Die Sarrazin-Geschicht kennt nur Verlierer
Am letzten Wochenende im August, nach neuen Interviewäußerungen, erreicht die Empörung eine neue Dimension. Diesmal stimmt die Kanzlerin ein und fordert die Bundesbank indirekt zum Handeln auf. Axel Weber ist gerade auf einer Notenbankkonferenz in den Rocky Mountains. Kurz vor Abflug aus Denver wird er informiert. Weber, der im kommenden Jahr an die Spitze der EZB wechseln will, beruft für Montag, den 30. August, gleich nach der Landung gegen Mittag eine Sitzung des Vorstands ein – ohne Sarrazin.
Der Vorgang, so heißt es, lässt sich nicht länger als Privatsache behandeln. Der Präsident ist in einer ausweglosen Situation. Handelt er nicht, wird man ihm vorwerfen, er riskiere den Ruf der Bank und habe seinen Vorstand nicht im Griff. Handelt er, wird man sagen, er setze die Unabhängigkeit der Währungsbehörde aufs Spiel. Er entscheidet sich für Variante zwei, wie damals im Herbst – nur sind diesmal auch die übrigen Vorstände seiner Meinung.
Hat sich die Bundesbank damit dem politischen Druck gebeugt? Dafür spricht die zeitliche Abfolge der Ereignisse. Dagegen spricht die Beteuerung mehrerer Vorstände, man habe aus eigenem Antrieb gehandelt. Tatsächlich ist sich die Runde schon am Montag – also noch bevor sich Bundespräsident Christian Wulff indirekt für eine Abberufung ausspricht – einig, dass Sarrazin den Bogen überspannt hat. Die Frage ist jetzt nur noch, wie man ihn loswird.
Es gibt zwei Methoden der Auseinandersetzung mit Thilo Sarrazin: die inhaltliche und die formale. Die erste fragt, ob er recht hat, die zweite, ob Äußerungen über Migranten und genetische Dispositionen dem Vorstand einer Zentralbank zustehen. In der Öffentlichkeit geht es vor allem um die erste Frage, in der Bundesbank um die zweite. Zentralbanker genießen eine Unabhängigkeit, die mit demokratischen und rechtsstaatlichen Prinzipien eigentlich nicht vereinbar ist. Man räumt sie ihnen ein, weil die Stabilität des Geldes ein hoher Wert ist. Dafür haben sie sich in allgemeinen politischen Fragen zurückzuhalten. In den USA gelten bereits Kommentare zur Steuerpolitik als Mandatsüberschreitung.
Schon am Montag warnen die Juristen der Notenbank, dass eine Abberufung erhebliche rechtlichen Risiken mit sich bringt. Aus Sicht der Bundesbank wäre ein freiwilliger Rückzug die beste Lösung. Man ist bereit, über Zugeständnisse bei der Pensionsregelung zu reden. Am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag wird weiterverhandelt.
Sarrazin, der an den Sitzungen nur noch in Begleitung seines Anwalts teilnimmt, will einige Tage Bedenkzeit. Die Bundesbank macht klar: Bis Donnerstag muss eine Entscheidung fallen.
Am Donnerstag hat Sarrazin das Angebot nicht angenommen. Inzwischen hat auch die EZB signalisiert, dass sie einen Rausschmiss nicht als einen Verstoß gegen das Gebot der Unabhängigkeit interpretieren würde. Er muss den Sitzungsraum verlassen, der Restvorstand beschließt die Abberufung einstimmig. Am Freitag geht ein Schreiben der Bundesbank an das Kanzleramt, das Finanzministerium und das Bundespräsidialamt. Ihm liegt eine lange Liste mit Äußerungen Sarrazins bei. Sie sollen belegen, dass er nicht die vertraglich geforderte »Mäßigung und Zurückhaltung« gewahrt hat.
Wulff muss nun nicht mehr entscheiden. Doch wegen seiner voreiligen Äußerungen steht auch er in der Kritik. Sarrazin benötigt in der Öffentlichkeit Polizeischutz, und Webers ausländische Konkurrenten im Kampf um die Spitze der EZB freuen sich über seine schlechte Presse in Deutschland.
Diese Geschichte kennt nur Verlierer.
