Konflikte der Zukunft Warmes Klima, heiße Kriege
Science-Fiction oder Sachbuch? Der Militärhistoriker Gwynne Dyer prognostiziert die globalen Konflikte der Zukunft.
© Sean Gallup/Getty Images

Das Kohlekraftwerk Jaenschwalde – eines der größten CO2-Produzenten in Europa
Schlachtfeld Erde , Gwynne Dyers reißerischer Buchtitel, erinnert an den Kinoschinken Battlefield Earth, eine Kampf-der-Welten-Saga mit John Travolta. Es gibt noch mehr Ähnlichkeiten: Auch Dyers Zukunftsvision der Klimakriege im 21. Jahrhundert läuft auf einen verwüsteten Planeten hinaus, der nur noch für einen winzigen Rest der Menschheit bewohnbar ist. Ja, sein Plot ist noch gruseliger: Die Überlebenden des Treibhauseffektes kämpfen nicht mit außerirdischen Fantasiewesen, sondern gegeneinander. Ihre Kriege finden nicht erst im Jahr 3000 statt, sondern bereits in kommenden Jahrzehnten. Und: Schlachtfeld Erde ist ein Sachbuch, leider. Also keine Science-Fiction.
Oder doch? Der aus Kanada stammende Autor ist Militärhistoriker, lebt in London und beliefert Zeitungen in über vierzig Ländern mit Kommentaren zur Außen- und Sicherheitspolitik. Klimawandel? Bei diesem Thema sei der »Esel« in ihm erst erwacht, als er Studien anerkannter militärischer Thinktanks dazu gelesen habe, sagte Dyer in einem Interview. Deren dringliche Warnungen vor den Sicherheitsproblemen, die wachsende Knappheiten bei Öl, Wasser und Nahrung auslösen können, referiert Dyer ausführlich und unterfüttert sie mit Aussagen renommierter Klimaexperten. Sein Resümee: Es ist hoch wahrscheinlich, dass die Erde sich noch schneller erwärmt als vorausgesagt, einschließlich diverser unkalkulierbarer Verstärkereffekte. Folglich werde es schon bald Flüchtlingsbewegungen nie gekannten Ausmaßes geben, Grenzkonflikte und Ressourcenkriege.
Dyers Buch ist im Original 2008 erschienen, und obgleich er die Daten mehrfach aktualisiert hat, dürften interessierte Leser hierzulande viele grundlegende Zusammenhänge des Treibhauseffektes schon kennen. Überraschender, auf eine makabre Weise spannend und zugleich vor dem Hintergrund pakistanischer Fluten und russischer Brände verstörend zu lesen sind die sieben unheilvollen Prognosen für Entwicklungen in den Jahren 2019 bis 2045, in denen der Autor ganz konkrete Spannungsherde beschreibt.
Der Sozialpsychologe Harald Welzer fokussierte sein vor zwei Jahren erschienenes Buch Klimakriege auf die sozialen Voraussetzungen, unter denen Klimaveränderungen sich auswirken: Ressourcenkonkurrenz oder Gewalt gegen zukünftige Klimaflüchtlinge könnten sich in so gut wie jeder Gesellschaft entladen. Der Militärexperte Dyer entwirft nun die möglichen politischen Konstellationen, regional und weltweit, und sie wirken wie Szenarien für strategische Planspiele. Da baut sich ein neuer Kalter Krieg zwischen den USA, China und Russland um die Bodenschätze der Arktis auf. Da verfallen reihenweise Staaten in Unregierbarkeit und Agonie. Da bricht die EU unter dem Druck von Millionen afrikanischen Flüchtlingen politisch zusammen. Solche ans Apokalyptische grenzende Dramen sind unterschiedlich plausibel. Doch die Depeschen aus der Zukunft sind wissenschaftlich begründet und alles andere als aus der Luft gegriffen.
