Thilo Sarrazin Fremdeln im Vorstand
Schon länger will der Bundesbankchef Axel Weber den Kollegen Sarrazin loswerden. Jetzt zogen die anderen Führungsleute mit.
© Carsten Koall/Getty Images

Die Entscheidung Thilo Sarrazin in den Bundesbank-Vorstand zu berufen, war vor allem politisch motiviert
Wer die Zentrale der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main besucht, der steht irgendwann vor einer bunt lackierten Ausstellungstafel. Sie berichtet von den Kämpfen der Notenbank gegen die Politik. Es sind Geschichten über Siege. 1997 etwa, als man Helmut Kohl den Zugriff auf Bundesbankgold verweigerte. Unabhängig, der Stabilität des Geldes verpflichtet, den Zwängen der Parteipolitik enthoben, so sehen sie sich selbst in der Bundesbank – und so wünschen sich auch die Deutschen ihre Notenbank. Demokratie schön und gut, aber beim Geld hört der Spaß auf.
Tagelang war die Bundesbank in eine zutiefst politische Auseinandersetzung verwickelt. Erstmals in ihrer Geschichte hat sie beim Bundespräsidenten die Abberufung eines Vorstandsmitglieds beantragt . Der wegen seiner Thesen zur Migration umstrittene frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin sollte gehen. Nun geht er selbst. Die Politik wollte einen unbequemen Mahner mundtot machen, sagen die Kritiker.
Tatsächlich ist die Sache komplizierter. Die Geschichte beginnt mit einer Fehlentscheidung vor eineinhalb Jahren – und entfaltet sich von da an mit der Logik eines klassischen Dramas.
Die Zeiten, in denen die Bundesbank gemeinsam mit der amerikanischen Federal Reserve und der Bank von Japan die globalen Finanzmärkte dirigierte, sind vorbei. Die Geldpolitik wird seit Einführung des Euro bei der Europäischen Zentralbank (EZB) gemacht. Die Bundesbanker haben sich neue Aufgaben gesucht. In der Frankfurter Zentrale arbeiten einige der klügsten Ökonomen im Lande. Ob Euro-Rettung oder Bankenhilfen – die Blaupausen vieler staatlicher Initiativen im Kampf gegen die Finanzkrise wurden von ihnen entwickelt. Heute sind sie in internationalen Gremien wie dem Finanzstabilitätsrat der G20 dabei, wenn es an die Ausgestaltung neuer, strenger Finanzregeln geht.
Das alles geht nur mit erstklassigem Führungspersonal. Seit Langem beklagt sich der Bundesbankpräsident Axel Weber im kleinen Kreis darüber, wie Posten im Vorstand vergeben werden. Dabei zählen Parteibuch und Regionalproporz oft mehr als fachliche oder sonstige Qualifikation.
So ähnlich war es auch im Fall Sarrazin, der gegen den Willen Webers vom Berliner Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit nach Frankfurt geschickt wurde. Wowereit wollte seinen aufmüpfigen Finanzsenator loswerden, Bundesrat und Regierung winken die Personalie am 6. Februar 2009 durch. Hätte sich die Politik anders entschieden, die Geschichte wäre zu Ende.
Sarrazin nimmt das Angebot an. Die Bundesbank mag an Bedeutung verloren haben, der Vorstandsjob ist ein Spitzenposten mit hohem Gehalt und hohem Ansehen. In den ersten neun Monaten verdiente Sarrazin 154.799,12 Euro – das sind auf ein Jahr hochgerechnet gut 200.000 Euro und damit mehr, als ein Bundesminister erhält. Und als Notenbanker braucht er sich um seinen Job in der Regel keine Sorgen zu machen, ist er doch praktisch unkündbar.
- Datum 10.09.2010 - 09:33 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 09.09.2010 Nr. 37
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Sarrazin war Finanzsenator in Berlin und hat in dieser Zeit alle Möglichkeiten, die sog. Integration zu begünstigen, verabsäumt. Weder hat er die nötigen Gelder für mehr Lehrer, größere Klassenzimmer, interessanteres Unterrichtsmaterial, modernere Lehrpläne, Jugendzentren, Fachpersonal, Mädchenzentren mobil gemacht noch wirklich forschrittliche Gedanken (= Ausgaben) zugelassen. Bedenkt man, dass in Berlins Kitas Erzieherstellen mit MAE-Kräften besetzt werden, die größtenteils keine pädagogischen Erfahrungen haben, weiß man, wie schlimm dieser Finanzsenator an diesen Stellen Verwüstung zu verantworten hat. Sarrazin saß am Drücker... Hinterher schimpfen gilt nicht. Ist aber typisch : beleidigt, dass er nicht mehr der Gutsherr sein darf, schimpft er nun auf die "Ungebildeten", die ihm das alles vermasselt haben. "Die Proleten" tönte es früher aus diesen Schichten (die auf anderer Ebene völlig bildungsfern sind). Vielleicht einfach mal eine Familienaufstellung machen und erst die eigenen Traumata heilen, um die nötige Klarheit zur Heilung der Gesellschaft zu gewinnen?
