Modedesigner Alber Elbaz Alber ElbazSeite 3/3

Es gab eine Phase in Elbaz’ Leben, die einen gefühlvollen Menschen wie ihn hätte zerstören können. Anfangs lief alles sehr geradlinig in seiner Karriere: Nach einer Ausbildung am Shenkar College of Textile Technology and Fashion in Tel Aviv zog er 1988 nach New York und schneiderte bei einer bodenständigen Firma spießige Kleider, die er mother of the bride dresses nennt. Brautmuttermode. Zwei Jahre später bekam er einen Job bei Geoffrey Beene – einem profilierten amerikanischen Designer, dessen Name für zurückhaltende Eleganz steht. Elbaz blieb sieben Jahre bei Beene, den er rückblickend als "großartigen Lehrer" beschreibt. 1995 lockte ihn dann Guy Laroche nach Paris, der vergeblich versuchte, an seinen großen Erfolg in den sechziger Jahren anzuknüpfen.

In Paris wurde Pierre Bergé, Geschäftspartner und Lebensgefährte von Yves Saint Laurent, auf Elbaz aufmerksam. Man traf sich – und Elbaz wurde, als Yves Saint Laurent sich 1998 zurückzog, zum Nachfolger des berühmtesten noch lebenden französischen Modeschöpfers bestimmt. Doch Elbaz hatte nur knapp ein Jahr lang Zeit, um zu zeigen, was er kann. Im November 1999 kaufte die Gucci-Gruppe 1999 das Label YSL, und Tom Ford übernahm – zusätzlich zu seiner Rolle als Kreativdirektor von Gucci – die Rolle des Kreativdirektors von YSL.

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Der Rausschmiss traf Elbaz bitter. Das Scheitern kratzte an seinem ohnehin wenig ausgeprägten Selbstbewusstsein – umso mehr, als Tom Ford in jeder Hinsicht das Gegenbild von ihm verkörperte. Den smarten, etwas großmäuligen Texaner quälten keinerlei Selbstzweifel, nachdem er die angestaubte Marke Gucci zum Label des Jahrzehnts befördert hatte. Er war der Gewinnertyp schlechthin. Fords Name steht für aggressiven Sex und Coolness, der von Elbaz für Beständigkeit und Schönheit. Ford verhalf dem Stringtanga zu seinem Durchbruch, Elbaz entwirft nur widerwillig Hosen, weil sie ihm zu wenig elegant erscheinen.

Elbaz ging über ein Jahr lang auf Reisen, um die Demütigung zu verarbeiten. Er spielte kurz mit dem Gedanken, Arzt zu werden, beschloss dann jedoch, in die Modebranche zurückzukehren. Als Shaw-Lan Wang, eine taiwanesische Pressemagnatin, Ende 2001 das Traditionshaus Lanvin kaufte und Elbaz den Job als Kreativdirektor anbot, griff er zu. Inzwischen sieht es so aus, als werde Elbaz’ zurückhaltende Mode zum Synonym für das Nullerjahrzehnt. Sein wertbeständiger Stil passt zum Lebensgefühl der Rezession. Tom Fords Exzesse sind jedenfalls Vergangenheit.

Heute sagt Elbaz, die Erfahrung bei Yves Saint Laurent sei ein Selbstfindungsprozess gewesen. "Ich habe gelernt, wer ich wirklich bin. Jede Wunde macht einen stärker. Wenn man zu sehr geschützt ist, wird man unecht." Und er habe gelernt, das Erbe eines Modehauses zu respektieren. "Wenn man für ein traditionsreiches Haus wie YSL arbeitet, muss man einen Faden aufnehmen, der weit in die Vergangenheit zurückgeht. Das ist mir bei Lanvin besser gelungen als bei YSL", sagt Elbaz.

Nächstes Jahr wird Elbaz fünfzig und kann zudem sein Zehnjähriges bei Lanvin feiern. In ein paar Jahren will er aus der Mode aussteigen. "Sonst bin ich eines Tages ein Greis, der Kleidung für Jugendliche aus Odessa entwirft, die um drei Uhr morgens in die Disco gehen. Ein Greis, der behauptet, er würde das Leben dieser Leute verstehen. Nein, ich habe keine Lust, mich lächerlich zu machen", sagt er. Wenn man als Designer kein Gefühl für das aktuelle Lebensgefühl habe, sei man wie ein Bäcker, der Brot backt, obwohl alle sagen, es mache dick. "Das Brot kann noch so schön sein – niemand wird es essen." Elbaz liebt es, in Metaphern zu sprechen. Meist handeln sie vom Essen. Es ist seine Art, satt zu werden. Im Crillon jedenfalls hat er nur ein Perrier getrunken.

 
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