HSH Nordbank Die ungeklärten Fälle des Dr. NoSeite 3/3
Wurde einem HSH-Banker eine Porno-Falle gestellt?
Auch Peiner ist aufgeschreckt über die jüngste Entwicklung, die der Fall Roth genommen hat. Angeblich hat sich ein Sicherheitsberater, der für die HSH Nordbank gearbeitet hat, vor Zeugen mehrerer Straftaten bezichtigt. Der Mann heißt Arndt Umbach und war früher für die Sicherheitsfirma Prevent tätig, die seit Jahren für die HSH Nordbank arbeitet. Umbach traf sich am 29. Juli 2010 auf Vermittlung eines vor Monaten entlassenen Bank-Sicherheitsmanagers mit dem Betriebsratsvorsitzenden und Aufsichtsratsvizechef Olaf Behm. Mit dabei waren das Aufsichtsratsmitglied Rieka Meetz-Schawaller und zwei Anwälte. Laut einem der ZEIT vorliegenden »Protokoll zum Gesprächsverlauf« sagte Umbach, er habe ein Abhörgerät in Roths Büro installiert und später ausgebaut. Er habe Roths Wohnung durchsucht, deren Schließsystem er durch einen Generalcode habe betätigen können. Und er habe eine Mail, die Roth bei seiner Entlassung auch zur Last gelegt worden sei, verschickt.
Als der Spiegel vorvergangene Woche über das Protokoll berichtete, erklärte Umbach dann aber notariell beglaubigt, dass er derlei weder gesagt noch getan habe. Er sei »entsetzt«, dass man bei dem Treffen von ihm offensichtlich falsche Aussagen erwartet habe.
Alles ein großes Missverständnis? Oder eher ein abrupter Sinneswandel? Der Grund für einen Umschwung könnte darin liegen, dass sich der Sicherheitsberater nach dem Gespräch mit einer Staatsanwältin in Kiel über die Möglichkeit der Strafbefreiung bei Selbstanzeige und Aussagebereitschaft unterhalten haben soll und das Ergebnis nicht nach seinem Geschmack ausfiel. Die Kieler Ermittler wollen das nicht bestätigen. Einstweilen steht Aussage gegen Aussage. Auf Anfragen der ZEIT reagierten weder Behm noch Umbach oder andere Teilnehmer des Gesprächs. Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat aber Ermittlungen aufgenommen und bereits erste Zeugen vernommen.
Der zurzeit von seiner Arbeit freigestellte Konzernjustiziar Gößmann hat über seinen Anwalt erklären lassen, von Spitzelaktionen nichts zu wissen. Er sei an diesen angeblichen Aktivitäten nicht beteiligt gewesen. Nonnenmacher, dem in dieser Angelegenheit bislang kein direkter Vorwurf gemacht wurde, sagte von sich aus, er habe »niemals derartige Aufträge erteilt«. Die Verdächtigungen seien »erschütternd und schwer erträglich«.
Aufsichtsratschef Hilmar Kopper lässt die Affäre jetzt durch eine Anwaltskanzlei und eine Wirtschaftsprüfungsfirma aufarbeiten. Auch die Finanzaufsicht Bafin hat sich eingeschaltet. Kopper hat bisher stets hinter Nonnenmacher gestanden. Der frühere Deutsche-Bank-Chef hält große Stücke auf den alerten Finanzmanager und traut ihm die Sanierung der durch Milliardenverluste gebeutelten HSH Nordbank zu. Tatsächlich scheint das Institut schneller als erwartet in die Gewinnzone zurückzukehren.
Nonnenmacher ist nun auch in einer zweiten Affäre unter Druck geraten. Laut einem Bericht des Spiegels ermittelt die Staatsanwaltschaft in New York gegen ihn und andere Mitarbeiter. Die Bank, die zu 85 Prozent der Bundesländern Hamburg und Schleswig-Holstein gehört, hat dort ihre US-Niederlassung. Deren Chef Roland K. wurde im September 2009 gefeuert. Sein Büro war von einem aus Deutschland angereisten Team durchsucht worden. In New York mit dabei waren Chefjustiziar Gößmann und ein Manager der Sicherheitsfirma Prevent namens Thorsten Mehles, ein früherer LKA-Mann und BND-Mitarbeiter. Bei der Razzia fand sich ein Zugang zu Kinderpornografie, bestehend aus einer E-Mail und einem Passwort, das in einem Bilderrahmen versteckt war. Die Privatermittler schalteten die Polizei ein.
Deren Untersuchungen ergaben dann aber nicht nur K.s Unschuld, sondern begründeten auch den Verdacht, dass dem US-Banker etwas untergeschoben worden war. Der Mann reichte eine Millionenklage gegen die Bank ein. Inzwischen hat sich das Institut mit ihm verglichen und dabei vermutlich viele Millionen gezahlt. Die Bank verweigert die Auskunft über die Details des Vergleichs mit der Begründung, dass Verschwiegenheit vereinbart worden sei.
Das hochsensible Thema wurde am vergangenen Donnerstag im Aufsichtsrat der Bank erörtert. Der Präsidialausschuss befasste sich mit einem Bericht der Anwaltskanzlei WilmerHale, den der Aufsichtsrat zu dem New Yorker Fall in Auftrag gegeben hatte. Der Spiegel zitierte aus dem geheimen Bericht den Satz der Anwälte: »Dagegen gibt es belastbare Indizien, dass Herrn K. eine Falle gestellt wurde.« Dass die Hinweise auf einen Kinderporno-Konsum »platziert« worden seien.
Chefjurist Gößmann bestreitet, »an einer solchen angeblichen Aktion beteiligt« gewesen zu sein.
Der Aufsichtsrat sprach den Bankchef in dieser Sache schon mal frei. Es sei festgestellt worden, »dass Herr Nonnenmacher sich in diesem Zusammenhang jederzeit pflichtgemäß verhalten hat«.
- Datum 03.09.2010 - 18:20 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 02.09.2010 Nr. 36
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so schalten und walten kann, fragt man sich natürlich, wozu es Aufsichtsräte gibt.
Folgerichtig stellte Rechtsanwalt Strate Strafantrag wegen Untreue und Bilanzfälschung.
http://de.sevenload.com/v...
... als die Bank die Verluste initiert hat?
wird langsam Zeit, dass auf den Marktplätzen wieder die guten alten Pranger aufgestellt und Eier und Tomaten verteilt werden.
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