Er ist ein Kulturvogel par excellence, und genau dies macht ihm nun den Garaus: Der Ortolan, auch Gartenammer genannt, liebt vom Menschen geprägte offene Gebiete wie trocken-warme Äcker, Heidelandschaften, Weinberge und Obstgärten. Sein faszinierender Gesang gehörte früher zum typischen Klangbild solcher Kulturlandschaften. Er soll Ludwig van Beethoven zum Auftakt seiner Fünften Symphonie inspiriert haben ("di-di-di-dah, di-di-di-dah").

Der spatzengroße Vogel ( Emberiza hortulana ) hat eine ausgeprägte Bindung an die traditionelle, extensive Landwirtschaft. Und die verschwindet, während Monokulturen riesiger Mais- oder Rapsfelder zunehmen. Diese maschinengerechten Landschaften rauben dem Ortolan die Lebensgrundlage: zu wenig Nahrung, zu wenig Schutz für sein Nest am Boden. Zudem braucht er eine "Singwarte", einen hohen Baum, von dem aus er seine Lieder in die Flur trällern kann. Die aber wurde vielerorts "bereinigt". Kein Baum mehr, kein Lied, roll over Beethoven .

Ein Beitrag des Schweizer Fernsehens über den bedrohten Vogel, seinen außergewöhnlichen Gesang und die Jagd auf den Vogel.

Dummerweise schätzen auch Feinschmecker den Ortolan, besonders französische Gourmets. Obwohl offiziell geschützt, werden Ortolane jetzt, Anfang September, auf ihrem Zug nach Afrika zu Tausenden in Fallen gelockt. Und anschließend gemästet. Als ortolans engraissés ("Fettammern") röstet man sie dann, etwa in Armagnac-getränktem Speck eingewickelt.

Agrarwüsten plus Wilderei, das zeigt Wirkung. "Die Bestände des Ortolans sind seit 1980 in Westeuropa um über 80 Prozent gesunken", sagt Raphaël Arlettaz von der Schweizerischen Vogelwarte, Biologieprofessor an der Universität Bern . "In Finnland und Schweden sind die Bestände zusammengebrochen, in den Niederlanden, Belgien, weiten Teilen Deutschlands und in der Schweiz ist der Ortolan als Brutvogel bereits ausgestorben."

Arlettaz und sein Team haben die letzten Ortolane der Schweiz im Kanton Wallis an der Rhône untersucht. Dort zwitschern zwar noch sieben der ortstreuen Vögel ihre klaren, leicht wehmütig klingenden Strophen. Sie enden oft mit dem berühmten Beethoven-Motiv. Doch alles Rufen fruchtet nicht mehr: krasser Männchenüberschuss. Nur einmal wurde kurz ein Weibchen gesichtet. Seit Jahren ist der Bruterfolg gleich null. Daher gilt der Ortolan als gefährdetster Singvogel der Schweiz.