Ende Juli fassten die Vereinten Nationen einen historischen Beschluss: das Menschenrecht auf Wasser zu garantieren. Vor allem Bolivien hatte sich für den Anspruch jedes Bürgers auf eine verlässliche Wasserversorgung stark gemacht. Geburtshelfer im Hintergrund waren auch zwei Kanadier: Tony Clarke und Maude Barlow.

Seit Jahren streiten die beiden Autoren des Bestsellers Blaues Gold dafür, dass Wasser besser bewirtschaftet und gerecht verteilt wird. Wie sie Expertise mit praktischem Handeln verbinden, ist ein Paradebeispiel für die Art von Leistungen, die der Alternative Nobelpreis auszeichnet. Barlow und Clarke haben ihn 2005 erhalten. In der kommenden Woche werden sie in Bonn gemeinsam mit 78 weiteren Preisträgern den dreißigsten Jahrestag dieser Auszeichnung feiern.

Die Laureaten des Right Livelihood Award, wie der Preis offiziell heißt, kommen aus aller Welt, von Thailand bis Burkina Faso, von Argentinien bis zu den Marshallinseln. Darunter der Mediziner Zafrullah Chowdhury, Initiator der »Volksgesundheitsbewegung« für die Armen in Bangladesh, der Ägypter Ibrahim Abouleish, dessen ländliche Gemeinschaft Sekem in der Wüste biodynamische Produkte anbaut, oder die Vorkämpferin für Nahrungsmittelsicherheit, die US-Amerikanerin Frances Moore Lappé. Wie sie sind die meisten Preisträger Pioniere lokal angepasster Entwicklungsstrategien. Deren sozial-ökologische Ausrichtung, anfangs belächelt, wird zunehmend auch an Universitäten, in Entwicklungsorganisationen und globalen Institutionen gefördert. »Boten aus der Zukunft« sollte der Preis ehren. Nach dreißig Jahren zeigt sich: Häufig haben die Jury und der Stifter Jakob von Uexküll erstaunliche Weitsicht bewiesen.

Seine Idee ist so alt wie Greenpeace und die Ökopartei, Fotos von der ersten Preisverleihung lassen die gemeinsamen Wurzeln sofort erkennen. Darauf scheint der langhaarige von Uexküll im dunklen Anzug zu fremdeln, als er dem Beatnik Stephen Gaskin die Urkunde überreicht. Gaskins Hippie-Kommune Plenty International hatte mit der One-World-Handelsgesellschaft einen Grundstein für die Fair-Trade-Bewegung gelegt.

Jakob von Uexküll und seine Mitstreiter wollten damals den Friedensnobelpreis um ein umfassenderes Friedenskonzept ergänzen. Das Stockholmer Blitzlichtgewitter sollte nicht nur auf Regierungsmitglieder und Diplomaten niedergehen, sondern auch auf Bürger, die sich für mehr Demokratie und Menschenrechte, Nord-Süd-Gerechtigkeit und pfleglichen Umgang mit natürlichen Ressourcen einsetzten, um Krisen und Konflikten vorzubeugen. Überdies kritisierte die Jury die »ideologische und kulturelle Enge« der »offiziellen« Wissenschaftsnobelpreise, »vor allem bei Ökonomie und Medizin«. Sie wollte auch Wissenschaftler würdigen, die »herrschende Dogmen infrage stellen«.

1996 zum Beispiel den wachstumskritischen Wirtschaftswissenschaftler Herman Daly , der schon früh die Ökonomie als Teil des Ökosystems beschrieben hatte und forderte, ihren Ressourcen- und Energieverbrauch den Beschränkungen der Natur zu unterwerfen. Seine Bücher stehen heute auf der Leseliste von Regierungskommissionen, die über die Grenzen des Wirtschaftswachstums nachdenken. Und weil bis 2002 trotz der großen Bedeutung der Photovoltaik noch kein Solarforscher den Nobelpreis für Physik empfangen hatte, bekam der australische Technologietüftler Martin Green den Right Livelihood Award. Zu seinen Studenten gehörte der Gründer der chinesischen Solarfirma Suntech Power und heutige Milliardär Zhengrong Shi.