etagen wird es wie immer dünn. Der Führungskräftemonitor des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zählt nur gut zwei Prozent Frauen in Führungspositionen bei den größten Unternehmen in diesem Sektor. Lorth ficht das nicht an. »Ich wollte Karriere machen. Es ist manchmal eine gute Idee, zu wissen und zu machen, was man will.« Als sie auf einem Kapitalgipfel auf dem Podium saß, kam eine Studentin zu ihr und sagte, dass es ihr viel gegeben hätte, eine Frau da vorne zu sehen. Da wurde Lorth noch einmal bewusst, dass sie erst in ihrer Zeit in London auf weibliche Vorbilder in Führungspositionen getroffen war.

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Lorth glaubt, dass Kunden die Beratung durch Frauen schätzen, weil sie ihnen nicht eine Meinung aufdrängen, sondern erst zuhören, was für Wünsche der Kunde überhaupt hat. Sie spricht von einer anderen Sensibilität der Frauen – einer, die sich auszahlt. Studien der Unternehmensberatungen McKinsey und Accenture zeigen, dass Unternehmen mit besonders gut gemischten Teams erfolgreicher arbeiten als die mit den einsamen Wölfen an der Spitze. Es sind auch harte wirtschaftliche Gründe, die für die Frauen sprechen – und die Frauen sind genau wie Männer bereit, für eine Karriere viel zu leisten.

Allerdings ist Lorths Erfahrung, dass Frauen eher auf eine angemessene Balance zwischen Beruf und Privatem achten. Denn sie kennt auch Beispiele von Managern, deren einziger Lebensmittelpunkt die Arbeit war, und sie hat erlebt, wie Kollegen in der Krise den Job und damit jegliche private und berufliche Bodenhaftung verloren. Sie ist sich sicher, dass Frauen von Männern viel lernen können – »aber eben auch umgekehrt«. Dass es bei Besprechungen nicht darum gehen muss, wessen Idee verhandelt wird, sondern dass über die beste Idee verhandelt wird, dass es nicht darum geht einen Dienstwagen zu fahren, sondern zum Dienst zu fahren – und dass manche Wochenenden einfach Wochenenden sind.

Frauen wie Maren Lorth, wie Elisabeth von Szczepanski, wie Karina Metzdorf zeigen, dass etwas in Bewegung ist, ein Prozess aus der Mitte der Gesellschaft, dessen Ergebnis schwer zu prognostizieren ist. Klar ist, dass er zu Verunsicherungen führt, dass Männer und Frauen ihre Rollenbilder neu finden müssen – und doch könnte sich der Aufstieg der Frauen für alle, selbst für die Männer, als Segen erweisen . Denn die Bildungserfolge der Frauen fallen in eine Phase, in der das Angebot an gut ausgebildeten Arbeitskräften in vier Jahren um 250.000 Menschen zurückgegangen ist und in der viele Männer gern kürzer und ein Großteil der Frauen gern länger arbeiten würde. »Wenn die teilzeitbeschäftigten Frauen ihre Verlängerungswünsche verwirklichen könnten, entspräche das einem Potenzial von fast einer Million Arbeitsstellen«, sagt Eugen Spitznagel vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Wenn dazu Bereiche wie die Gesundheitsbranche, in denen Frauen schon heute sind, wichtiger werden, dürften sie dort auch aufsteigen.

Es ist eine Zeit, in der deutlich wird, dass entgrenzte Arbeitszeiten krank machen, und sich die Rolle der Väter wandelt . Eine Zeit, in der Unternehmen Frauen aus wirtschaftlichen Gründen für sich entdecken . »In dem Moment, in dem das Konstrukt des allzeit bereiten Machers als ein Konstrukt entlarvt wird, verschieben sich die Chancen der Geschlechter«, sagt der Konstanzer Arbeitssoziologe Thomas Hinz. Es scheint sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass neue Spielregeln gelten. Wer Frauen ganz oben sehen will, muss ihnen gut zuhören. »Ob Talente eine Lernphase für ein Jahr einlegen wollen, einen Master oder ein Sabbatical machen, für die Familie da sein oder ihr Arbeitspensum auf vier Tage beschränken möchten – legitim«, sagt der Personalvorstand der Telekom, Thomas Sattelberger.

