Roma-Abschiebungen Raus, raus, raus!

Nicolas Sarkozy weist die Roma aus Frankreich aus, um Stimmen zu gewinnen. Geht sein Spiel auf?

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ist eine Wette eingegangen: Er macht die Auflösung von Roma-Camps zum beherrschenden Thema und hofft, dass er damit rechts mehr Zustimmung gewinnt, als er in der Mitte verliert. Seine Regierung nutzte im Sommerloch einen Zusammenstoß zwischen Roma und der Polizei, um dem Thema Dringlichkeit zu verleihen. Dabei ist die Abschiebepraxis mitnichten etwas Neues. Schon im vergangenen Jahr wurden etwa 10.000 Roma nach Rumänien zurückgeschickt, in diesem Jahr sind es bisher mehr als 8000.

Diese Zusammenhänge hat Damian Dumitru durchaus begriffen, denn er liest Zeitung. Vor drei Jahren zog der 42-Jährige aus Rumänien nach Frankreich. Das kostete ihn 140 Euro. Nach ein paar Jobs auf dem Bau konnte er auch die Reise seiner Frau und der drei Kinder bezahlen. Die Dumitrus haben, wie etwa 30 andere Roma-Familien, mit ihrem Wohnwagen einen Platz in einer Randgemeinde von Paris namens Bondy bezogen. Der Bürgermeister stellt drei Toiletten und eine Wasserstelle zur Verfügung, als Stromquelle dient ein Auto.

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»In Rumänien war ich Bergarbeiter«, erzählt Dumitru in ordentlichem Französisch, »wir Roma mussten die lebensgefährlichen Arbeiten machen.« Als dann die Gruben geschlossen wurden, fand er nichts anderes mehr. Jetzt schlägt er sich von Job zu Job durch. »Glauben Sie nicht, ich würde gern im Wohnwagen leben. Mein Traum ist eine echte Wohnung.« Und zwar in Frankreich, wo seine 13-jährige Tochter Anamaria und der 9-jährige Alexandru zur Schule gehen. In Rumänien ist den meisten Roma-Kindern der Schulbesuch verwehrt, weil sie keine offizielle Wohnadresse haben.

Er will ein bescheidenes und legales Proletarierleben führen. Im Europa von heute sollte das eigentlich keine Utopie sein. Doch wenn ein Rumäne länger als drei Monate in Frankreich bleiben will, benötigt er eine Aufenthaltserlaubnis. Sie setzt eine Arbeitserlaubnis voraus, und die gibt es nur auf Antrag eines Arbeitgebers, der überdies 900 Euro zu hinterlegen hat. Für etliche Berufe muss er außerdem nachweisen, dass er auf dem heimischen Arbeitsmarkt erfolglos gesucht hat – also ist eine Ausschreibung nötig. Und all das, um jemanden einzustellen, der ohne festen Wohnsitz ist?

Frankreich beruft sich auf EU-Ausnahmeregeln. In denen ist freilich weder von Massenabschiebungen noch von summarischen Prüfungen die Rede. Hilfsorganisationen bezeugen, dass die Polizei oft mit vorformulierten Bescheiden anrückt, in die nur noch ein Name eingetragen werden muss.

Etwa 15.000 Roma rumänischer oder bulgarischer Staatsangehörigkeit leben in Frankreich. Sie jobben, verkaufen etwas auf dem Schwarzmarkt, viele betteln oder schicken die Kinder los, zu finden, was sie finden können. Sie bilden eine Minderheit jener Bevölkerungsgruppe, die in Frankreich »Landfahrer« genannt wird, obwohl sie überwiegend sesshaft ist. Die »Landfahrer« haben meist die französische Staatsangehörigkeit und sind weiß, leben in Caravans und Gehäuseresten der Mobilgesellschaft und stürzen nur deshalb nicht in die Verwahrlosung, weil sie zusammenhalten. Und weil es im Kapitalismus immer wieder mal Bedarf an billigen Arbeitskräften gibt, deren Beschäftigung zu nichts verpflichtet.

»Wenn man uns abschiebt, dann gibt es Krieg«

Seit 20 Jahren schreibt ein Gesetz denjenigen Gemeinden, in denen mehr als 5000 Menschen leben, die Einrichtung von Stellplätzen mit Wasseranschluss für diese gens de voyage vor. Doch das Gesetz wird nur kaum angewandt. Infolgedessen sind viele Roma-Camps ungenehmigt. Der Innenminister will 300 von ihnen bis zum Jahresende auflösen lassen.

