Lebensversicherungen Gebt mir mein Geld zurück
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 Viele Kunden stornieren auch, weil ihnen die falschen Verträge aufgeschwatzt wurden

Die hohe Zahl der Frühstorni lässt sich aber auch mit schlechter Beratung und schlechtem Service erklären: Wenn Versicherungsverkäufer die Kunden in Verträge hineinschwatzen, die nicht zu deren Lebenslage oder Einkommen passen, ziehen viele Kunden schnell die Reißleine. Und – gar nicht so überraschend – es häufen sich Frühstornofälle bei den Anbietern, listet Manfred Poweleit im Versicherungsvergleich map-Report auf, die besonders viele Beschwerden und Prozesse gegen Kunden verzeichnen.

Hinzu kommen zwei neue Phänomene: Seit der Gesetzgeber das Wechseln bei Riesterverträgen erleichtert hat, machen einige Vermittler ein Geschäft daraus, die Kunden aus den Altverträgen hinaus und in neue Verträge hinein zu buchen. »Umdecken« nennen sie das. Gelegentlich zum Vorteil der Kunden, wenn die zuvor renditeschwache Verträge abgeschlossen haben. Oft verdient daran aber nur einer: der Vermittler.

Die Hauptschuldigen an der Stornowelle aber sind die fondsgebundenen Versicherungen. Jene Zwitterwesen, mit denen die Branche ihre schrumpfenden Absatzzahlen retten wollte. Sie sollten den Kunden die Sicherheit der guten alten Versicherung bieten, aber sie gleichzeitig an den Renditen der Aktienmärkte teilhaben lassen, mit dem Argument verkauften sich die Fondspolicen prächtig – bis zur Krise.

Denn während bei klassischen Versicherungen wenigstens eines sicher ist, der Garantiezins, sind die Erträge der Fondspolicen voll vom Aktienmarkt abhängig. Das macht jetzt vielen Angst, sagt Analyst Reiner Will: »Bei den fondsgebundenen Policen kann der Kunde an den Fonds deutlich ablesen, welchen Wertverlust er gerade erleidet, und er kommt viel schneller ins Zweifeln. Das fondsgebundene Geschäft ist deutlich stornoanfälliger als das klassische Geschäft. Dieser Effekt hat sich in der Krise noch verstärkt.«

Für die Versicherer bedeutet der frühe Kundenabgang: Sie können bei der Auszahlung des Versicherungsrestwerts an den Kunden zwar Abschläge einbehalten, sie müssen ihn aber vorzeitig an einem Teil der stillen Reserven beteiligen. Das geht letztlich zu Lasten des Gesamtvermögens, das sich für die übrigen Kunden verzinsen soll. Und da Versicherer selbst gern auf Nummer sicher gehen, kalkulieren sie künftig höhere Sicherheitszuschläge ein, damit sie die Kosten fürs Storno am Ende nicht alleine tragen müssen.

Mehr neue Kunden dürfte ihnen das nicht bescheren. Dabei sind sie angesichts schrumpfender Bevölkerung und Vertragsbestände gerade auf sie angewiesen. Auch die gesetzlich geforderte Mindestausschüttung beim Storno hat eher das Gegenteil bewirkt und Frühkündiger noch bestärkt. Der sogenannte Zweitmarkt änderte ebenfalls nichts an den Stornozahlen, auch wenn hier Anbieter die Verträge von klammen Kunden aufkauften, sie weiterführten und den Kunden üppiger auszahlten als die Versicherungen. Diese Handelbarkeit von Policen sollte Kunden besänftigen. Doch der Zweitmarkt brach 2009 fast vollständig zusammen. Nun buhlen viele dubiose Aufkäufer um die Verträge. Die lösen die Policen auf, zocken mit dem Geld am Aktienmarkt und zahlen erst dann die Kunden aus. Sagen sie. Ein Idealist, der daran glaubt.

Optimisten dagegen hoffen eines: Dass die Versicherer probieren, auf ehrliche und flexible Art die Stornozahlen zu drücken. »Denn eigentlich ist die Stornozahl verwunderlich«, findet Reiner Will, »weil die Versicherungskunden eigentlich die Gewinner der Krise sind.« Kaum ein anderes Produkt habe solche Zinsen bei solchen Garantien geboten.

