Wie viel Steuern zahlt eigentlich ein Österreicher, der nach Abzug der Sozialabgaben und Unkosten jährlich 25.000 Euro verdient und damit zur sogenannten Mittelschicht gehört?

Weil Österreich eine Kastengesellschaft ist, gibt es dazu zwei Antworten:

  1. Wer Bauer oder Bäuerin ist, muss dafür mit großer Wahrscheinlichkeit überhaupt keine Steuern bezahlen. Denn für diese Berufsgruppe gelten eigene Gesetze – ein Staat im Staat. Dabei spielt es keine Rolle, wie viel Sie wirklich verdienen, 20.000, 50.000 oder vielleicht sogar noch mehr Euro. Natürlich verdient die Mehrzahl der Bauern im Jahr netto keine 25.000 Euro, aber selbst für einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb mit fünfzehn bis zwanzig Kühen ist das kein Problem, wenn die Subventionen mit einbezogen werden. Mehr als 16.000 Bauern werden in Österreich Jahr für Jahr mit 25.000 bis 1.000.000 Euro gefördert.
  2. Wer jedoch Angestellter oder Arbeiter oder Wirt oder Handwerker ist, dem knöpft der Staat von 25.000 Euro noch rund fünftausend Euro an Lohn- oder Einkommensteuern ab. Es bleiben also nur noch 20.000 Euro, die man ausgeben kann.

Derzeit gibt es in Österreich rund 170.000 Bauern, aber laut Angaben des Landwirtschaftsministeriums zahlt nur eine kleine Minderheit von 3000 bis 4000 Einkommensteuern – es handelt sich um eine Summe von insgesamt rund 35 Millionen Euro jährlich. Warum so wenig? Sind die Bauern tatsächlich so arm?

Nein, es hat damit zu tun, dass bei den Bauern zur Berechnung der Steuern nicht das reale Einkommen herangezogen wird, sondern ein fiktiver, extrem niedrig angesetzter Vermögenswert des von ihnen bewirtschafteten Bodens. In der Sprache der Finanzbeamten ist das der sogenannte Einheitswert, der in keiner Beziehung zum realen Wert steht und bewusst so niedrig angesetzt ist, dass die Bauern bis auf wenige Ausnahmen – sehr große landwirtschaftliche Betriebe – keine Einkommensteuern zahlen müssen.

Ein konkretes Beispiel: Ich bin Mitbesitzer eines rund 0,7 Hektar großen, bestens erschlossenen, ebenen Grundstücks, das landwirtschaftlich genutzt wird. Da es aber als Baugrund ausgewiesen ist, könnte es jederzeit bebaut werden. Zieht man den ortsüblichen Quadratmeterpreis in Betracht, hat das Grundstück einen Wert von mindestens 300.000 Euro. Wie hoch der Staat es einschätzt, lässt sich am »Einheitswert« ablesen, der zuletzt im Jahr 1988 festgelegt wurde: Es sind 3000 Schilling oder umgerechnet 218 Euro. Dieser Betrag ist die Basis für die zu entrichtende Grundsteuer. Und das sind pro Jahr lächerliche 3,50 Euro! Selbst einen zehnfach höheren Wert würde ich nicht als übertrieben einstufen. Mit dieser Haltung bin ich allerdings in der Minderheit. Denn die Österreicher nehmen es ohne Murren hin, wenn der Staat Arbeitsleistungen hoch und immer höher besteuert, hingegen Vermögen, in welcher Form auch immer, steuerlich fast ungeschoren lässt. 

Bleiben wir bei diesem Steuerbeispiel. Nehmen wir an, ich sei Landwirt, ein durchschnittlicher österreichischer Landwirt, der rund 35 Hektar bewirtschaftet, mit Ackerland, Wiesen und kleinem Wald. Wie viel Grundsteuer müsste ich bezahlen? Aus den Statistiken im Grünen Bericht 2009 lässt sich erschließen, dass der Staat im österreichweiten Durchschnitt einen Hektar land- und forstwirtschaftlichen Grund mit rund 414 Euro Einheitswert einstuft und dafür rund 4,30 Euro kassiert. Als Bauer mit 35 Hektar Grund müsste ich also rund 150 Euro Grundsteuer an den Staat abliefern. Spielen wir dieses Steuerspielchen weiter, denn der Einheitswert ist bei Landwirten die Basis für die Berechnung aller wesentlichen Abgaben an Staat und Behörden. Aufgrund des niedrigen Einheitswertes wäre ich jedenfalls von jeder Einkommensteuer befreit, und es wäre egal, wie viel ich tatsächlich verdiene und wie viel Subventionen ich erhalte.

Für Krankenkasse, Pensions- und Unfallversicherung müsste ich den Mindestsatz bezahlen, das sind rund 4000 Euro im Jahr. Für die Mitgliedschaft in der Kirche, Stempel- und Rechtsgebühren wären auch nur Mindestgebühren fällig. Und von den Rundfunkgebühren wäre ich befreit.