Was dem Klimaschutz dienen soll, schadet dem Artenschutz
Was dem Klimaschutz dienen soll, schadet dem Artenschutz
Als Hauptgrund rückt der Klimaschutz in den Fokus der Forscher, genauer gesagt die massiv verstärkte Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Insbesondere der stark subventionierte Anbau von Raps (für Biodiesel) und Mais (für Biogas) erzeugt einen enormen Flächenbedarf. Ein internationales Ortolan-Symposium im niedersächsischen Hitzacker kam 2009 zu dem Schluss, allen ornithologischen Bemühungen laufe »dieser Flächenhunger diametral entgegen, sodass die Programme für den Schutz der Vögel und die Stabilisierung der Bestände nicht ausreichen«.
Organisatorin des Kongresses war die Biologin Petra Bernardy. Sie hat mit ihrer Kollegin Krista Dziewiaty für das Bundesumweltministerium die Auswirkungen von Biogasanlagen auf die Arten der Agrarlandschaft untersucht. Das klare Ergebnis: Allen geht es schlecht im knallhart auf Ertrag getrimmten Energiemaisanbau. So wird Beikraut totgespritzt, weil es den Mais beim Wachsen stören könnte. Dabei ist es als Sichtschutz für die Nester von Bodenbrütern wie Ortolan, Braunkehlchen, Schafstelze, Kiebitz und Co. unerlässlich. »Ohne Deckung wird das Gelege von Raubvögeln oder Füchsen geplündert«, sagt Bernardy. Kritisch sei auch die zunehmende Bewässerung zur Steigerung des Mais-, Getreide- oder Kartoffelertrags: Harte Wasserstrahlen klatschten in die Nester, unterkühlten und töteten die Brut.
Grundsätzlich sind die beiden Expertinnen keineswegs gegen Gas aus nachwachsenden Rohstoffen. Sie haben für das Unesco-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe einen Leitfaden »Bioenergie und Naturschutz« verfasst und schildern darin Maßnahmen, Biogas und Biodiversität besser in Einklang zu bringen. Etwa mithilfe von Brachflächen oder Blühmischungen, die streifenförmig oder als Inseln (»Lerchenfenster«) die Monokulturen auflockern. Dziewiaty schränkt ein: »Das funktioniert allerdings nur, wenn man die Landwirte für ihre Ertragsverluste entschädigt.«
Genau hier hapert es. Die Artenvielfalt geht – entgegen allen politischen Bekenntnissen im »Jahr der Biodiversität« 2010 – weiter dramatisch zurück, und die Landwirtschaft hat dabei eine Schlüsselrolle inne. Deshalb fordert die Michael-Otto-Stiftung für Naturschutz, die Subventionen neu auszurichten und sie so aufzustocken, dass etwa 10 bis 15 Prozent der Landwirtschaft extensiv und nachhaltig betrieben werden können.
Ende August hat die Stiftung ein Konzept vorgelegt und die Kosten auf 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro jährlich beziffert. Davon seien 1,25 Milliarden bereits vorhanden, sie müssten nur umgelenkt werden. Die bevorstehende Reform der EU-Agrarpolitik biete die Chance, »die Landwirtschaft stärker in Richtung Biodiversität zu entwickeln«.
Auf die EU kommt aber noch eine andere Aufgabe zu, nämlich Frankreich wegen Säumigkeit beim Vogelschutz anzuklagen. Seit Jahren moniert die Liga für den Vogelschutz LPO (Ligue pour la protection des oiseaux) , die Behörden duldeten still, dass über 1200 Wilderer jährlich etwa 30.000 bis 50.000 Ortolane fangen. Das Millionengeschäft – eine Fettammer koste 100 bis 150 Euro – müsse aufhören. Wohl wahr: Der Bestand in Deutschland beträgt nur noch etwa 12.000 Brutpaare. Sie ziehen, wie ihre dezimierten skandinavischen Artgenossen, allesamt via Frankreich gen Afrika.
Zum Jahr der Biodiversität hatte das französische Umweltministerium tolérance zéro versprochen. Man nehme es beim Wort.
- Datum 03.09.2010 - 11:09 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 02.09.2010 Nr. 36
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... klingt ja prima. Nur scheint das da in F wie im Maschinenbau zu sein. Bei "tolérance zéro" sitzt alles fest.
Vielleicht haben die armen Vögelchen ja ein Plätzchen in dem "dossier" , mit dem die ach so einzigartige franz. Küche Schutz durch die UNESCO erlangen soll.
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