Leser-Kommentare
  1. 1. Ach so

    Zitat
    "Wenn man uns abschiebt, dann gibt es Krieg"

    Wenn wir nicht bekommen was wir wollen, wird eben Gewalt angewandt. Eine feine Geste gegenüber dem Gastland finde ich.

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    @MilleMiglia

    Anscheinend haben sie sich den Artikel nicht genau durchgelesen. Ein Kommentar zu genau diesem Zitat ist völlig überflüssig.

    Kommentieren sie doch lieber diesen Absatz:
    Er stamme von »jugoslawischen Juden« ab, sagt er, der Großvater sei im KZ gewesen, »wir haben nichts vergessen«

    Jeder Mensch ist gleich. Nur weil wir in einer Gesellschaft leben, der es gut geht, heisst das noch lange nicht, das man auf jemanden herabschauen darf. Denken sie mal darüber nach.

    @MilleMiglia

    Anscheinend haben sie sich den Artikel nicht genau durchgelesen. Ein Kommentar zu genau diesem Zitat ist völlig überflüssig.

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    Er stamme von »jugoslawischen Juden« ab, sagt er, der Großvater sei im KZ gewesen, »wir haben nichts vergessen«

    Jeder Mensch ist gleich. Nur weil wir in einer Gesellschaft leben, der es gut geht, heisst das noch lange nicht, das man auf jemanden herabschauen darf. Denken sie mal darüber nach.

  2. @MilleMiglia

    Anscheinend haben sie sich den Artikel nicht genau durchgelesen. Ein Kommentar zu genau diesem Zitat ist völlig überflüssig.

    Kommentieren sie doch lieber diesen Absatz:
    Er stamme von »jugoslawischen Juden« ab, sagt er, der Großvater sei im KZ gewesen, »wir haben nichts vergessen«

    Jeder Mensch ist gleich. Nur weil wir in einer Gesellschaft leben, der es gut geht, heisst das noch lange nicht, das man auf jemanden herabschauen darf. Denken sie mal darüber nach.

    Antwort auf "Ach so"
    • CM
    • 03.09.2010 um 13:38 Uhr

    Für diejenigen, die es noch nicht verstanden haben: die weitaus meisten Roma sind EU-Bürger!

    Sie bekommen jede beliebige Volksgruppe dazu, in völliger Verzweiflung zu leben, wenn Sie so vorgehen:

    1. Grenzen Sie sie rassistisch aus.
    2. Schließen Sie sie völlig aus der Gesellschaft aus.
    3. Enthalten Sie ihnen Jobs, Unterkunft, Sozialleistungen, Wahlrecht vor.
    4. Behandeln Sie sie polizeilich grundsätzlich als Schuldige dritter Klasse.
    5. Verhindern Sie jede Integration.
    6. Drohen Sie Ihnen, egal mit was.
    7. Benutzen Sie sie für Ihren Wahlkampf.

    Genau das macht man mit diesem Volk seit... ja, seit wann eigentlich? War es je anders?

    Wer kann es den so behandelten verdenken, wenn ihnen diese Behandlung nicht gefällt? Was würden Sie tun, wenn Sie ein Roma wären?

    Leider geben sich Rumänien und Frankreich in dieser traurigen Disziplin nicht viel. Jeder Mexikaner hat als illegaler Einwanderer in den USA bessere Chancen als die Roma als EU-Bürger in Frankreich und Rumänien.

    • Holmes
    • 03.09.2010 um 13:39 Uhr

    wenn ich mich illegal im rümänien aufhalte und die polizei meine papiere kontrolliert werde ich abgeschoben.

    wenn ich mich illegal in der schweiz aufhalte und die polizei meine papiere kontrolliert werde ich abgeschoben.

    wenn ich mich illegal in den usa aufhalte und die polizei meine papiere kontrolliert werde ich abgeschoben.

    wenn ich mich illegal in frankreich aufhalte und die polizei meine papiere kontrolliert erwarte ich einen arbeitsplatz und eine wohnung für meine familie angeboten zu bekommen.

    was ist hier falsch?

    die armut der roma und ihre lebensumstände sind fragen die rümänien dringend zu lösen hat, nicht frankreich.