Der Wandel ist an vielen Stellen längst im Gange. Die Werkzeuge dafür sind ein Kalender oder ein Handy. In den Kalender trägt die Familie Ohlhoff alle ihre Termine ein. Vier Nachtdienste stehen da für Janneke Ohlhoff umkringelt, bei den Jungs ist Hapkido-Training angesagt. Elisabeth von Szczepanski organisiert ihre Familie per Telefon. Auch wenn sie im Gericht ist, bleibt sie die Schaltzentrale, aus praktischen Gründen. Wenn ihr Mann im Gefängnis arbeitet, darf er kein Handy dabeihaben. Und so klingelt es bei ihr, wenn eines ihrer Kinder krank geworden ist. Mit Erfindergeist managen beide Familien ihr eigenes Unternehmen. »Aber zum Glück spielen die Jungs keinen Fußball«, sagt Janneke Ohlhoff, sonst hätten sie noch am Wochenende Spiele.

 
Leser-Kommentare
  1. wie der Bayer sagt. Oder mit Goethe: "Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube."

    Ironische Bemerkungen (etwa, dass ich jetzt weiß, warum bei den deutschen Gerichten so viele Fälle so lange liegenbleiben: Die Richterinnen sind alle im Mutterschutz) sind eigentlich nicht angemessen, denn - wie der Artikel treffend feststellt - sind inzwischen auch genügend Männer nicht mehr bereit, ihre berufliche Karriere über alles zu stellen. Nur, leider ebenfalls zutreffend: Es sind dann meist ihre Frauen, die ihnen keine Wahl lassen. Erst vor kurzem war ein schöner Artikel (ich glaube, in der Süddeutschen), in dem festgehalten wurde, dass Frauen die Option der "klassischen" Familie sehr schätzen. Warum? Das wurde nicht gesagt. Aber es liegt auf der Hand, dass es ihnen einfach eine weitere Wahlmöglichkeit für ihren Lebensplan eröffnet - allerdings auf Kosten der Männer, die dabei natürlich wieder die klassische Ernährerrolle übernehmen müssen: Eine Familie kostet - und irgendwo muss die Kohle herkommen.

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    Es ist, doch sehr, primitiv! Den ganzes Leben, wie in Tier in Joch des "Ernähren" verbringen!
    IMHO

    Es ist, doch sehr, primitiv! Den ganzes Leben, wie in Tier in Joch des "Ernähren" verbringen!
    IMHO

  2. Gut versteckt als 2.ter Tab in einer Box findet man unter "die Studie" Angaben zur Studienpopulation: "Das Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer (SowiTra) hat im Herbst 2008 eine explorative Studie unter Elternzeitvätern durchgeführt. Dafür befragten die Wissenschaftler in einer Online-Umfrage 830 Männer. Mit 29 Vätern wurden anschließend Interviews geführt, zudem sprachen die Forscher mit 23 Experten, darunter Betriebsräte, Führungskräfte und Gleichstellungsbeauftragte." Diese Studienpopulation ist alle Andere als repräsentativ. Es werden aus der Grundgesamtheit, der Bevölkerung unseres Landes nur Männer befragt. Aus der Gruppe der Männer werden nur Väter herausgesucht und aus dieser Gruppe dann solche, die Elternzeit in Anspruch genommen haben. Und dann fangen Sie an basierend auf dieser Studie Rückschlüsse für das ganze Land zu ziehen. Von der Zeit erwartet(e man mal) mehr. Können Sie nicht einfach auch geselschaftswissenschaftliche Themen neutral und sachlich abhandeln ohne dabei ideologisch voreingenommene feministischen Gehirnwäsche zu betreiben? Könnte es sein, daß unter den Nicht-Vätern, die in dieser Studie gar nicht erst zu Wort kommen, die aber sehr wohl als relevant anzusehen sind einige gerne Kinder hätten, aber einfach die Schnauze voll haben...

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    Ihre Erwartungen von der Zeit sind überzogen. Gerade jetzt hätte ich belastbare Statistiken bzgl. Migration und Krimminaltiät erwartet - leider Fehlanzeige.

