Polnische Geschichte Die Partisanin
Das kurze, kühne Leben der polnischen Gräfin Emilia Plater, die 1831 mit 300 Mann in den Befreiungskampf gegen die Truppen des Zaren zog.
Am 29. März 1831 entschließt sich Emilia Plater zum Kampf. An diesem Tag erscheint die polnische Gräfin auf dem Gut ihrer Verwandten im ostlitauischen Flecken Dusiaty. Sie hat eine Art von Uniform angelegt, graublauer Stoff mit purpurfarbenen Aufschlägen. Zur Seite trägt sie den Säbel, das Haar hat sie kurz geschnitten.
Es ist Sonntag. In der Kirche von Dusiaty versammeln sich die Bauern zur Messe. Kein gewöhnlicher Gottesdienst. Der Priester verkündet im Namen des Gutsherrn die Befreiung all jener Bauern von der Leibeigenschaft, die am Aufstand gegen die Herrschaft des Zaren teilnehmen. Denn schon seit November streiten überall im Königreich Polen Freiheitskämpfer für die Unabhängigkeit des Landes.
Nach der Messe ergreift die 25-jährige Plater das Wort. Sie spricht die Sprache der Landleute, sie spricht Litauisch und Weißrussisch. In feurigen Worten ruft sie die Bauern zum Kampf auf. Sie spricht von den überhöhten Steuern, die St. Petersburg verlangt, über den harten Dienst in der russischen Armee, über den Terror der zaristischen Polizei. Sie wirbt 280 Bauern als Fußvolk und dreißig Reiter, das wird ihre Truppe.
In jener Zeit ist der alte polnisch-litauische Staat längst Geschichte. 1795 war Polen von Russland, Preußen und Habsburg ein drittes und letztes Mal geteilt worden, das einst so machtvolle Reich verschwand von der Landkarte. Erst Napoleon gründete 1807, nach dem militärischen Untergang Preußens, einen neuen Staat, das Herzogtum Warschau, aus dessen Hauptteil dann auf dem Wiener Kongress 1815 das Königreich Polen geschaffen wurde (Kongresspolen). Doch der König dieses Reiches ist kein Pole. Als König von Polen regiert der russische Zar über das Land.
- Datum 07.09.2010 - 18:46 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 02.09.2010 Nr. 36
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Henryk Mikolaj Górecki ´3.Sinfonie`!
Es ist erstaunlich, welche Triebkraefte unter den jungen Menschen der ersten Haelfte des 19. Jahrhundert durch die Aufklaehrung freigesetzt wurden, als sich das Streben nach Rechten des Einzelnen, Freiheit und Demokratie in Revolten gegen absolute Herrschaft, Monarchen und Kleinpotentaten umsetzte. Und dann die Tragoedie: Der Verlust der Ideen und Jacobinisierung in Frankreich, Blutzoll bei Waterloo, die Niederlage der Revolten in Baden, Ungarn, das Scheitern in der Paul's Kirche, schliesslich Flucht und Auswanderung vieler in das freiheitversprechende Amerika, um dort im Buergerkrieg meist auf der seite des Norden's und Lincoln's die eigenen Ideale zu verwirklichen, wennman nicht vorher schon erschossen und erschlagen worden war.
Es ist aber auch erstaunlich, wie haeufig diese Vorkaempfer unserer westlichen Demokratien in ihren Herkunftslaendern auch heute noch geehrt werden, allerdings mit einer Ausnahme: Deutschland. In unserem Lande wird alles, was in der Neuzeit vor 1968 vor sich ging, ohne Ruecksicht und kritisches Denken tabuisiert - als haette man sich selbst erfunden.
Frau Liebermann ist begeistert von ihrer historischen Heldin.
Aber ließen sich die ostlitauischen Leibeigenen in Dusiaty wirklich von ihren Worten entflammen.
Waren überhöhte Steuern ihr Problem? War der harte Dienst in der russischen Armee schwerer zu ertragen als der Dienst auf dem Gut der Verwandten? Drückte sie der Terror der zaristischen Polizei wirklich härter als die Knute des gräflichen Gutsverwalters?
Egal: 280 Bauern,von der Autorin pittoresk als Fußvolk bezeichnet, erfüllen der Gnädigsten ihren Traum vom Aufstand als Lebensziel. Erwartungsgemäß wird "Platers Regiment" bald aufgerieben. Stürzt das Madame in tiefe Verzweiflung?
Nein, das schafft erst die Nachricht über den Verlust der Güter ihrer Verwandten.
Aber noch gibt es Leben, die frau auf dem Altar der Freiheit opfern kann!
Wenn da nicht der (S)Chlapowski wäre, der , statt den Tod auf dem Schlachtfeld zu suchen, lieber seine geschlagene Armee auf preussisches Gebiet in Sicherheit bringen will.
"Tausendmal" zieht da unsere Heroine da den Tod der Schande vor. Theoretisch. Praktisch zieht sie mit. Und stirbt, wie im Lore-Roman, gebrochen an Körper und Seele.
Für meinen Geschmack ein bisschen viel Legende und zu wenig kritische Geschichtswissenschaft.
Der Artikel macht Lust auf mehr aber es scheint sehr wenig Literatur über sie zu geben, zumindest deutschsprachige.
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