Karriere Kein Platz da
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"Karriere machen bedeutet netzwerken"

DIE ZEIT: Gerade bei den Banken sieht es aber mit Frauen in Führungspositionen ganz düster aus.

Kracht: Das spiegelt die traditionelle Rollenverteilung wider. In der Breite gibt es in der Finanzbranche bereits hohe Frauenanteile, vor allem weil der Arbeitsalltag planbar und der Lebensweg berechenbarer ist. Ganz oben – also ab der Director-Ebene – liegt der Frauenanteil immer noch unter zehn Prozent. Die Kernfragen lauten auch dort: Wie sieht meine Rolle in der Elternarbeit aus? Will ich meine Kinder durchgängig von Tagesmüttern und Nannys betreut und erzogen wissen? Diese Fragen werden von den Einzelnen sehr unterschiedlich beantwortet. Frauen sind im Regelfall im Lebensentwurf mehrdimensional, sie lassen sich weniger durch den Beruf allein vereinnahmen.

DIE ZEIT: Was können Frauen, denn für ihren Aufstieg tun?

Kracht: Frauen unterliegen der irrigen Annahme, dass Leistung, Präsenz, Qualität und Fleiß sich durchsetzten und dass sie automatisch den nächsten Schritt machten, wenn sie sich nur anstrengten. Man braucht aber bei alldem Mentoren und Fürsprecher, tragfähige Netzwerke und auch externe Anerkennung. Allein der Verweis auf das Leistungsprofil reicht nicht, um den Schritt zum Managing Director zu machen. Wenn Frauen es mit ihrer Etablierung auf den Führungsebenen ernst meinen, sollten sie sich auch untereinander fördern. Davon ist derzeit nicht viel zu sehen.

DIE ZEIT: Frauen setzen auf die falsche Strategie?

Kracht: Sie setzen häufig auf gar keine Strategie! Es geht ja immer auch darum, politisch und strategisch zu handeln, zum richtigen Zeitpunkt den nächsten Schritt zu kommunizieren. Karriere zu machen bedeutet auch externes Netzwerken . Dass ich am Wochenende mal eine Seminarleitung übernehme, dass ich auf der Referentenliste des Handelsblatt Symposiums erscheine. Dass ich Abendveranstaltungen von Berufsverbänden und gesellschaftlichen Organisationen besuche, dass ich Vorträge halte – um auf dem Radarschirm der Verantwortlichen zu erscheinen und Sichtbarkeit im Markt zu erlangen. Karriere macht man nicht nur im aktuellen Unternehmen, sondern auch durch besonnene Wechsel.

DIE ZEIT: Brauchen wir die Quote?

Kracht: Ich war lange ein Gegner der Quote. Ich dachte, Frauen, die mit ihrer Hilfe aufsteigen, werde latent unterstellt, dass man sich nur wegen der Quote für sie entschieden habe. Andererseits haben alle Appelle nicht die erhofften Erfolge gebracht. Ich glaube daher, dass wir nicht an einer gesetzlichen Quote vorbeikommen. Mit 20 Prozent wäre schon viel erreicht .

Die Fragen stellte Judith Scholter .

 
Leser-Kommentare
  1. Die Hartnäckigkeit der Rosinenpickerinnen ...

    "Mit 20 Prozent wäre schon viel erreicht."

    Unsere Baubranche hingegen und nicht nur die, wird wohl weiterhin auch ohne die 20% Frauen viel erreichen.

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    • joG
    • 07.09.2010 um 10:44 Uhr

    Wieso nicht 50% als statistischer Richtwert. Dabei könnte die Unternehmung den Nachweis bringen, wieso wesentliche Abweichungen Richtwert im einen oder anderen Fall notwendig waren. Könnte sie das nicht, so wäre der Platz einklagbar oder der Schaden auszugleichen. Auch wären Strafen denkbar.

    Wo allerdings auch eine Asymmetrie wesentliche Nachteile für Frauen bringt, ist in der Bezahlung. Auch hier wäre und vielleicht gerade hier zu schauen, wie man diese Benachteiligung ausmerzt.

