Jobs mit Zukunft: Arzt Allein muss nicht sein
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Arbeit gibt es genug

Nach der Wende wurden fast alle der staatlich organisierten Polikliniken geschlossen; zu sehr umwehte sie ein sozialistischer Geruch. Auch heute werden kritische Stimmen laut – wenn auch aus anderen Gründen. Weil jedes dritte MVZ von einem Krankenhaus betrieben wird, heißt es, die angestellten Ärzte sollten vor allem Patienten überweisen. Zum Teil befinden sich unter den Betreibern auch Private-Equity-Fonds. Nicht nur die Bundesärztekammer warnt deshalb, dass es bei einem MVZ nicht um Gewinnerwartungen gehen dürfe. So mancher selbstständiger Arzt fürchtet zudem die Konkurrenz der Teampraxen. Und einige Patienten empfinden es als Nachteil, dass sie in Versorgungszentren nicht immer derselbe Arzt empfängt – das gilt vor allem in größeren Häusern, etwa in Berlin oder München.

Tatsächlich werden die meisten MVZs in Städten gegründet. »Die Politik hatte die Hoffnung, man könnte vor allem die ländliche Versorgung verbessern«, sagt Wolfgang Greiner, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. »Diese Hoffnung hat sich bisher nicht erfüllt.« Das Konzept der Medizinischen Versorgungszentren sei dennoch überzeugend: »Würde es sie nicht geben, müsste man sie erfinden.«

Nicht nur in MVZs arbeiten Ärzte im Team: So gibt es etwa Gesundheitszentren, die sich auf die Behandlung von krebskranken Kindern spezialisieren – und Onkologen und Kinderärzte unter einem Dach vereinen. »Es ist zunehmend wichtig, dass wir Ärzte uns nicht als Konkurrenten sehen«, sagt Marcel Pimer. Den beiden niedergelassenen Orthopäden in Eberswalde habe er sich jedenfalls persönlich vorgestellt. Sie hätten nicht nur über ihre Spezialgebiete, sondern auch über Urlaubsvertretungen gesprochen.

Bei der Gesellschaft Leben und Gesundheit mbH, Pimers Arbeitgeber, träumt man bereits von einem Praxisbus, der von Dorf zu Dorf fährt, sowie rotierenden Filialpraxen, in denen der Hausarzt am Montag im einen Dorf arbeitet und am Dienstag im nächsten. Das Problem: »Derzeit lässt das Niederlassungsrecht solche Möglichkeiten häufig nicht zu«, sagt Roland Stahl von der kassenärztlichen Bundesvereinigung. Dabei seien sogar Filialarztpraxen vorstellbar oder mobile Arztstationen. Es ist also absehbar, dass sich Medizinern weitere Berufsperspektiven eröffnen . »Arbeit gibt es genug«, sagt Marcel Pimer. Trotzdem kann er jetzt auch schon mal um zwölf Uhr nach Hause radeln – immer am Kanal entlang.

 
Leser-Kommentare
  1. Auch wenn mir bewusst ist, dass die selbständige Kassenarzttätigkeit stark reguliert und dadurch gar nicht so selbständig ist, wie man es sich wünschen könnte, bleibt doch eins: Für eine qualifizierte Profession wird mir eine Angestelltentätigkeit und die damit verbundene Mentalität immer als inferior gegenüber einem Selbständigen erscheinen.

    Zugespitzt steht der glückliche Sklave gegen den freien Bürger. Dieser Bürger ist dadurch frei, dass er Herr seiner selbst und dass er etwas so der eigenen Persönlichkeit Nahes und mit ihr Verwobenes wie die eigene Arbeitskraft nicht an andere verkauft.

    Auch als ganze Person scheint mir derjenige interessanter und geradezu achtenswerter (wobei ich niemand anderem den gebotenen Respekt vorenthalte), der sich eher (wieder auf die Spitze getrieben) - historisch betrachtet - am Bild des freien römischen Bürgers orientiert, der für Geld zu arbeiten als unter seiner Würde erachtet und gerade noch das anerkennungshalber gegebene Honorar nicht abweist als am Bild des frühkapitalistischen Industriearbeiters.

  2. Der Beitrag beleuchtet hauptsächlich eine Seite Medizinischer Versorgungszentren: Die Seite der Ärzte, die eine geregelte Arbeitszeit haben wollen – das ist o.k. und hier ist noch viel zu tun.
    Die andere Seite kommt m.E. nach zu kurz: Sie erwähnen die Private-Equity-Fonds.
    Interessant wären auch die Rolle der Klinik-Konzerne (Aktiengesellschaften, in deren Aufsichtsräten sich auch SPD-Politiker befinden, die von „Zweiklassenmedizin“ reden): Z.B. die Rhön Klinikum AG (Herr Professor Dr. Dr. sc. (Harvard) Karl W. Lauterbach, SPD sitzt im Aufsichtrat; Frau Ulla Schmidt hat 2004 durch das Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung die Möglichkeit eröffnet MVZs zu gründen); Dr. Peter Struck, SPD sitzt im Aufsichtsrat der Allgemeinen Hospitalgesellschaft AG und die wiederum steht in Beziehung zur „Gesellschaft Leben und Gesundheit mbH“ (Ergebnis einer 10 minütigen Google-Recherche).

