Berliner Schloss: Neuer Murks
Trotz Baustopp für das Berliner Schloss – geplant wird munter weiter. Jetzt gibt es Entwürfe für den Innenausbau.
© Sean Gallup/Getty Images

Bauarbeiten am Fundament des wiederherzustellenden Berliner Schlosses im März 2010
Immer weitermachen. Einfach so tun, als ob nichts geschehen sei, einfach die Ohren zuhalten. Wer denkt, dass die Regierung den Wiederaufbau des Berliner Schlosses durch ihren Sparbeschluss vom Juni vorerst gestoppt hat, der irrt gewaltig. Der Planungsprozess läuft auf Hochtouren: Am vergangenen Wochenende wurden im Kronprinzenpalais Unter den Linden die vier Siegerentwürfe aus dem Wettbewerb für die Ausstellungsgestaltung im Humboldt-Forum präsentiert. Dort kann man bis zum 19. September in Glaskästen eingesperrte Artefakte sehen, die lustig in Räume hingewürfelt sind, oder auch den sogenannten Traveller begutachten – eine Schwebebahn für afrikanische Skulpturen. Die Entwürfe bringen die Diskussion darüber, was das Humboldt-Forum überhaupt sein soll, wahrscheinlich allein schon durch die Konkretion der Zeichnungen ein wenig weiter. Zugleich beweist auch dieser Wettbewerb ein weiteres Mal, wie grundsätzlich vermurkst das Projekt Schlossaufbau ist.
Das fängt schon damit an, dass sich zu Wettbewerbsbeginn im März überhaupt nur 89 Büros für die Unterlagen der Ausschreibung interessierten. Und von diesen 89 lieferten dann nur klägliche 16 Büros Entwürfe ab. Der großen Mehrheit der Architekten schien die Aufgabe, die Innenräume eines der wichtigsten Bauten des Bundes zu gestalten, offensichtlich zu kompliziert. Schuld an der Ohnmacht mögen die unausgegorenen Vorstellungen von der Funktion des Humboldt-Forums sein. Vor allem aber ist es Franco Stellas Entwurf für das Schloss und dessen Raumaufteilung, die abschrecken. Es kann, so das Motto der sich verweigernden Mehrheit der Raumplaner, keine richtige Architektur in der falschen geben.
Und so hat auch keiner der jetzt prämierten Entwürfe die Jury wirklich überzeugt, alle müssen überarbeitet werden: Die Simulationen des Londoner Büros Appelbaum lassen nicht an ein Museum, sondern an ein mondänes Warenhaus denken; Raumkontor aus Düsseldorf will die langweiligen, zugepfeilerten Stella-Räume durch Vitrinenwände so klein hacken, dass man kaum noch Schulklassen hindurchmanövrieren könnte; Merz Sauter Zimmermann haben lustige Piktogramme abgeliefert, doch die "glaubhafte Umsetzung" ihrer "seltsam unscharfen" Räume, so die Jury, "bleibt das Konzept schuldig"; und wenn es nach Iglhaut + von Grote aus Berlin ginge, dann schwebten die Schätze der Außereuropäischen Sammlungen in Zukunft an einer durch das Gebäude kurvenden Schiene umher, dem besagten Traveller – vor dem fürchten sich die Konservatoren schon jetzt.
Auch wenn die Museumsleute sich nach der Präsentation der schütteren Wettbewerbsergebnisse noch weniger mit der Idee des wieder aufzubauenden Schlosses anfreunden können, so bedeutet das Humboldt-Projekt für sie doch die Chance, aus ihrem dringend sanierungsbedürftigen und besucherarmen Haus in Dahlem zu entkommen. Und deswegen halten sie das vermurkste Projekt am Laufen. Stoppen kann das fortgeschrittene Debakel sowieso nur der Bundestag. Er müsste seinen Beschluss zum Bau des Humboldt-Forums in der Hülle des Schlosses revidieren. Dann könnte man in Berlin ganz entspannt ein neues Völkerkundemuseum planen, an welchem Ort auch immer. Ein Museum für eine der größten und prächtigsten ethnologischen Sammlungen der Welt. Ein Museum, in dem der Blick auf die Objekte nicht von einer kleinlichen Architektur eingeengt wird.






Das Schlimmste wäre, wenn am Ende ein gesichtsloses Einkaufszentrum gebaut wird, das in 20 Jahren niemand mehr sehen kann. Warum hat man die Probleme bzgl. der Rekonstruktion des Schlosses nicht geklärt bevor man den Palast der Republik abgerissen hat ? Vielleicht hätte man ihn stehen lassen sollen und dort ein Museum für außereuropäische Kunst einrichten können. Obwohl ich kein Fan der DDR bin, denke ich eine Stadt bekommt ihr Gesicht dadurch, dass sie Baudenkmäler aus jeder Epoche ihrer Geschichte behält. Ein Museum für außereuropäische Kunst passt gut zur räumlichen Nähe bei der Museumsinsel.
Angesichts der Haushaltslage könnte man ja in Hollywood bei einschlägigen Kulissenbauern nachfragen. Potemkin hätte seine Freude daran gehabt und Frau Merkel könnte dabei den Part von Katharina II. übernehmen.
Schon eigenartig an sich, in unserer "tollen" dem. Republik, einen Kaiserpalast gegen die Mehrheit durchzudrücken, von dem aus min. ein Weltkrieg geplant wurde, auch der Krieg gegen Frankreich 1870.
