Migrationsdebatte Wo Rauch ist, da ist auch Feuer
Muss man Türken kennen, um über Türken zu urteilen? Warum Debatten über Migranten in Deutschland so schwierig sind. Acht Thesen
Wer im Internet die Debatte über Sarrazins Thesen gegen Muslime verfolgt, dem fällt auf, dass nur sehr wenige Muslime daran teilnehmen. Warum ist das so? Können sie etwa nicht lesen? Sind sie so dumm, wie Sarrazin in seinem Buch Deutschland schafft sich ab behauptet?
Am Wochenende habe ich türkische und arabische Freunde auf die Sarrazin-Debatte angesprochen. Sie waren recht desinteressiert, ihr Thema zurzeit ist der Ramadan, das bedeutet: von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts essen, nichts trinken, nicht rauchen. Sie fasten aus demselben Grund wie Christen, nämlich um sich äußerlich und innerlich zu reinigen, um dem Frieden des Herrn näherzukommen. Da ist man nicht so in Stimmung für Sarrazin-Debatten.
Wenn also demnächst mal wieder jemand eine Kampagne gegen Türken lostreten möchte, so wäre es eine nette Geste, das nicht während des Ramadan zu tun.
1. Die Sarrazin-Debatte gibt es nicht wegen Sarrazin, sondern weil uns die Fremden fremd sind
Wenn man diese ganze Debatte für einen Moment mal sehr kalt anschaut, so kann man darin auch etwas Beruhigendes finden. Offenbar ist es immer noch so, dass ein deutscher Rechtspopulist wie Thilo Sarrazin nicht tagelang über Genetik, Überfremdung und Bevölkerungspolitik sprechen kann, ohne dass ihm irgendwann das Wort »Jude« rausrutscht. Sarrazin hat also gesagt: »Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen.« Natürlich fügte er gleich hinzu, dass er die Juden viel positiver sehe als etwa die Muslime, aber das half dann auch nichts mehr. Die deutsche Öffentlichkeit möchte in ihrer Mehrheit nach wie vor nicht wieder über die Qualität jüdischer Gene diskutieren und schließt darum jemanden, der damit anfängt, aus dem Kreis der wohlgelittenen Mitdiskutanten aus.
Offenbar ist es schwer, hier bei uns eine Politik zu machen, wie sie etwa Geert Wilders in Holland treibt. Der Vorsitzende der Partei für die Freiheit hat einen modernen Rassismus entwickelt, der sich explizit nicht gegen Juden richtet, sondern ausschließlich gegen Muslime. So lupenrein schafft das Sarrazin einfach nicht und verdirbt so einen Teil seiner Wirkung.
(Wir haben übrigens aus reiner Neugier Henryk M. Broder zu der Sache mit dem Juden-Gen gefragt. Der bekannte jüdische Publizist hat in den letzten Jahrzehnten allen Deutschen stets verborgenen Antisemitismus nachweisen wollen. Sarrazin jedoch unterstützt er rückhaltlos wegen dessen nassforschem Antiislamismus. Und nun das: ein Juden-Gen! Verfügt Broder auch über ein solches? Er sagt, das sei ihm »scheißegal«.)
Sarrazin ist nun vielleicht erledigt, die Debatte nicht. Die hat ohnehin nicht deswegen eine solche Wucht bekommen, weil der Bundesbanker so brillant argumentieren würde, sondern weil die Gesellschaft kein richtiges Verhältnis zu ihren Einwanderern findet. Nein, diese Debatte sagt mehr über uns aus als über ihn. Am wenigsten geht es um die Muslime, die ja, wie gesagt, ohnehin kaum zu hören sind.
2. Kennen Sie einen Türken? Alle Übel kommen aus der Ahnungslosigkeit
Allerdings würden allzu viele Beiträge von Migranten die Debatte eh nur stören. Schließlich dient sie vor allem dazu, dass die Deutschen sich anhand der Muslime erregen können. Wenn das Interesse an den in der Tat eklatanten Problemen in Teilen der türkischen und arabischen Gemeinschaft so stark wäre, wie es jetzt scheint, dann würde man nicht Sarrazins Buch diskutieren, sondern das der verstorbenen Jugendrichterin Kirsten Heisig Das Ende der Geduld. Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter. Auch würde man nicht mit Sarrazin über all das sprechen, sondern beispielsweise mit Heinz Buschkowsky, dem Bezirksbürgermeister von Neukölln.
