Integrationsdebatte Die Rassismus-Falle
Josef Joffe: Exorzismus hilft nicht gegen Sarrazin. Scharfer Disput macht klüger
Intelligenz hat mit Unterscheidungskraft zu tun: Was gehört zusammen, was auseinander? In diesem Sinne mag der IQ-Verlust, den Thilo Sarrazin den Deutschen androht, schon eingesetzt haben, jedenfalls in der Hitze des Gefechts.
Wieso ist es »Antisemitismus« (Westerwelle), wenn einer behauptet, Juden teilten ein »bestimmtes Gen«? »Ein« Gen ist zwar Unsinn, aber es gibt genug Studien, wonach sich Juden in diversen Diaspora-Gruppen genetisch sehr wohl von Nichtjuden in der jeweiligen Region unterscheiden. Kein Wunder auch, wenn eine Gruppe die Endogamie selber wählt oder sie erleiden muss. »Tay-Sachs« ist eine klassische jüdische Erbkrankheit, analog zur »Lippe« der Habsburger. Antisemitismus ist es, wenn man Israelis als »neue Nazis« bezeichnet, wie hierzulande tausendfach geschehen.
Eine Feststellung ist richtig oder falsch, aber kein »Rassismus«. Sie kann sehr wohl eine »Provokation« (Guttenberg) sein oder »rote Linien« überschreiten (Zentralrat der Juden), doch sind das Reflexe, keine Urteile über den Wahrheitsgehalt. Ähnlich die Kanzlerin, die als »vollkommen inakzeptabel« die Ausgrenzung und Verächtlichmachung »ganzer Gruppen« geißelt.
Roland Koch kommt dem Kern mit dem Wörtchen »Tabubruch« schon näher. Das heißt, Sarrazin redet, worüber man nicht reden darf. Jede Gesellschaft, egal wie aufgeklärt, hat Tabus. In unserer Zeit, in der wir uns zu Recht des Rassismus’ und Kolonialismus’ schämen, ist das mächtigste Tabu die Zuweisung von (negativen) Gruppeneigenschaften, es sei denn, man hängt sie sich selber an, wie in: »So sind die Deutschen.«
Was hilft es aber, wenn die Gruppen A, B und C tatsächlich eine signifikante Häufung von Schulabbruch, Gewalttätigkeit und Integrationsverweigerung aufweisen? Wer Pathologien leugnet – die Zahlen hat Sarrazin nicht erfunden, sondern kompiliert –, kann sie logischerweise nicht heilen.
Hier aber begönne die eigentliche Auseinandersetzung mit Deutschland schafft sich ab. Sie erfordert allerdings die Kenntnis von Genetik, Statistik und IQ-Studien sowie von der Auswirkung der Familienkultur, der Sozialhilfe und des Marktes, der immer weniger Raum lässt für Niedrigqualifizierte. Zu viel der Ehre? Dann kehren wir die Beweislast um und fragen Sarrazin: »X Prozent von A sind so, wie Sie sagen, aber was folgt daraus?«
Alle raus? Keiner mehr rein? Absurd. Gebärprämien für »weiße Frauen« und noch eine obendrauf für Frau Doktor? Demografie ist komplizierter. Kleidungsverbote? Die überlassen wir Iran. Sozialhilfeentzug, Trennung der Kleinkinder von ihren falsch erziehenden Eltern? Dann aber bitte gerecht, auch bei den »echten« Deutschen, und ein paar Verfassungsbrüche mit dazu. Ganz schlicht: Aus dem Faktum »x Prozent von A« folgt rein gar nichts für den Umgang mit der gesamten Gruppe, geschweige denn mit dem Einzelnen.
Just solche Folgerung aber suggeriert das Buch und befördert damit die kollektive Verdummung, die es voraussagt. Doch hilft gegen die Torheit kein Exorzismus, der mit dem Ärgernis auch den intelligenten Streit um Einwanderung und Integration austreibt. Wer ein Tabu aufstellt, befiehlt dem Hirn: Bis hierher und nicht weiter!