Da baut Deutschland ein Schloss ohne Inhalt, ein Schloss ohne König, ohne Kaiser. Durchdrücken tut es der Bundestag, gerade die Institution, welche die Demokratie führen sollte.
Nicht einmal tolle Architektur ist es.
Was für Helden im Bundestag?
Und weil es ein Gebäude ohne Inhalt wird, wäre es ganz gut, die zusammengerauften Museumsschätze aus Berlin durch das Gebäude schweben zu lassen, an einer "schönen " gekurvten Schiene an der Decke.
Wenn schon grotesk, dann bis zum bitteren Ende.!
... weil kleingeistige, rachsüchtige Wessis endlich mal zeigen wollten, wer denn nun so richtig "gewonnen" hat. Gleichzeitig glauben diese, dass die "gute, alte Zeit" zurück kommt, wenn eine Fassade aus Schnäuzelchens Zeiten zusammengekleistert wird. Armes Deutschland, kein Mut, keine Idee, keine "Vor"sicht, nur Angst und "Rück"sicht.
Manfred Prasser, der Archtitekt des grossen Saals im ehemaligen Palast der Republik, hat einen Entwurf für den Wiederaufbau des Schlosses gemacht, der den Grossen Saal einbezieht und dabei durch Nutzung von Teilen der Fundanente Geld eingespart hätte. Es würde sich, wenn man den Artikel hier richtig versteht, wohl lohnen, sich den Entwurf wenigstens einaml zeigen zu lassen. Trotz der Versuche, diesen Entwurf an den Mann zu bingen, ist dies Manfred Prasser damals nicht gelungen, vielleicht weil nicht sein kann, was nicht sein darf.....
kein Kaiser
kein König
kein Schloss
Die Banker habens in SChuld
:-OO
Gruß Max Stockhaus
Es ist schade das aus dem Palastprotest kein Berlin21 geworden ist, wäre es sicher wenn die Finanzplanung bekannt gewesen wäre oder wenn nicht sofort abgerissen worden wäre.
Selbst ein postmodernes Würfelgebäude und sogar eine neue Palast-der-Republik-Fassade sind mutiger als eine Schlosskulisse.
Es gab meines Wissens nach Interessenten, die den entkernten,asbestsannierten Bau für 50T€/m mieten wollten
5% Zinsen von den 20M€ Abrisskosten, macht 2,1 M€ in nur 3 Jahren(ohne Kosten für Planung,Laufendes und Jury).
Die Stadt hätte also mindestens 22,1M mehr im Säckel und Hunderte lustiger,junger und alter Künstler im Herzen, statt einer weitern Leiche.
"Es kann, so das Motto der sich verweigernden Mehrheit der Raumplaner, keine richtige Architektur in der falschen geben."
Danke, schöner kann man den Murks der ganzen Humboldt-Forum-Konzeption nicht auf den Punkt bringen.
Ich habe es inzwischen allerdings aufgegeben auf irgendwelche größeren städtebaulichen und architektonische Fortschritte in diesem Land zu hoffen. Die Mischung aus sich selbstüberschäteznden "Star"-Architekten (Künstler!), Fachleuten und Jury-Mitgliedern, die beim Bauhaus und der Charta von Athen stehengeblieben sind, bornierten Politikern und renditesüchtigen Investoren, machen in den meisten Fällen jede vernünftige Stadtplanung zunichte. Nachdem Berlin die Riesechance verpasst hat, eine Stadt für das 21. Jahrhundert zu entwickln, ist demnächst vermutlich Stuttgart dran: Die freiwerdende Fläche hinterm Bahnhof wird dann mit Beton, Stahl und Glas zugklotzt. Als erstes mit einem neuem Einkaufszentrum und ganz viel Parkplätzen. Aber der Stuttgart OB raunt etwas von einem ökologischen und CO2-Neutralem Stadtteil. Es ist ein Graus.
Im besten Fall kann der Tiefbahnhof Stuttgart und das bebaute Gleisareal "sein Geld verdienen", die Erweiterung des Parks dient den Bürgern. Ein vermieteter "PdR" brächte auch Geld ein, eine Rasen-/Parkanlage stattdessen diente wenigstens den Bürgern.
Eine nachgemachte wilhelminische Protzfassade bringt niemandem etwas und ein "Irgendwas"-Forum dahinter bleibt immer Kostgänger-Hungerleider. Es ist, was es ist: Westkleinbürgerliche Rache am verhassten Nebenbuhler. Um es klarzustellen: Ich will die nicht zurückhaben, ich will auch nicht argumentieren "es war doch nicht alles schlecht", es geht einfach darum, mit Augenmaß und Gelassenheit zu denken ...
Im besten Fall kann der Tiefbahnhof Stuttgart und das bebaute Gleisareal "sein Geld verdienen", die Erweiterung des Parks dient den Bürgern. Ein vermieteter "PdR" brächte auch Geld ein, eine Rasen-/Parkanlage stattdessen diente wenigstens den Bürgern.
Eine nachgemachte wilhelminische Protzfassade bringt niemandem etwas und ein "Irgendwas"-Forum dahinter bleibt immer Kostgänger-Hungerleider. Es ist, was es ist: Westkleinbürgerliche Rache am verhassten Nebenbuhler. Um es klarzustellen: Ich will die nicht zurückhaben, ich will auch nicht argumentieren "es war doch nicht alles schlecht", es geht einfach darum, mit Augenmaß und Gelassenheit zu denken ...
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