Andererseits: Wissen Klimaforscher wirklich schon alles? Ist der Zusammenbruch jedweder Kooperationsbereitschaft zwingend? Ergibt es, besonders in einer beschleunigt kommunikativen Welt, überhaupt Sinn, mehr als drei Jahrzehnte zu antizipieren? Und neigen Militärs nicht auch dazu, auszumalen und zuzuspitzen, um neue Aufgaben für ihren Berufsstand zu beschreiben? So groß ist, trotz aller Wissenschaftlichkeit, der Unterschied zwischen fiction und facts eben doch nicht. Sachbücher und Romane haben sich beide schon als visionär erwiesen – oder komplett danebengelegen. Letztlich ist es eine literarische wie politisch-psychologische Geschmacksfrage, ob man finstere Hochrechnungen, wie Gwynne Dyer sie anstellt, als aufklärerisch und aufrüttelnd betrachtet.
Der Autor selbst schwankt zwischen »Wir kriegen das hin« und »Gott steh uns bei«, wenn er auslotet, ob die Menschheit noch Chancen hat, sich rechtzeitig auf eine klimaschonende Energieversorgung umzustellen. Ausführlich schildert Dyer vielfältige Technologieoptionen. Dabei allerdings neigt er zu einem mechanistisch linearen, ja: männlichen Denken. Als könnten die Menschen als »Welt-Wartungstechniker« (James Lovelock) große Probleme auch nur mit großtechnologischen Eingriffen lösen.
Am Ende hat Dyer eine Rekonstruktion der Klimakonferenzen eingefügt, besonders des letzten, gescheiterten Gipfels in Kopenhagen. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass sich die Menschheit schlicht als irrational erweist – freilich ohne andere Strukturen einer multilateralen Zusammenarbeit auszuloten, die weniger technokratisch überfrachtet wären. Den schwarzen Humor hat der Autor trotzdem nicht verloren. In einem Szenario sagt er für 2029 Revolten in den USA gegen Migranten voraus, die aus Mexiko ins Land drängen. Angesichts der um sich greifenden Brutalität meldet sich der frühere Präsident George W. Bush zu Wort und wirbt in flammenden Blogs für Frieden. »Sogar Leute, die ihm seine katastrophale Außenpolitik ein Vierteljahrhundert zuvor noch nicht verziehen hatten«, unkt Dryer, »waren bewegt von der Hartnäckigkeit des alten Mannes, doch es half alles nichts.«
- Datum 06.09.2010 - 13:55 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 02.09.2010 Nr. 36
- Kommentare 9
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Kriege wegen Überbevölkerung, Nahrungs- und Wassermangel gibt es bestimmt.
Weil es diese Kriege schon immer gegeben hat und die Menschen lieber ihren Nachbarn das Land, das Leben und die Schätze nehmen, als ihre Kinderschar zu begrenzen oder auf ihre wirtschaftliche Expansion zu verzichten.
"Kriege wegen Überbevölkerung, Nahrungs- und Wassermangel gibt es bestimmt."
Und ob es dabei ein oder zwei Grad wärmer ist - das ist mit Verlaub ein kleinkarierter Killefitz.
Die wirkliche Bedrohung der nächsten Generationen ist das nach wie vor anhaltende globale Bevölkerungswachstum.
Leider ist das offenbar aber ein Tabu.
"Kriege wegen Überbevölkerung, Nahrungs- und Wassermangel gibt es bestimmt."
Und ob es dabei ein oder zwei Grad wärmer ist - das ist mit Verlaub ein kleinkarierter Killefitz.
Die wirkliche Bedrohung der nächsten Generationen ist das nach wie vor anhaltende globale Bevölkerungswachstum.
Leider ist das offenbar aber ein Tabu.
Zitat Grefe :
"Andererseits: Wissen Klimaforscher wirklich schon alles?
Auch wenn sie so tun, sie wissen vieles nur lückenhaft :
Ein Beispiel : Die Prognosen über mögliche zukünftige globale Temperaturveränderungen stammen ausschliesslich von den sogenannten Klimarechenmodellen.