    • hb05
    • 07.09.2010 um 20:15 Uhr

    Ein paar typische Frauenberufe mit Denkanstoß:

    -Krankenschwester (eiternde Wunden versorgen, Alkoholiker beim Entzug helfen, Frühchen versorgen, Krebskranke im Endstadium im Sterben begleiten, Schichtdienst)
    -Altenpflegerin (Windeln wechseln, demente Menschen füttern, Körperwäsche)
    -Erzieherin mit und ohne heilpädagogische Ausbildung (Kinder wickeln und tragen, Kindern mit Behinderung füttern)
    -Kassiererin (Einräumen der Regale)
    -Frisörin (Körperkontakt mit Chemikalien)

    • joG
    • 07.09.2010 um 10:44 Uhr

    Wieso nicht 50% als statistischer Richtwert. Dabei könnte die Unternehmung den Nachweis bringen, wieso wesentliche Abweichungen Richtwert im einen oder anderen Fall notwendig waren. Könnte sie das nicht, so wäre der Platz einklagbar oder der Schaden auszugleichen. Auch wären Strafen denkbar.

    Wo allerdings auch eine Asymmetrie wesentliche Nachteile für Frauen bringt, ist in der Bezahlung. Auch hier wäre und vielleicht gerade hier zu schauen, wie man diese Benachteiligung ausmerzt.

    • hb05
    • 07.09.2010 um 20:15 Uhr

    Ein paar typische Frauenberufe mit Denkanstoß:

    -Krankenschwester (eiternde Wunden versorgen, Alkoholiker beim Entzug helfen, Frühchen versorgen, Krebskranke im Endstadium im Sterben begleiten, Schichtdienst)
    -Altenpflegerin (Windeln wechseln, demente Menschen füttern, Körperwäsche)
    -Erzieherin mit und ohne heilpädagogische Ausbildung (Kinder wickeln und tragen, Kindern mit Behinderung füttern)
    -Kassiererin (Einräumen der Regale)
    -Frisörin (Körperkontakt mit Chemikalien)

  2. Selten hört man einen Apologeten der Wirtschaft so offen über sein Glaubenssystem sprechen. Es gehört sehr viel Blindheit, aber noch mehr selbstherrliche Überzeugung dazu, all die kritischen Punkte und Mängel ohne Furcht, ohne ein Bewusstsein für deren Kritikwürdigkeit aufzuzählen. Allerdings spricht hier jemand, der innerhalb des Systems in einem noch fundamentalistischeren Teilsystem eine noch restriktivere Position innehat. Es ist kein Wunder daher, dass es wie die Quintessenz des Papsttums klingt.

    Auch die Idee, Frauen hätten keinerlei Strategie, zeigt dies auf. Sie haben schon eine - wie übrigens auch Männer, die nicht so gut "funktionieren" - aber diese wird nicht als solche anerkannt. Sie passt nicht zu den Glaubensgrundsätzen, also gibt es sie nicht.

    Wir brauchen keine Quote, nicht einmal besonders ein Umdenken innerhalb der Gesellschaft. Wir brauchen nur einen Platz fürs Anderssein, eine Freiheit, die zwar garantiert ist, aber durch die Dominanz eines wirtschaftlichen Systems ohne Bedeutung bleibt.

    Wir brauchen eher eine Anti-Quote, mehr eine Norm, das Prediger wie den hier Interviewten nicht in Schlüsselpositionen lässt. Menschen wie er bestimmen, was "richtig" ist - und schließen damit unter anderem Frauen aus. Sein Denken ist einseitig und krank, aber statt dass es ihn behinderte, konnte er in solch eine Position aufsteigen, weil die Kirche des neoliberalen Kapitalismus genau das verlangte.

    Interview lesen, nachdenken und gegensteuern!

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    Ich sehe das ähnlich.

    Ich sehe das ähnlich.

    • a.bit
    • 07.09.2010 um 9:09 Uhr

    Selbst wenn das Führungskräftepotential unter Frauen und Männern gleich verteilt wäre (keine vernünftige Annahme wegen unterschiedlicher Varianz innerhalb der Gruppen), aber 90% der Männer keine Ambitionen auf einen >60h/Woche Leistung-und-hohe-Präsent-Job haben (gehe hier von mir selbt aus ;-)) und 98% aller Frauen auch nicht, gibt es eben mehr Männer, die "nach oben kommen". Eine Frauenquote kann (dem Rest) also durchaus ungerechtfertigte Vorteile bringen.

    Die Zahlen habe ich aus der Luft gegriffen, einfach weil ich trotz vieler Artikel zum Thema noch nichts zu diesem Aspekt gelesen habe.

  3. Ich sehe das ähnlich.

  4. "Will ich meine Kinder durchgängig von Tagesmüttern und Nannys betreut und erzogen wissen?"

    Müßte die Frage nicht eher lauten: "Wo kriege ich einen Mann her, der sich um Haushalt und Kinder kümmert und mir den Rücken frei hält?"