Heisig und Buschkowsky verstehen nicht nur von der Sache etwas, sie kennen auch reale Menschen. Das jedoch macht sie so unsexy im Vergleich zu Sarrazin, der mit überhaupt keinem Türken und Araber persönlich bekannt ist. Mit den Praktikern müsste man schließlich über Deutschkurse reden, über Jugendgefängnisse, über die Identitätsprobleme junger Muslime und wie man ihnen helfen kann, darüber, ob es richtig ist, wenn muslimische Sportler unter der Dusche die Unterhose anbehalten, über die Ambivalenz des Kopftuchs für junge Frauen und dergleichen. Das alles ist furchtbar konkret, viele können da auch gar nicht richtig mitreden, weil sie mit dem Rücken zu den Migranten leben, weil sie nie bei ihnen auf dem Sofa saßen, um über die Welt und das Wetter zu reden.
Ganz anders liegt die Sache hingegen bei der Genetik, der Demografie und der Intelligenz, da haben alle schon mal was von gehört, da geht es um Abstraktionen, Ideologien und Statistiken, da hat jeder eine Meinung oder auch zwei, diskursive party time.
Und weil das alles so abstrakt und von vorgefassten Meinungen bestimmt ist, läuft die neue Sarrazin-Debatte exakt genauso ab wie die erste vor einem Jahr, mit denselben Kombattanten, denselben Argumenten, denselben Austritts- und Rücktrittsforderungen. Sarrazin II ist wie Sarrazin I. Nur irgendwie größer. Auch das ist ein Grund, warum die Migranten wenig Lust haben, dabei schon wieder mitzumachen.
3. Die Wut entspringt nicht aus den Missständen, sie kommt aus Angst und Scham
Ein deutscher Bekannter von mir, man kann auch Kumpel sagen, hat seine Tochter kürzlich auf eine Privatschule geschickt, die er sich als einfacher Arbeiter eigentlich nicht leisten kann. Warum das? Weil in ihrer Klasse zehn Türken, zehn Araber und nur zwei Deutsche waren. Ein schlimmer Zustand für alle – und ein guter Grund, zum Muslimenhasser zu werden. Das wurde er aber nicht, er lebt mit ihnen ganz ordentlich zusammen. Ein echter Liberaler, auch wenn er sich selbst nie so nennen würde.
Die enorme Wut, die sich in den Zigtausenden von Mails und Leserbriefen entlädt, kommt nur bei wenigen aus konkreten Negativerfahrungen etwa mit jugendlicher Gewalt (wer das erleben musste, hat jedes Recht zur Wut, keine Frage) oder aus anderen Missständen. Die meisten haben eine abstrakte Angst, sie versuchen die eigene Scham abzuwehren, darüber, dass sie so wenig wissen über die Türkei und den Islam, darüber, dass sie unfähig sind, die Muslime als ganze Personen zu betrachten. Das Kopftuch schützt die Deutschen davor, die türkischen Frauen wirklich sehen zu müssen. Die sind sehr verschieden, auch sehr verschieden emanzipiert.
Die Sarrazin-Debatte über Muslime ohne Muslime lebt von der impliziten Vorstellung, dass diese Menschen auch wieder weg sein könnten, die ganze Diskussion ist ein Schwelgen in dieser Fantasie. Das entlastet. Kurz.
4. Die Medien wissen viel zu wenig über die Migranten
Wenn alle Übel aus der Ahnungslosigkeit kommen, woher kommt dann die Ahnungslosigkeit? Und wie lässt sie sich überwinden? Natürlich kann man niemandem vorschreiben, er solle sich gefälligst mit Muslimen anfreunden, damit er künftig keine Sarrazin-Debatten mehr braucht. Allenfalls könnte man zu bedenken geben, ob man sich nicht der sehr multikulturellen Lebenswelt der eigenen Kinder entfremdet, wenn man sich so wenig interessiert.
Die eigentliche Verantwortung für konkrete Kompetenz, für lebendige Aufklärung liegt jedoch bei den Medien. Tatsächlich leidet die öffentliche Wahrnehmung der Migranten unter einer bedenklichen Schieflage: Diejenigen, die über das geringste konkrete Erleben verfügen, haben das Sagen in den Medien, zu allen Themen, auch zu diesem. Die hingegen, die auf deutscher Seite die Hauptlast (und manchmal auch -lust) der Integration tragen, kommen kaum je zu Wort. Das sind diejenigen, die dafür bezahlt werden, wie ein Teil der Lehrer und Sozialarbeiter, vor allem aber die Deutschen aus der unteren Mittelschicht, die mit den Migranten wohnen, arbeiten und Fußball spielen.
Die Redaktionen von Zeitungen und Fernsehen hingegen sind in fast schon absurder Weise homogen und hermetisch. Kaum Ostdeutsche, so gut wie keine Migranten, immer weniger Arbeiterkinder, dafür Mittelschicht allüberall, mit sehr ähnlichen Biografien. Dass sich daraus keine lebendige Wahrnehmung der wirklichen Welt der Migranten ergibt, liegt auf der Hand.