Die wichtigsten Einflussgrößen auf das Klima, Einwirkungen der Sonne und Auswirkungen der Schwankungen der globalen Wolkenbedeckung werden in den Rechenmodellen gar nicht erst berücksichtigt, teilweise, weil man zu wenig von den Wirkungsweisen weiss, teilweise, weil man mit diesen Angaben recht nahe an politische Vorgaben herankommt, CO2 als Hauptverantwortlichen für globale Temperaturveränderungen verantwortlich zu machen.
Die wirklichen Probleme werden ausgeklammert. Anstatt immer wieder von Klimakatastrophe und CO2 zu lamentieren sollte mach sich lieber um Konzepte bemühhen, die die Nahrungsmittelsituation auch für die 3 Milliarden Erdenbürger sichern.
Pajauri, umstrittener Generalsekretär des IPCC, hat letzte Woche offenbart, was die Spitzenorganisation der Klimabewegung wirklich ist : Das IPCC gehört den Regierungen. Und dort werden politische Ziele formuliert, keine wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen.
Soviel zu : Wissen die Klimaforscher wirklich schon alles.
Ergänzung zu (1)
Es muss heißen:
Die wirklichen Probleme werden ausgeklammert. Anstatt immer wieder über Klimakatastrophen und CO2 zu lamentieren sollte mach sich lieber um Konzepte bemühhen, die die Nahrungsmittelsituation auch für die zusätzlichen 3 Milliarden Erdenbürger sichern, die man mit Sicherheit bis zum Jahre 2050 zu erwarten sind.
"Kriege wegen Überbevölkerung, Nahrungs- und Wassermangel gibt es bestimmt."
Und ob es dabei ein oder zwei Grad wärmer ist - das ist mit Verlaub ein kleinkarierter Killefitz.
Die wirkliche Bedrohung der nächsten Generationen ist das nach wie vor anhaltende globale Bevölkerungswachstum.
Leider ist das offenbar aber ein Tabu.
"Und ob es dabei ein oder zwei Grad wärmer ist - das ist mit Verlaub ein kleinkarierter Killefitz."
Na das sagen Sie mal dem Pakistani, dessen Behausung, Nahrungsgrundlage und Zukunftssicherung gerade im wahrsten Sinn des Wortes den Bach runter gegangen ist. Der wird sich sicher freuen, das zu hören!
Natürlich, die wachsende Weltbevölkerung IST ein riesengroßes Problem. Aber eben darum sollten uns alle Faktoren, die das Problem noch verschärfen, am Herzen liegen. Und dazu gehören nunmal Klimaveränderungen, die größere Dürreperioden, heftigere Extreme oder auch generell eine Verschiebung der Vegetationszonen nach sich ziehen. Letzteres hat in vielen Teilen der Welt nämlich zur Folge, dass bewährte und tradierte Lebensweisen plötzlich nicht mehr zur Umwelt passen. Das wiederum hat zur Folge, dass Wanderungsbewegungen ausgelöst werden. Was seinerseits Konflikte aller möglichen Art nach sich zieht, weil fast immer dort wo jemand hin ziehen möchte, schon ein anderer wohnt.
Es gibt übrigens in der Geschichte der Menschheit einige Fälle in denen die Indizien darauf hinweisen, dass eine Veränderung der klimatischen Gegebenheiten Auslöser oder zumindest Mitauslöser für große Veränderungen waren.
"Und ob es dabei ein oder zwei Grad wärmer ist - das ist mit Verlaub ein kleinkarierter Killefitz."
Na das sagen Sie mal dem Pakistani, dessen Behausung, Nahrungsgrundlage und Zukunftssicherung gerade im wahrsten Sinn des Wortes den Bach runter gegangen ist. Der wird sich sicher freuen, das zu hören!