- Datum 03.09.2010 - 10:32 Uhr
- Serie Zeitgeist
- Quelle DIE ZEIT, 02.09.2010 Nr. 36
- Kommentare 257
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dass ich Ihnen einmal zustimmen kann! Auf einen Tabubruch mehr oder weniger kommts ja nun auch nicht mehr an.
"Gebärprämien für »weiße Frauen«" wie wäre es denn mit einer Reproduktionspflicht? Abzuleisten zwischen Schule und Studium?
In den meisten Ländern müssen junge Eltern keine Studiengebühren zahlen.
In den meisten Ländern müssen junge Eltern keine Studiengebühren zahlen.
... kann man nur zustimmen.
Die Reaktionen aller Orten - vor allem auch in der ZEIT - waren nicht mehr als reine Reflexe.
... ist dagegen Unfug.
Darf man über Probleme nicht reden, nur weil im ersten Schritt nur "undenkbare" Lösungen einfallen.
Nein!
Man muss weiter denken und reden, denn dann...
... fallen vielleicht doch noch bessere Lösungen ein
... oder das "Undenkbare" muss eben doch gedacht werden, nur eben differenziert und analytisch, und nicht reflexartig.
Persönlich würde ich z.B. für "chronische Sozialfälle" eine Rückkehrpräme in Höhe von z.B. einem Jahr Sozialleistungen ausloben, zahlbar nur im Heimatland. Ohne Zwang. Als Angebot. Das würde uns viel Geld sparen und vielleicht beide Seiten aus einer Situation befreien, die für alle unangenehm ist. Aber ich fürchte, schon das ist in Deutschland "undenkbar" - während in Frankreich die Regierung schon 8000 Rumänen in den Flieger gesetzt hat.
[...]
Wir möchten Sie bitten sich sachlich und differenziert mit Aussagen von Autoren auseinanderzusetzen und diese nicht pauschal abzuurteilen. Danke, die Redaktion/fk.
[...]
Wir möchten Sie bitten sich sachlich und differenziert mit Aussagen von Autoren auseinanderzusetzen und diese nicht pauschal abzuurteilen. Danke, die Redaktion/fk.
... zukünftig nur noch zwischen Bagatellisierung und Verblödung hin- und hergetrieben zu werden ?
"Aus dem Faktum »x Prozent von A« folgt rein gar nichts für den Umgang mit der gesamten Gruppe, geschweige denn mit dem Einzelnen." Lieber Herr Joffe: Jede seriöse Volkswirtschaft ist auf Statistiken angewiesen, um für die Zukunft zu planen. Das Ermitteln von Tendenzen aus Datenmaterial ist zentral, um sich keine verheerenden Fehler zu leisten, die das ganze Land in den Ruin treiben.
Beispiel Renten: Es ist bekannt, dass man ab einem bestimmten Alter pflegebedürftiger ist. Gemäss Ihrer Logik soll man daraus keinen Mehrbedarf an Pflege ableiten, weil ja Tante Helga mit 87 immer noch Bergwanderungen unternimmt. Zum Glück tragen Sie keine politische Verantwortung...
Zur Verdummung: Da Sarrazin im Fernsehen immer gegen massierte Gruppen von Gegnern antreten musste und fast die ganze Presse gegen sich hat, dürfte das mit der Verdummung stimmen - zumindest auf Seiten seiner Gegner.
Er ist ja nun wirklich kein Rhetoriker und angesichts dessen müsste ja ein 1:1-Gespräch mit einem Statistiker ausreichen, um Sarrazin zu demontieren. Lügen kann man immer schnell entlarven...
Da dies offenbar unmöglich ist, muss er entweder Recht haben oder die Gegner sind nur zu viert, fünft oder sechst in der Lage, Sarrazins Argumenten Paroli zu bieten.
QED
Aber immerhin: Die Hexenjagd war erfolgreich, Sarrazin ist wohl seinen Job los und dürfte einen Haufen Morddrohungen erhalten. Künftig wird man in Deutschland demokratisch schweigen zu Vorgängen in Berlin.
Mission accomplished!
Tatsächlich hängt die Fruchtbarkeitsrate der deutschen Frau sowieso nur von der Anzahl der Störche ab:
Früher gab es viele Störche, und es gab auch viele Kinder;
heute gibt es wenig Störche, und es gibt auch wenig Kinder!