- Datum 10.09.2010 - 09:33 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 09.09.2010 Nr. 37
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Sarrazin war Finanzsenator in Berlin und hat in dieser Zeit alle Möglichkeiten, die sog. Integration zu begünstigen, verabsäumt. Weder hat er die nötigen Gelder für mehr Lehrer, größere Klassenzimmer, interessanteres Unterrichtsmaterial, modernere Lehrpläne, Jugendzentren, Fachpersonal, Mädchenzentren mobil gemacht noch wirklich forschrittliche Gedanken (= Ausgaben) zugelassen. Bedenkt man, dass in Berlins Kitas Erzieherstellen mit MAE-Kräften besetzt werden, die größtenteils keine pädagogischen Erfahrungen haben, weiß man, wie schlimm dieser Finanzsenator an diesen Stellen Verwüstung zu verantworten hat. Sarrazin saß am Drücker... Hinterher schimpfen gilt nicht. Ist aber typisch : beleidigt, dass er nicht mehr der Gutsherr sein darf, schimpft er nun auf die "Ungebildeten", die ihm das alles vermasselt haben. "Die Proleten" tönte es früher aus diesen Schichten (die auf anderer Ebene völlig bildungsfern sind). Vielleicht einfach mal eine Familienaufstellung machen und erst die eigenen Traumata heilen, um die nötige Klarheit zur Heilung der Gesellschaft zu gewinnen?
Dass Wowereit die Versetzung Sarrazins begünstigt hat, ist das Lustigste dran. Wowereit, der in Talk-Shows über die integrierten Gemüsehändler schwadroniert, dreht sich stets nach dem Wind und macht die Zerkleinerungstaktik: alles was mit -chen endet, ist gut. Vorsicht, Rattengift!
Nachher kann ich das Buch der Frau Heisig abholen, und ich gehe doch davon aus, darin heisse Danksagungen an Herrn S. zu finden, von wegen Begeisterung und Unterstützung und stete Förderung der Verwealtungsvereinfachung und so!
Und seine Verdienste um die Sportförderung (Golf- und Landclub Berlin-Wannsee e. V.) haben Sie auch nicht gerecht beurteilt!
@senorab
Insgesamt gibt es 8 Senatsverwaltungen in Berlin. Unter anderem für Bildung, für Inneres, für Integration, Arbeit und Soziales, für Wirtschaft, Technologie und Frauen.
Und Sie gehen wirklich davon aus, dass Hr. Sarrazin als Finanzsenator die anderen Senatoren von Ihrer Arbeit abgehalten hat? Sie geben Ihm die Schuld, für die Einstellungskriterien bei KITA Erzieherinen?
Warum sind die Missstände in Hamburg und anderen Großstädten ähnlich wie in Berlin, obwohl Hr. Sarazzin hier nicht tätig war? Die These, dass alle Missstände darauf zurückzuführen sind, dass Hr. Sarrazin die entsprechenden Mittel nicht bereitgestellt hat, ist sehr schwach.
Nachher kann ich das Buch der Frau Heisig abholen, und ich gehe doch davon aus, darin heisse Danksagungen an Herrn S. zu finden, von wegen Begeisterung und Unterstützung und stete Förderung der Verwealtungsvereinfachung und so!
Und seine Verdienste um die Sportförderung (Golf- und Landclub Berlin-Wannsee e. V.) haben Sie auch nicht gerecht beurteilt!
@senorab
Insgesamt gibt es 8 Senatsverwaltungen in Berlin. Unter anderem für Bildung, für Inneres, für Integration, Arbeit und Soziales, für Wirtschaft, Technologie und Frauen.
Und Sie gehen wirklich davon aus, dass Hr. Sarrazin als Finanzsenator die anderen Senatoren von Ihrer Arbeit abgehalten hat? Sie geben Ihm die Schuld, für die Einstellungskriterien bei KITA Erzieherinen?
Warum sind die Missstände in Hamburg und anderen Großstädten ähnlich wie in Berlin, obwohl Hr. Sarazzin hier nicht tätig war? Die These, dass alle Missstände darauf zurückzuführen sind, dass Hr. Sarrazin die entsprechenden Mittel nicht bereitgestellt hat, ist sehr schwach.
Sehr missverständlich! Ist das nun Ironie oder Häme?
Google würde fragen
Meinen Sie "des Landes"?
Ein Bundesbank-Vorstand, der Zeit für eine ausgedehnte Leserreise hat. Für alle Normalos ist schon der private Gebrauch von Geschäftspapier gefährlich - mindestens aber ein geldwerter Vorteil.
Aber Sarrazin hat auch Recht. Deutschland schafft sich ab. 90 Prozent derer, die ihm heute hinterherlaufen, hätten durch den Politiker Sarrazin nur Nachteile. Brecht hat recht: Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber!!!
Zu Korfström:Wo leben Sie eigendlich,glauben Sie wirklich dass die Mehrheit nur Dumme Kälber sind.Wenn Sie oft unter Weißblauen Himmel auf der Wiese sind dann sind Sie ein Rindvieh oder?Leute wie sie können sich über die Mehrheit ärgern aber hoffendlich nichts daran ändern.
Zu Korfström:Wo leben Sie eigendlich,glauben Sie wirklich dass die Mehrheit nur Dumme Kälber sind.Wenn Sie oft unter Weißblauen Himmel auf der Wiese sind dann sind Sie ein Rindvieh oder?Leute wie sie können sich über die Mehrheit ärgern aber hoffendlich nichts daran ändern.
