DIE ZEIT: Frau Malmström, in Deutschland haben 35.000 Bürger erfolgreich gegen die Vorratsdatenspeicherung geklagt, also gegen die massenhafte Speicherung aller Kommunikationsdaten, die bei Telefonaten und E-Mails anfallen. Eine Reihe anderer Länder weigert sich aus juristischen oder politischen Gründen, die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung umzusetzen, Irland bringt die Sache jetzt vor den Europäischen Gerichtshof. Könnte eine EU-Kommissarin nicht auch einmal eine Richtlinie zurücknehmen, die derart umstritten ist?

Cecilia Malmström: Zunächst einmal saß ich noch im Europäischen Parlament, als die Richtlinie 2005 erlassen wurde.

ZEIT: Und Sie haben dagegen gestimmt.

Malmström: Ja. Weil sie schlecht vorbereitet war und sowohl ihre Zweckbestimmung wie ihr Ausmaß unklar waren. Es ist nicht mein Gesetz. Aber die Mitgliedsstaaten haben sie angenommen. Man kann sie nicht einfach zurücknehmen. Vor dem Hintergrund dessen, was Sie sagen, überprüfen wir die Vorratsdatenspeicherung allerdings. Ich werde die Ergebnisse nutzen, um möglicherweise neue Vorschläge zu machen. Die Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung wurde nach dem 11. September 2001 ziemlich hastig erlassen…

ZEIT: …innerhalb von nur drei Monaten, eine Rekordzeit für ein EU-Gesetz…

Malmström: …und ich glaube, dass das zu hastig war.

ZEIT: Warum, noch mal, machen Sie als verantwortliche Kommissarin dann nicht den Vorschlag, dieses Gesetz zurückzuziehen?

Malmström: Ich glaube, das würde ziemlich irritierte Reaktionen bei den Mitgliedsstaaten hervorrufen. Ich weiß, dass die Debatte in Deutschland recht erhitzt geführt wird. Aber es gibt noch 26 andere EU-Staaten. Die meisten von ihnen wollen die Vorratsdatenspeicherung.

ZEIT: Was wollen Sie?

Malmström: Ich will mir Möglichkeiten angucken, sie zu überarbeiten.