Im Prinzip sind die Gezeiten eine der zuverlässigsten Energiequellen
Es ist paradox: Im Prinzip sind die Gezeiten eine der zuverlässigsten Energiequellen, die man sich vorstellen kann. Sie sind nur unwesentlich von Wind und Wetter abhängig, und überhaupt nicht vom Klima. Man kann sie genau vorausberechnen. Zwei Tage nach Vollmond und zwei Tage nach Neumond laufen sie am höchsten auf, zur Tag- und Nachtgleiche erreichen sie Spitzenwerte. In der Förde vor Eday ist das Wasser ständig in Bewegung, sogar wenn es anderswo in den Stunden zwischen Ebbe und Flut still steht.
Frankreich nahm schon 1967 in der Mündung der Rance bei Dinard ein Gezeitenkraftwerk in Betrieb, das ähnlich wie ein Wasserkraftwerk funktioniert. Seine 24 Turbinen sind in einen Staudamm eingebaut, hinter dem die Flut aufgestaut wird. Sie liefern genug Strom, um drei Prozent des Bedarfs der Bretagne abzudecken. Ähnliche, kleinere Kraftwerke entstanden in Kanada und Russland. In Großbritannien wurde jahrelang ein 16 Kilometer langer Deich quer über die Mündung der Severn bei Bristol geplant, damit sollen 216 gigantische Turbinen fünf Prozent der englischen Elektrizität produzieren. Doch der Bau scheiterte an ausufernden Kosten – und am Widerstand von Umweltschützern. Die mit einem Dammbau verbundenen massiven Eingriffe in die Natur haben der Begeisterung für diese Art der Stromerzeugung ein Ende gesetzt.
Die Alternative sind frei stehende Kleinkraftwerke wie das vor Eday. Dessen irischer Hersteller setzt auf Turbinenparks, die unter Wasser installiert werden sollen. Diesem Prinzip folgt auch ein tanklastergroßes, gelbes Gebilde, das auf dem Pier der Inselhauptstadt Kirkwall aufgebockt steht. Statt über eine Turbine soll es die Naturgewalten mit Rotorblättern abgreifen wie ein Windrad. Die Verankerungen für seine Installation sind bereits im Meeresboden eingelassen. Sein Hersteller Tidal Generation aus Bristol charterte dafür ein Arbeitsschiff mit automatischer Positionskontrolle, um der Strömung Herr zu werden und nicht einen ähnlichen Reinfall wie OpenHydro zu erleben. Die Gebühren, die so ein hoch spezialisiertes, für die Öl- und Gasindustrie konstruiertes Schiff bei der Installation kostet, fallen allerdings mit mehreren hunderttausend Pfund pro Tag völlig aus dem Rahmen.
Mit dem notwendigen Geldaufwand lassen sich derartige Kraftwerke sicher zur Serienreife entwickeln. Doch verglichen mit normaler Wasserkraft, stellt die Nutzung der Meeresenergie unvergleichlich höhere technische Anforderungen. In Wasserkraftwerken im Binnenland treibt das Wasser die Turbinen mit künstlich gebündelten Fallgeschwindigkeiten an – und die sind viel größer als selbst das Fließtempo des Meeres vor Eday.
Dennoch befürchtet ein Freund Sinclairs, der letzten Herbst bei der Installation der Oyster dabei war und uns auf dem Bootstrip nach Eday begleitet, die auf dem Meeresboden verankerte Klappe werde den nächsten Winter nicht so anstandslos überstehen wie den vergangenen. Seit neun Monaten hat es kein Mal richtig gestürmt, und das falle völlig aus der Norm. Im Schnitt alle fünfzig Jahre fährt eine über dreißig Meter hohe Welle über die Klippen der Orkneys, eine Woge, so hoch wie ein zehnstöckiges Haus.
Die Meereskraft ist gewaltig, doch sie zu kanalisieren, ist bislang noch niemandem gelungen.