    Ich behaupte mal, der klassische 90-Wochenstunden-Manager hat auch heutzutage immer noch eine Frau im Hintergrund, die nicht erwerbstätig ist und den gesamten sozialen Hintergrund des Managers betreut. Gegen solch ein Team kann eine Frau mit Karriereambitionen nur verlieren. Entweder, indem sie auf Kinder verzichtet, dann stehen ihr sicher viele Karrierewege offen. Oder indem sie einen der sehr wenigen potentiellen Hausmänner abkriegt, auf ihre mütterlichen Anteile verzichtet und wie der oben erwähnte Manager ihre Kinder nur ab und zu zu Gesicht bekommt. Das wollen aber die meisten Frauen nicht, verständlicherweise.
    Der dritte Weg ist das Zerreißen zwischen allen Stühlen, was auch nicht sehr attraktiv erscheint.
    Es bleibt also in der Praxis nur die erste Gruppe Frauen, die sichtbar in Erscheinung tritt. Und das ist naturgemäß eine viel kleinere Gruppe als die gleichaltrigen Männer.

    Für mich lautet daher das Fazit eher: wieso gibt es eigentlich so viele Männer, denen es nichts ausmacht, zwar auf dem Papier eine Familie zu haben, de facto aber Jahre ihres Lebens nur mit Arbeit zu verbringen? Mir erscheint das nicht erstrebenswert, auch nicht für viel Geld...

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    Ich stimme da ganz zu.

    Es ist doch erstaunlich, dass im ganzen Interview nirgends die Rolle der Partner thematisiert wird. Das Modell "Er kümmert sich um Kinder und arbeitet evtl. Teilzeit, und sie macht Karriere" ist doch nicht sooo abwegig, oder?
    Denn wenn wir schon dabei sind, alte Rollenvorstellungen aufzubrechen, sollten wir das auch gleich für beide Geschlechter tun. Im Interview wird aber so getan, als sei die Entscheidung Kinder-Karriere allein Sache der Frau - wie engstirnig!

    Ich stimme aber auch Ihrem letzten Absatz zu: Lieber wäre mir, wir würden dieses merkwürdige Arbeitsmodell der vollständigen Hingabe an ein Unternehmen hinterfragen, das angeblich notwendig ist. Ich glaube das nicht.

    Ich stimme da ganz zu.

    Es ist doch erstaunlich, dass im ganzen Interview nirgends die Rolle der Partner thematisiert wird. Das Modell "Er kümmert sich um Kinder und arbeitet evtl. Teilzeit, und sie macht Karriere" ist doch nicht sooo abwegig, oder?
    Denn wenn wir schon dabei sind, alte Rollenvorstellungen aufzubrechen, sollten wir das auch gleich für beide Geschlechter tun. Im Interview wird aber so getan, als sei die Entscheidung Kinder-Karriere allein Sache der Frau - wie engstirnig!

    Ich stimme aber auch Ihrem letzten Absatz zu: Lieber wäre mir, wir würden dieses merkwürdige Arbeitsmodell der vollständigen Hingabe an ein Unternehmen hinterfragen, das angeblich notwendig ist. Ich glaube das nicht.

  5. Man braucht in einem Industrieunternehmen rund 15-20 Jahre für den Aufstieg.
    Das Bild von heute ist ein Schnappschuss von Mitte der 90er Jahre. Das Blatt hat sich längst gewendet. In den unteren Ebenen werden Frauen massiv gefördert, sie werden sogar bereits jetzt bei schlechterem Können ihren männlichen Kollegen vorgezogen. Jede Frau, die Karriere machen will und auch nur ein bisschen engagiert und begabt ist, kann das heute.

    Tatsächlich ist die Zahl derer, die das will aber kleiner als 20%. Nehmen Sie z.B. die großen deutschen Unternehmensberatungen - wahrscheinlich die besten Karriereschmieden. Hier bewerben sich trotz spezifischen Frauenveranstaltung und extremen Aufwand fast keine Mädchen. Die weiblichen High-Potentials streben eher ins Auswärtige Amt, die Entwicklungshilfe und die Wissenschaft.
    Das sieht man bereits am ersten Gehalt.

    Eine Quote ist falsch!

  6. Ich stimme da ganz zu.

    Es ist doch erstaunlich, dass im ganzen Interview nirgends die Rolle der Partner thematisiert wird. Das Modell "Er kümmert sich um Kinder und arbeitet evtl. Teilzeit, und sie macht Karriere" ist doch nicht sooo abwegig, oder?
    Denn wenn wir schon dabei sind, alte Rollenvorstellungen aufzubrechen, sollten wir das auch gleich für beide Geschlechter tun. Im Interview wird aber so getan, als sei die Entscheidung Kinder-Karriere allein Sache der Frau - wie engstirnig!