Wenigstens von doitschen Frauen!
Es hat gar keinen Zweck, vor den sich daraus ergebenden Folgerungen ... ähhh .... wie ... den Kopf in den Sand zu stecken!
Sie schreiben: "Da Sarrazin im Fernsehen immer gegen massierte Gruppen von Gegnern antreten musste"
Wären Sie nun beleidigt, wenn ich das (Vollks-)Verdummung nennen würde?
Niemand zwang Sarrazin dazu, überhaupt ins Fernsehen zu gehen, und niemand zwang ihn dazu, sich einer Überzahl von Andersdenken zu stellen. >strong>Es war Sarrazins Wunsch und Wille, das zu tun, freiwillig. Vermutlich hat er sich sogar darum bemüht, aus einem einfachen Grund: Werbung. Die Verkaufszahlen geben ihm Recht.
Sie werfen anderen Verdummung vor, genau das, was Sie hier betreiben. Nur eine Kleinigkeit? Die Summe solcher gefälschter Kleinigkeiten - und deren finden sich in der Diskussion und in Sarrazins Buch die Menge - ergeben schließlich das falsches Bild.
Mit Ihrem Beitrag haben Sie an diesem Bild mit gemalt.
Seltsame Schlußfolgerung, die Sie da ziehen. Sarrazin leidet leider unter selektiver Wahrnehmung, d.h. er ließt nur aus Studien heraus, was er da auch finden wollte, ähnlich wie seine Leser. Der Tabubruch besteht ja nicht in der Nennung von lange bekannten Studien, sondern in der Interpretation von Teilaspekten und deren Vermengung zu einer geschlossenen Weltsicht.
Statistiken zu interpretieren ist nicht so leicht, aber seltsamerweise meint ja plötzlich jeder, der noch vor Jahren damit kokettierte, nichts von Mathe zu verstehen, heute statistische Aussagen interpretieren zu können.
Außerdem reicht es, das einige seiner Aussagen falsch sind, um das komplette Buch in die Tonne zu treten. Die Demografiediskussion ("Deutschland stirbt aus" etc) ist ja nun wirklich keine Neue (Die Nazis hatten extra nen Minister dafür) und taucht seit Anfang des Jahrhunderts immer wieder auf. Da wir nun schon seit über hundert Jahren hätten aussterben sollen, dies aber nicht eingetreten ist (nicht mal annährend), kann man daraus schlußfolgern, das dies eine rein politische Diskussion ist.
PS: Klar gibt es immer noch Leute in der Politik, die die Problem der Zuwanderung nicht klar benennen. Dennoch ist dieses Buch für die Mittelschicht geschrieben, die diese Probleme wenn überhaupt nur am Rand mitbekommt. Das Buch ist Empörung für die Massen. So wie "Feuchtgebiete" für die Spießer der Nation zum Aufgeilen geschrieben wurde, ist dies das Spießer-Buch zum Ausländer- und Hartz4 Vorurteilbestätigen.
In der Sendung Hart aber Fair z.B. wurde eindeutig aufgezeigt wie Sarrazins Thesen funktionieren. Würde man seine statistischen Maßstäbe anlegen rückwirkend für die letzten 50 Jahre, so hätten wir heute eine Bevölkerung von 250 Millionen und nicht 80 Millionen. Die Wissenschaftlerin, die er als maßgeblich für seine Thesen angab, hat sich in der Sendung öffentlich von ihm distanziert und seine Methodik als unhaltbar gebrandmarkt. Man kann natürlich die dutzenden von Argumenten gegen Sarrazin einfach ignorieren und dann behaupten es gäbe keine. Genau so plump wie Sarrazin selber der seinen Kritikern die Intelligenz abspricht argumentiert hier die Mehrheit der Sarrazinbefürworter.
Wenn man vor knapp 70 Jahren die Menschen zur Popularität und dem Wahrheitsgehalt eines bestimmten Österreichers gefragt hätte, wäre der mit Sicherheit ähnlich vehement verteidigt worden wie der neue Held des Volkes Sarrazin.
