Private Banking "Amerikaner fühlen sich mit Schulden wohl"

Wie die Nationalität die Geldanlage beeinflusst, wo sich jetzt Chancen bieten und warum Kunst kein Investment ist: Ein Gespräch mit Pierre de Weck, Manager der Deutschen Bank.

DIE ZEIT: Herr de Weck, wenn wir zehn Millionen Euro übrig hätten, warum sollten wir sie Ihnen anvertrauen, statt sie selbst anzulegen?

Pierre de Weck: Die Welt ist heute sehr viel volatiler als früher. Die Zahl der Krisen hat zugenommen. Anleger müssen ihr Portfolio an sich stetig verändernde Bedingungen anpassen. Die alte Regel, 40 Prozent in Aktien und in Rentenpapieren zu halten, gilt nicht mehr. Die Frage ist: Mache ich alles selber, oder ist mir mit einer Bank, die Experten und Zugang zu globalen Märkten und Informationen hat, nicht besser gedient?

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ZEIT: Aber Banken haben sich nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. Viele konnten sich in der Krise nicht einmal allein über Wasser halten.

De Weck:Für die Deutsche Bank trifft das nicht zu . Wir sind selbstständig durch die Krise gekommen. Im Wealth Management ist es uns gelungen, die Vermögen unserer Kunden sicherer durch die Marktverwerfungen zu bekommen als viele unserer Mitbewerber. Zudem stellen wir fest, dass immer mehr vermögende Kunden die Anlageentscheidung an unsere Experten delegieren, statt sich nur beraten zu lassen. So verzeichneten wir im ersten Halbjahr zwei Milliarden Euro an Zuflüssen in der klassischen Vermögensverwaltung.

ZEIT: Wird das Geld heute anders angelegt?

De Weck: Das Risikomanagement steht stärker im Vordergrund, bei uns wie bei den Kunden. Bei großen Vermögen simulieren wir auch einmal schwere Finanzkrisen, um den Kunden die Auswirkungen auf das Portfolio deutlich zu machen. Sie können dann entscheiden, ob sie ihr Risiko reduzieren.

ZEIT: Krisen lassen sich aber nur schwer vorhersagen.

De Weck: Das stimmt. Doch die meisten großen Krisen haben ihren Ursprung in Bonitätsproblemen – von Staaten, Haushalten oder Firmen. Wer das konsequent in seiner Analyse berücksichtigt, sieht schneller, wo es sich lohnt, mehr Risiko einzugehen und wo nicht.

ZEIT: Wie kann ich sicher sein, dass mich die Deutsche Bank nicht bloß als Vertriebskanal für ihre Produkte missbraucht?

De Weck: Die Vermögensverwaltung ist bei uns ein eigenständiger Geschäftsbereich – mit Zugang zu Experten rund um den Globus, aber mit einer eigenständigen Meinung und eigenständigen Anlageentscheidungen. Eine Gruppe von mehr als 450 Mitarbeitern befasst sich weltweit mit der Auswahl der besten Produkte. Darunter sind Produkte der Deutschen Bank, aber auch solche anderer Anbieter. Mit Sal. Oppenheim…

ZEIT: …die kürzlich von Ihrem Haus übernommene Kölner Privatbank…

De Weck: …betreuen wir weltweit 319 Milliarden Euro. Im Wealth Management der Deutschen Bank sind gerade einmal 25 Prozent in Produkten aus dem eigenen Haus investiert.

ZEIT: Wie reagieren die Superreichen auf die Krise ? Müssen Sie jetzt öfter auf einen Kaffee vorbeischauen, um zu beruhigen?

De Weck: Ich treffe viele Kunden. Bei den sehr Vermögenden geht es aber weniger darum zu beruhigen, sondern eher um strategische Beratung. Diese Kunden können meist mehr Risiko tragen als andere. Sie nehmen aber häufig Kredite oder die Dienste unseres Investmentbankings in Anspruch, etwa bei Firmenkäufen. Diese Gruppe erhält inzwischen den gleichen Service wie institutionelle Kunden. Wir sprechen hier über weltweit vielleicht 100 Familien, die einer derartigen umfassenden Betreuung bedürfen.

