Die Internationale Funkausstellung (Ifa) in Berlin gilt als bedeutendste Messe für Unterhaltungselektronik, aber noch mehr ist sie ein Treffpunkt für Inneneinrichter: Die Aussteller führen vor, wie es künftig in den Wohnzimmern dieser Welt aussehen soll. Welche Musikanlage demnächst im Regal steht, welches Smartphone auf dem Couchtisch liegt und welcher Bildschirm an der Wand hängt.

Von Freitag an ist es wieder so weit. Und für das Fernsehgerät, nach wie vor das Gravitationszentrum jedes Durchschnittshaushalts , geben die Ifa-Macher in diesem Jahr zwei Parolen aus: mehr Dreidimensionaliät! Und mehr Internet!

Erst wurden die Fernseher flach, künftig sollen sie 3-D-Bilder darstellen können. Räumliche Tiefe, von Kinofilmen wie Avatar auf der großen Leinwand vorgemacht, dürfte bald daheim erlebbar werden. Außerdem sollen die riesigen Flachbildschirme endlich mit dem weltweiten Datennetz verbunden werden, damit derjenige, der ARD-Sendungen und YouTube-Videos im Internet schaut, nicht mehr in gebückter Haltung über seinem Laptop hocken muss. "Genießen Sie die Welt des Internet von Ihrem Sofa aus", bewirbt Sony seine Heimkino-Maschinen, und dieser Satz kann stellvertretend stehen für viele der Ifa-Neuerungen.

Online und dreidimensional fernsehen: Die Vorstellung ist verlockend. Doch verzetteln sich die Visionäre der TV-Zukunft in nebensächlichen Diskussionen: Welche speziellen Brillen man etwa aufsetzen sollte, um die 3-D-Bilder am besten zu genießen. Oder wie man im Internet navigiert, wenn bei den neuen Superfernsehgeräten– anders als beim Computer – Tastatur und Maus fehlen.

Viel wichtiger wäre es, die Frage zu beantworten, wie die neue Bilderpracht überhaupt ins Wohnzimmer kommt?

Selbst auf den kleinen Bildschirmen der Laptops ruckeln heute viele Internetfilmchen, stocken Videotelefonate über Onlinedienste wie Skype. Von hochauflösenden Inhalten oder gar 3-D ist noch gar nicht die Rede. Irgendwo auf ihrem Weg durchs Netz verkanten die bewegten Bilder.

Wenn nun – wie die Ifa es ankündigt – TV und Computer tatsächlich verschmelzen und Fernsehbilder zunehmend übers Internet übertragen werden, dann stehen Gerätehersteller, Sender und Fernsehzuschauer vor dem Problem, dass die Leitungen endgültig verstopfen könnten. Betroffen wären davon alle digitalen Daten, die sich im Internet begegnen – Texte, Musik, Bilder, Fernsehen. Die Debatte darüber läuft seit einiger Zeit unter dem Stichwort Netzneutralität .

Dieses technisch klingende Schlagwort suggeriert, dass es sich hier lediglich um ein Thema für Fachleute handelt. Welch ein Irrtum! Die Frage der Netzneutralität berührt die Informationsgesellschaft in ihrem Kern, denn es geht darum, ob es zum Superstau kommt oder ob es künftig Daten erster und zweiter Klasse geben wird oder ob jemandem noch eine dritte Lösung einfällt. Mit jedem neuen Fernsehgerät, das die Ifa-Gewaltigen mit dem Netz verbinden, nimmt die Frage an Dringlichkeit zu. Deswegen gehören die Vision vom Fernsehen der Zukunft und die Debatte über den künftigen Datenverkehr zusammen. Filme können noch so scharf oder dreidimensional sein – ohne flüssige Datenübertragung zeigt auch der beste Bildschirm nur ein paar grob geschredderte Pixel.