Obama zieht Bilanz Der Sieger heißt: Iran
Die US-Kampftruppen ziehen aus dem Irak ab, gewonnen haben sie nicht.
Die massiven Anschläge im Irak passen schlecht zu den Erklärungen aus Washington in dieser Woche. »Der Krieg geht zu Ende!«,
ruft Präsident Barack Obama, die Operation freedom sei abgeschlossen.
Die Vereinigten Staaten ziehen siebeneinhalb Jahre nach der Eroberung des Iraks ihre Kampftruppen zurück. Von einer Operation new dawn – der Dämmerung einer neuen Zeit – ist die Rede. Nur von Sieg mag niemand sprechen.
Das hat zwei wichtige Gründe. Erstens ziehen die Amerikaner gar nicht ab. Sie vermindern die Zahl ihrer Truppen auf knapp 50.000 Soldaten. Und sie ändern den Auftrag, der bisher Kampf hieß und nun in eine Aufbau- und Antiterrormission umgewidmet wird. Der zweite Grund, nicht von Sieg zu sprechen, sind die großen Vorsätze und die mageren Ergebnisse des Irakkriegs. Der Ziele waren viele: die Beseitigung der Massenvernichtungswaffen, der Sturz eines Diktators, der Aufbau eines stabilen Iraks. Einiges wurde erreicht, doch ein neues großes Problem geschaffen, im Irak und darüber hinaus.
Der erste unbestrittene Erfolg des irakischen Feldzugs 2003 war der Kampf gegen die Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein. Das Problem war gelöst, als man sie nach dem Einmarsch nicht finden konnte. Alsbald rief US-Präsident George W. Bush, der oberste Stratege im Krieg, den Irak als Laboratorium für Freiheit und Demokratie in der Region aus. Die arabische Welt konnte ein arabisches Exempel dringend gebrauchen. Also sollte der Irak auf die arabischen Autokratien ausstrahlen. Doch erwies er sich rasch als das schlechteste aller Vorbilder.
In einem zerrissenen Vielvölkerstaat mit überehrgeizigen Schiiten, mit sunnitischen Aufständischen, mit kurdischen Sonderwegen und unheiligen Kriegern ließ sich auf die Schnelle keine Demokratie aufbauen. Der Druck der Bauherren aus Washington erhöhte die Fehlerquote: Die Wahlen im Januar 2005 kamen zu früh, Recht und Regeln zu spät. Es blieben der Mut und die Entschlossenheit der Iraker, die trotz aller Anschlagsdrohungen auf Wahllokale abstimmten und danach triumphierend ihre blau markierten Finger hochreckten. Den Dschihadisten zum Trotz, die Menschen, Autos und Häuser in die Luft jagen.
Versinkt das ganze Land in Gewalt? Tatsächlich sieht die Bilanz nicht ganz so düster aus, wie es in diesen blutigen Sommerwochen scheint. Im Horrorjahr 2006 war alles schlimmer, doch selbst im Vergleich zu den vergangenen beiden Jahren hat sich der Irak den reinen Opferzahlen nach beruhigt. Die irakische Regierung und die Amerikaner konnten die ausländischen heiligen Krieger isolieren. Warum kommt der Irak trotzdem nicht zur Ruhe?
Weil die Machtfrage nicht gelöst ist, weder die innere noch die äußere. In Bagdad wurde im Winter gewählt, doch am Ende dieses Sommers steht keine neue Regierung. Der noch amtierende Ministerpräsident, der Schiit Nouri al-Maliki, hat die Mehrheit verloren, will aber das Regieren partout nicht seinem sunnitischen Konkurrenten Ijad Allawi überlassen. Im Norden des Landes kämpfen militante Sunniten gegen machthungrige Kurden. Jeder will vorbauen für den Fall, dass der Irak doch noch irgendwann auseinanderfallen sollte.
Das schwächt Irak nach außen.
- Datum 01.09.2010 - 10:36 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 02.09.2010 Nr. 36
- Kommentare 32
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wird Twix, sonst ändert sich nichts.
Es kann nach Kriegen nie Gewinner geben.
Egal, wieviel Land man erobern kann, wieviel Rohstoffe man findet, man verliert dabei die um ein Vielfaches wertvollere Menschenleben auf beiden Seiten.
Die Entdeckung, dass es dort keine Massenvernichtungswaffen gab, war ja wohl kaum ein unbestrittener Erfolg des Krieges. Vielmehr war es ein vorgeschobener Grund, den Krieg überhaupt zu führen. Die Demokratisierung als Vorbild für die Nachbarstaaten war dann ein nachträglicher Rechtfertigungsversuch, nachdem dieser Kriegsgrund in sich zusammengefallen ist.