Zwar sind in den Medien zumeist migrantenfreundliche Menschen tätig, doch wirkt das, was sie sagen, oft steril, die Absichten scheinen durch, Correctness ersetzt Kenntnis. Darum ist die – überwiegend liberale – Öffentlichkeit so anfällig für Attacken aus dem Dumpfen und Dunklen wie jetzt wieder mal bei Sarrazin. Alles das ließe sich leicht ändern, wenn man im großen Stil Migranten einstellen würde. Oder ist das zu praktisch gedacht?
5. Wer mehr erlebt, ist nicht milder, höchstens weniger arrogant
Es wäre naiv anzunehmen, dass mit besserer Kenntnis und mehr Erleben zugleich ein positiveres Bild von den Migranten und Migration entstehen würde. Der Blick wird nicht milder, eher schärfer. Zu sehen, dass ein begabter türkischer Junge in der Schule auf der Strecke bleibt, weil er als Einziger in der Familie Deutsch redet und an der damit verbundenen heimischen Chefrolle scheitert, der kriegt Wut auf seine Eltern. Mitzubekommen, dass ein kluges Mädchen zur Friseurlehre gedrängt wird, weil es eben einfacher scheint, das enttäuscht. Zu erleben, dass ein talentierter tunesischer Junge keine Gymnasialempfehlung bekommt, weil sein deutscher Lehrer nicht gelernt hat, zwischen Fremdheit und Dummheit zu unterscheiden, das schmerzt.
Der Unterschied zu Sarrazins abstrakter Muslimenfeindlichkeit und zu seinem kalten Statistikerblick liegt eher darin, dass man von Nahem die Geschichten sieht, Lebenswege, die in der Regel weit turbulenter waren als die von Westdeutschen. Oft ist es einfach so, dass der Realschulabschluss eines jungen Türken ihm selbst und seiner Familie weit mehr Kraft und Disziplin abverlangt als der Hochschulabschluss eines deutschen Mittelschichtkindes der seinen. Es gibt bei uns sogar türkische Elektriker, die intelligenter sind als mancher deutsche Apotheker oder Banker.
Und vor allem übersieht man aus der Nähe nicht die vielen Geschichten vom Gelingen, man erlebt die Mühe, die Liebe und die Solidarität, die dazu führen, dass zwei Drittel der Türken ganz gut integriert sind, dass sie Steuern zahlen, dass sie ihren Kindern mehr mitgeben, als sie selbst einst bekommen haben.
6. Ausländerfeinde gegen Deutschenfeinde – die Ideologien kehren zurück
Wo das Leben nicht konkret wird, da entsteht Platz für Ideologien. Deswegen zeigen sich in der aktuellen Debatte noch die Frontlinien des vergangenen Jahrhunderts. Da standen auf der einen Seite ausländerkritische, auch ausländerfeindliche rechte Politiker, die daran glaubten, die Fremden seien hier nur zu Gast, sie warnten vor Überfremdung. Auf der anderen Seite standen die Linken, die einen regelrechten Selbsthass auf die spießigen, nach wie vor faschistoiden Deutschen verspürten, denen man als Gegengift gar nicht genug Ausländer ins Land holen kann. Beide Gruppen, Ausländerfeinde wie Deutschenfeinde, hegten kaum ein wirkliches Interesse an den Ausländern, sie dienten ihnen als politische Waffe. Aus dieser Zeit stammen jene Reflexe, die sich nun wieder bemerkbar machen. Die einen tun so, als könnten man die Ausländer doch noch wegschicken, die anderen relativieren die Probleme mit Migration.
Es ist aber noch etwas anderes aus der ideologischen Phase übrig geblieben: eine falsche, häufig zu weiche und blauäugige Einstellung bei vielen Lehrern, Richtern, Sozialarbeitern und auch Journalisten. Kirsten Heisig hat davon ein Lied gesungen, und sie ist daran verzweifelt.
7. Wir Fremden – die deutsche Migrationsgeschichte ist ein großer Erfolg
Zwischen den Fronten zerrieben wird bis heute auch die wahre, die Erfolgsstory der Integration. Dieses Land hat eine ermutigende Geschichte der Verwandlung von Fremdheit in Heimat.
Fast schon vergessen sind die Anfänge der deutschen Migrationsgeschichte ausländischer Arbeitskräfte zum Ende des 19. Jahrhunderts. Millionen Polen kamen da ins Land, um die deutsche Industrie mit aufzubauen. Über 13 Prozent betrug der Anteil der polnischen Bevölkerung in Städten wie Recklinghausen oder Gelsenkirchen bei der Volkszählung von 1900.
Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten zwölf Millionen Vertriebene in das neue Westdeutschland integriert werden. Fremde durften sie aus politischen Gründen nicht genannt werden, doch war die Integrationsleistung der Deutschen und der Vertriebenen immens. Die deutsche Linke stand dieser Leistung ignorant gegenüber und hat sie bis heute nicht in die deutsche Migrationsgeschichte eingeschrieben.
Seit den sechziger Jahren kamen in Wellen Italiener, Spanier und Portugiesen hierher. 1989/90 ereignete sich die Einheit, die von Ost- wie Westdeutschen nicht nur als Glück, sondern auch als verstörende Fremdheitserfahrung erlebt wurde. (Damals wurden übrigens die Türken links liegen gelassen, sie wurden nicht mit vereinigt, sondern wieder türkisiert.)
Während der Balkankriege kamen zahllose Kroaten und Bosnier, viele blieben für immer. Zweifellos gab es stets Probleme, besonders als nach der Einheit die Asylbewerberheime brannten. Doch unter dem Strich war all das eine gigantische Leistung der Deutschen und ihrer Zuwanderer. Vieles ist besser gelungen als in unseren Nachbarländern. Darum ist das gängige Bild von den ach so integrationsfeindlichen Deutschen schlicht falsch. Deutschland ist ein Einwanderungsland par exellence.
Dass es so oft gelungen ist, garantiert keineswegs, dass es auch diesmal, mit den Türken, wieder gut geht. Aber ein Grund zu verzweifeln besteht erst recht nicht. Ein Grund, Debatten zu führen, die von der Fiktion leben, man würde das Fremde wieder wegbekommen, noch weniger.
8. Politik ist Kommunikation. Und wo bleibt der Bundespräsident?
Von dieser Erfolgsgeschichte spricht die Politik bis heute kaum, immer noch ist sie auf dem linken oder dem rechten Auge blind. Die Bundeskanzlerin hat in der Sarrazin-Debatte getan, was die diskursive Not gebot und ihn scharf kritisiert. Aber was macht eigentlich der Bundespräsident, der sich so sehr für das Thema Integration interessiert? Mit einem gewissen Sensorium für die Situation könnte Christian Wulff schlagartig alles Gift aus dieser Debatte nehmen. Wenn er zum Beispiel unseren Türken diesen einen Satz auf Türkisch sagen würde: Siz Almanya‘nin bir parcasisiniz, ama sizde caba sarf etmelisiniz! (Sie sind ein Teil Deutschlands, aber auch Sie müssen sich mehr anstrengen!).
In ihrer emotionalen Unbeholfenheit ist die Politik bei Fragen von Fremdheit und Heimat auch nicht weiter als die Medien. Aber das wird noch besser, nicht wahr, Herr Präsident?!
Mitarbeit: Jonathan Rosenkranz
- Datum 02.09.2010 - 14:32 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle DIE ZEIT, 02.09.2010 Nr. 36
- Kommentare 239
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




...in Deutschland. Deshalb können viele Deutsche nicht an der Debatte teilnehmen. Die sind noch in Sommerferien. Auch darauf muß man unbedingt Rücksicht nehmen und sich von denen eine Vollmacht ausstellen lassen - um sie bei der Debatte dann vertreten zu können.
Bitte beteiligen Sie sich mit Argumenten an der Diskussion. Die Redaktion/is
Sie übertreiben!
Eher Danke für diesen Artikel...
Vor einigen Monaten unterhielt ich mich mit einem Chefred. einer bekannten öffentlich-rechtlichen Abend-Nachrichtensendung über Ausländer, Migranten, Immigration und diejenigen Fragen, die auch Sarrazin meint zu beantworten.
Ich war äußerst überrascht - und kündigte daraufhin die Freunschaft -, als ich bemerkte, dass dieser Mann, der über das Programm für Millionen bestimmt, hinsichtlich "Integration" nur liberalistische Steilthesen von "Selbstschuld" und "Bringschuld" aufbringen konnte. Wie Sarrazin, hatte er nur ein paar - nach Möglichkeit - biologisch-anmutende Thesen, die, hinterfragt, gerade mal seine Abneigung gegenüber Türken ausdrückte.
Es kümmerte ihn nicht, dass seine Thesen nicht erklären konnten, warum Italiener schlechter als Türken abschneiden oder, warum die Polen öffentlich eher still und als sog. integriert gelten.