Ich überlasse jedem selbst was er daraus ableiten mag.
Tatsächlich hängt die Fruchtbarkeitsrate der deutschen Frau sowieso nur von der Anzahl der Störche ab:
Früher gab es viele Störche, und es gab auch viele Kinder;
heute gibt es wenig Störche, und es gibt auch wenig Kinder!
Wenigstens von doitschen Frauen!
Es hat gar keinen Zweck, vor den sich daraus ergebenden Folgerungen ... ähhh .... wie ... den Kopf in den Sand zu stecken!
Sie schreiben: "Da Sarrazin im Fernsehen immer gegen massierte Gruppen von Gegnern antreten musste"
Wären Sie nun beleidigt, wenn ich das (Vollks-)Verdummung nennen würde?
Niemand zwang Sarrazin dazu, überhaupt ins Fernsehen zu gehen, und niemand zwang ihn dazu, sich einer Überzahl von Andersdenken zu stellen. >strong>Es war Sarrazins Wunsch und Wille, das zu tun, freiwillig. Vermutlich hat er sich sogar darum bemüht, aus einem einfachen Grund: Werbung. Die Verkaufszahlen geben ihm Recht.
Sie werfen anderen Verdummung vor, genau das, was Sie hier betreiben. Nur eine Kleinigkeit? Die Summe solcher gefälschter Kleinigkeiten - und deren finden sich in der Diskussion und in Sarrazins Buch die Menge - ergeben schließlich das falsches Bild.
Mit Ihrem Beitrag haben Sie an diesem Bild mit gemalt.
Seltsame Schlußfolgerung, die Sie da ziehen. Sarrazin leidet leider unter selektiver Wahrnehmung, d.h. er ließt nur aus Studien heraus, was er da auch finden wollte, ähnlich wie seine Leser. Der Tabubruch besteht ja nicht in der Nennung von lange bekannten Studien, sondern in der Interpretation von Teilaspekten und deren Vermengung zu einer geschlossenen Weltsicht.
Statistiken zu interpretieren ist nicht so leicht, aber seltsamerweise meint ja plötzlich jeder, der noch vor Jahren damit kokettierte, nichts von Mathe zu verstehen, heute statistische Aussagen interpretieren zu können.
Außerdem reicht es, das einige seiner Aussagen falsch sind, um das komplette Buch in die Tonne zu treten. Die Demografiediskussion ("Deutschland stirbt aus" etc) ist ja nun wirklich keine Neue (Die Nazis hatten extra nen Minister dafür) und taucht seit Anfang des Jahrhunderts immer wieder auf. Da wir nun schon seit über hundert Jahren hätten aussterben sollen, dies aber nicht eingetreten ist (nicht mal annährend), kann man daraus schlußfolgern, das dies eine rein politische Diskussion ist.
PS: Klar gibt es immer noch Leute in der Politik, die die Problem der Zuwanderung nicht klar benennen. Dennoch ist dieses Buch für die Mittelschicht geschrieben, die diese Probleme wenn überhaupt nur am Rand mitbekommt. Das Buch ist Empörung für die Massen. So wie "Feuchtgebiete" für die Spießer der Nation zum Aufgeilen geschrieben wurde, ist dies das Spießer-Buch zum Ausländer- und Hartz4 Vorurteilbestätigen.
In der Sendung Hart aber Fair z.B. wurde eindeutig aufgezeigt wie Sarrazins Thesen funktionieren. Würde man seine statistischen Maßstäbe anlegen rückwirkend für die letzten 50 Jahre, so hätten wir heute eine Bevölkerung von 250 Millionen und nicht 80 Millionen. Die Wissenschaftlerin, die er als maßgeblich für seine Thesen angab, hat sich in der Sendung öffentlich von ihm distanziert und seine Methodik als unhaltbar gebrandmarkt. Man kann natürlich die dutzenden von Argumenten gegen Sarrazin einfach ignorieren und dann behaupten es gäbe keine. Genau so plump wie Sarrazin selber der seinen Kritikern die Intelligenz abspricht argumentiert hier die Mehrheit der Sarrazinbefürworter.