Was die wirklichen Gründe waren, ist bis heute nicht wirklich klar. Waren es innenpolitische Gründe in der Folge des 11. September? Eine Machtdemonstration nach außen, ebenfalls in Folge des 11. September? Waren es strategische Gründe? (Militärbasis in der Region, ...) Ging es um Öl bzw. um Interessen von Ölkonzernen? War es etwas ganz anderes?
Ich weiß es nicht, aber die öffentlich angeführten Gründe (Massenvernichtungswaffen, Verbindungen zum Terrorismus, Demokratisierung des Nahen Ostens) klingen alle unglaubwürdig und vorgeschoben und das taten sie auch damals schon.
Die USA hinterlassen ein Land mit zerstörter Infrastruktur, das unter dem Vorwand von 'Massenvernichtungsmitteln' Husseins angegriffen wurde. Es mußten viele hunderttausende Menschen unnötig sterben, aber keiner der Verantwortlichen kam und kommt vor ein Gericht oder Tribunal, trotz ihrer Verantwortung für Krieg und Leichenberge. Jetzt wird das Land dem Bürgerkrieg überlassen. Ich hätte mir von Obama eine Erklärung erwartet, wie man so viele Menschen töten und so viel zerstören kann, ohne Verantwortung für die Leichenberge zu zeigen. Vielleicht hatte er keine Zeit, um die nächsten Kriege vorzubereiten? Halten wir fest, was die Iraker auf jeden Fall in Erinnerung behalten: Krieg und Zerstörung, Folter und Tod.
Es gab keine Gründe, die den Krieg völkerrechtlich legitimiert hätten. Das müsste inzwischen jedem klar sein. Tatsächlich ist es so, dass ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung nach Blut geschrien hat nach dem 11.09. Ob Irak, Iran oder Afghanistan...völlig egal...Hauptsache irgenteiner mit Turban auf dem Kopf.
Soweit ich mich erinnern kann hat die USA noch nie darauf geschaut ob es einen legitimen Grund gibt. Sobald der Rückhalt in der Bevölkerung vorhanden ist bzw. die Möglichkeit besteht es der Bevölkerung schmackhaft zu machen, wird einmarschiert.
Es war von Anfang an klar, dass es in einen Katastrophe endet. In Afghanistan wird es genauso laufen. Jeder Euro oder Dollar in militärische Mittel investiert wäre in ziviler Hilfe besser aufgehoben.
Wie oft wird dieser Krieg eigentlich noch für beendet erklärt?
gute frage, denn seit 2003 kann man es fast jeden monat irgendwo lesen oder hören.
das detailiert aufzulisten würde das hiesige zeichenlimit sprengen.
"Mission Accomplished"
http://en.wikipedia.org/w...
gute frage, denn seit 2003 kann man es fast jeden monat irgendwo lesen oder hören.
das detailiert aufzulisten würde das hiesige zeichenlimit sprengen.
"Mission Accomplished"
http://en.wikipedia.org/w...
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hat man Norman Schwarzkopf im ersten Golg-Krieg gestoppt
- zurecht, wie man heute sieht!
waren viele, die beseitigung der Massenvernichtungswaffen, der Sturz eines Diktators, der Aufbau eines stabilen Iraks. Einiges wurden erriecht, nämlich was?? Es wird immer unverschämter im Westen. Was würde im Irak erreicht ausser ein zerbombtes Land und Instabil noch dazu,eine zerrissene Nation, eine nicht existierende Wirtschaft und von den irakischen zivilen Opfern ganz zu Schweigen. da wird auch noch unverschämterweise sofort Richtung Iran gezeigt, als wären die Iraner schuld,dass die Iraker in den letzten 7 Jahren so leiden mussten. Man spricht hier über den Irak aber ab und an muss man ja einen Abstecher Nach Teheran machen, damit ja keiner vergisst, wer hier der Böse ist. Ich weiss nicht, was der verfasser geraucht oder getrunken hatte, aber Papier ist ja bekanntlich geduldig. Und noch eine Frage, wer hat die Amerikaner damit beauftragt, Demokratie pardon ihre Vorstellung von Demokratie in nahen Osten zu verbreiten? war es Jesus oder Gott persönlich? Anmassend und arrogant zu glauben, dass sie ein Vorbild für andere Nation sein können.Wenn man andere Länder als Laboratorium missbraucht, um seine eigene Vorstellung von Demokratie und Freiheit beweisen zu wollen, dann sehe ich keinen Unterschied zwischen Islamisten, die ihre Ideologie mit Bomben verbreiten und Amerika, die ihre Demokratie anderen Nationen mit Krieg bei bringen wollen.
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