Zwei Dinge kann ich an ihm beobachten, was subtil aus diesem Artikel ebf. hervorgeht:
a. Journalisten können ihren Wahrnehmungskreis, wie im übrigen alle Menschen, nicht verlassen;
b. Der Begriff von "Integration" ist vormodern und geht von falschen Prämissen aus. Sie ist so naiv wie die Annahme, man könne in den Irak fahren, um dort die Demokratie "irgendwie schon zu installieren".
Mich erinnert diese Debatte an die um den posaundenden Soziologen Karl Mannheim. Siehe: "Das Bewußtsein der Wissenssoziologe" von Adorno, auch: "Spengler nach dem Untergang".
Bitte weiter so, ...
Sie übertreiben!
Eher Danke für diesen Artikel...
Vor einigen Monaten unterhielt ich mich mit einem Chefred. einer bekannten öffentlich-rechtlichen Abend-Nachrichtensendung über Ausländer, Migranten, Immigration und diejenigen Fragen, die auch Sarrazin meint zu beantworten.
Ich war äußerst überrascht - und kündigte daraufhin die Freunschaft -, als ich bemerkte, dass dieser Mann, der über das Programm für Millionen bestimmt, hinsichtlich "Integration" nur liberalistische Steilthesen von "Selbstschuld" und "Bringschuld" aufbringen konnte. Wie Sarrazin, hatte er nur ein paar - nach Möglichkeit - biologisch-anmutende Thesen, die, hinterfragt, gerade mal seine Abneigung gegenüber Türken ausdrückte.
Es kümmerte ihn nicht, dass seine Thesen nicht erklären konnten, warum Italiener schlechter als Türken abschneiden oder, warum die Polen öffentlich eher still und als sog. integriert gelten.
Zwei Dinge kann ich an ihm beobachten, was subtil aus diesem Artikel ebf. hervorgeht:
a. Journalisten können ihren Wahrnehmungskreis, wie im übrigen alle Menschen, nicht verlassen;
b. Der Begriff von "Integration" ist vormodern und geht von falschen Prämissen aus. Sie ist so naiv wie die Annahme, man könne in den Irak fahren, um dort die Demokratie "irgendwie schon zu installieren".
Mich erinnert diese Debatte an die um den posaundenden Soziologen Karl Mannheim. Siehe: "Das Bewußtsein der Wissenssoziologe" von Adorno, auch: "Spengler nach dem Untergang".
Bitte weiter so, ...
Bitte verzichten Sie auf Kommentare mit denen ganze Bevölkerungsgruppen pauschal als Verbrecher bezeichnet werden sollen. Danke, die Redaktion/fk.
... Fremdenhasser gesteckt werde. (Wiederholung aus anderem Artikel)
Wer es wagt etwas negatives zu äußern ähnlich wie Sarrazin landet in dieser Schublade.
Auch hier wieder nur "wir" und "unsere Politik(er)".
Was ich bisher nur feststellen konnte ist, dass "wir" etwas tun müssen, nicht die Migranten. Wir haben Lösungen zu suchen und anzubieten, nicht umgekehrt.
Wenn ich in ein mir nicht gut bekanntes Land reise (eben nur reise) dann informiere ich mich über dieses Land und das schließt die kulturellen und gesellschaftlichen Gegebenheiten mit ein. Ich vermeide es Dinge zu tun, die in diesem Land nicht gerne gesehen werden. Wenn ich auswandern möchte werde ich noch viel mehr tun.
Wer von den Migranten hat sich über Deutschland informiert bevor er hierher gekommen ist?
Das, denke ich, ist ein Punkt der bisher nicht "öffentlich" diskutiert wurde.
Richtig!Und hätte man 1990 angefangen Kriminelle und illegal anwesende konsequent abzuschieben würden wir heute unsere Zeit nicht mit einem Buch und schon gar nicht mit irgendwelchen Genen vergeuden sondern uns mit wahren Problemen befassen.
... Fremdenhasser gesteckt werde. (Wiederholung aus anderem Artikel)
Wer es wagt etwas negatives zu äußern ähnlich wie Sarrazin landet in dieser Schublade.
Auch hier wieder nur "wir" und "unsere Politik(er)".
Was ich bisher nur feststellen konnte ist, dass "wir" etwas tun müssen, nicht die Migranten. Wir haben Lösungen zu suchen und anzubieten, nicht umgekehrt.
Wenn ich in ein mir nicht gut bekanntes Land reise (eben nur reise) dann informiere ich mich über dieses Land und das schließt die kulturellen und gesellschaftlichen Gegebenheiten mit ein. Ich vermeide es Dinge zu tun, die in diesem Land nicht gerne gesehen werden. Wenn ich auswandern möchte werde ich noch viel mehr tun.
