Private Banking ist bei Finanzinstituten so beliebt wie für den Kunden nebulös. Jeder Interessierte weiß, dass es um vermögende Kunden geht, irgendwie, um besonderen Service, ganz sicher, doch was sich genau dahinter verbirgt? Da hört es bei den meisten auf. Seit Jahren leidet das Private Banking unter einem Wirrwarr von Begriffen, deren Definition sich ändert, je nachdem, wen man fragt. Zeit für einen Crashkurs:

Fast jeder Deutsche ist Privatkunde bei einem der rund 2000 Kreditinstitute hierzulande. Zugang zum Private Banking erhält er aber nur ab einem gewissen Vermögen. Weil inzwischen auch Sparkassen oder Genossenschaftsbanken diese Kunden entdeckt haben, zählen manche Institute bereits Personen mit einem flüssigen Vermögen von mehr als 100.000 Euro zu dieser Gruppe. Als Untergrenze gilt meist aber ein frei anlegbares Vermögen von einer Million Euro. Manche sprechen da bereits von Private Wealth Management, andere sehen diese gesteigerte Form des Private Banking erst bei fünf Millionen Euro erreicht. Man sieht: Klare Grenzen gibt es selten. Die Deutsche Bank betont, zum Private Wealth Management könne gehören, wer ein komplexes Vermögen habe, selbst wenn es nur eine Million Euro sei. Ach ja, wer sich vom Begriff Vermögensverwaltung angesprochen fühlt: Da handelt es sich in der Regel um das Geschäft mit institutionellen Anlegern. Bei Privatkunden besagt er, dass diese dem Institut alle Entscheidungen übertragen, anstatt sich nur beraten zu lassen.

Global spricht man ab einer Million Dollar von High Net Worth Individuals. Dann gibt es noch die Ultra High Net Worth Individuals, vulgo: die Superreichen. Laut dem Report Global Wealth 2010 der Unternehmensberatung Boston Consulting Group zählt man in vielen Banken ab 20 Millionen Dollar zu diesem exklusiven Club. Der World Wealth Report der Konkurrenz von Capgemini und Merrill Lynch hingegen zieht die Grenze erst bei 30 Millionen Dollar. Auf diese spezielle Klientel zielen Family Offices , die mal autonom, mal unter dem Dach einer Bank agieren.

Wer offeriert Private Banking? Private Banken? Nein, nicht alle dieser rund 220 Institute hierzulande. Sicher aber viele deutsche Töchter ausländischer Banken – insbesondere jene aus der Schweiz – sowie Großbanken wie Deutsche Bank, Commerzbank oder Unicredit, vertreten über die HypoVereinsbank (HVB). Letztere bieten die ganze Bandbreite von Dienstleistungen an, Kreditgeschäft und Vermögensverwaltung, Kapitalmarktgeschäft und Investmentbanking, für Firmenkunden und Privatkunden, in Deutschland und international. Sie betreuen vermögende Kunden in eigenen Sparten wie Private Banking und Wealth Management. Wobei Umbenennungen des Wealth Management in Private Banking wie bei der HVB verwirren.

Viel Geld erfordert in aller Regel viel Vertrauen, persönlichen Kontakt und individuelle Lösungen. Entsprechend war das Geschäft mit den Reichen lange Zeit jenen vorbehalten, die nicht nur private Banken, sondern Privatbanken sind: kleine, diskrete Häuser mit langer Geschichte und überschaubarem Eigentümerkreis – keine börsennotierten Aktiengesellschaften (AGs) mit Massenappeal. Private Banking und Privatbanken, das war lange Zeit eins. Viele Privatbanken gibt es in Deutschland jedoch nicht mehr. Einst waren es Hunderte, und die mächtigen unter ihnen zählten zu den Vätern der modernen Großbanken: 1870 gründeten Hamburger Kaufleute und Privatbankiers etwa die Commerzbank, fast zeitgleich standen in Berlin Privatbankiers unter Führung von Adelbert Delbrück der Deutschen Bank Pate. 1872 entstand die Dresdner Bank direkt aus der Umwandlung einer Privatbank in eine AG. Längst aber sind – wie Delbrück, Trinkaus oder zuletzt Sal. Oppenheim – viele unter das Dach von Finanzkonzernen geflüchtet, hier ABN Amro, HSBC und Deutsche Bank.

Wer aber ist eine Privatbank? Da wird es diffus. Der eine definiert sie als Banken in Familienbesitz wie die Fürstlich Castell’sche Bank in Würzburg – der andere als Banken mit persönlich haftenden Gesellschaftern, die im Krisenfall mit dem Privatvermögen einstehen und daher als Inbegriff des vorsichtigen Privatbankiers gelten. Nur bei einigen fällt beides zusammen, etwa bei Metzler in Frankfurt. Der Bundesverband deutscher Banken listet derzeit 26 Privatbankiers auf, doch darunter findet sich auch die Hanseatic Bank, die nur Geschäftsführer ausweist und dem Handelskonzern Otto und Société Generale gehört. Merck Finck aus München hat persönlich haftende Gesellschafter, Eigner aber ist die indische Hinduja Group.

Viele Privatbanken sind klein und in Angebot oder Ausbreitung beschränkt, sodass mancher sie als »gehobene Sparkasse in der Provinz« belächelt. Bankhaus Hafner (Augsburg) oder Bankhaus C. L. Seeliger (Wolfenbüttel) – mal gehört? Als bundesweit relevant gelten gemeinhin nur fünf eigenständige Institute mit persönlich haftenden Gesellschaftern, breiterem Geschäft und Bilanzsummen bis knapp fünf Milliarden Euro: Metzler und Hauck & Aufhäuser in Frankfurt, Berenberg und M.M. Warburg in Hamburg sowie Lampe in Bielefeld.

Die Unabhängigkeit aber, mit der so viele werben – ist sie nur eine Frage wirtschaftlicher oder rechtlicher Autonomie? Nein. Ebenso zählt: Ist eine Bank frei in der Produktberatung, frei von eigenen Produkten sowie Provisionen anderer? Hält sie selbst Anlagen, die sie in Interessenskonflikte stürzen? Vergibt sie Kredite, die sie wie im Fall Sal. Oppenheim existenziell gefährden könnten? Edles Ambiente, aber schwupp – aus war’s nach 221 Jahren.

Kurz: Wer ins Private Banking will, muss fragen. Er darf Antworten erwarten. Und sollte genau zuhören, was seine Bank sagt. Crashkurs Ende.