ZEIT: Wie viele Deutsche sind darunter?

De Weck: Ungefähr 15. Insgesamt betreuen wir – Sal. Oppenheim nicht eingerechnet – hierzulande rund 7400 Familienverbünde. Die Kunden haben in unserem Heimatmarkt insgesamt – mit Sal. Oppenheim – 163 Milliarden Euro bei uns angelegt. Damit sind wir in Deutschland mit Abstand Marktführer im Wealth Management.

ZEIT: Was treibt die deutschen Kunden um?

De Weck: Die Sorge, ihr Vermögen in einer sehr instabilen Finanzwelt nicht über Generationen erhalten zu können. Insbesondere die Angst vor einer Inflation. Das ist ein sehr deutsches Phänomen, in anderen Ländern ist es weniger stark ausgeprägt. Wir glauben nicht an große Preisschübe, weil wir davon ausgehen, dass die Zentralbanken in der Lage sind, die Liquidität rechtzeitig wieder einzusammeln, die sie zur Bekämpfung der Krise in den Markt gepumpt haben.

ZEIT: Und wie wird das Geld angelegt?

De Weck: Ein großes und komplexes Thema sind Immobilien. Sie bieten auf der einen Seite zwar Schutz vor Inflation. Auf der anderen Seite aber drohen in Deutschland angesichts des Bevölkerungsrückgangs in einigen Regionen steigende Leerstandsraten. Einige unserer Kunden sind bei deutschen Immobilien überinvestiert und erwägen, Immobilien im Ausland zu kaufen, wo die demografische Entwicklung zum Teil besser ist.

ZEIT: Sie sagten, die Inflationsangst sei ein deutsches Phänomen . Spielt die Nationalität bei der Geldanlage eine Rolle?

De Weck: Es gibt erhebliche regionale Unterschiede. Asiatische Kunden sind wesentlich risikobereiter. Das sind meistens Unternehmer, die oft noch persönlich aktiv sind. Wenn Sie denen keine Renditechancen von 20 oder 30 Prozent bieten, sagen sie: Da lasse ich mein Geld doch lieber im eigenen Unternehmen. Dafür sind sie dann meist auch selbst bei herben Rückschlägen nicht so verunsichert und sagen sich: Dann verdiene ich das eben im nächsten Jahr wieder aufs Neue. Vermögen zu schaffen ist in Asien wichtiger, als Vermögen zu erhalten. Im arabischen Raum steht im Vordergrund, dass das Finanzvermögen langfristig die Familie tragen muss, entsprechend wird weniger aggressiv angelegt. Es geht eher um Erhalt und Bewahrung des Vermögens, genau wie in Europa. Die Amerikaner setzen bei der Geldanlage gern Kredite ein, speziell bei sehr großen Vermögen. Das erhöht natürlich das Risiko, aber Amerikaner fühlen sich mit Schulden wohler als Asiaten oder Deutsche.

ZEIT:Das Geschäft mit den Reichen war lange diskreten Privatbanken vorbehalten . Die Deutsche Bank ist ein Supertanker.

De Weck: Generell gilt, dass die Vermögensverwaltung aufwendiger wird. Die Produkte sind komplexer, die Märkte unruhiger, die regulatorischen Anforderungen steigen. Ein kleines deutsches Haus kann nicht den Überblick über die Entwicklung in Asien und Lateinamerika behalten. Kunden, die sich eine klassische Privatbank wünschen, können wir über Sal. Oppenheim betreuen. Die Bank wird eigenständig bleiben.

ZEIT: Wo sehen Sie im Moment Chancen?

De Weck: In den USA haben wir die Bankenkrise überwunden, und Europas Bonitätskrise ist aus unserer Sicht größtenteils überstanden, auch wenn Risiken bleiben. Unserer Einschätzung nach wird die globale Wirtschaft über die nächsten Jahre vier bis fünf Prozent pro Jahr wachsen. Die Unternehmensgewinne werden steigen, insofern halten wir Aktien für attraktiv. Das gilt vor allem für Unternehmen aus den Schwellenländern, aber auch für Deutschland, wo die Unternehmen über den Export am Wachstum in Asien teilhaben. Alles in allem sind wir im Moment dabei, Risiko für unsere Kunden aufzubauen.