Wer von den Migranten hat sich über Deutschland informiert bevor er hierher gekommen ist?
Das, denke ich, ist ein Punkt der bisher nicht "öffentlich" diskutiert wurde.
Richtig!Und hätte man 1990 angefangen Kriminelle und illegal anwesende konsequent abzuschieben würden wir heute unsere Zeit nicht mit einem Buch und schon gar nicht mit irgendwelchen Genen vergeuden sondern uns mit wahren Problemen befassen.
Es ist besser geworden - unser Bundespräsident hat sein Amt beschädigt, indem er der Deutsche Bundesbank indirekt nahegelegt hat, Herrn Dr. Sarrazin zu "feuern"!
Die Beschädigung liegt a) in der Abschaffung der Meinungsfreiheit und b) in die Einmischung der internen Belangen der Deutschen Bundesbank.
Damit beschädigt unser Bundespräsident nicht nur sein Amt, sondern schadet der Unabhängigkeit der Deutschen Bundesbank, dem Ziel: Geldwertstabilität und damit der BRD!
Wird "Zeit", dass die wahlberechtigten BRD-Bürger den Bundespräsident wählen!
Um weiteren Schaden (national wie international) abzuwenden, sollte unser Bundespräsident sofort zurücktreten - als Patriot.
"Wenn also demnächst mal wieder ... "
Ich kann mir nicht helfen - aber die Thesen von Sarrazin sind doch schon länger auf der Agenda, kommen jetzt aber durch seine Bucherscheinung wieder ins Rampenlicht.
Ich kann mich auch nicht erinnern dass wir jetzt dazu aufgerufen wurden, zu bestimmten Zeiten uns konform zu verhalten
es wurde zwar begonnen, in Form einer Mediencharta das auf Ganzjahr umzustellen
aber das passt doch nicht in unseren Gesellschaftsablauf und wurde abgelehnt.
Bernd Ulrich - ich kann mir nicht helfen - sind Sie auf unserem Dampfer?
Wurde nicht im Ramadan auch gesteinigt, wurden nicht auch mehrmals jetzt Friedensbemühungen durch Schüsse gefährdet?
Und zwar in Regionen, wo der Ramadan amtlich ist.
Ist er hier nämlich noch nicht und für alle Konfessionen praktisch mit verbindlich.
Neuer Spaltversuch der schlimmen Art.
[...]
Bitte äußern Sie Ihre Kritik konstruktiv. Die Redaktion/is
Ich fasse es nicht! Sarrazin verallgemeinert bis zum Anschlag, und Sie regen sich über den Artikel von Bernd Ulrich auf?
Dieser Beitrag ist einer der klügsten, die ich bislang zu diesem Thema gelesen habe. Erstens, weil der Autor endlich einmal auch die Perspektive derjenigen beleuchtet, über die hier andauernd gesprochen wird, nämlich die der Migranten. Zweitens, weil er im Gegensatz zu Sarrazin vom Thema etwas versteht.
Ich fasse es nicht! Sarrazin verallgemeinert bis zum Anschlag, und Sie regen sich über den Artikel von Bernd Ulrich auf?
Dieser Beitrag ist einer der klügsten, die ich bislang zu diesem Thema gelesen habe. Erstens, weil der Autor endlich einmal auch die Perspektive derjenigen beleuchtet, über die hier andauernd gesprochen wird, nämlich die der Migranten. Zweitens, weil er im Gegensatz zu Sarrazin vom Thema etwas versteht.
Herr Sarrazin ist noch längst nicht erledigt, oder ist Deutschland eine Bananenrepublik bzw. Schurkenstaat? Die Bundesbank ist bereits von Arbeitsrechtlern ermahnt worden, dass so gut wie keine Aussichten bestehen, Herrn Sarrazin juristisch aus dem Amt zu befördern.
Gekürzt. Tragen Sie mit konstruktiven Argumenten zur Diskussion bei. Die Redaktion/sh
... in einem Interview das Gespräch auf dieses Thema gelenkt wurde, damit anschließend geschrieben werden kann, Sarrazin habe etwas über, also gegen (wie dann suggeriert wird), Juden gesagt. Dabei ging es dabei nur darum, dass man schon so etwas wie eine gemeinsame Abstammung anhand bestimmter Gene nachweisen kann. Die Israelis, die daraus ihre Legitimation in Palästina ziehen, wären ja auch die letzten, die das leugnen würden ;).
In meinen Augen ist das nur der sehr durchsichtige Versuch, die Debatte, falls man das überhaupt so nennen kann, auf ein Thema zu lenken, das einen ziemlich schnell zu Fall bringen kann, wenn man den falschen Ton trifft.