    Ihre Erwartungen von der Zeit sind überzogen. Gerade jetzt hätte ich belastbare Statistiken bzgl. Migration und Krimminaltiät erwartet - leider Fehlanzeige.

  3. Es ist, doch sehr, primitiv! Den ganzes Leben, wie in Tier in Joch des "Ernähren" verbringen!
    IMHO

    Antwort auf "Schau'n mer mal!"
  4. Ihre Erwartungen von der Zeit sind überzogen. Gerade jetzt hätte ich belastbare Statistiken bzgl. Migration und Krimminaltiät erwartet - leider Fehlanzeige.

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    ähm, danke, daß Sie meinen Kommentar lesen und kommentieren, aber sind Sie sich sicher, daß Sie zuvor den richtigen Artikel gelesen haben. Migration und Kriminalität waren eigentlich nicht das Thema, des Artikels auf den sich mein Kommentar bezog. Oder war dies nur eine ironische Anspielung auf die inzwischen weit verbreitete journalistischen Nachlässigkeit, die dazu führt, daß Artikel einfach alle möglichen Themen vermischen, oder zuweilen das Thema ganz verfehlen?

    ähm, danke, daß Sie meinen Kommentar lesen und kommentieren, aber sind Sie sich sicher, daß Sie zuvor den richtigen Artikel gelesen haben. Migration und Kriminalität waren eigentlich nicht das Thema, des Artikels auf den sich mein Kommentar bezog. Oder war dies nur eine ironische Anspielung auf die inzwischen weit verbreitete journalistischen Nachlässigkeit, die dazu führt, daß Artikel einfach alle möglichen Themen vermischen, oder zuweilen das Thema ganz verfehlen?

    • dietah
    • 02.09.2010 um 9:55 Uhr

    Ich weiß, ich weiß, ich muss es ja nicht lesen.

    Diese Frauen Y!Y!Y! Selbstbeweihräucherungsartikel nerven langsam.
    Entweder schafft ihr jetzt einen getrennten Frauen und Männerbereich oder wechselweise mal einen Männerbeweihräucherungsartikel.

    Dieses renitente Wiederholen derselben "Argumente" und der Hervorhebung irgendwelcher geheimnisvollen "Frauen"kräfte machts auch nicht besser.

    Ehrlich gesagt muss ich mich nur im eigenen Umfeld oder Kristina Köhler oder vdL anschaun und ich bin nicht mehr so ganz so beeindruckt vom magischen Y!.

    Realistischerweise sind doch beide Geschlechter gleich dämlich.

  5. Frauen sollen Karriere machen. Aber bitte nicht irgendwo. Als Doktorin im Krankenhaus, als Richterin im Amtsgericht, als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Fachhochschule – besser noch als Physikerin im Max-Planck-Institut oder Chefprogrammierin bei RWE. Männer meldet euch bitte zukünftig verstärkt für Ausbildungen in der Krankenpflege oder als Kinderbetreuer und arbeitet auch lieber als Lehrer, Verkäufer und Küchenmänner. Bügelkurse für Jungs, Bügeleisen bauen für Mädchen! Ihr Jungen und Mädchen – geht auf keinen Fall euren Interessen nach, denn ihr fallt bloß auf falsche Rollenbilder herein. Falls euch das irgendwie Überwindung kosten sollte, seid tapfer. Das ist sehr wichtig für euch alle!
    Wenn ihr eines Tages Kinder bekommt, achtet ganz genau darauf, dass ihr euch jede damit verbundene Arbeit und Freude ganz genau teilt: Falls ihr deswegen dauernd streitet und der Alltag sehr mühselig wird – haltet durch. Gerechte Arbeitsteilung hat ihren Preis.

    (Bloß gut, dass ich das hinter mir habe.)

  6. ähm, danke, daß Sie meinen Kommentar lesen und kommentieren, aber sind Sie sich sicher, daß Sie zuvor den richtigen Artikel gelesen haben. Migration und Kriminalität waren eigentlich nicht das Thema, des Artikels auf den sich mein Kommentar bezog. Oder war dies nur eine ironische Anspielung auf die inzwischen weit verbreitete journalistischen Nachlässigkeit, die dazu führt, daß Artikel einfach alle möglichen Themen vermischen, oder zuweilen das Thema ganz verfehlen?

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