Dass Wowereit die Versetzung Sarrazins begünstigt hat, ist das Lustigste dran. Wowereit, der in Talk-Shows über die integrierten Gemüsehändler schwadroniert, dreht sich stets nach dem Wind und macht die Zerkleinerungstaktik: alles was mit -chen endet, ist gut. Vorsicht, Rattengift!
Nachher kann ich das Buch der Frau Heisig abholen, und ich gehe doch davon aus, darin heisse Danksagungen an Herrn S. zu finden, von wegen Begeisterung und Unterstützung und stete Förderung der Verwealtungsvereinfachung und so!
Und seine Verdienste um die Sportförderung (Golf- und Landclub Berlin-Wannsee e. V.) haben Sie auch nicht gerecht beurteilt!
@senorab
Insgesamt gibt es 8 Senatsverwaltungen in Berlin. Unter anderem für Bildung, für Inneres, für Integration, Arbeit und Soziales, für Wirtschaft, Technologie und Frauen.
Und Sie gehen wirklich davon aus, dass Hr. Sarrazin als Finanzsenator die anderen Senatoren von Ihrer Arbeit abgehalten hat? Sie geben Ihm die Schuld, für die Einstellungskriterien bei KITA Erzieherinen?
Warum sind die Missstände in Hamburg und anderen Großstädten ähnlich wie in Berlin, obwohl Hr. Sarazzin hier nicht tätig war? Die These, dass alle Missstände darauf zurückzuführen sind, dass Hr. Sarrazin die entsprechenden Mittel nicht bereitgestellt hat, ist sehr schwach.
Nachher kann ich das Buch der Frau Heisig abholen, und ich gehe doch davon aus, darin heisse Danksagungen an Herrn S. zu finden, von wegen Begeisterung und Unterstützung und stete Förderung der Verwealtungsvereinfachung und so!
Und seine Verdienste um die Sportförderung (Golf- und Landclub Berlin-Wannsee e. V.) haben Sie auch nicht gerecht beurteilt!
@senorab
Insgesamt gibt es 8 Senatsverwaltungen in Berlin. Unter anderem für Bildung, für Inneres, für Integration, Arbeit und Soziales, für Wirtschaft, Technologie und Frauen.
Und Sie gehen wirklich davon aus, dass Hr. Sarrazin als Finanzsenator die anderen Senatoren von Ihrer Arbeit abgehalten hat? Sie geben Ihm die Schuld, für die Einstellungskriterien bei KITA Erzieherinen?
Warum sind die Missstände in Hamburg und anderen Großstädten ähnlich wie in Berlin, obwohl Hr. Sarazzin hier nicht tätig war? Die These, dass alle Missstände darauf zurückzuführen sind, dass Hr. Sarrazin die entsprechenden Mittel nicht bereitgestellt hat, ist sehr schwach.
Sehr missverständlich! Ist das nun Ironie oder Häme?
Google würde fragen
Meinen Sie "des Landes"?
Ein Bundesbank-Vorstand, der Zeit für eine ausgedehnte Leserreise hat. Für alle Normalos ist schon der private Gebrauch von Geschäftspapier gefährlich - mindestens aber ein geldwerter Vorteil.
Aber Sarrazin hat auch Recht. Deutschland schafft sich ab. 90 Prozent derer, die ihm heute hinterherlaufen, hätten durch den Politiker Sarrazin nur Nachteile. Brecht hat recht: Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber!!!
Zu Korfström:Wo leben Sie eigendlich,glauben Sie wirklich dass die Mehrheit nur Dumme Kälber sind.Wenn Sie oft unter Weißblauen Himmel auf der Wiese sind dann sind Sie ein Rindvieh oder?Leute wie sie können sich über die Mehrheit ärgern aber hoffendlich nichts daran ändern.
Zu Korfström:Wo leben Sie eigendlich,glauben Sie wirklich dass die Mehrheit nur Dumme Kälber sind.Wenn Sie oft unter Weißblauen Himmel auf der Wiese sind dann sind Sie ein Rindvieh oder?Leute wie sie können sich über die Mehrheit ärgern aber hoffendlich nichts daran ändern.
Nachher kann ich das Buch der Frau Heisig abholen, und ich gehe doch davon aus, darin heisse Danksagungen an Herrn S. zu finden, von wegen Begeisterung und Unterstützung und stete Förderung der Verwealtungsvereinfachung und so!
