So ein Ökolabel ist eine feine Sache. Wer einen neuen Kühlschrank oder eine Waschmaschine kaufen will, dem sticht das Signal sogleich ins Auge. Ein grün unterlegtes A steht für ein gutes Umweltgewissen, ein rot unterlegtes F oder G dagegen für hohen Energieverbrauch. Das Ökolabel, das von A bis G die effizienten von den Strom fressenden Geräten unterscheidet, hilft der Umwelt und der Haushaltskasse.

Analog zu den Haushaltsgeräten sollen nach dem Willen der Bundesregierung künftig auch neue Autos in solche Energie-Effizienzklassen eingeteilt werden. Von Anfang nächsten Jahres an könnte dann der Verbraucher auf einen Blick erkennen, wie klimafreundlich ein neues Auto unterwegs ist. Auch das klingt prima.

Doch wenn man sich den vom Bundeswirtschaftsministerium vorgelegten Entwurf mit dem sperrigen Titel Pkw-Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung genauer anschaut, kommt man ins Grübeln: Danach bekäme nämlich ein 2,5 Tonnen schwerer BMW ActiveHybrid X6, der 231 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstößt, ein halbwegs freundliches C, ein 875 Kilogramm leichter Citroën C1, der 106 Gramm CO₂ pro Kilometer emittiert, aber nur ein D; Dickschiffe wie der Porsche Cayenne S Hybrid (193 g/km) oder der Audi Q7 3.0 TDI (195 g/km) schafften beide ein beruhigendes B, während der kleine Toyota Aygo (106 g/km) mit einem D vorliebnehmen müsste – und der Smart mhd trotz Start-Stop-System (103 g/km) gar mit einem tiefroten E. Wie kommt das?

In die Formel zur Berechnung der Effizienzklassen fließt nach dem Regierungsentwurf nicht nur die CO₂-Emission, sondern auch das Gewicht des Fahrzeugs ein. Damit darf ein schwerer Geländewagen doppelt so viel Benzin oder Diesel konsumieren wie ein leichter Kleinwagen – und erhält trotzdem keine schlechtere Effizienzbewertung.

Man wolle die verzerrte Darstellung absoluter Emissionswerte vermeiden und dem Verbraucher eine bessere Orientierung für das ihn interessierende Fahrzeugsegment geben, heißt es schönfärberisch in der Begründung. Von »Mogelpackung« sprechen dagegen der umweltbewegte Automobilclub VCD und andere Umweltverbände. Selbst die jeglicher Autofeindschaft unverdächtige Auto-Bild stellt fest: »Ökolabel bevorzugt schwere Autos«.

Ist die Regierung wieder mal vor der deutschen Autolobby eingeknickt? So sehen es Kritiker aus Umweltverbänden, und von der Hand zu weisen ist der Verdacht nicht. Die Berechnungsformel ähnelt der Kurve, mit der die Bundesregierung schon die EU-Vorgaben für den künftigen Flottenverbrauch der Neuwagen zugunsten der deutschen Marken krümmte. Auch jetzt wieder kommt die Vorgabe aus Brüssel, und Deutschland setzt sie eigenwillig um. Schließlich sind es nach wie vor BMW, Mercedes, Audi oder Porsche, die den Markt für große Pkw dominieren. Bei Kleinwagen versuchen die Hersteller dagegen gerade erst Anschluss zu gewinnen.