 
Leser-Kommentare
  1. „Warum so wenig Sparer die Verträge durchhalten, erklärt Jochen Ruß so: In Zeiten, in denen viele nicht einmal langfristig bei einem Partner, Job oder Wohnort bleiben, haben sie erst recht Bedenken, sich lebenslang an einen Versicherer zu binden.“

    So kann man es natürlich auch formulieren. Nur wird damit unterstellt, dass das immer eigene Entscheidungen wären. Bei mir war’s so: Frau weg (damit weniger Vorsorgebedarf), Job weg (weniger Geld zum Einzahlen) und Selbständigkeit (erhöhter Finanzbedarf) – dann fällt einem sehr schnell ein, dass da ein Batzen Geld in einer Versicherung liegt, die weiterzubesparen in der gegenwärtigen Lebenssituation gar keinen Sinn mehr ergibt.

    Das Leben ist eben nicht planbar. Auch wenn uns die Versicherer was anderes einreden wollen. Ist schließlich ihr Gechäft.

  2. Ich habe nicht aus wirtschaftlicher Not gekündigt, sondern aus reinem Kalkül.

    Die Rendite, die meine Lebensversicherung gebracht hat, habe ich seit der Kündigung vor einem Jahr locker um das 5fache übertroffen.

    Lebensversicherung? Nie wieder, vor allem nicht, wenn der EUro crashed.

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    • lepkeb
    • 06.09.2010 um 3:28 Uhr

    einer Verzinsung von 4.3 % (http://www.focus.de/finan...) haben sie also pro Jahr 21% rendite erzielt. LMFAO.

    Es war eine Grundverzinsung von knapp 3%. Ja, die eigene Rendite war besser.

    • lepkeb
    • 06.09.2010 um 3:28 Uhr

    einer Verzinsung von 4.3 % (http://www.focus.de/finan...) haben sie also pro Jahr 21% rendite erzielt. LMFAO.

    Es war eine Grundverzinsung von knapp 3%. Ja, die eigene Rendite war besser.

  3. Viele Kunden duerften dazu gezwungen worden sein, ihre Policen aufzuloesen, da das Schonvermoegen gerade bei jungen Arbeitslosen sehr gering ist und ALG II erst ausbezahlt wird, wenn die eigenen finanziellen Mittel fast ausgeschoepft sind. Auch verwenden viele ihre Lebensversicherungen als hinterlegt Sicherheiten, wenn sie sich selbstaendig machen wollen. Geht das schief, muss auch die Versicherung dran glauben. Kein Wunder, dass dies heute haeufiger passiert, als noch vor 15 Jahren.

    Auch ein haeufiger Fall, der v.a. in der Mittelschicht vorkommt. Eltern und Grosseltern wollen - mit ihrer eigenen Arbeitsbiographie im Kopf, den Nachwuchs durch eine Rentenversicherung unterstuetzen, in die sie auch ein paar Jahre fleissig einzahlen. Sobald Junior seinen ersten Arbeitsvertrag in der Tasche hat, sollen die Raten selbstaendig getragen werden. Leider wirft heute aber kaum noch ein Einstiegsgehalt soviel ab, dass man auf ca. 100 Euro im Monat so leicht verzichten koennte - und ausserdem sind die erste Wohnung, ein Auto oder die Moeglichkeit, fuer 3 Monate ein unbezahltes Praktikum im Ausland zu machen naeherliegender als 50.000 Euro in 40 Jahren. Zumal hat man bisher das Geld ja nicht selbst eingezahlt - also schmerzt der Verlust weniger.

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    ...lohnt sich nur, wenn man zusätzlich zu den Einzahlungen auch noch für kurzfristige Notfälle Geld zurücklegen kann. In der Situation, dass man 100 Euro für eine Lebensversicherung hat und nochmal weitere 100-200 Euro für plötzliche Notfälle UND vielleicht nochmal weitere 100 Euro für kleinere Anschaffungen ist aber heute kaum noch jemand. Dazu bräuchte es einen stabilen Mittelstand mit verlässlichen Arbeitsbiographien.
    Was bringt einem eine Lebensversicherung wenn man dann für eine Zahnbehandlung oder einen Umzug einen Kredit aufnehmen muss?

    ...lohnt sich nur, wenn man zusätzlich zu den Einzahlungen auch noch für kurzfristige Notfälle Geld zurücklegen kann. In der Situation, dass man 100 Euro für eine Lebensversicherung hat und nochmal weitere 100-200 Euro für plötzliche Notfälle UND vielleicht nochmal weitere 100 Euro für kleinere Anschaffungen ist aber heute kaum noch jemand. Dazu bräuchte es einen stabilen Mittelstand mit verlässlichen Arbeitsbiographien.
    Was bringt einem eine Lebensversicherung wenn man dann für eine Zahnbehandlung oder einen Umzug einen Kredit aufnehmen muss?

