Cocteau in Frankreich Orpheus auf dem DorfSeite 3/3
Cocteau starb einen Tag nach seiner Freundin Edith Piaf, der er noch einen Nachruf schrieb, er starb in dem Zimmer neben dem Arbeitskabinett.
Eine vergoldete Hand als Türklopfer. Er lag in dem schmalen, mit puderfarbenem Rips dekorierten Himmelbett. Seine Augen waren wohl auf das Fresko gerichtet, das Jean Marais ihm gemalt hatte, an der Wand gegenüber, eine Burg über einem lieblichen Tal.
Der Tod war das Thema seines Lebens. »Alles, was man im Leben tut, vielleicht sogar die Liebe, geschieht in diesem Schnellzug, der dem Tod entgegenrast«, heißt es in Opium, in der bitteren Erkenntnis, dass der Tod schon immer da ist: »Er ist unsere Jugend. Er ist in unserer Reife. Er ist in unsrer Liebe. Je weniger Zeit mir noch verbleibt, desto mehr reckt er sich auf… Sein großer Tag aber ist, wenn man Schluss macht. Dann tritt er aus uns heraus und schließt hinter sich ab.«
Obsèques de Monsieur Jean Cocteau. Am 16. Oktober 1963, um 10.30 Uhr, versammelten sich die Menschen in der Kirche von Milly-la-Forêt, es waren 1200 Menschen gekommen, weniger Prominenz als Bürger von Milly, auch wenn Gilbert Bécaud für ihn sang. Die Geschäfte waren geschlossen, ihre Inhaber trugen eine Lyra aus roten Rosen.

Etwas hatte sich vollendet. Jean Cocteau, von dem der Kunstkritiker Dominique Païni schrieb, er sei ein vielleicht zu viel Geliebter gewesen, ein zu Unrecht gehasster, ein in seiner Kompliziertheit verkannter einfacher Mensch – eine Hommage anlässlich der großen Cocteau-Ausstellung im Centre Pompidou von 2003, die auch Wiedergutmachung war und nach der Païni auch die Maison Cocteau mitgestaltete – Cocteau ruht nun in der Kapelle, die nach den Blumen, die er malte, La Chapelle Saint-Blaise des Simples heißt. Und um die Kapelle herum, in der übrigens auch Doudou bei ihm ruht, wuchern die einfachen Kräuter, die Millys Wahrzeichen sind, und flüstern, sauber beschriftet, dem Connaisseur so vieler exquisiter Süchte ihre Botschaften zu. Menthe poivrée, »stimulierend«. Menthe douce, »entspannend«, Menthe pulegium »für Apéritifs und Confiserie«, Menthe à feuilles longues, usw., so viele Versprechen…
- Datum 02.09.2010 - 12:18 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 02.09.2010 Nr. 36
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