Helmut Thoma "Mir wurde klar, dies ist nicht mein Leben"Seite 2/2

ZEITmagazin: Kommt bei Ihnen alles Glück aus dem Beruf?

Thoma: Ja, der Hauptteil kommt aus dem Beruf. Ich habe immer gesagt, ich möchte nicht in diesem riesigen Ameisenhaufen der Menschheit eine Normalameise sein, ich möchte wenigstens eine mit einem Schleifchen sein – und dieses Schleifchen war RTL für mich.

ZEITmagazin: Wenn das ganze Leben von Arbeit ausgefüllt ist, wo hat man dann Freunde? Außerhalb oder innerhalb der Arbeit?

Ijoma Mangold

gehört neben der Fotografin Herlinde Koelbl und dem Psychologen Louis Lewitan zu den Interviewern unserer Gesprächsreihe. Mangold ist stellvertretender Ressortleiter des ZEIT-Feuilletons und Moderator der ZDF-Literatursendung »Die Vorleser«

Thoma: Ich habe einmal den Fehler begangen, einen Freund reinzuholen. Den hatte ich zum Chefredakteur von RTL gemacht. Das war natürlich ein absoluter Unsinn, denn der hat das sofort als Aufforderung betrachtet, Wiener Intrigantenspiele zu beginnen. Ich hätte das nicht machen sollen. Das war mein bester Freund. Und für ein Einzelkind wie mich hat das ja noch eine höhere Wertigkeit. Intrigiert wird immer, aber schlimm ist es, wenn das jemand tut, der dein volles Vertrauen hat.

ZEITmagazin: Ihre Frau hat nach Ihrer Trennung 2001 ein Buch über Sie geschrieben. Danach sind sie wieder zusammengekommen. Das ist ja auch eine ungewöhnliche Wendung.

Thoma: Bei dem Buch hatten ja alle auf eine richtige Abrechnung gehofft, aber das war es überhaupt nicht.

ZEITmagazin: Warum hatten sie sich denn getrennt?

Thoma: Bei mir war das eine schwierige Phase. Ich war nicht mehr bei RTL, und meine Mutter, an der ich sehr hing, war gestorben. Das waren gewaltige Umwälzungen in meinem Leben. Und dann hatte ich zufällig eine andere Frau kennengelernt. Natürlich war das absoluter Unsinn, den ich mir heute nur mit der Ausnahmesituation erklären kann. Zum Glück hatte ich das aber bald begriffen, und meine Frau und ich sind dann auch wieder zusammengekommen.

ZEITmagazin: Sind Sie ein gläubiger Mensch?

Thoma: Schwierige Frage. Ja. Ich bin seit Langem Freimaurer. Das ist eine bestimmte Lebensauffassung, die auch ihre esoterische Seite hat. Man glaubt an den großen Baumeister aller Welten, worunter sich alle monotheistischen Religionen einordnen lassen. Es liegt in der Natur des Menschen, dass sich jeder fragt: Woher komme ich, wohin gehe ich? Das muss sich jeder selber beantworten, und die Freimaurerei ist dafür eine schöne Möglichkeit.

Das Gespräch führte Ijoma Mangold

 
Leser-Kommentare
  1. von der Molkereilehre zu RTL wirklich so radikal - oder einfach nur eine Veränderung in der Art, Käse zu produzieren?

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