    • lepkeb
    • 06.09.2010 um 3:28 Uhr

    einer Verzinsung von 4.3 % (http://www.focus.de/finan...) haben sie also pro Jahr 21% rendite erzielt. LMFAO.

    Antwort auf "Nie wieder"
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    ...muessen Sie 1. die Inflationsquote und 2. die bei Faelligkeit anfallenden Steuern abziehen. Ausserdem sind 35 Jahre ein irrsinnig langer Zeitraum - da kann um einen herum das ganze Land kollabieren - oder auch nur das Unternehmen, bei dem man versichert ist.

    Ausserdem haben die Menschen auch weniger Kinder - der wichtige Zweck, die eigenen Kinder abzusichern entfaellt bei ihnen also - und damit kaeme der eigene Tod in den Augen des Versicherten einem Totalverlust gleich.

    ...muessen Sie 1. die Inflationsquote und 2. die bei Faelligkeit anfallenden Steuern abziehen. Ausserdem sind 35 Jahre ein irrsinnig langer Zeitraum - da kann um einen herum das ganze Land kollabieren - oder auch nur das Unternehmen, bei dem man versichert ist.

    Ausserdem haben die Menschen auch weniger Kinder - der wichtige Zweck, die eigenen Kinder abzusichern entfaellt bei ihnen also - und damit kaeme der eigene Tod in den Augen des Versicherten einem Totalverlust gleich.

  4. Die Aussage „die Versicherungskunden sind die Gewinner der Krise“, kann ich nur belächeln. Wer in der Branche arbeitet oder gearbeitet hat, weiß es besser. Die Kunden gewinnen nicht, denn die Auszahlungsbeiträge werden immer geringer sein, als die dann zur Verfügung stehende Kaufkraft. Da kann man auch mit schönen Rechenmodellen nichts mehr schön rechnen.

    Eine Prognose darüber abzugeben was in den nächsten 20, 30 oder 40 Jahren sein wird, ist schon grob fahrlässig. Dies kann Niemand. Theoretisch müsste jeder Kunde der eine Lebensversicherung abschließt, zusätzlich ein Formular unterschreiben auf dem steht. „Wir können Ihnen nicht garantieren, dass unser Unternehmen zum Auszahlungstermin noch existiert. Wir können Ihnen nicht garantieren, dass sie mit dieser Rentenversicherung, keine Altersarmut erleiden. Wir können Ihnen nicht garantieren, dass die Rendite die Inflation abdecken wird.“

    Das sich bereits heute kein langfristiger Vertrag lohnt, kann man auch schön hier nachlesen: http://www.ploync.de/geld...

  5. ...muessen Sie 1. die Inflationsquote und 2. die bei Faelligkeit anfallenden Steuern abziehen. Ausserdem sind 35 Jahre ein irrsinnig langer Zeitraum - da kann um einen herum das ganze Land kollabieren - oder auch nur das Unternehmen, bei dem man versichert ist.

    Ausserdem haben die Menschen auch weniger Kinder - der wichtige Zweck, die eigenen Kinder abzusichern entfaellt bei ihnen also - und damit kaeme der eigene Tod in den Augen des Versicherten einem Totalverlust gleich.

    Antwort auf "Unter zu Grundelegeung"
  6. ...wenn man 35 Jahre einigermassen durchgehend beschaeftigt ist - und dabei ein Gehalt hat, bei dem man, ohne dass es allzusehr schmerzt auf 100-200 Euro monatlich verzichten kann - dass aber zugleich auch nicht so gross ist, dass man sich um die ALtersvorsorge ohnehin keine Gedanken machen muss, dann ist das sicher eine feine Sache. Nur ist in dieser Situation heute kaum noch jemand. Die Mittelklasse steht heute vor Fragen wie: Investiere ich jetzt fuers Alter oder zahle ich lieber 100 euro im Monat fuer eine gute (!) Kita, spare ich gleich fuers Alter oder investiere ich Geld fuer eine Promotion oder einen Meisterlehrgang, lege ich in diesem Jahr 2000 Euro in eine RV oder lasse ich meine Zaehne sanieren. Das alles sind ja auch Investitionen in die Zukunft. Und die unsicheren Berufsbiographien machen einfach flexiblere Spararten notwendig.

    Antwort auf "Haben sie sich den"

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