Michel Houellebecq Skandal verpasstSeite 2/2

Der Romancier hat die Richtung gewechselt, so wie er auch seinen Maler Jed mehrmals die Richtung wechseln lässt, und diesen Bruch verzeihen ihm jetzt einige Kritiker nicht. Der Schriftsteller Tahar Ben Jelloun hieb auf Houellebecq ein und warf ihm vor, Kleinkram auszubreiten, etwa in den Beschreibungen bestimmter Automarken. Als wenn die Sachen, aus denen eine Collage besteht, das Bild selbst wären! Dem französischen Literaturkritiker Pierre Assouline gefiel es, auf dieselbe Stelle einzuprügeln; er schrieb sinngemäß, wer wie Houellebecq zweitrangige Personen des französischen Medien- und Kunstbetriebs mit ihren Klarnamen auftreten ließe und veralbere, der verspiele seine Chance, für die Ewigkeit zu schreiben. Woher will Assouline wissen, ob Houellebecq sich um irgendeine Nachwelt schert? Vielleicht wollte uns der Autor, Pardon, unterhalten? So viel sei jedenfalls verraten, dass das Buch auch einen waschechten Krimi enthält, mit Mankellscher Grausamkeit, falls das jemanden reizt. Es endet in einer Zukunft, in der Frankreich zum entindustrialisierten Touristenparadies geworden ist; nach Jeds Tod wird sein letztes Werk entdeckt, ein Video, in dem die Gräser die Ruinen der menschlichen Zivilisation überwuchern. Auch sie scheitert, altert und stirbt, und das ist eigenartigerweise tröstlich.

 
Leser-Kommentare
  1. Redaktion

    Na super, jetzt gibt es doch einen Skandal: Einige merkwürdig formelle Passagen sind, wie Slate nachweist, tatsächlich von Websites wie Wikipedia übernommen - http://www.slate.fr/story...

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