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Wir kaufen sie, weil wir hoffen, dass sie uns das Urlaubsgefühl nach Hause bringen - und dann verschwinden sie oft gleich im Kabuff. Acht Andenkenschicksale.

In Argentinien waren sie noch nicht fehl am Platz

In Argentinien waren sie noch nicht fehl am Platz

Ständige Mahnung – Die argentinische Kalebasse mitgebracht von Karin Ceballos Betancur

Zu den wunderbarsten Ritualen der Welt gehört der argentinische Brauch des Mateteetrinkens. Im Wohnzimmer, im Park oder am Strand gießt der Zeremonienmeister heißes Wasser in eine Kalebasse mit getrocknetem Mate-Kraut, der yerba mate. Dann reicht er das Gefäß an den Nebenmann weiter, der den Tee durch einen Metallstrohhalm, die bombilla, saugt, bis ein röchelndes Geräusch das nahe Ende ankündigt. Anschließend gibt er die Kalebasse zurück, der Zeremonienmeister gießt erneut auf. Und der Nächste bekommt seinen Tee.

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Ich liebe dieses Ritual. Seine Intimität, die großzügige Selbstverständlichkeit, mit der die bombilla gemeinsam genutzt wird, den alltäglichen Umgang mit einem uralten Arrangement. Es gibt nur eines, was ich nicht mag: Matetee. Geschmacklich erinnert das Getränk an aufgebrühtes Heu, auf dem sich zuvor über Wochen eine Rinderherde erleichtert hat. Genießbar ist Matetee im Grunde nur mit jeder Menge Honig, um den ich mich selten zu bitten traue, wenn der Rest der Runde männlich und traditionell auf bitter, amargo, macht.

Allerdings finde ich, dass man sich im Leben auch mal zusammenreißen können muss. Und ich bin wild entschlossen, das Zeug eines Tages ebenso zu lieben wie das Ritual. Um mich bis dahin bei Laune zu halten, kehre ich aus Argentinien stets mit einer neuen, schicken Kalebasse und einem Kilo Mate zurück und starte einen neuen Versuch. Inzwischen habe ich so viele Kalebassen im Schrank, dass man die Dinger nicht mal mehr rumreichen müsste. Und es gelingt mir immerhin, zum Mateteetrinken ein Gesicht zu machen, das meinem Umfeld nicht den Appetit raubt. Trotzdem bleiben die Mitstreiter aus, was schade ist, aber kein Grund zur Kapitulation. Selbstüberwindung ist ein einsames Geschäft.

Leser-Kommentare
    • Guido3
    • 12.09.2010 um 18:07 Uhr

    Ich habe früher als Andenken auch gern lokal gefertigtes Kunsthandwerk gekauft: Schalen, Skulpturen, Bodenvasen u.ä. Aber irgendwann geht einem der Platz im Haus aus und der ganze Krempel steht als Staubfänger in irgendwelchen Regalen und Ecken herum. Davon abgesehen wird es mittlerweile selbst im tiefsten Afrika teilweise schwierig, authentisches, lokal gefertigtes Kunsthandwerk zu finden. Als Andenken, das einen an schöne Reisen erinnert, funktioniert das alles bei mir auch nicht. Ich übersehe es im Alltag schlicht.

    Ich habe für mich selbst festgestellt, das profane Alltagsgegenstände, die man wirklich täglich nutzt und in die Hand nimmt, die beste Erinnerung sind. Die auf Reisen gekaufte und fast voll mit zurückgebrachte Tube Zahnpasta erinnert ein paar Monate jeden Morgen perfekt an die Reise. :) Selbst so etwas Verpöntes wie Kaffeebecher oder T-Shirts (als Schlaf-T-Shirt) genutzt, funktioniert als Andenken gut - sofern man etwas halbwegs Geschmackvolles findet.

  1. ... beim Auspacken meiner "Andenken" aus dem gerade zu Ende gegangenen Frankreich-Kurztrip habe ich mich schon auf deren Anwendung gefreut: 4 kg feinste Schalotten zum Schnäppchenpreis von 2,50 EUR/kg – und eine schöner als die andere.
    Wie steht schließlich schon auf der Büro-Tasse aus dem "Park Astérix" (Mitbring-Jahrgang 2001 ...) unter einem entsprechenden Obelix-Konterfei: "Pour démarrer la journée rien ne peut égaler une cuisse de sanglier ...

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