ZEIT: Wie das?

De Weck: Viele unserer Anleger haben den Aktienanteil in ihrem Portfolio gesenkt und fragen sich nun: Verpasse ich gerade Chancen, mein Vermögen langfristig zu mehren?

ZEIT: Wie legen Sie persönlich denn Ihr Geld an?

De Weck: Nicht in Einzelwerten. Ich investiere nur in Fonds: etwa 20 Prozent in Private Equity, 40 Prozent in Hedgefonds und den Rest in Aktien aus Schwellenländern.

ZEIT: Sie verfügen, wie es heißt, über eine umfangreiche Kunstsammlung. Haben Sie in der Krise zugekauft?

De Weck: Die Kunst ist keine Geldanlage, sondern eine Leidenschaft. Meine Frau und ich sammeln seit 30 Jahren zeitgenössische Kunst, und in dieser Zeit haben wir nur vier Arbeiten verkauft.

Das Gespräch führten Mark Schieritz und Arne Storn

 
Leser-Kommentare
  1. Die Asiaten waren bis vor wenigen Jahren bettelarm, die meisten sind es immer noch.
    Wer nichts hat, kann auch nichts verlieren.
    Deshalb haben die Asiaten keine Angst vor der Inflation, weil Sie keine kennen...

  2. "Unserer Einschätzung nach wird die globale Wirtschaft über die nächsten Jahre vier bis fünf Prozent pro Jahr wachsen. "

    iIch frage mich andauernd ob diese Banker tatsächlich an das glauben was sie sagen und ob sie auch wissen was meiner Meinung nach passieren wird

    das Wachstum was wir hier spüren ist doch entweder mit horrenden Schulden bezahlt, die wir sowieso nie mehr los werden und die uns in der nächsten Kriese wieder auf die Füsse fallen werden, oder dem Export nach China geschuldet, welches die Kriese anscheinend besser überstanden hat als der "Westen".
    Es ist doch nur eine Frage der Zeit, bis wir nichts mehr nach China exportieren werden, da sie sich selbst versorgen können.
    China war Jahre lang größter Stahl-Konsument der Welt, und heute ist es der größte Stahlproduzent der Welt, und auch VW wird in einigen Jahren keine Autos mehr in China verkaufen (der momentan größte Markt von VW), da sie sich dann auch noch ihre eigenen Autos bauen.

  3. De Weck: Für die Deutsche Bank trifft das nicht zu. Wir sind selbstständig durch die Krise gekommen

    Na, das fängt ja schon gut an mit dem Verdrängen der Wahrheit.

    Tagesspiegel: Die Geretteten inkl. Auflistung der geretteten und der jeweiligen Beträge.

    Der Rückfluß von 12 Mrd. von der AIG hat sicher auch geholfen, das "eigenständige" Überleben zu sichern ebenso wie diverse "indirekte" Hilfen der Regierung über andere gerette Banken.
    Die CoBa hätte inkl. Dresdner seinerzeit zu 100% für 3 Mrd. übernommen werden. Es hatte sicher Gründe, das man stolze 18 Mrd. für nur 25% der Anteile gegeben hat. Auch bei der IKB hatte die Deutsche Bank ihren Anteil.

    Die Wahrheit ist. Seit mindestens 10 Jahren sind die deutschen wie auch viele europäische Bankhäuser pleite und konnten sich nur durch Bilanzfälschungen (auslagern in Zweckgesellschaften in Steueroasen) über Wasser halten.

    Schon 2003 gab es daher Gespräche zwischen Bankern (inkl. Joe Ackermann) und Regierung über die Installation von "Bad Banks", die wegen der Veröffentlichung im Handelsblatt abgeblasen wurden.

    Die US-Hypothekenblase und Kreditkrise hat das Thema weiter verschärft, ebenso die Griechenlandspende und der 750 Mrd. Rettungsschirm.

    Wo nehmen die Regierenden die Kredite auf? Bei den Banken, die eigentlich pleite sind und darüber neues Geld erschaffen durch lange Hebel, die die Blase aufpusten.

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