Wenn man vor knapp 70 Jahren die Menschen zur Popularität und dem Wahrheitsgehalt eines bestimmten Österreichers gefragt hätte, wäre der mit Sicherheit ähnlich vehement verteidigt worden wie der neue Held des Volkes Sarrazin.
Ich überlasse jedem selbst was er daraus ableiten mag.
Selbst die Zeit schafft es noch, mal einen intelligenten Kommentar zu Sarrazin zu publizieren. Man soll eben die Hoffnung nicht aufgeben.
Genau! Dies war der erste intelligente Kommentar seitens Zeit! Dagegen war alles, was von Herrn Ulrich kam, und insbesondere das erste Interview mit Sarrazin - niveaulos und unprofessionell. Als Zeit-Leser und Abonnentin bin ich von Ihnen im höchsten Maße enttäuscht. Es ist Heuchelei und "Hexenjagd", was Sie, die Zeit, da betreiben.
Was Herrn Sarazzin angeht - ob er sich an manchen Stellen evtl. irrt, oder nicht klar genug ausdrückt, oder nicht genug Vorschläge liefert - man müsste ihm in erster Linie dafür danken, dass Deutschland dermaßen wachgerüttelt ist. Niemand zuvor hat es geschafft, diese Debatte so omnipräsent zu machen. Vorschläge müssen wir gemeinsam erarbeiten, nicht Herr Sarrazin. Danke, Herr Sarrazin!
Im Übrigen - lesen Sie die Abstimmung auf der faz.de darüber, ob die Entlassung Sarrazins gerechtfertigt ist - 90% der Leser sagen "Nein!". Und meine Vermutung ist, dass sowohl FAZ- als auch Zeit-Leser doch mit einem überdurchschnittlichen Intellekt ausgestattet sind.
Last but not least: auch ich bin Migrantin, die vor 16 Jahren noch kein Wort Deutsch sprach. Inzwischen ist Deutschland mein Zuhause - wofür ich mich auch ordentlich anstrengen musste (im Sinne: Sprache lernen, studieren etc.) Und ich gebe Herrn Sarrazin Recht: auch ich kenne persönlich viele Migranten, die von Sozialleistungen leben, weil sie sich nicht anstrengen wollen. Das Sozialsystem ist nicht in der Lage zwischen solchen, die nicht können und solchen, die nicht wollen, zu unterscheiden.
Ich bin auch positiv überrascht! Gibt es doch tatsächlich noch Journalisten bei der ZEIT (in diesem Fall sogar der oberste), die einen durchdachten und fairen Artikel über Sarrazin hinbekommen! Das Wort "Exorzismus" gefällt mir übrigens an dieser Stelle sehr gut. Nach geschätzten 10 Artikeln undifferenzierter Meinungsmache gegen Sarrazin wurde das auch langsam mal *Zeit*, mochte ich diese Zeitung doch gerade aufgrund ihrer vielseitigen Standpunkte. Schade, dass der Artikel nicht in der aktuellen Druckausgabe erschien, sonst hätte ich vielleicht doch nicht gerade gestern mein Abo gekündigt...
Genau! Dies war der erste intelligente Kommentar seitens Zeit! Dagegen war alles, was von Herrn Ulrich kam, und insbesondere das erste Interview mit Sarrazin - niveaulos und unprofessionell. Als Zeit-Leser und Abonnentin bin ich von Ihnen im höchsten Maße enttäuscht. Es ist Heuchelei und "Hexenjagd", was Sie, die Zeit, da betreiben.
Was Herrn Sarazzin angeht - ob er sich an manchen Stellen evtl. irrt, oder nicht klar genug ausdrückt, oder nicht genug Vorschläge liefert - man müsste ihm in erster Linie dafür danken, dass Deutschland dermaßen wachgerüttelt ist. Niemand zuvor hat es geschafft, diese Debatte so omnipräsent zu machen. Vorschläge müssen wir gemeinsam erarbeiten, nicht Herr Sarrazin. Danke, Herr Sarrazin!