    Ich stimme aber auch Ihrem letzten Absatz zu: Lieber wäre mir, wir würden dieses merkwürdige Arbeitsmodell der vollständigen Hingabe an ein Unternehmen hinterfragen, das angeblich notwendig ist. Ich glaube das nicht.

    Antwort auf "Tagesmütter?"
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    Warum haben diese Karrierefrauen keine fürsorglichen Familienväter an ihrer Seite?

    Nun, genau in dem Punkt stehen sich doch Frauen selbst im Wege! Die Mehrheit dieser Frauen ist doch selbst noch klassischen Geschlechterrollen verhaftet und achtet bei der Partnerwahl auf soziales Prestige, Einkommen und ähnliche Eigenschaften. Insofern ist es absurd, bei dieser Thematik wieder Männer anzuprangern.

    Sollte eine reiche, attraktive Singledame zufällig diesen Beitrag lesen und auf der Suche nach einem Partner und Erieher für ihre Kinder suchen, bitte melden!;)
    Ich kann mir gut vorstellen den Haushalt zu leiten, nebenher ein unbeschwertes Leben zu führen, mich privat weiter zu bilden, vielleicht in bischen nebenher zu studieren, teilzeit zu arbeiten usw...wäre das schön!;)

    "Es ist doch erstaunlich, dass im ganzen Interview nirgends die Rolle der Partner thematisiert wird."

    Ist das wirklich so erstaunlich - oder hat es eher Methode? Ist doch das gleiche Prinzip wie bei den niedrigen Geburtenraten: da sind selbstverständlich auch nur die gebärunwilligen Frauen dran schuld ;) Dabei werden alle Frauen mit Kinderwunsch in meiner persönlichen Umgebung von ihren Männern ausgebremst...

    Ein Manager kann seine Leistung nur bringen, weil er auf Kosten der Ressourcen seiner Frau lebt. Oder seiner Mutter oder seiner Haushälterin oder welche-Frau-auch-immer. Das umgedrehte Modell ist nicht sonderlich sexy - und daher unbeliebt bei Mann und Frau.

    Warum haben diese Karrierefrauen keine fürsorglichen Familienväter an ihrer Seite?

    Nun, genau in dem Punkt stehen sich doch Frauen selbst im Wege! Die Mehrheit dieser Frauen ist doch selbst noch klassischen Geschlechterrollen verhaftet und achtet bei der Partnerwahl auf soziales Prestige, Einkommen und ähnliche Eigenschaften. Insofern ist es absurd, bei dieser Thematik wieder Männer anzuprangern.

    Sollte eine reiche, attraktive Singledame zufällig diesen Beitrag lesen und auf der Suche nach einem Partner und Erieher für ihre Kinder suchen, bitte melden!;)
    Ich kann mir gut vorstellen den Haushalt zu leiten, nebenher ein unbeschwertes Leben zu führen, mich privat weiter zu bilden, vielleicht in bischen nebenher zu studieren, teilzeit zu arbeiten usw...wäre das schön!;)

    "Es ist doch erstaunlich, dass im ganzen Interview nirgends die Rolle der Partner thematisiert wird."

    Ist das wirklich so erstaunlich - oder hat es eher Methode? Ist doch das gleiche Prinzip wie bei den niedrigen Geburtenraten: da sind selbstverständlich auch nur die gebärunwilligen Frauen dran schuld ;) Dabei werden alle Frauen mit Kinderwunsch in meiner persönlichen Umgebung von ihren Männern ausgebremst...

    Ein Manager kann seine Leistung nur bringen, weil er auf Kosten der Ressourcen seiner Frau lebt. Oder seiner Mutter oder seiner Haushälterin oder welche-Frau-auch-immer. Das umgedrehte Modell ist nicht sonderlich sexy - und daher unbeliebt bei Mann und Frau.

  7. Man(n) muss die traditionell männerfeindliche und frauenverherrlichende "Zeit" auch mal loben: Das ist ansatzweise mal ein kritischer Artikel über die sonst über jeden Zweifel erhabenen Frauen. [...]

    Bitte verzichten Sie auf Pauschalurteile, die als frauenfeindlich verstanden werden, bzw. erörtern Sie Ihre Behauptungen argumentativ/geben Quellen an. Danke, die Redaktion/fk.

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