    Ich bin kein Journalist, sondern nur einfacher Bürger. Als potentieller Patient bevorzuge ich eine „freiberuflich organisierte medizinische Versorgung“. Eine ambulante Versorgung, die durch Aktiengesellschaften geprägt wird, lehne ich ab.

    Interessant wäre ebenfalls die Politik der SPD bzw. dieser SPD-Politiker, die so sozial daherreden (sich gegen eine „Zweiklassenmedizin“ aussprechen – das kommt an und bemäntelt die eigenen politischen Interessen), zu untersuchen.

  3. aber wegläßt, wer und was da wirklich hinter steckt.

    Nämlich die privatisierte Industrialisierung der Medizin, die ünerwiegend von Krankenhauskonzernen betrieben wird, die auch die MVZ betreiben.

    Die ehemaligen "Polikliniken" der ex-DDR hatten andere Hinergründe und Ziele, als die jetzigen Aktivitäten, bei denen es ausschließlich um Profite geht, aber die Patienten nur der Mittel zum Zweck sind.

  4. Das einzig gute an dem Artikel sind die Kommentare.
    Was im Gesundheitswesen passiert ist folgendes:
    1. Zerstörung des freien Arztberufes durch Gängelung und negative Propaganda (Bürokratie, ständig geänderte Abrechnungsmodalitäten, eingeschränkte Behandlungsfreiheit, völlige Planungsunsicherheit, Regressrisiken und Vorenthalten von indizierten Therapien um Regressen vorzubeugen, was einen aufrichtigen Arzt nicht befriedigen kann, und Presseberichte über satte Gehaltssteigerungen bei den Ärzten, die der Realität vieler Praxen schlicht nicht enstsprechen aber das Klima zwischen Ärzten und Patienten aufheizen; um nur mal ein paar Dinge zu nennen.)
    2. Ködern der genervten Ärzte mit angenehmen Anstellungsverhältnissen. Zusammenschlüsse mehrerer Ärzte oder gleich Gründung eigenständiger MVZ.
    3. Übernahme dieser MVZ durch Klinikkonzerne wie Rhön-Kliniken.
    4. Absolute Gewinnorientierung. Unpersönliche Arzt-Patienten-Beziehungen. Elektronische Gesundheitskarten. Unfallchirurgen, die in der Rettungsstelle (im Namen des Klinikkonzerns) mit Patienten darüber feilschen, wieviele gerettete Finger sich die Patienten leisten können.
    5. Deutlich schlechtere Arbeitsbedingungen für die Ärzte und aber insbesondere das Pflegepersonal. Mein letzer Stand ist, dass schon heute keiner freiwillig bei Rhön arbeitet.

    Wie immer findet sich kein Mitglied der Presse, dass mal ehrlich über die Dinge berichten würde.

    Ein sehr empfehlenswerter link:
    http://www.pelastop.de/20...

  5. Hab ich grad noch gefunden, so wird es enden:

    http://www.fr-online.de/r...

  6. Zwischen Arzt und ambulantem Patienten sind bis jetzt bei GKV-Patienten die Kasse und die KV. Im MVZ kommt noch ein rein am Profit orientierter Unternehmer dazu. Dann bleibt also noch mehr Geld irgendwo hängen, dass nicht der Behandlung zu Gute kommt.
    Synergieeffekte enstehen auch kaum, oder soll auf einmal die Lungenfunktionsassistentin EEGs ableiten, die Röntgenassistentin Belastungs-EKGs schreiben? Genau das passiert übrigens und erzeugt wundersame Ergebnisse.
    Das Gute für Ärzte ist: Schicht um 17.00, Urlaub nach Plan, und Kündigung wenn's nicht passt.
    Das Schlechte für die Patienten ist: Reduziertes Engagement, weniger spezialisierte, mehr auf Synergie getrimmte Arzthelferinnen, wenig Individualität, wechselnde Ärzte.
    Vielleicht ist ja die Poliklinik(das MVZ) wirklich die Zukunft. Bis auf ein neues Feld für ausbeuterisch agierende Aktiengesellschaften erkenne ich aber keine wesentlichen Vorteile fürs Gesamt.

  7. die hat ein selbständig Artzt mit 100T€ Schulden durch die Praxis Übernahme also nicht?

    ich könnte mich als Ing. sicher auch Selbständig machen, hab aber überhaupt keine Lust zum Sklaven meiner Selbst zu werden, hab also volles Verständniss für die Ärtzte denen eine Anstellung Lieber ist.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "...hab also volles Verständniss für die Ärtzte denen eine Anstellung Lieber ist."
    Was soll man dazu sagen?

    "...hab also volles Verständniss für die Ärtzte denen eine Anstellung Lieber ist."
    Was soll man dazu sagen?

  8. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen und bemühen Sie sich um einen sachlichen Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/ag

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