P.S. Wieso ist in dem Artikel von "Deutschen" einerseits und "12 Millionen Vertriebenen" andererseits die Rede? Ist man kein Deutscher mehr, wenn die eigene Heimat von einem anderen Land annektiert und man von dort vertrieben wird?
Anscheinend wird hier versucht zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Sich ein Beispiel für "gelungene Integration" schaffen und suggerieren, die verlorenen Gebiete seien eh nie wirklich deutsch gewesen. Ich empfehle mal Art. 116 Abs. 1 GG.
Solche Verdrehungen sind es u.a., die erst zu der gewaltigen Kluft zwischen Politik und veröffentlichter Meinung einerseits und der öffentlichen Meinung andererseits sorgen.
Und nun dies. Einfach enttäuschend. Keine Analyse. Quintessenz: Der Deutsche mit seiner Unkenntnis der Leiden(-swege) der Migranten ist an allem Schuld. Wir Deutschen müssen uns nur mehr anstrengen und weniger Rassist sein, dann klappt das schon.
Hier mal Gedankenfutter: Wenn das Wahr wäre, müsste ich mich dann gerechter Weise nicht auch intensiv mit der Kultur der Italiener (2. größte Ausländergruppe) auseinandersetzen und deren spezifisches Leiden auf´s genaueste untersuchen und mit meinen Mitteln beheben? Was ist dann mit den anderen Gruppen: den Vietnamesen, den Schweizern, den Kongolesen, den Ukrainern, den Kanadiern, den Kamerunern, den Chinesen, den Österreichern, den Russen und allen Anderen?
Wie soll ich/ die Gesellschaft dies denn schaffen? Wie soll das gehen? Warum soll ich mich anstrengen, wenn jemand nach Deutschland kommt (der dann kein Interesse an mir und seiner neuen Heimat hat)? Was habe ich damit zu tun? WO ist dies mein Fehler?
Es geht nur andersherum. Die Migranten müssen sich mit uns beschäftigen. Wer wir sind. Was Deutschland im Allgemeinen und die Deutschen im Speziellen ausmacht. Denn sie sind es die die Entscheidung treffen müssen, will ich nach Deutschland oder nicht. Manch einer wohnt hier seit 40 Jahren / 3 Generationen und hat diese Entscheidung immer noch nicht getroffen.
Aber wie schreibt der Autor so treffsicher & schön: Es ist Ramadan.
Da hat man keine Zeit, sich um die Befindlichkeiten und Sorgen der eingeborenen Ungläubigen zu kümmern.
Was wir hier erleben, ist eine Art "Klassenkampf". Die Oberschicht hat die Massenzuwanderung organisiert, fährt prächtige Profite ein, in den eigenen Unternehmen mit Billigarbeitern und in der lukrativen Migrationsindustrie.
Die Bürger wurden nie gefragt, aber sie erleben die Folgen einer ungeregelten Massenzuwanderung in ihrem täglichen Leben hautnah: [...]
Diese Oberschichtmitglieder, die dieser Tage so vollkommen einmütig auftreten, vereint ein immenses Interesse an noch mehr Zuwanderung, wie es in den vergangenen Wochen immer wieder durchklang. Sie wollen noch mehr Billigarbeiter, sie wollen ihre Immobilien vermieten und sie leben von der Migrationsindustrie, die an positiven Veränderungen nicht unbedingt interessiert ist, denn das würde ihre Arbeit gefährden. Deshalb soll die bisherige Politik nicht in Frage gestellt werden. Man will so weitermachen wie bisher.
Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen, die als Rassismus verstanden werden. Danke, die Redaktion/fk.
Integration bedeutet immer, dass BEIDE Seiten aufeinander zugehen, neugierig aufeinander sind, voneinander lernen. Die Migranten von den Deutschen. Und die Deutschen genau so von den Migranten.
Das haben zu viele Menschen bei uns nicht begriffen. Komischerweise klappt es in Australien und Großbritannien besser. Und das liegt meiner Meinung nach u.a. auch daran, dass viele Menschen dort toleranter sind als viele Deutsche. Fragen Sie mich nicht warum. Ich habe es so erlebt.