Natürlich, die wachsende Weltbevölkerung IST ein riesengroßes Problem. Aber eben darum sollten uns alle Faktoren, die das Problem noch verschärfen, am Herzen liegen. Und dazu gehören nunmal Klimaveränderungen, die größere Dürreperioden, heftigere Extreme oder auch generell eine Verschiebung der Vegetationszonen nach sich ziehen. Letzteres hat in vielen Teilen der Welt nämlich zur Folge, dass bewährte und tradierte Lebensweisen plötzlich nicht mehr zur Umwelt passen. Das wiederum hat zur Folge, dass Wanderungsbewegungen ausgelöst werden. Was seinerseits Konflikte aller möglichen Art nach sich zieht, weil fast immer dort wo jemand hin ziehen möchte, schon ein anderer wohnt.
Es gibt übrigens in der Geschichte der Menschheit einige Fälle in denen die Indizien darauf hinweisen, dass eine Veränderung der klimatischen Gegebenheiten Auslöser oder zumindest Mitauslöser für große Veränderungen waren.
"Und ob es dabei ein oder zwei Grad wärmer ist - das ist mit Verlaub ein kleinkarierter Killefitz."
Na das sagen Sie mal dem Pakistani, dessen Behausung, Nahrungsgrundlage und Zukunftssicherung gerade im wahrsten Sinn des Wortes den Bach runter gegangen ist. Der wird sich sicher freuen, das zu hören!
Natürlich, die wachsende Weltbevölkerung IST ein riesengroßes Problem. Aber eben darum sollten uns alle Faktoren, die das Problem noch verschärfen, am Herzen liegen. Und dazu gehören nunmal Klimaveränderungen, die größere Dürreperioden, heftigere Extreme oder auch generell eine Verschiebung der Vegetationszonen nach sich ziehen. Letzteres hat in vielen Teilen der Welt nämlich zur Folge, dass bewährte und tradierte Lebensweisen plötzlich nicht mehr zur Umwelt passen. Das wiederum hat zur Folge, dass Wanderungsbewegungen ausgelöst werden. Was seinerseits Konflikte aller möglichen Art nach sich zieht, weil fast immer dort wo jemand hin ziehen möchte, schon ein anderer wohnt.
Es gibt übrigens in der Geschichte der Menschheit einige Fälle in denen die Indizien darauf hinweisen, dass eine Veränderung der klimatischen Gegebenheiten Auslöser oder zumindest Mitauslöser für große Veränderungen waren.
...der Kapitalismus!
Die Gier nach immer mehr verhindert sinnvolle Lösungen, vorausschauendes Handeln, usw...
6. Das Problem ist...
...der Kapitalismus!
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Die größten Umweltverschmutzer finden sich ausgerechnet in den Ländern des ehemals Real existierenden Sozialismus.
Zu empfehlen war ein Besuch 1989 der ehemaligen DDR. Oder fahren Sie einmal nach Russland, oder nach China.
Und wenn Sie meinen, in diesen Ländern sei man schonend mit den Menschen umgegangen.
Bis zu Beginn des 2. Weltkrieges gab es in Russland ca. 20 Mio vorzeitige Tote. Die Opfer bei der Eroberung Chinas durch die KP werden auf 70 Mio geschätzt.
Es ist hoch wahrscheinlich, dass die Erde sich noch schneller erwärmt als vorausgesagt, einschließlich diverser unkalkulierbarer Verstärkereffekte.
Diese Vermutung kann schon heute durch die Auswertung von Messdaten untermauert werden. In den letzten ca. 30 Jahren hat sich der Temperaturanstieg beschleunigt und den langfristigen linearen Trend überholt.
Als unkalkulierbarer Verstärkereffekt kann die massive Ausgasung des Methans aus dem Permafrostböden der nördlichen Breiten als Indikator gelten, ebenso - wenn nicht in noch stärkerem Maße - das Ausgasen der Methanhydratfelder aus den Küstenschelfen.
Dies sind, dem Skeptiker zum Trotz, Erscheinungen, die heute zu beobachten und zu messen sind. Was sich in der gegenwärtigen Lage aufbaut, erscheint beunruhigend und durchaus der beschriebenen Tendenz des Buches zu entsprechen.
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