Nachher kann ich das Buch der Frau Heisig abholen, und ich gehe doch davon aus, darin heisse Danksagungen an Herrn S. zu finden, von wegen Begeisterung und Unterstützung und stete Förderung der Verwealtungsvereinfachung und so!
Und seine Verdienste um die Sportförderung (Golf- und Landclub Berlin-Wannsee e. V.) haben Sie auch nicht gerecht beurteilt!
Leider verstehe ich den Zusammenhang Ihres Kommentars mit meinem nicht.
Leider verstehe ich den Zusammenhang Ihres Kommentars mit meinem nicht.
Falsch. Verloren hat die politisch-mediale Kaste der BR Deutschland, vor allem aber Frau Merkel, die völlig abgehoben von der Realität agiert und sich eine Scheinwirklichkeit zurechtbiegt.
Verloren haben die Mainstreammedien, die kritiklos das politisch Erwünschte verbreiteten und versuchgten, Th. Sarrazin zur Unperson zu machen. Nur ist die Kampagne diesmal durchschaut worden, weshalb z. B. die Bildzeitung schleunigst eine Kehrtwende machte.
Gewonnen hat Th. Sarrazin, der nun, da er den Rücken frei hat, weiter als Volkstribun agieren kann und dem die Zustimmung breitester Bevölkerungskreise gewiß ist.
Gewonnen haben alle Bürger, denn die Migartions-Problematik läßt sich nun nicht weiter totschweigen, und wenn die etablierte Politik nicht reagiert, werden es über kurz oder lang neue Parteien und/oder Bürgerbewegungen tun. Der Bürger jedenfalls ist aufgewacht und Th. Sarrazin kommt das Verdienst zu, als erster gerufen zu haben: "Aber der Kaiser (die politische Klasse in D) hat ja gar keine Kleider an!"
Exakt! Nur leider wird es einer langer Weg sein, das Meinungsmonopol in diesem Staate aufzubrechen. Nobert Bolz' hoffnungsvolle Idee, der 68er-Irrsinn werde sich auf biologischem Wege erledigen, ist, fürchte ich, zu optimistisch. Ich tippe manchmal eher auf eine Fortsetzung der Orwellschen Entwicklung. Neusprech haben wir ja schon. Das nächte ist dann eine Art politisch korrekter Stalinismus.
Exakt! Nur leider wird es einer langer Weg sein, das Meinungsmonopol in diesem Staate aufzubrechen. Nobert Bolz' hoffnungsvolle Idee, der 68er-Irrsinn werde sich auf biologischem Wege erledigen, ist, fürchte ich, zu optimistisch. Ich tippe manchmal eher auf eine Fortsetzung der Orwellschen Entwicklung. Neusprech haben wir ja schon. Das nächte ist dann eine Art politisch korrekter Stalinismus.
"In der Bundesbank arbeiten knapp 10.000 Menschen, vom Pförtner bis zum Präsidenten. Sie ist ein Spiegel der Gesellschaft,...."
Immerhin sind die Mitarbeiter alle im öffentlichen Dienst. Dieser unterscheidet sich in sehr vielen für den Lebensweg grundlegenden Aspekten vom Leben in der Privatwirtschaft. In der Privatwirtschaft wären bspw in einem Unternehmen, das seine Geschäftsgrundlage verloren hätte nach so vielen Jahren kaum noch 10.000 Personen beschäftigt. Nur so als Beispiel.
.... demokratischen und rechtsstaatlichen Prinzipien eigentlich nicht vereinbar ist."
Das wäre erklärungsbedürftig. Wieso sollte eine Demokratie keine Positionen haben, deren Hälter sie Unabhängigkeit versucht zu garantieren, wenn die Aufgabe dies erfordert? Dass man allerdings ungenügende Sicherungen im System hat, also die Positionen in Wirklichkeit nicht unabhängig sind wird hier und wurde bereits mehrfach in der Vergangenheit auch bspw bei Richtern sichtbar. Worin sehen Sie einen Bruch der Rechtsstaatlichkeit? Etwa darin, dass das man ein Gesetzeskonstrukt hat, das Unabhängigkeit garantieren soll, dies aber offensichtlich nicht tut? Da haben Sie recht. Das ist ein Skandal!
Ob Gewinner oder Verlierer ist wohl eine Frage der Perspektive und eine Frage des lebenssegmentes (z. B. private Erkenntnis, Jobausübung, Außenwirkung etc.) innerhalb dessen ich den Maßstab anlege.
Dies kann ich auf fast auf alle Akteure dieses Dramas beziehen.
Z. B.:
dass sich ausländische Konkurrenten um das Präsidentenamt der EZB über den Vorgang in Sachen Sarazin freuen könnten, kann ich nicht sehen.
Herr Weber hat immerhin bewiesen, dass er eine heikle Angelegenheit meistern konnte.
Können diese Konkurrenten Vergleichbares vorweisen?
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