Im Übrigen - lesen Sie die Abstimmung auf der faz.de darüber, ob die Entlassung Sarrazins gerechtfertigt ist - 90% der Leser sagen "Nein!". Und meine Vermutung ist, dass sowohl FAZ- als auch Zeit-Leser doch mit einem überdurchschnittlichen Intellekt ausgestattet sind.
Last but not least: auch ich bin Migrantin, die vor 16 Jahren noch kein Wort Deutsch sprach. Inzwischen ist Deutschland mein Zuhause - wofür ich mich auch ordentlich anstrengen musste (im Sinne: Sprache lernen, studieren etc.) Und ich gebe Herrn Sarrazin Recht: auch ich kenne persönlich viele Migranten, die von Sozialleistungen leben, weil sie sich nicht anstrengen wollen. Das Sozialsystem ist nicht in der Lage zwischen solchen, die nicht können und solchen, die nicht wollen, zu unterscheiden.
Ich bin auch positiv überrascht! Gibt es doch tatsächlich noch Journalisten bei der ZEIT (in diesem Fall sogar der oberste), die einen durchdachten und fairen Artikel über Sarrazin hinbekommen! Das Wort "Exorzismus" gefällt mir übrigens an dieser Stelle sehr gut. Nach geschätzten 10 Artikeln undifferenzierter Meinungsmache gegen Sarrazin wurde das auch langsam mal *Zeit*, mochte ich diese Zeitung doch gerade aufgrund ihrer vielseitigen Standpunkte. Schade, dass der Artikel nicht in der aktuellen Druckausgabe erschien, sonst hätte ich vielleicht doch nicht gerade gestern mein Abo gekündigt...
Auch den zweiten Teil des Artikels fand ich nicht so schlecht:
Ihr Satz hat mich etwas irritiert:
" ... Persönlich würde ich z.B. für "chronische Sozialfälle" eine Rückkehrpräme in Höhe von z.B. einem Jahr Sozialleistungen ausloben, zahlbar nur im Heimatland. Ohne Zwang. Als Angebot ... ".
Mir fällt dazu Joffe`s Satz ein:
"Dann aber bitte gerecht, auch bei den »echten« Deutschen, und ein paar Verfassungsbrüche mit dazu."
Wie würden sie denn dann mit den "chronischen Sozialfällen" (ihre Worte) bei den "echten" Deutschen" (Joffe) umgehen?
Bedingungsloses Grundeinkommen ? Als Angebot und auch ohne Zwang?
Eine ehrliche Frage (ich hab das Buch nicht gelesen, nur Zusammenfassungen und Berichte): Hat Sarrazin irgendwo eine humane, menschenwürdige, verfassungrechtlich unbedenkliche "Lösung" angeboten?
Wie wäre es denn mit einer Auswanderungsprämie für alle chronischen Sozialfälle, unabhängig von Herkunft und Staatsangehörigkeit?
Wenn man einmal auf Hartz-IV ist, hilft nur noch ein Job. Wenn der nicht zu finden ist - und wir haben nunmal 3.000.000 Arbeitslose - , steckt man ohne Kapital und mit einem Einkommen, das zwar die Existenz sichert, aber keine Rücklagen erlaubt, in einer Sackgasse.
Vielleicht wollen viele Leute wirklich lieber eigenverantwortlich in einem klassischen Einwanderungland ohne Sozialsystem, aber mit besseren Jobchancen leben, aber es fehlt ihnen das Geld für das Ticket und ein bisschen Startkapital, z.B. für ein kleines, günstiges Grundstück, das Ihnen die eigenverantwortliche Existenz sichert.
Wie wäre es denn mit einer Auswanderungsprämie für alle chronischen Sozialfälle, unabhängig von Herkunft und Staatsangehörigkeit?
Wenn man einmal auf Hartz-IV ist, hilft nur noch ein Job. Wenn der nicht zu finden ist - und wir haben nunmal 3.000.000 Arbeitslose - , steckt man ohne Kapital und mit einem Einkommen, das zwar die Existenz sichert, aber keine Rücklagen erlaubt, in einer Sackgasse.