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    • CM
    • 03.09.2010 um 14:28 Uhr

    Ihr Vergleich hinkt nicht nur, der sitzt im Rollstuhl:

    - Die USA sind kein EU-Mitglied, Sie haben nur ein zeitlich beschränktes Aufenthaltsrecht.

    - Die Schweiz ist kein EU-Mitglied, Sie haben nur ein zeitlich beschränktes Aufenthaltsrecht.

    Wie wollen Sie sich denn als EU-Bürger illegal in einem EU-Land aufhalten?

    Dazu müssen Sie entweder straffällig werden - und das muß schon mehr sein als ein Ladendienstahl oder Falschparken - oder den Sozialsystemen sehr heftig zur Last fallen.

    Wenn's danach geht müßte Frankreich sehr viel mehr Leute ausweisen, macht es aber an der ethnischen Zugehörigkeit fest, ohne Einzelfallprüfung, und verzichtet dabei auch gerne auf die dafür nötigen Kriterien. Die französische Regierung verhält sich also ganz klar gesetzwidrig. Von ihrem Präsidenten und seiner Parteienfinanzierung ganz zu schweigen...

    • CM
    • 03.09.2010 um 14:28 Uhr

    Ihr Vergleich hinkt nicht nur, der sitzt im Rollstuhl:

    - Die USA sind kein EU-Mitglied, Sie haben nur ein zeitlich beschränktes Aufenthaltsrecht.

    - Die Schweiz ist kein EU-Mitglied, Sie haben nur ein zeitlich beschränktes Aufenthaltsrecht.

    Wie wollen Sie sich denn als EU-Bürger illegal in einem EU-Land aufhalten?

    Dazu müssen Sie entweder straffällig werden - und das muß schon mehr sein als ein Ladendienstahl oder Falschparken - oder den Sozialsystemen sehr heftig zur Last fallen.

    Wenn's danach geht müßte Frankreich sehr viel mehr Leute ausweisen, macht es aber an der ethnischen Zugehörigkeit fest, ohne Einzelfallprüfung, und verzichtet dabei auch gerne auf die dafür nötigen Kriterien. Die französische Regierung verhält sich also ganz klar gesetzwidrig. Von ihrem Präsidenten und seiner Parteienfinanzierung ganz zu schweigen...

  3. [...]

    Entfernt. Bitte richten Sie Ihre Kritik sachlich und differenzert an die Argumente in Artikeln und nicht pauschal gegen Autoren. Danke, die Redaktion/fk.

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  4. Kritik oder Anregungen zur Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de Danke, die Redaktion/fk.

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    Die Rechte eines Menschen sind völlig unabhängig davon, ob irgendjemand diesen Menschen kennt oder nicht.

    Da es hier um eben solche Rechte und um den Umgang damit geht, ist es also unerheblich, ob der Autor die betreffenden Menschen oder Menschen der gleichen Herkunft, Hautfarbe, Ethnie, Geschlecht oder Haarlänge kennt oder nicht kennt.

    [...]

    Und hier nochmal die Frage an den Autor von Randow:
    Wie viele Roma kennen Sie persönlich und wie viele Roma leben in Ihrer Nachbarschaft?

    Kritik an der Moderation können Sie gerne an community@zeit.de richten. Die Kommentarfunktion ist zur Diskussion von Artikelinhalten vorgesehen. Danke, die Redaktion/fk.

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    [...]

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    Wie viele Roma kennen Sie persönlich und wie viele Roma leben in Ihrer Nachbarschaft?

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  5. Die Rechte eines Menschen sind völlig unabhängig davon, ob irgendjemand diesen Menschen kennt oder nicht.

    Da es hier um eben solche Rechte und um den Umgang damit geht, ist es also unerheblich, ob der Autor die betreffenden Menschen oder Menschen der gleichen Herkunft, Hautfarbe, Ethnie, Geschlecht oder Haarlänge kennt oder nicht kennt.

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    Ein Autor sollte das Thema, welches er beschreibt aus eigener Erfahrung kennen.
    Meinung ohne Erfahrung ist wertlos.

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  6. 8. [...]

    [...]

    Und hier nochmal die Frage an den Autor von Randow:
    Wie viele Roma kennen Sie persönlich und wie viele Roma leben in Ihrer Nachbarschaft?

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