...und dann wird alles wieder gut. Zunächst einmal die provokante Frage: wer sind wir eigentlich? Obwohl ich auf dem flachen Land in der Provinz lebe, von der man annehmen könnte, sie sei subjektiv betrachtet "deutsch" so wird man feststellen, dass es hier jede Menge binationaler Ehen gibt - türkische Frauen mit "deutschen" Männern, deutsche Frauen mit türkischen Männern. Sie alle fühlen sich bei dieser low-belt Debatte um mangelnden Integrationswillen vor den Kopf gestossen. Wer schon mal gesehen hat, wie deutsche Mütter ihre Kinder von farbigen am Sandkasten fernhalten, wer miterlebt hat, wenn deutsche Kinder problemlos bei türkischen Familien im Haus ein -und ausgehen, aber der deutsche Spielkamerad seinen türkischen Freund nicht nach Hause mitbringen darf (aus welchen Gründen auch immer), ja wer die deutschen Kommunen im Ausland erlebt hat, welche sich nach 20 Jahren Übersee ihr Wiener Schnitzel nicht nehemn läßt und stolz darauf ist, dass man unter sich bleiben kann und die anderen eben deutsch lernen müssen, wer erlebt hat, wie Deutsche welche im Ausland leben nach 20 Jahren noch nicht mal in der Sprache der Einheimeischen grüßen können, der weiß auch, wo das Integrationsproblem liegt!
Wir sollten uns nun auf die Person Sarrazins als Banker konzentrieren: diese Debatte vom Zaun zu brechen in einer Zeit, in der Sparpakete nicht nur HartzIV Empfänger, soziale Unterschichten und natürlich auch Migranten treffen sollen, sondern auch die oberen. Ein Banker lenkt gezielt ab!
Was wir hier erleben, ist eine Art "Klassenkampf". Die Oberschicht hat die Massenzuwanderung organisiert, fährt prächtige Profite ein, in den eigenen Unternehmen mit Billigarbeitern und in der lukrativen Migrationsindustrie.
Die Bürger wurden nie gefragt, aber sie erleben die Folgen einer ungeregelten Massenzuwanderung in ihrem täglichen Leben hautnah: [...]
Diese Oberschichtmitglieder, die dieser Tage so vollkommen einmütig auftreten, vereint ein immenses Interesse an noch mehr Zuwanderung, wie es in den vergangenen Wochen immer wieder durchklang. Sie wollen noch mehr Billigarbeiter, sie wollen ihre Immobilien vermieten und sie leben von der Migrationsindustrie, die an positiven Veränderungen nicht unbedingt interessiert ist, denn das würde ihre Arbeit gefährden. Deshalb soll die bisherige Politik nicht in Frage gestellt werden. Man will so weitermachen wie bisher.
Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen, die als Rassismus verstanden werden. Danke, die Redaktion/fk.
Integration bedeutet immer, dass BEIDE Seiten aufeinander zugehen, neugierig aufeinander sind, voneinander lernen. Die Migranten von den Deutschen. Und die Deutschen genau so von den Migranten.
Das haben zu viele Menschen bei uns nicht begriffen. Komischerweise klappt es in Australien und Großbritannien besser. Und das liegt meiner Meinung nach u.a. auch daran, dass viele Menschen dort toleranter sind als viele Deutsche. Fragen Sie mich nicht warum. Ich habe es so erlebt.
...und dann wird alles wieder gut. Zunächst einmal die provokante Frage: wer sind wir eigentlich? Obwohl ich auf dem flachen Land in der Provinz lebe, von der man annehmen könnte, sie sei subjektiv betrachtet "deutsch" so wird man feststellen, dass es hier jede Menge binationaler Ehen gibt - türkische Frauen mit "deutschen" Männern, deutsche Frauen mit türkischen Männern. Sie alle fühlen sich bei dieser low-belt Debatte um mangelnden Integrationswillen vor den Kopf gestossen. Wer schon mal gesehen hat, wie deutsche Mütter ihre Kinder von farbigen am Sandkasten fernhalten, wer miterlebt hat, wenn deutsche Kinder problemlos bei türkischen Familien im Haus ein -und ausgehen, aber der deutsche Spielkamerad seinen türkischen Freund nicht nach Hause mitbringen darf (aus welchen Gründen auch immer), ja wer die deutschen Kommunen im Ausland erlebt hat, welche sich nach 20 Jahren Übersee ihr Wiener Schnitzel nicht nehemn läßt und stolz darauf ist, dass man unter sich bleiben kann und die anderen eben deutsch lernen müssen, wer erlebt hat, wie Deutsche welche im Ausland leben nach 20 Jahren noch nicht mal in der Sprache der Einheimeischen grüßen können, der weiß auch, wo das Integrationsproblem liegt!
Wir sollten uns nun auf die Person Sarrazins als Banker konzentrieren: diese Debatte vom Zaun zu brechen in einer Zeit, in der Sparpakete nicht nur HartzIV Empfänger, soziale Unterschichten und natürlich auch Migranten treffen sollen, sondern auch die oberen. Ein Banker lenkt gezielt ab!
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren