Bioökonomie Und bald ist einfach alles bio
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Wo der Rat »Biotechnologie« schreibt, ist oft Gentechnik gemeint

Was für eine faszinierende Herausforderung für Wissenschaftler, alle Neben-, Folge- und Kuppelprodukte der biologischen Wertschöpfungskette zu nutzen und zugleich Emissionen zu vermindern sowie Ressourcen zu schonen! Mehr noch: Das alles soll individuell eingebettet sein in jeweils unterschiedliche ökonomische und soziale Zusammenhänge.

Aber es klingt, als habe der Rat alle Argumente möglicher Kritiker vorab zu erwidern versucht. Das wird diese kaum besänftigen.

Denn unterschwellig legen die Ratsmitglieder den Schwerpunkt ihrer Empfehlungen auf die Entwicklung neuer Hightech-Agrarprodukte. Und wo sie »Biotechnologie« schreiben, ist oft Gentechnik gemeint . »Grundsätzlich sollten Biotechnologie und ökologische Landwirtschaft nicht als Gegensätze verstanden werden, sondern sich ergänzen«, dekretiert die Studie. Das klingt zwar gut, doch lassen sich Gegensätze wirklich so einfach ex cathedra auflösen?

Das Reizwort »synthetische Biologie« taucht lapidar in Nebensätzen auf, als sei es eine Selbstverständlichkeit künftiger Entwicklung. Dabei steckt die Erforschung künstlicher Mikroorganismen, die Schadstoffe ab- oder Wertstoffe aufbauen sollen, noch im Anfangsstadium. Über die Risiken wird jetzt schon eifrig gestritten.

»Rechtliche Unsicherheiten, die die wirtschaftliche Anwendung von neuen Forschungsergebnissen behindern, sind zu klären«, heißt es lapidar im Gutachten. Doch im Streit um europäisches und nationales Recht sowie die Interessen der Bundesländer im Umgang mit transgenen Pflanzen eskaliert die Auseinandersetzung gerade. Was heißt es da, wenn der Rat »einheitliche länderübergreifende Grundsätze, zum Beispiel für Import von Biomasse und Zulassung entsprechender Kulturpflanzen zum Anbau« fordert? Heißt das im Klartext: Die EU soll über Zulassung, die europäische Lebensmittelbehörde EFSA über Anwendung und Risiken der Agro-Gentechnik zentral befinden?

Auf den 60 Seiten klaffen oft Wunsch und Wirklichkeit auseinander, auch viele Ziele widersprechen einander. Ein Beispiel: »Die Vorteilhaftigkeit lokaler Erzeugung gegenüber transnational erzeugten und gehandelten Produkten ist dabei zu beachten.« Demgegenüber fordern die Gutachter aber explizit die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands – zumindest potenziell auf Kosten lokaler Produzenten.

Das Papier – immerhin die Blaupause für die Strategie der Regierung in einer zentralen Zukunftsfrage – stellt zwar eine Vielzahl wichtiger Fragen, eröffnet Forschungsperspektiven, formuliert Erwartungen. Doch es fehlen Prioritäten, die man politisch umsetzen könnte. Und bei aller Komplexität des Themas bleibt Zentrales unbeantwortet: Ist Hunger tatsächlich nur ein Technologie- und Ressourcenproblem? Tragen nicht auch ungeklärte Landrechte, fehlende Bildung, mangelnde Infrastrukturen dazu bei? Wie sollen sich Entwicklungs- und Schwellenländer unsere Hightech-Innovationen leisten können? Brauchen sie nicht in Wahrheit ganz andere Neuerungen?

Und das Spektrum der Disziplinen, die der Rat in den Dienst der Bioökonomie stellen will, ist bei aller Breite noch zu eng. Sozialwissenschaftler müssten prüfen, welche Innovationen sich unter welchen Bedingungen durchsetzen können. Juristen und Ethiker müssten rechtliche und gesellschaftliche Grenzen erkunden.

Die 60 Seiten Expertise sind noch kein Strategiepapier, sondern bestenfalls ein Arbeitsauftrag. Denn am Ende muss unsere – vorerst noch fiktive – Bioraffinerie nicht nur ökonomisch und ökologisch funktionieren. Sie muss auch so aufgebaut werden, dass sie im echten Leben auf Akzeptanz stößt.

 
Leser-Kommentare
  1. Warte nur, ich entwickle dir schnell eine neue Technologie, das dauert meiner Schätzung nach bis 2020/2030, aber dann hast du bestimmt keinen Hunger mehr, denn es braucht nur eine Effizienzsteigerung um deinen Hunger zu stillen. Schließlich ist es ja kein Verteilungsproblem, und wir produzieren nicht etwa schon bei weitem genug Nahrung um auch dich zu ernähren. Nein, das wäre ja obszön dir dann zu versprechen, dass für dich bei einer verbesserten Effizienz in der Produktion auch etwas abfällt!

  2. Es gibt ein Verteilungsproblem!

    Und das schon immer!

    Nicht das wirtschaften ist das Problem, sondern die Ethik die meist fehlt!

    • Buh
    • 08.09.2010 um 23:30 Uhr

    ....täuscht aber nicht darüber hinweg, dass auch bei Bio Tiere missbraucht werden für Menschlichen Zweck. Sie Leiden und werden getötet, damit wir fetter werden, und das ohne dass wir es wirklich müssen. Es ist ein Luxus, den wir usn genehmigen.

    Da nützt keine noch so tolle Technik und kein noch so motivieter Biobauer. Das ermorden und essen von Empfindsamen Wesen ist nach meineme thischen Empfinden ein Graus und gehört endlich öffentlich Diskuttiert.

    Schade, dass die MEdien leiebr Sensationslüsternen Hetzern oder Lobbyisten ihre Seiten gönnen, anstatt den angagierten tierschützern. Warum schreiben Sie nicht öfter mal was über den Deutschen Tioerschutzbund und bringen seine Kampagnen mehr in die Öffentlichkeit? Ich fidne es ehrlich gesgat falsch, dass Sie ihn auf diese eklatante Weise ignorieren. ebenso die vielen anderen Tierschutzorganisationen. Ich dachte immer die Medien müssen die Dinge zeigen die wichtig für dei Menschen sind. Wenn man bedenkt , dass alleine der Deutsche Tierschutzbund mehr Mitlgieder hat als jede deutsche Partei ist mir einfach unerklärlich, warum sie seine Forderrungen und Kampagnen so konsequent ignorieren.

    Fazit: Hört auf Tiere zu ermorden, liebe Mitmenschen. Es geht auch ohne in der modernen, westlichen Welt.

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