Auf der Rückreise zum schottischen Festland läuft die Fähre MV Hamnavoe in eine sommerlich sanfte Dünung aus. Bevor sie Kurs auf die Bucht von Scrabster nimmt, steuert sie auf ein Konglomerat von teils leer stehenden Hallen, Werkstätten und Türmen zu.
Der Norden Schottlands war schon einmal das Zentrum einer hoffnungsträchtigen neuen Energiequelle. Auf dem Fabrikgelände entstanden in den fünfziger und sechziger Jahren drei schnelle Brüter. Der erste war ein reiner Prototyp, der zweite speiste als weltweit erster Reaktor seiner Art Strom ins Netz, der dritte produzierte hinreichend Elektrizität für 160.000 Menschen. 1994 setzte die Regierung Thatcher dem Unternehmen ein Ende – es war zu teuer. Im März dieses Jahres wurde die Reaktorkugel zu Altmetall zerlegt.
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- Datum 03.09.2010 - 16:14 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 02.09.2010 Nr. 36
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als die wesentlich weniger freundliche als vielmehr strahlende Zukunft, die uns die Merkel'sche Atompolitik einbrockt.
Aber, wie antwortete (plötzlich irgendwie resignierend wirkend) bereits ehedem Herr Steinbrück, auf die entsprechende Nachfrage eines Journalisten in etwa: "Ja, die Macht der Lobbyisten und ihr Einfluss ist schon sehr groß in Deutschland!"...
es kommt nur so ein gefuehl rueber. traut der autor sich etwa nicht seine meinung klarer zum ausdruck zu bringen? ein bisschen wischi waschi...
wenn man den letzten absatz da noch hinten ran haemmert, was nicht unbedingt noetig waere, darf man den begriff brueter (oder brutreaktor!) doch wenigstens erklaeren.
hm.
die grafik ist gut.
der Lokallobbyismus, wenn man die Energie dort gewinnen will, wo die Wähler wohnen. Es sollte aller Ehrgeiz darauf gerichtet sein, bei der Befriedung der Weltregionen hoher Sonneneinstrahlung soweit nötig zu helfen und dort die Energie (bei Schutz der Wasserressourcen) abzugreifen. Dann brauchen wir uns keine kindliche Bastlersorgen um wackelnde, rostende Wellenräder und Tidenschlangen im Atlantik zu machen.
deshalb muss man ihn moeglichst nahe an der Verbrauchszone
erzeugen. Wenn wir wirtschaftliche Formen der Speicherung
oder Umformung z. B. in Wasserstoff erfinden, koennen wir
die Erzeugung dorthin verlagern, wo sie am guenstigsten ist.
deshalb muss man ihn moeglichst nahe an der Verbrauchszone
erzeugen. Wenn wir wirtschaftliche Formen der Speicherung
oder Umformung z. B. in Wasserstoff erfinden, koennen wir
die Erzeugung dorthin verlagern, wo sie am guenstigsten ist.
Wenn man das Islay Kraftwerk als Massstab nimmt, entspraechen 1200 MW der Leistung von rund 60.000 (1) Mini-
kraftwerken! Natuerlich kann man mit Wellenkraft Strom erzeugen oder mit Wasserstoff Autos betreiben. Man tut es nicht, weil wir heute keine wirtschaftliche Technologie dafuer haben. Bei Meereskraftwerken fallen ausser den derzeit immens hoehen Baukosten sehr hohe Instandhaltungs-
kosten an. Die Ekologisten vergessen immer den Preis.
Meine Frau faehrt seit 10 Jahren den Lupo3L, immer noch
Weltmeister im Treibstoffsparen. Solides Auto ohne Probleme
aber ein fuer den Hersteller ein Flop: Zu teuer, die
Umweltschuetzer waren nicht bereit den Preis zu zahlen.
deshalb muss man ihn moeglichst nahe an der Verbrauchszone
erzeugen. Wenn wir wirtschaftliche Formen der Speicherung
oder Umformung z. B. in Wasserstoff erfinden, koennen wir
die Erzeugung dorthin verlagern, wo sie am guenstigsten ist.
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