Vielleicht wollen viele Leute wirklich lieber eigenverantwortlich in einem klassischen Einwanderungland ohne Sozialsystem, aber mit besseren Jobchancen leben, aber es fehlt ihnen das Geld für das Ticket und ein bisschen Startkapital, z.B. für ein kleines, günstiges Grundstück, das Ihnen die eigenverantwortliche Existenz sichert.
Zitat Joffe: "Alle raus? Keiner mehr rein? Absurd."
Sarrazin fordert nirgendwo "alle raus". Und auch nicht "keiner mehr rein" - nur: höhere Anforderungen an die, die rein wollen. Andere Länder praktizieren das längst. Was ist daran absurd?
Zitat: "Gebärprämien für »weiße Frauen«?"
Fordert Sarrazin ebenfalls nicht. Wieso die Polemik?
Ziat: "und noch eine obendrauf für Frau Doktor? Demografie ist komplizierter."
Wann haben Sie sich jemals mit Demographie beschäftigt und nach vernünftigen Lösungen gesucht, Herr Joffe? Ich tue das seit vielen Jahren. Gebärprämien sind mir zu einfach gestrickt, aber ich habe keine Zweifel, daß sie helfen würden, die Geburtenrate gebildeter Frauen zu erhöhen. Demographie kann man kompliziert reden! In Wahrheit spricht alles dafür, daß wirtschaftliche Anreize - insbes. auch bei den Opportunitätskosten - die Geburtenraten auch und gerade gebildeter Frauen ganz maßgeblich beeinflussen. Heute handelt es sich um Negativanreize - very simple.
Zitat: "Kleidungsverbote? Die überlassen wir Iran."
Kategorie Totschlagargument. Viele seriöse Schulforscher sprechen sich für Schulkleidung aus, weil arme Kinder im Wettlauf um die coolsten Klamotten nur verlieren können.
Zitat:"Sozialhilfeentzug, Trennung der Kleinkinder von ihren falsch erziehenden Eltern? Dann aber bitte gerecht, auch bei den »echten« Deutschen."
Das würde Sarrazin sofort unterschreiben. Sein Buch befaßt sich ausführlich auch mit der deutschen Unterschicht.
"Kategorie Totschlagargument. Viele seriöse Schulforscher sprechen sich für Schulkleidung aus, weil arme Kinder im Wettlauf um die coolsten Klamotten nur verlieren können."
Bei Kleidungsverboten geht es Sarrazin um Burka und Kopftuch, nicht um Schulkleidung. Es geht darum, dass die Kleidung, welche von bestimmten Bevölkerungsgruppen traditionell getragen werden, verboten werden sollen, während die der anderen völlig in Ordnung sind. Das nennt man ethnische Diskriminierung.
Schuluniformen haben damit überhaupt nichts zu tun und sind in diesem Kontext nicht bedenklich. Die geben einen Kleidungsstil für alle vor. Ist es erlaubt, dass man auch mit Schuluniform noch eine Mütze trägt, so muss man auch die Kopftücher zulassen, weil es eine Kopfbedeckung wie jede andere ist. Verbietet man Kopfbedeckungen für alle, so ist keine Diskriminierung mehr auszumachen. Aber das wird keiner machen.
"Kategorie Totschlagargument. Viele seriöse Schulforscher sprechen sich für Schulkleidung aus, weil arme Kinder im Wettlauf um die coolsten Klamotten nur verlieren können."
Bei Kleidungsverboten geht es Sarrazin um Burka und Kopftuch, nicht um Schulkleidung. Es geht darum, dass die Kleidung, welche von bestimmten Bevölkerungsgruppen traditionell getragen werden, verboten werden sollen, während die der anderen völlig in Ordnung sind. Das nennt man ethnische Diskriminierung.
Schuluniformen haben damit überhaupt nichts zu tun und sind in diesem Kontext nicht bedenklich. Die geben einen Kleidungsstil für alle vor. Ist es erlaubt, dass man auch mit Schuluniform noch eine Mütze trägt, so muss man auch die Kopftücher zulassen, weil es eine Kopfbedeckung wie jede andere ist. Verbietet man Kopfbedeckungen für alle, so ist keine Diskriminierung mehr auszumachen. Aber das wird keiner machen.
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