Es riecht nach frischen Lilien, das Parkett knarrt, und Alber Elbaz macht einen kleinen Scherz: "Ich versuche gerade abzunehmen und wollte von meinem Analytiker wissen, warum ich dauernd hungrig bin." Paris, Anfang Juli. Elbaz präsentiert im Pariser Hotel de Crillon seine Übergangskollektion für das Frühjahr 2011. "Wir kamen auf die Mode zu sprechen, und mein Analytiker meinte, the body ist the new dress – der Körper gewinnt mehr an Bedeutung als die Kleidung", fährt Elbaz fort. Dann knöpft er einem Model, das ihn um mehr als eine Kopflänge überragt, das Kleid rund um die Taille auf. Als unerwartet ein mondäner Badeanzug zum Vorschein kommt, klatscht die kleine Gruppe geladener Modekritikerinnen Beifall. Das Klatschen bringt Elbaz zum Lächeln. Er bedankte sich freundlich bei dem Model für seinen Auftritt, was ungewöhnlich für einen Designer ist.

Elbaz ist in gewisser Weise ein Außenseiter der Modebranche. Er hat Übergewicht und sammelt keine Kunst oder Häuser. Den Sommer verbringt er lieber bei der Familie in Israel als auf einer Yacht vor Sardinien. Er schätzt die intime Atmosphäre der Präsentation im Crillon, einem traditionsreichen Luxushotel an der Place de la Concorde, weit mehr als das Blitzlichtgewitter großer Modeschauen. Und er spricht erstaunlich offen über seine Selbstzweifel und Ängste. Beim Interview nach der Präsentation im Crillon beispielsweise klagte er, noch bevor die erste Frage gestellt war: "Dieser Moment nach der Präsentation ist immer sehr schwierig. Alle gehen fort, und ich bleibe zurück und weiß nicht, ob es gut war oder schlecht. Ich weiß nur, dass es vorbei ist." Aus dem Mund eines der erfolgreichsten Modeschöpfer der Gegenwart klingt das kokett. Eigentlich kennt Elbaz seinen Wert sehr gut, doch die Angst, er könne ihm über Nacht verloren gehen, gehört zu seinem Wesen.

"Bei jeder Kollektion habe ich das Gefühl, sie sei nicht gut geworden, niemand wird sie mögen, nichts wird sich verkaufen"

Alber Elbaz hat es in wenigen Jahren geschafft, aus einem scheintoten Label ein florierendes Unternehmen zu machen. Er hat das älteste Couture-Haus Frankreichs von einer biederen, vorzugsweise von älteren Damen getragenen Marke in ein einflussreiches Prêt-à-porter-Label verwandelt, das bei jungen Londoner Aristokraten genauso beliebt ist wie bei russischen Oligarchen oder Hollywoodstars. Seine Philosophie ist erstaunlich schlicht: Als classic with a twist beschreibt er seinen Stil. Elbaz bricht die Langeweile klassischer Eleganz durch unerwartete Stoffkombinationen oder gewagte Farbspiele. In seinen Entwürfen wirkt das Wort "zeitlos" überraschend aktuell. Er setzt auf Handwerk, nicht auf den billigen Effekt.

Elbaz, 49 Jahre alt, ist klein und pummelig. An diesem sonnigen Julitag trägt er einen Look, den er seit Jahren in Nuancen variiert und der zu einer Art Markenzeichen geworden ist: dunkler Anzug, weißes Hemd, keine Strümpfe. Seine Füße stecken in weißen Turnschuhen, und sein rundes Gesicht ruht auf einem kittfarbenen Tuch, das er sich um den Hals geknotet hat. Danach gefragt, warum er stets ein Halstuch trage, antwortet Elbaz: "Vermutlich, um dadurch von meinem Gesicht abzulenken." Es ist eine typische Antwort für Elbaz, der oft selbstironisch über das eigene Aussehen scherzt. Einmal hat er sich als "marokkanischen Juden und Israeli mit Übergewicht, der unfotogen ist" beschrieben. Nicht fotogen zu sein wiegt schwer in der Modebranche, wo jeder Designer als Aushängeschild seiner Marke auftreten und einen entsprechend starken Eindruck hinterlassen will.