Und seine Verdienste um die Sportförderung (Golf- und Landclub Berlin-Wannsee e. V.) haben Sie auch nicht gerecht beurteilt!
Leider verstehe ich den Zusammenhang Ihres Kommentars mit meinem nicht.
Leider verstehe ich den Zusammenhang Ihres Kommentars mit meinem nicht.
Falsch. Verloren hat die politisch-mediale Kaste der BR Deutschland, vor allem aber Frau Merkel, die völlig abgehoben von der Realität agiert und sich eine Scheinwirklichkeit zurechtbiegt.
Verloren haben die Mainstreammedien, die kritiklos das politisch Erwünschte verbreiteten und versuchgten, Th. Sarrazin zur Unperson zu machen. Nur ist die Kampagne diesmal durchschaut worden, weshalb z. B. die Bildzeitung schleunigst eine Kehrtwende machte.
Gewonnen hat Th. Sarrazin, der nun, da er den Rücken frei hat, weiter als Volkstribun agieren kann und dem die Zustimmung breitester Bevölkerungskreise gewiß ist.
Gewonnen haben alle Bürger, denn die Migartions-Problematik läßt sich nun nicht weiter totschweigen, und wenn die etablierte Politik nicht reagiert, werden es über kurz oder lang neue Parteien und/oder Bürgerbewegungen tun. Der Bürger jedenfalls ist aufgewacht und Th. Sarrazin kommt das Verdienst zu, als erster gerufen zu haben: "Aber der Kaiser (die politische Klasse in D) hat ja gar keine Kleider an!"
Exakt! Nur leider wird es einer langer Weg sein, das Meinungsmonopol in diesem Staate aufzubrechen. Nobert Bolz' hoffnungsvolle Idee, der 68er-Irrsinn werde sich auf biologischem Wege erledigen, ist, fürchte ich, zu optimistisch. Ich tippe manchmal eher auf eine Fortsetzung der Orwellschen Entwicklung. Neusprech haben wir ja schon. Das nächte ist dann eine Art politisch korrekter Stalinismus.
Exakt! Nur leider wird es einer langer Weg sein, das Meinungsmonopol in diesem Staate aufzubrechen. Nobert Bolz' hoffnungsvolle Idee, der 68er-Irrsinn werde sich auf biologischem Wege erledigen, ist, fürchte ich, zu optimistisch. Ich tippe manchmal eher auf eine Fortsetzung der Orwellschen Entwicklung. Neusprech haben wir ja schon. Das nächte ist dann eine Art politisch korrekter Stalinismus.
"In der Bundesbank arbeiten knapp 10.000 Menschen, vom Pförtner bis zum Präsidenten. Sie ist ein Spiegel der Gesellschaft,...."
Immerhin sind die Mitarbeiter alle im öffentlichen Dienst. Dieser unterscheidet sich in sehr vielen für den Lebensweg grundlegenden Aspekten vom Leben in der Privatwirtschaft. In der Privatwirtschaft wären bspw in einem Unternehmen, das seine Geschäftsgrundlage verloren hätte nach so vielen Jahren kaum noch 10.000 Personen beschäftigt. Nur so als Beispiel.
.... demokratischen und rechtsstaatlichen Prinzipien eigentlich nicht vereinbar ist."
Das wäre erklärungsbedürftig. Wieso sollte eine Demokratie keine Positionen haben, deren Hälter sie Unabhängigkeit versucht zu garantieren, wenn die Aufgabe dies erfordert? Dass man allerdings ungenügende Sicherungen im System hat, also die Positionen in Wirklichkeit nicht unabhängig sind wird hier und wurde bereits mehrfach in der Vergangenheit auch bspw bei Richtern sichtbar. Worin sehen Sie einen Bruch der Rechtsstaatlichkeit? Etwa darin, dass das man ein Gesetzeskonstrukt hat, das Unabhängigkeit garantieren soll, dies aber offensichtlich nicht tut? Da haben Sie recht. Das ist ein Skandal!
Ob Gewinner oder Verlierer ist wohl eine Frage der Perspektive und eine Frage des lebenssegmentes (z. B. private Erkenntnis, Jobausübung, Außenwirkung etc.) innerhalb dessen ich den Maßstab anlege.
Dies kann ich auf fast auf alle Akteure dieses Dramas beziehen.
Z. B.:
dass sich ausländische Konkurrenten um das Präsidentenamt der EZB über den Vorgang in Sachen Sarazin freuen könnten, kann ich nicht sehen.
Herr Weber hat immerhin bewiesen, dass er eine heikle Angelegenheit meistern konnte.
Können diese Konkurrenten Vergleichbares vorweisen?
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